Workaholic

Workaholics 4 (8)

Beitragsfoto: Workaholic | © Shutterstock

Nachdem ich festgestellt hatte, dass ein vermeintliches Gedicht Rainer Maria Rilkes, welches seit ein paar Jahren im Internet zirkuliert, tatsächlich von Lars van Rome ist, habe ich mir sofort seinen Gedichtband gekauft. Van Romes Gedichte sind frisch aus dem Leben heraus geschrieben und decken ein paar Jahrzehnte Lebensgeschichte ab – so fällt es dem Zeitgenossen leicht, schnell in eigenen Erinnerungen zu schwelgen. Alles in allem ein Gedichtband, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt und der auch beim wiederholten Lesen für Überraschungen gut ist.

Workaholics

Mit Arbeit ist das so auf Erden:
sie kann sehr schnell zum Laster werden!
Du kennst die Blumen nicht die duften,
du kannst nur arbeiten und schuften!

So geh’n sie hin, die schönsten Jahre,
bis endlich liegst du auf der Bahre,
und hinter dir, da grinst der Tod:
„Kaputtmalocht, du Vollidiot!“

Lars van Rome

Lars van Rome hat das Gedicht nach eigenen Angaben bereits 1979-1980 verfasst, sein entsprechendes Manuskript stammt allerdings erst aus dem Jahre 1991.

Sollte Ihnen dieses Gedicht Lust auf mehr machen, dann freut sich van Rome bestimmt, wenn Sie seinen Gedichtband Unfeine Gesellschaft, in dem auch das obige Gedicht enthalten ist, kaufen.

Ich hatte das Gedicht auch auf einer anderen Website in einer von mir gepflegten Gedichtsammlung veröffentlicht, dort war es von 2014 bis 2017 das am meisten gelesene Gedicht der Sammlung.

„I suppose I have a really loose interpretation of ‚work‘ because I think that just being alive is so much work at something you don’t always want to do. Being born is like being kidnapped. And then sold into slavery. People are working every minute. The machinery is always going. Even when you sleep.“

Andy Warhol, The Philosophy of Andy Warhol (1977: 96)

Schimpanse

Problem thinker 5 (8)

Beitragsfoto: Schimpanse | © Pixabay

Über die nun folgende Frage stieß ich bereits vor ein paar Jahren im World Wide Web, und die dazu als Antwort beigelegte Kurzgeschichte gefiel mir so sehr, dass ich sie mit auf eine meiner eigenen Websites nahm. Leider blieb mir auch hier der Autor dieses Beitrags bis heute unbekannt.

Are you a problem thinker?

It started out innocently enough. I began to think at parties now and then to loosen up. Inevitably though, one thought led to another, and soon I was more than just a social thinker.

I began to think alone. “To relax,” I told myself. But I knew it wasn’t true. Thinking became more and more important to me, and finally I was thinking all the time.

I began to think on the job. I knew that thinking and employment don’t mix, but I couldn’t stop myself.

I began to avoid friends at lunchtime so I could read Thoreau and Kafka. I would return to the office dizzied and confused, asking, “What is it exactly we are doing here?”

Things weren’t going so great at home either. One evening I had turned off the TV and asked my wife about the meaning of life.  She spent that night at her mother’s.

I soon had a reputation as a heavy thinker. One day the boss called me in. He said, “Henry, I like you, and it hurts me to say this, but your thinking has become a real problem. If you don’t stop thinking on the job, you’ll have to find another job.” This gave me a lot to think about.

I came home early after my conversation with the boss. “Honey,” I confessed, “I’ve been thinking …”

“I know you’ve been thinking,” she said, “and I want a divorce!”

“But honey, surely it’s not that serious.”

“It is serious,” she said, lower lip aquiver. “You think as much as college professors, and college professors don’t make any money, so if you keep on thinking we won’t have any money!”

“That’s a faulty syllogism,” I said impatiently, and she began to cry. I’d had enough. “I’m going to the library,” I snarled as I stomped out the door.

I headed for the library, in the mood for some Nietzsche, with NPR on the radio. I roared into the parking lot and ran up to the big glass doors … they didn’t open. The library was closed.

To this day, I believe that a Higher Power was looking out for me that night.

As I sank to the ground clawing at the unfeeling glass, whimpering for Zarathustra, a poster caught my eye.

“Friend, is heavy thinking ruining your life?” it asked. You probably recognise that line. It comes from the standard Thinker’s Anonymous poster.

Which is why I am what I am today: a recovering thinker. I never miss a TA meeting. At each meeting we watch a non-educational video; last week it was “An Inconvenient Truth”. Then we share experiences about how we avoided thinking since the last meeting.

I still have my job, and things are a lot better at home. Life just seemed … easier, somehow, as soon as I stopped thinking.

„Alle Würde des Menschen besteht im Denken …
All seine Pflicht ist richtig zu denken.“

Blaise Pascal, Pensées (1670)

Militärlager in Bosnien

Aus der Bundeswehr 5 (3)

Beitragsfoto: Militärlager in Bosnien

Hier finden Sie zwei idealtypische Lebensläufe aus zwei unterschiedlichen Epochen der Bundeswehr, zum einen aus der Bonner Republik und zum anderen aus der Berliner Republik, welche unter dem Titel „Der Bund ist an allem Schuld“ vor Kurzem zusammengefasst und im World Wide Web veröffentlicht wurden.

Ich persönlich finde beide so passend, dass ich diese Geschichte selber gerne auf meinen Websites geteilt habe. Anhand der Reaktionen, nicht nur aus meinem Kameradenkreis, ist zu entnehmen, dass beide eindeutig für ihre damalige Zeit sprechen und demzufolge auch außerhalb der Bundeswehr in ähnlicher Weise zu finden waren bzw. immer noch sind.

Lage 

Robert M. aus H. ist Wehrdienstleistender. Robert verschläft und kommt verspätet zum Dienst.

Damals, 1973

Sein Spieß befiehlt ihn zu sich. Er lässt ihn stillstehen und belehrt ihn mit lauter Stimme über seine Pflichten. Robert muss einen Gefreiter vom Dienst (GvD)-Zusatzdienst leisten. Seine Kameraden lachen.

Robert leistet den GvD-Dienst. Zukünftig ist er pünktlich, um vor seinen Kameraden besser dazustehen. Einen solchen „Anschiss“ vom Spieß möchte er nicht nochmal erleben.

Nach Ende der Wehrdienstzeit ist sein späterer Arbeitgeber von der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit Roberts beeindruckt. Er bekommt eine Vertrauensstellung und eine Gehaltserhöhung.

Robert erzählt allen, dass er in seiner Bundeswehrzeit viel Gutes gelernt hat.

Heute, 2011

Roberts Spieß meldet den Sachverhalt an den Kompaniechef. Dieser informiert die Vertrauensperson, die Gleichstellungsbeauftragte, den Militärpfarrer und den Sozialdienst. Die Meldung eines BV (Besonderes Vorkommnis) unmittelbar an den BM (Bundesminister) wird geprüft. Die Vorgesetzten werden wegen möglicher Verfehlungen vernommen. Der Spieß wird zu seinem Schutz abberufen, weil er möglicherweise seine Dienstpflichten verletzt hat. Die Dienstpläne der letzten zehn Jahre werden überprüft.

Der Befehlshaber des Heeresführungskommandos (HFüKdo) lässt die Notwendigkeit eines pünktlichen Dienstbeginns im Friedensbetrieb untersuchen. Eine Befragung durch den dienstaufsichtsführenden Inspekteur scheitert, weil Robert an diesem Tag wieder zu spät kommt. Der Bataillonskommandeur wird versetzt. Der Kompaniechef wird nicht Berufssoldat. Der Spieß wird mit Depressionssymptomen in die FU 6 (Abteilung für Psychiatrie) eingewiesen. Mitarbeiter des Wehrbeauftragten sind vor Ort. Der Verteidigungsausschuss befasst sich mit der Angelegenheit. Die Untersuchung ist noch immer nicht abgeschlossen.

Robert hat mittlerweile als einer der letzten seiner Art die Wehrpflicht absolviert und ist entlassen.

Die Bild-Zeitung berichtet über Führungsschwächen in der Bundeswehr.

Robert meint, verschlafen ist doch nicht schlimm. Er verschläft auch mehrfach bei seinem neuen Arbeitgeber. Dieser entlässt ihn daraufhin.

Robert ist heute HARTZ IV-Empfänger.

Robert erzählt allen, die Bundeswehr wäre schuld daran.

Mein Fazit

Noch heute habe ich die alltägliche Grußformel eines meiner Kompaniefeldwebel in bester Erinnerung:

„Guten Morgen Männer und Nichtspringer!“

Ein Spieß der Bundeswehr

Als eine Art Zugabe führe ich nachstehend noch die drei wichtigsten und auch weltweit gültigen militärischen Regeln auf:

  1. If we don’t know what we are doing, the enemy certainly can’t anticipate our future actions!
  2. The beatings will continue until morale improves.
  3. If you are not used to succeed at your first try … never skydive.

„Supreme excellence consists in breaking the enemy’s resistance without fighting.“

Sunzi, Die Kunst des Krieges