Mann mit Hut

Altherren 5 (6)

Beitragsfoto: Mann mit Hut | © Shutterstsock

Ich nehme den Begriff einmal ganz positiv. Auch wenn ich weiß, dass Altherrenwitze bereits seit gut 20 Jahren ausgedient haben. Erstaunlich dabei, als junger Mensch konnte ich noch über diese Witze lachen, nun als alter Herr finde ich sie völlig unpassend. Was insgesamt als Anhalt dafür dienen könnte, dass nicht jeder alte Herr gleich auch aus der Zeit gefallen sein muss.

Leider muss ich es aber vielen Jungen und Junggebliebenen attestieren, dass sie es zumindest bisher nicht schafften, um überhaupt in die Zeit zu passen. Vielleicht aber auch versuchen sie nur den Spagat zwischen selber abgestillt werden und Leistungsrente. Das könnte auch erklären, warum diese genau all jenem hinterherrennen, was auch nur im Ansatz keine Arbeit verspricht oder gar eigene Leistung unnötig machen soll. Was wiederum erklären könnte, dass junge Menschen kaum noch eigene Weblogs betreiben.

Dieser Beitrag wurde von gleich mehreren Altherrenbloggern (positiv gemeint!) getriggert, die sich nicht darüber beklagten, dass kaum noch Junge bloggen, sondern einfach nur feststellten, dass es doch so einige alte Herren gibt, deren Blogs sie gerne lesen. Manche davon zählten dabei auch mein Blog auf und implizierten alleine damit, dass ich mit zu den Altherrenbloggern gehöre.

Was mich tatsächlich ehrt und mich ein wenig daran erinnert, wie es war als man mich plötzlich bat, an einem Dorfstammtisch Platz zu nehmen. Wer mein Blog liest, der weiß, dass ich Stammtische gerne mag, auch dann, wenn diese heutzutage etwas in Verruf geraten sein sollten. Was aber nicht am Stammtisch selbst liegt, sondern einfach nur an manchen Menschen, die nicht für Stammtische geschaffen wurden.

Stammtische sind schon immer eine besondere Art und Weise des Austauschs gewesen, manche wurden nicht nur für die Teilnehmer wertvoll, sondern wirkten sich auch auf die Gesellschaft positiv aus. Es kommt einfach darauf an, was man daraus macht! Ähnlich dürfte es mit den Weblogs sein. Der wesentliche Unterscheid dabei ist, dass wenn ein älterer Herr keine Lust mehr zum Bloggen hat, sein Blog im digitalen Nirwana verschwindet. Fällt ein älterer Herr beim Stammtisch weg, wird einfach nach adäquatem Ersatz gesucht — der Stammtisch bleibt, manchmal gar über Jahrzehnte und Generationen hinweg.

Wann ist man nun aber ein alter Herr? In Burschenschaften und Studentenverbindungen geht es wohl am schnellsten, denn da ist man es, sobald man beruflich auf eigenen Füßen stehen kann. Wobei ich es mit einem Schmunzeln nehme, wenn Frauen in derselben Situation lieber als hohe als alte Damen tituliert werden wollen — wir Menschen sind einfach nicht alle gleich, zumindest noch nicht.

Beim Bloggen dürfte es etwas komplizierter sein. Wenn ich nun z. B. Stefan Pfeiffer, Horst Schulte, Heinz Wittenbrink, Chris Kurbjuhn oder Peter Addor als Altherrenblogger bezeichne, dürfte ich wohl kaum auf Füße treten. Bei anderen Bloggern bin ich mir da nicht so sicher. Und manche andere Blogger wie z. B. Lothar Birkner dürfte es schon gar nicht mehr interessieren.

Viele Blogger bleiben den Lesern in Erinnerung, meist sind deren Blogs einfach nur weg — was man durchaus bedauern kann, wenn man deren Blogs über Jahre hinweg selber gelesen hat.

Aber genau so ist das Leben, man ist plötzlich da, manche werden bemerkt, andere nicht, aber egal wie, alle sind wir dann auch wieder weg. Meiner Meinung nach hat dabei jeder das Recht, vergessen zu werden — auch deren Blogs.

Man schreibt dort einfach etwas hin, drückt mehr oder weniger schnell auf publish und ärgert sich vielleicht manchmal sogar darüber, was man so alles über die Jahre hinweg veröffentlicht hat. Manche pflegen ihre Blogs und nehmen dabei auch überholte oder gar unpassende Beiträge wieder aus dem Netz. Manch andere sind Blog-Puristen und korrigieren nicht einmal gemachte Schreib- oder Zeichensetzungsfehler. Jeder so, wie er es mag. Oftmals ändert sich diese Einstellung dabei über die Jahre hinweg, was Leser vielleicht sogar als positive Blog-Entwicklung goutieren könnten.

Wann ist man nun ein Altherrenblogger (was durchaus auch für Hohedamenbloggerinnen gilt)?

Meiner Meinung nach, sobald man ein paar Jährchen bloggen hinter sich hat. Besser noch, wenn man sich dabei so langsam aber sicher von Reichweite und SEO- oder gar GEO Gedöhns verabschiedet.

Wenn man einfach nur seine — gerne auch völlig ungefilterten — Gedankengänge in die Tasten haut und ins Internet stellt.

Wenn man dabei auch akzeptiert, dass dies Lesern, auch den in den Blog verirrten, nicht gefallen kann und zu entsprechenden Reaktionen verführt.

Wenn man einfach sein eigenes Blog-Ding macht und sich selber daran erfreut, vielleicht auch das eine oder andere dabei lernt, seine eigenen Gedanken sortiert bekommt und dies alles einfach und ganz ungefragt mit der Welt des Internets teilt.

Selbst wenn nur der jeweilige Blogger sich dabei selbst ein wenig besser macht, ist die Welt schon ein klitzekleines Stück besser! Und deshalb sollte jeder Mensch ein Blog haben und vielleicht zudem noch einen Stammtisch, wo man ihn nimmt wie er ist.

Wer das alles erkennt und für sich umzusetzen versucht, der dürfte ein Altherrenblogger sein — egal wie alt er auch ist!


Fediverse Reactions
Konzert

Musikvideo der Woche 5 (5)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Noch bevor ich heute den meseno-Bus bestieg, führte ich eine am Wochenende gestartete Diskussion weiter. Ganz schlicht per E-Mail, denn unser Verband ist noch nicht so weit, dass man sich völlig transparent und über die jeweiligen persönlichen Blogs austauscht. Nach zwei Jahrzehnten vergeblicher Versuche, unseren Verband digitalisieren zu wollen, sind wir nun zumindest schon so weit, dass jene die TikTok und WhatsApp für den letzten Schrei halten, auch mir erklären wollen, wie Internet geht. Ok, sie versuchen zudem, mir Demokratie oder das mit dem Blümchen und der Biene nahezubringen.

Deutschland ist einfach das Land der Erklärbären, damals™ — wohl lange vor meiner eigenen Zeit — war es noch üblich, dass man erst etwas nicht nur selber konnte, sondern nachgewiesen hat, dass man dies auch erfolgreich anwendet, bevor man die Welt mit seinen eigenen Ergüssen füllte. Inzwischen sind wir in einer Zeit angekommen, wo junge Damen felsenfest davon überzeugt sind, dass, wenn sie auch nur irrtümlich ihre Bluse falsch herum anziehen, die reine Inkarnation von Mata Hari und Rosa Luxemburg seien.

Aber auch Banksy wurde wieder einmal enttarnt, was mich zur heutigen Gruppe führt. 35 Jahre später ist die Platte „Blue Lines“ (1991) der Gruppe Massive Attack noch immer ein Ohrwurm. Wohl auch noch wenn die meisten der heutigen Erklärbären längst vergessen sein werden — viele davon sah ich bereits kommen und gehen, die allermeisten davon hinterließen keinen einzigen Fußabdruck.

Massive Attack gründeten sich 1988 in Bristol, eigentlich ein Künstlerkollektiv. Zum Schluss dann noch der Song „Safe from Harm“ vom selben Album.

Und damit lasse ich meine heutigen Attacken vorerst ruhen. denn ich habe noch einiges zu tun, zum Beispiel meine morgige Vorlesung vorzubereiten. Ich freue mich bereits jetzt auf das Nichtkäffchen mit Detlef Stern. Dieser wird sich sicherlich über mein Mitbringsel aus Berlin freuen — das habe ich von Peter Schulze, einem weiteren Blog-Leser, der meinte, dass es sehr passend sei; mein Blog verbindet Welten 😉

Ok, ein Song geht doch noch …

„Teardrop“ (1998) stammt von der Langspielplatte „Mezzanine“ aus demselben Jahr.

Nachtrag 17.3.2026

Lilly Schröder schrieb in der taz einen lesenswerten Artikel zur Banksy-Enthüllung.

Reggie Ugwu und Scott Reyburn (The New York Times) nahmen Banksy ebenfalls unter die Lupe.


Fediverse Reactions
Selfie

Erklärbär 5 (6)

Beitragsfoto: Selfie mit netten Menschen

Seit ein paar Tagen verfolge ich mit großem Interesse eine Diskussion in der bundesdeutschen Bloggeria über Problem- und Erklärbären. Ein klein wenig freue ich mich gar darüber, dass ich zumindest meiner Kenntnis nach weder Ursache oder Betroffener noch Beteiligter an dieser Diskussion bin — zumindest bis jetzt noch.

Auf alle Fälle kann ich meinen deutschsprachigen Mitbloggern versichern, dass diese Art von Austausch nur in unserer kleinen und ganz eigenen Welt möglich ist. Blogger aus anderen Kultur- und Kommunikationsräumen würden sich sicherlich etwas darüber wundern. Für uns Deutschblogger ist es offensichtlich aber eine todernste Angelegenheit.

Noch spannender aber ist es, dass wir Problem- oder Erklärbären überhaupt kein Internet bzw. Weblogs benötigen, um uns mit uns selber zu beschäftigen. In einer ganz anderen Angelegenheit saß ich mit vielen netten Menschen über das Wochenende zusammen, wobei ich weniger nette völlig ignorierte, und wir zudem darüber sprachen, ob ich nun noch Erklärbar oder eher doch schon ein Problembär sei. Heute Morgen so kurz vor 3 Uhr ließ ich mich davon überzeugen, dass ich zumindest zum Problembären tendiere. Die Frage stellt sich mir dabei, kann es das eine überhaupt ohne das andere geben? Noch spannender aber, warum ist dies eher eine bundesdeutsche Eigenart?

Wer ins Internet schreibt, der nimmt dabei in Kauf, dass er auch gelesen wird. Auch wenn ich von Anfang an das Internet als Tool für mich selbst sah und zudem als professionelles Werkzeug, um mit anderen Profis zu kommunizieren, blieb es nicht aus, dass sich mir dabei eine Öffentlichkeit mit erschloss, die ich so nicht intendiert hatte.

Wer ins Internet schreibt, an der Speakers’ Corner oder gar in Verbandsversammlungen spricht, der kann nicht wissen, wer und wie viele ihn lesen oder gar zuhören. Wer sich Reichweite wünscht, der muss mit der Reichweite leben, die er bekommt, ob sie ihm nun gefällt oder auch nicht. Wer das nicht möchte, schreibt besser ins eigene Tagebuch (≠ Weblog) oder kommuniziert am besten nur noch in Privatclubs.

Sobald man aber öffentlich schreibt oder spricht, bekommt man seine ganz eigene Öffentlichkeit; wie gesagt, ob es einem gefällt oder auch nicht.

Die allermeisten Menschen neigen dazu, dass sie kommentarlos zuhören oder mitlesen und dies dann auch bleiben lassen, wenn es ihnen nicht gefällt.

Gerade aber jene Menschen, die selber gerne schreiben oder Vorträge halten, tendieren dazu, dass sie Geschriebenes oder Gesprochenes ungern unkommentiert lassen — sie reagieren merklich auf ihre Mitmenschen, ob im Internet oder auch in echt!

Und das ist doch gerade der Charme einer offenen Gesellschaft, es gibt dort keine einheitlichen Regeln oder Gepflogenheiten, wie man sich äußert oder gar auf Geäußertes reagiert.

Aber es bilden sich regelmäßig und immer wieder Blasen (Kommunikationsräume), wie z. B. Bloggergemeinschaften im Internet oder Verbände im echten Leben, wo man sich immer mehr auf bestimmte Regeln und eigene Gepflogenheiten einigt und sich dabei sicherlich auch wohl fühlt wie gegenseitig bestärkt.

Schnell vergisst man dabei, dass man sich weiterhin im öffentlichen Raum befindet und dass Einzelne wie auch ganze Gruppen diese Bubbles stürmen können und immer wieder auch tun. Deshalb kommt es immer wieder dazu, dass des einen Erklärbär des anderen Problembär ist.

Vor Kurzem bekam ich zwei weniger nette Einträge in mein Gästebuch, ich habe sie stehen lassen und zudem erwidert. Lustiger Weise wurde ich gestern darauf hingewiesen, dass ich mit diesem weniger netten Menschen einen halben Tag lang in einem Raum gewesen bin. Ich habe es nicht bemerkt und wenn doch, hätte ich es mir nicht anmerken lassen — das hat was mit der Eiche und dem Schwein zu tun.

Was mich wieder zu der eingangs erwähnten Diskussion führt. Ich bin davon überzeugt, dass wenn man schon solche Diskussionen führt, dann gerade in unserem Kulturkreis auch die eine oder andere derbe Beleidigung einfach mit dazu gehört. Wer von meinen Lesern nun etwas neugierig geworden ist, der muss nur ein paar deutsche Blogger aus meiner Blogroll nehmen und nach dem Stichwort Bloggeria suchen.

Aber nun zurück zu meinem Wochenende in Berlin, das mich nun endlich davon überzeugt hat, dass es an der Zeit ist, dass ich darauf reagiere, wenn immer mehr ewig junggebliebene Damen (m, w, d) meine mir in all den Jahrzehnten ans Herz gewachsene Blase stürmen. Es wird sicherlich deftig werden.

Wohl deswegen haben diese besagten Damen nun im Verband Ombudsmenschen etabliert, die dafür sorgen sollen, dass die Entmündigung des Verbandes manifestiert wird — was jene, die in ihrem Leben nie mündig waren, nicht weiters stören dürfte.

Unsere Rückfahrt heute war fast beschwerdefrei — so lange bin ich noch in keinem Zug gestanden — aber auch höchst spannend. Meine bessere Hälfte und ich nahmen Vergleichszug 1 (Berlin – Heilbronn) und Jan-Philipp Scheu Vergleichszug 2 (Berlin – Stuttgart). Unsere Züge fuhren etwa 15 Minuten getrennt voneinander ab, wobei unserer am Start schon vier Minuten Verspätung hatte. Es ging hin und her, jeder hatte seine Besonderheiten und in Fulda verfehlten wir uns um keine acht Minuten. Da wir sechs Minuten vor Jan-Philipp unser Ziel erreichten, dürfen wir uns heute als Gewinner fühlen.

Detlef Stern, der die Fahrt digital mitverfolgte — als eine Art unabhängiger Schiedsrichter — übermittelte mir zum Schluss noch den folgenden Hyperlink, gewissermaßen als Siegesprämie.

„Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden.“

Ronen Steinke, Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden (16.3.2026)