Wolkenhimmel über Ulm

Mein letztes Gedicht 4.9 (8)

Beitragsfoto: Ulm im Sommer

Da saß ich mal wieder zur Nachsorge im Krankenhaus, und die Schlange wurde wieder einmal eher länger als kürzer.

Da ein Soldat bekanntlich die Hälfte seines Lebens vergebens wartet, hat wohl jeder von uns seine eigene Methode entwickelt, wie er diese Zeit am besten verbringt.

Meine war es, mich im Dichten zu üben und die Ergebnisse in einem kleinen Büchlein festzuhalten und dieses aber ganz für mich alleine und versteckt zu halten.

Aus irgendeinem Grund musste ich dann doch über Nacht bleiben, und so geschah es, dass ein Stationsarzt von diesem Büchlein erfuhr und mein letztes Gedicht in Augenschein nahm.

Seine Frage danach war nur, wie ich denn überhaupt zum Dichten käme, und ich erklärte ihm, dass dies meine Art und Weise sei, wie ich längere Wartezeiten überbrücke.

Dieser Arzt muss wohl ein Kunstliebhaber gewesen sein, aber zumindest mochte er Gedichte, denn von diesem Tage an musste ich im Krankenhaus nie mehr so lange warten, dass ich einen Bleistift nur zücken konnte.

Und so kam es, dass dies auch mein letztes Gedicht wurde, welches ich deswegen in besonderer Erinnerung behielt.

Who am I
A cloud in the sky
A beam of the sun
A thought on the run

Whatever I am
A shadow of a man
A part of a piece
A memory in grief

Whenever I can
Be all of a man
Be there if needed
Be till time is defeated

„The only way to survive such an insane system is to be insane oneself.“

Joseph Heller, Catch 22 (1961)

Bettina & Heinrich

Heirat 5 (3)

Beitragsfoto: Elf Jahre später in Polen

Am Freitag, 25. Juni 1993 ging es morgens zuerst aufs Standesamt in Heilbronn und gleich danach auf den Neckarbummler zur Hochzeitsfeier. Die kirchliche Trauung ersparten wir uns, da „unser“ Pfarrer grundsätzliche Probleme mit dem Militär — ich habe in Uniform geheiratet — hatte und zudem damit Schwierigkeiten, dass meine bessere Hälfte „wegen mir“ wieder in die Kirche eingetreten war. Er hätte als Politruk bestimmt noch viele weitere Gründe gefunden, und so ersparten wir ihm diese psychische Belastungssituation und retteten damit für alle Beteiligten den Tag.

Noch in derselben Nacht flogen wir dann als Brautpaar über London nach Kalifornien.

Kurz vor unserem 25. Hochzeitstag holten wir dann in unserer Lieblingskirche, der Martin-Luther-Kirche in Ulm, zusammen mit unserem Lieblingspfarrer die kirchliche Trauung nach — Gottes Segen hatten wir von Anfang an.


Transportkiste Bundeswehr

Dienstbeginn 5 (8)

Beitragsfoto: meine Transportkiste

Nach meinem bestandenen Abitur trat ich als guter Staatsbürger auch sogleich meinen Wehrdienst an, und zwar am Montag, 4. Juli 1983; eigentlich war ich bereits ab dem 1. Juli 1983 Soldat, der Kommandeur des Jägerbataillons 552 fand es aber praktischer, wenn die Rekruten erst am Montag vor der Kaserne stehen.

Ich hatte die Tage zuvor genutzt, um mir mein neues Zuhause schon einmal anzuschauen und dabei auch ausprobiert, ob mein grüner 4 000 Mark Golf 1 die Strecke von Heilbronn nach Böblingen überhaupt schafft. Die Parkplätze für uns Soldaten befanden sich übrigens in Sindelfingen.

Noch in derselben Nacht, so gegen 2 Uhr waren wir alle vollständig eingekleidet, hatten unsere Mehrbettstuben bezogen und bereits sämtliche notwendigen Unterrichte hinter uns. Keine vier Stunden später begann dann der praktische Teil der Ausbildung.

Am 31. Dezember 2014 beendete ich mein aktives Soldatenleben in Ulm und erinnere mich noch heute gerne an die ereignisreichen Zeiten dazwischen, da diese doch wohl auch der größere Teil meines Lebens sind.