Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

26.5.02021 5 (1)

Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Abzocker

Die Zeiten, in denen man noch behaupten konnte, dass unsere Abgeordneten unterbezahlt seien, sind längst vorbei — wenn es diese überhaupt jemals gab. So können wir zumindest heutzutage ganz beruhigt sein, denn unsere Abgeordneten werden für ihre „Volksvertretung“ sehr gut alimentiert, wobei sie letztendlich nicht einmal dazu verpflichtet sind, diese Tätigkeit auch wahrzunehmen.

Hinzu kommt noch, dass es ihnen immer erlaubt ist, ihren Beruf oder andere Aufgaben weiterhin vollumfänglich wahrzunehmen. Und um das Ganze noch abzurunden, dürfen sie sich für ihre ureigene Abgeordnetentätigkeit, wie zum Beispiel „reden“ oder daraus resultierende Mandate, zusätzliche Einkünfte sichern. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, wenn die Diäten eines Abgeordneten für diesen dabei nur noch die Qualität von Portogeld haben.

Deshalb ist es völlig unverständlich, wenn unsere Abgeordneten einzelne Einkünfte nicht mit angeben oder gar dem Finanzamt vorenthalten und sich darüber hinaus weitere geldwerte Vorteile verschaffen — und das, wie wir jetzt wissen, über alle Parteigrenzen hinweg!

Zettelstore

Nicht nur, dass ich mich seit einiger Zeit mit dem Zettelstore auseinandersetze und meine Gedanken damit etwas besser sortiere, gibt es jetzt dazu eine monatliche Chat-Runde, die zusätzliche Anregungen und Hinweise bietet. So freue ich mich, heute wieder daran teilnehmen zu dürfen.

Stadtverwaltung

Es soll Städte geben, da kann man als Bürger tatsächlich noch Anfragen, Anträge oder gar Bitten stellen und bekommt dabei nicht nur innerhalb von vier Wochen eine Eingangsbestätigung, sondern auch eine qualifizierte Antwort.

Es soll sogar vorkommen, dass dabei die Bürgeranliegen auch im Interesse der Bürger bearbeitet und umgesetzt werden. Mein jüngstes positives Beispiel ist eine Spielwiese neben einem Sportzentrum in Ulm, welche von Ortskundigen gerne als Umfahrungsstraße genutzt wurde. Ca. eine Woche nach meinem entsprechenden Anliegen wurden bereits Findlinge gesetzt, und nach einem weiteren Hinweis, diese auch bitte so zu platzieren, dass die ganz unbelehrbaren Mitbürger nicht einfach drumherum fahren, auch entsprechend nachgesteuert.

Die negativen Beispiele aus den letzten sieben Jahren erspare ich mir, da jene Mitbürger, die in einer Stadt nicht nur ihren Wohnsitz haben oder diese nur als sogenannte Schlafstadt nutzen, sicherlich mit eigenen Beispielen aufwarten können. Und wenn Sie ganz aktuelle Beispiele möchten, dann empfehle ich ein Gespräch mit einem Ihrer Bezirksbeiräte — oder einem Anwohner der Gerberstraße.


Synagoge Heilbronn

Synagoge 5 (8)

Beitragsfoto: Synagoge (1900) | © Freundeskreis Synagoge Heilbronn e. V.

Von 1877 bis 1940 stand an der südlichen Allee die alte Heilbronner Synagoge, welche nicht nur durch ihren neo-orientalischen Stil überregionale Bedeutung erlangte.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“ zerstörten und schändeten Heilbronner die Synagoge, wobei sie auch nicht vor Mord und Totschlag an anderen Heilbronner Bürgern zurückschreckten.

Seit 1966 gibt es am Ende des Synagogenweges auf der Allee einen Gedenkstein, der am 5. Mai 1993 durch das Mahnmal „Kuppel“ der Künstlerin Bettina Bürkle ergänzt wurde.

Seit 2004 gibt es einen Freundeskreis Synagoge Heilbronn e. V., der einen Beitrag zur Begegnung von Juden und Nichtjuden in Heilbronn leisten möchte. Und seit 2009 gibt es auch eine Vorrichtung, um einen Chanukkaleuchter vor Ort aufzustellen.

Inzwischen sind mehr als 80 Jahre vergangen, und man könnte sich durchaus auch in Heilbronn darüber Gedanken machen, wieder eine eigene Heilbronner Synagoge zu errichten.

Es ist an der Zeit, dass wir Heilbronner darüber auch eine öffentliche Diskussion beginnen, wie und wo wir eine Synagoge für alle jüdischen Mitbürger und deren Besucher errichten. Zusätzlich könnte man dies mit einem entsprechenden Dokumentationszentrum verbinden, welches das dunkelste Kapitel unserer eigenen Geschichte weiter aufarbeitet und dabei zur interreligiösen Zusammenarbeit einlädt.

Auf jeden Fall müssen sich die Heilbronner schnell darin einig werden, wo sie eine neue Synagoge in Heilbronn haben möchten. Ich persönlich bin für den alten Standort am südlichen Ende der Allee.

Danach sollte die Diskussion darüber geführt werden, ob man die alte Synagoge zu neuem Leben erweckt oder ob man wie z. B. in Chemnitz (2002) und Ulm (2012) ganz neue und sehr markante Gebäude erstellt; bei beiden Eröffnungen durfte ich mit dabei sein und war sehr beeindruckt, was Architektur heute leisten kann.

Dabei kann man darüber diskutieren, ob man die neue Synagoge um ein eigenes Gemeindezentrum oder auch um ein Dokumentationszentrum ergänzt.

Zum Schluss bleibt dann noch die Diskussion darüber, wie man einen solchen Bau finanzieren kann und wie und über welchen Zeitraum hinweg man letztendlich das Projekt „neue Synagoge“ in Heilbronn realisiert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man gerade in der heutigen Zeit, wo Dummheit, Rassismus und Intoleranz wieder neuen Höhepunkten entgegenstreben, eine solche in der gesamten Heilbronner Gesellschaft geführte Diskussion, wobei auch über Verantwortlichkeiten gesprochen wird, für den Zusammenhalt aller Heilbronner sehr wichtig ist.

Was letztendlich dabei herauskommt, steht alleine in den Sternen, aber zeigt dann auch, wo wir Heilbronner uns selber einordnen und was wir noch gemeinsam auf die Beine stellen können.

Abzuwarten, bis es dafür Subventionen aus Europa oder vom Bund bzw. Land gibt, wäre sicherlich die falsche Wahl, denn wir Heilbronner könnten bestimmt weit mehr.

„Hope for a miracle. But don’t depend on one.“

TalmuD

Wolkenhimmel über Ulm

Mein letztes Gedicht 4.9 (8)

Beitragsfoto: Ulm im Sommer

Da saß ich mal wieder zur Nachsorge im Krankenhaus, und die Schlange wurde wieder einmal eher länger als kürzer.

Da ein Soldat bekanntlich die Hälfte seines Lebens vergebens wartet, hat wohl jeder von uns seine eigene Methode entwickelt, wie er diese Zeit am besten verbringt.

Meine war es, mich im Dichten zu üben und die Ergebnisse in einem kleinen Büchlein festzuhalten und dieses aber ganz für mich alleine und versteckt zu halten.

Aus irgendeinem Grund musste ich dann doch über Nacht bleiben, und so geschah es, dass ein Stationsarzt von diesem Büchlein erfuhr und mein letztes Gedicht in Augenschein nahm.

Seine Frage danach war nur, wie ich denn überhaupt zum Dichten käme, und ich erklärte ihm, dass dies meine Art und Weise sei, wie ich längere Wartezeiten überbrücke.

Dieser Arzt muss wohl ein Kunstliebhaber gewesen sein, aber zumindest mochte er Gedichte, denn von diesem Tage an musste ich im Krankenhaus nie mehr so lange warten, dass ich einen Bleistift nur zücken konnte.

Und so kam es, dass dies auch mein letztes Gedicht wurde, welches ich deswegen in besonderer Erinnerung behielt.

Who am I
A cloud in the sky
A beam of the sun
A thought on the run

Whatever I am
A shadow of a man
A part of a piece
A memory in grief

Whenever I can
Be all of a man
Be there if needed
Be till time is defeated

„The only way to survive such an insane system is to be insane oneself.“

Joseph Heller, Catch 22 (1961)