Summerhill Schulgebäude

Die grüne Wolke 4.8 (5)

Beitragsfoto: Aufnahme von der Schul-Website | © A. S. Neill Summerhill School

Als Lesepate stehe ich fast jede Woche vor der Frage, was ich den Schulkindern vorlesen soll oder besser noch vorlesen kann, ohne dabei deren knappe Aufmerksamkeitsspanne zu überfordern.

In den ersten Klassen sind es möglichst schön bebilderte Kinderbücher, wobei ich feststellen muss, dass es dabei vier sehr unterschiedliche Geschmäcker gibt: den der Lehrerinnen, den der Bibliothekarin, den der Kinder und nicht zuletzt der meinige. Dabei merkt man ganz besonders, wie sich die Geschmäcker und Vorurteile alleine im letzten halben Jahrhundert geändert haben, und dies ist so offensichtlich, dass ich mich schon gar nicht mehr traue, mit dem Struwwelpeter um die Ecke zu kommen.

So freue ich mich schon jetzt darauf, einmal außerhalb der Grundschule aus einem ganz anderen Kinderbuch vorlesen zu dürfen, welches zwar bereits während meiner Schulzeit „uralt“ aber dennoch für die meisten damaligen Lehrer noch viel zu „revolutionär“ war.

Es handelt sich dabei um ein Buch von Alexander Sutherland Neill aus dem Jahre 1938, welches gerade heute bei der Jugend aktueller den je sein müsste, und im Original den Titel „The Last Man Alive“ trägt. In Deutschland ist es besser als Die grüne Wolke. Den Kindern von Summerhill erzählt bekannt, und hier erst gut 30 Jahre später, nämlich 1971 erschienen.

Sowohl die Handlung des Buches als auch die Erzähltechnik sind auch heute noch für viele Leser gewöhnungsbedürftig. Weiterhin interessant dabei ist, dass Neill selber Pädagoge war und seine von ihm, nach auch heute sehr umstrittenen Prämissen und Prinzipien, gegründete Summerhill Schule noch existiert.

Ob dort das Buch dort noch immer von Lehrern vorgelesen wird, ist mir allerdings nicht bekannt.

„Hate breeds hate, and love breeds love.“

A. S. Neill, Summerhill School: A New View of Childhood
(1995: 13)

Bundesweiter Vorlesetag

„Mann liest vor“ 5 (4)

Zum 16. bundesweiten Vorlesetag am Freitag, 15. November 2019 durfte ich bereits zum zweiten Mal in einer Klasse der Wilhelm-Hauff-Schule vorlesen.

Der Förderverein der Stadtbibliothek „Lesen-Hören-Wissen“ lädt jedes Jahr im Rahmen des bundesweiten Vorlesetags Männer ein, die in Heilbronner Kindertageseinrichtungen, Schulen, in der Stadtbibliothek sowie in deren Zweigstellen Kindern Geschichten vorlesen.

Gefreut habe ich mich auch darüber, dass ich nach Leseende auf Hans Hambücher getroffen bin, der ebenfalls an der Wilhelm-Hauff-Schule vorlas.

Bei diesem bundesweiten Vorlesetag wollen die Initiatoren DIE ZEIT, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung ein öffentlichkeitswirksames Zeichen für das Vorlesen setzen und damit bei den Kindern Freude am Lesen wecken, um langfristig Lesekompetenz zu fördern und Bildungschancen zu eröffnen.

Und schon jetzt freue ich mich auf den kommenden Freitag, an dem ich wieder als Lesepate und dieses Jahr in einer ersten Klasse vorlesen darf. Das entsprechende Buch liegt schon bereit.

„Resolve to edge in a little reading every day, if it is but a single sentence. If you gain fifteen minutes a day, it will make itself felt at the end of the year.“

Horace Mann, The Common School Journal, Vol. V, No. 19 (2. Oktober 1843: 304)

Schüler

Dammgrundschule 5 (6)

Beitragsfoto: © Shutterstock

Seit gut zwei Jahren bin ich begeisterter Lesepate an meiner alten Grundschule und erinnere mich auch sehr gerne daran zurück, wie unsere Eltern damals schon für uns Lesepatenschaften und -zirkel organisiert und unterhalten haben.

Es hat sich inzwischen viel verändert und bestimmt nicht zum Besten, aber das Engagement der Lehrer vor Ort ist weiterhin mehr als vorbildlich. Auch wenn ich nicht behaupten kann, jemals selbst ein angenehmer Schüler gewesen zu sein, darf ich doch behaupten, dass meine damaligen Lehrer, besonders meine Klassenlehrerin Frau Pfeiler, mit mir keine solchen Herausforderungen kannten, wie sie die heutigen Lehrkräfte vorfinden.

Zu diesen Herausforderungen, zu denen ich auch die Tatsachen zähle, dass zum einen viele Eltern ihre Kinder nur noch in Kindertagesstätten und Schulen „entsorgen“, um sich so wenig wie möglich selbst mit diesen beschäftigen zu müssen, und zum anderen, die Lehrer kaum noch ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht werden können, weil die vorhandenen Defizite ihrer Schüler von Anfang an bereits zu gravierend sind, um halbwegs einen, für diese Verhältnisse ungeeigneten, Lehrplan gemeistert zu bekommen, kommt noch hinzu, dass die Schüler an der Dammgrundschule, seit Jahren in Containern untergebracht, kaum Möglichkeiten vorfinden, um sich altersgerecht auszutoben, damit sie ihren Kopf für Lerninhalte freibekommen und konzentriert dem Unterricht folgen können [zumindest Herr Hofer würde sich über diesen Satz von mir freuen].

Neu kommt jetzt noch hinzu, dass eine weitere ehrenamtliche Einrichtung an der Dammgrundschule, nämlich das brotZeit-Frühstück, Helfer zur Vorbereitung und Ausrichtung eines Schülerfrühstücks sucht. Es wäre sehr schade, wenn sich keine Eltern, Großeltern, ehemalige Dammschüler oder gar weitere Interessierte finden, und damit dieses für die Entwicklung der Kinder sehr wichtige Engagement bald weiter eingeschränkt oder gar eingestellt werden müsste!

Zu Schule und Bildung allgemein habe ich bereits Folgendes geschrieben: https://kuemmerle.name/schule-bildung

„How do you explain school to a higher intelligence?“

Henry Thomas als Elliott in E.T. the Extra-Terrestrial (1982)