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Europa

Verband der Europabegeisterten

Die Europäische Bewegung Deutschland (EBD)

Die Europäische Bewegung International (EBI) wird nach, dem Europakongress folgenden, monatelangen Verhandlungen am 25. Oktober 1948 in Brüssel gegründet; sie setzt sich dabei anfangs aus den nationalen Vertretern der am Marschallplan beteiligten Länder zusammen.

Ihr Organ, der ‚Internationale Rat der Europäischen Bewegung‘ tagt zum ersten Mal vom 25. bis 28. Februar 1949 in Brüssel und wählt Léon Jouhaux zum ersten Vorsitzenden.

Die deutsche Unterorganisation der EBI wird am 13. Juni 1949 unter dem Namen ‚Deutscher Rat der Europäischen Bewegung‘ in Wiesbaden gegründet. Eugen Kogon wird dabei Vorsitzender des Exekutivbüros, denn auf seine Initiative hin, tritt am 1. April 1949 ein entsprechender Gründungsausschuss zusammen. Gründungspräsident ist bis 1954 der ehemalige Reichstagspräsident Paul Löbe.

Am 3. Dezember 1993 erfolgt die Umbenennung in Europäische Bewegung Deutschland (EBD); sie hat heute ihren Sitz in Berlin.
Die EBD ist ein Verband juristischer Personen und Dachverband der meisten europäischen Verbände, sie ergänzt dabei die EUROPA-UNION Deutschland, welche grundsätzlich eher natürliche Personen vereint.

Heute ist die EBD mit derzeit 249 Mitgliedsorganisationen aus Gesellschaft und Wirtschaft das größte Netzwerk für Europapolitik in Deutschland.

Mit ihren politischen Forderungen möchte die EBD den europapolitischen Grundkonsens der gesellschaftlichen Kräfte abbilden und als Ort des politischen Dialogs die Einzelinteressen ihrer Mitgliedsorganisationen zu einem Gesamtinteresse verbinden. Damit fördert die EBD die Weiterentwicklung und Stärkung der europäischen Integration.

Die Organe der EBD sind die Mitgliederversammlung, welche aus Delegierten der Mitgliedsorganisationen gebildet wird, der Vorstand, welcher die Vereinsgeschäfte verantwortet und ein hauptamtlicher Generalsekretär, der mit angestellten Mitarbeitern und Praktikanten die laufenden Geschäfte des Vereins führt.

Eines der Mitglieder der EBD ist die Europäische Bewegung Baden-Württemberg, welche 1981 als Landeskomitee Baden-Württemberg gegründet wird und ein Zusammenschluss der EUROPA-UNION Baden-Württemberg mit den Bürgerkomitees ist, die sich anlässlich der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament 1979 gebildet hatten, und heute 50 baden-württembergische Verbände sowie auch Einzelpersonen als Mitglieder zählt.

Bereits 1972 hat der Landesvorsitzende der EUROPA-UNION Baden-Württemberg Dieter Roser die Initiative ergriffen und vorgeschlagen, dass die Bildung eines „Baden-Württembergischen Rats der Europäischen Bewegung“ als Untergliederung des Deutschen Rats erfolgen soll.

„Eine solche Einrichtung, der neben parlamentarischen Vertretern die Landesorganisationen der im Deutschen Rat vertretenen Verbände etc. angehören würden, könnte den Abgeordneten eine wirkungsvollere und für sie interessantere Plattform bieten, als dies bei einem parlamentarischen Beirat der Europa-Union der Fall wäre. Eine Untergliederung des Deutschen Rats in Baden-Württemberg wäre keine Institution der Europa-Union; die Zusammenführung der Untergliederung des Deutschen Rats und des Landesverbandes der Europa-Union müsste durch die gemeinsame Geschäftsführung erfolgen. Als Wirkungsmöglichkeiten einer Untergliederung des Deutschen Rats kämen u.a. in Betracht: Trägerschaft von Veranstaltungen, Pflege der Verbindung mit benachbarten Staaten. Die Angelegenheit bedarf zunächst der Erörterung im Deutschen Rat.“

Dieter Roser (4. November 1972)

Auf der Sitzung des geschäftsführenden Landesvorstandes der EUROPA-UNION am 10. November 1973 in Leonberg gibt Dieter Roser bekannt, „dass der Deutsche Rat der Europäischen Bewegung sich damit einverstanden erklärt habe, einen baden-württembergischen Rat der Europäischen Bewegung zu gründen.“

Seit Februar 2013 ist die EBD im Rahmen einer gegenseitigen Mitgliedschaft Teil des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), ein Zusammenschluss von Akteuren aus Bürgergesellschaft, Staat und Wirtschaft. Das übergeordnete Ziel des Netzwerks ist die nachhaltige Förderung von Bürgergesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement in allen Gesellschafts- und Politikbereichen.

Auch hier kommt der wesentliche Aspekt aller Europäer zum Ausdruck, nämlich anstatt auszugrenzen, Menschen einzubinden und sich mit diesen zum Wohle der Gesamtgesellschaft besser zu vernetzen.

Dies kann man selber sehr gut feststellen, wenn man einmal die Angebote der Europäischen Bewegung nutzt, die diese das gesamte Jahr über allen Mitgliedern ihrer Mitgliedsorganisationen anbietet.

Am Beispiel der Europäischen Bewegung Baden-Württemberg denke ich dabei sehr gerne an die regelmäßigen Kamingespräche zu europäischen Themen und den jeweiligen Ratspräsidentschaften der Europäischen Union, wobei es sehr oft der Fall ist, dass zwar kein entsprechender Kamin vorhanden, dies aber durch die Herzlichkeit der Referenten und der anderen Teilnehmer mehr als kompensiert wird.

Ein weiteres empfehlenswertes Format ist das „Europapolitische Debriefing“, bei dem über die jeweiligen Sitzungen des Europäischen Rates von Experten der Landesvertretung Baden-Württemberg mit Sitz in Brüssel berichtet wird.

Eine Besonderheit findet man in den Ländern, in denen die föderalistischen Verbände schwach bis nicht mehr vorhanden sind. Dort übernimmt die Europäische Bewegung die Funktion der UEF, ohne aber dabei ihre Grundsätze zu inkorporieren. Als ein Beispiel möchte ich Frankreich anführen, wo das Fehlen der La Fédération und der Schwäche der UEF vor Ort von der Europäischen Bewegung Frankreich aufgefangen wird, mit deren elsässischen Untergliederung die EUROPA-UNION Baden-Württemberg als deren direkter Nachbar verstärkt zusammenarbeitet.

„La grandeur d’un métier est peut-être, avant tout, d’unir les hommes: il n’est qu’un luxe véritable, et c’est celui des relations humaines.“

Antoine de Saint-Exupéry (1985: 199)

Falls Sie jetzt ein wenig neugieriger geworden sind, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre meines Buches Europa ist für alle da!

Mehr Details zum Buch können Sie auch hier finden.

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