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Inhaltsverzeichnis
Verstörend
Es gibt sie weiterhin, zivilisierte Länder, in denen die Todesstrafe nicht nur gesetzlich besteht, sondern auch exekutiert wird. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass diese sogar einmal in der hessischen Landesverfassung festgezurrt war, aber wegen „Bund sticht Land“ nie realisiert wurde. Warum die Todesstrafe selbst in Ländern, wo sie bereits seit Jahrzehnten abgeschafft wurde, immer wieder aufs Tableau kommt, müsste einmal von Psychiatern näher untersucht werden. Seit es die Todesstrafe gibt, weiß man, dass diese keine abschreckende Wirkung hat. Damit dürfte diese nur das Verlangen nach Vergeltung befriedigen und ggf. seitens des Staates finanzielle Aspekte berücksichtigen.
Für mich gibt es nur wenige Gründe, um Menschen zu töten. Als erstes für alle Menschen aus Notwehr heraus und seitens des Staates in einer Art erweiterten Notwehr für den Polizeiapparat. Für den Fall, dass ein Staat seine Soldaten einzusetzen gedenkt, was heute — wenn dies nicht aus Notwehr geschieht — einer Bankrotterklärung gleichkommt, noch das militärisch notwendige Töten.
Wobei es jedem bewusst sein sollte, Soldaten sind alleine dazu da, um bei Bedarf zu töten. Aber nicht dazu, um selbst getötet zu werden.
Aktuell binge ich Boston Legal und dort wird u. a. sehr gut die Todesstrafe thematisiert. Alan Shore meint dabei, dass wer für die Todesstrafe ist, sich zumindest einmal selbst eine Exekution ansehen sollte. Ich finde, dies hat was! Ich gehe sogar soweit zu fordern, dass jeder Richter, der eine Todesstrafe verhängt, das Töten dann auch selbst übernimmt — nicht immer ist die Gewaltenteilung auch angebracht.
In Tennessee haben sich Politik und Justiz jüngst dazu entschieden, um nach 200 Jahren wieder einmal eine Frau hinzurichten — alleine wohl, um Donald Trump ein klein wenig aufzuheitern; was dieser so kurz vor den Midterms sicherlich nötig hat.
Christa Pike ist dabei das Opfer und dies im wahrsten Sinne des Wortes! Nach zwei missglückten Hinrichtungsversuchen wurde sie vorläufig in ein Krankenhaus gebracht. Nun bin ich einmal gespannt darauf, ob sie morgen von der National Guard oder dem ICE totgeschlagen werden muss.
Was ist bloß aus unserer Welt geworden!
Verschiedenes
Aktuell trudeln bei mir die Anfragen zur Klausureinsicht ein. Ich sammle diese erst einmal und suche dann zusammen mit Detlef Stern nach einem passenden Termin und Ort. Erst wenn ich diese habe, werde ich auf die Anfragen antworten.
Inzwischen ist es schwieriger mit der Bahn von Heilbronn aus zum Flughafen nach Stuttgart zu kommen als über die Seidenstraße zu gelangen. Wenn das Verkehrsministerium und die Deutsche Bahn so weitermachen, gibt es bestimmt bald entsprechende Reiseberichte und Romane, die dann Marco Polo völlig alt aussehen lassen.
Das dies heute so ist, liegt meines Erachtens daran, dass man das in Ministerien und dem Bahnvorstand benötigte Personal nicht mehr nach Eignung, Leistung und Befähigung aussucht, sondern dabei voll und ganz auf „Familienbande“ baut — so wie es in jenen Länder üblich ist, die wir so gerne als Failing oder gar Failed States bezeichnen.
Wir nutzen heute dann das Auto, wobei sich die Fahrerin schon überlegt, wie sie am besten den gesperrten Engelbergbasistunnel umfahren kann.
Funktionierende Demokratien haben allesamt einen ganz gewaltigen Nachteil, denn sie machen das Raubrittertum fast unmöglich. Und wir alle lieben doch einen Götz von Berlichingen! Und da es keine echten Männer mehr gibt, müssen halt Gestalten wie Wladimir Putin und Donald Trump ran. Jan Fleischhauer hat vor über zehn Jahren bereits darüber geschrieben und ergründet, warum viele Deutsche Wladimir Putin bewundern (Der Spiegel, 17.04.2014, 18.20 Uhr).
Wir Menschen wollen mehrheitlich einfach nicht in einer heilen Welt leben, wo alle unsere Mitmenschen eine Chance haben, um glücklich zu werden! Was auch erklären könnte, warum in Deutschland lebende Türken so gerne Recep Tayyip Erdoğan wählen.
Etwa 60 000 in Deutschland lebende Bosnier haben sich zur kommenden Wahl angemeldet, um mit über die Zukunft Bosnien und Herzegowinas zu entscheiden. Wohl sehr menschlich, wenn diese sich für noch mehr Konflikt vor Ort entscheiden werden, denn sie müssen selbst bestenfalls nur noch zum Urlaub dorthin.
Bosnien
Heute wurden wir gefragt, ob wir als Wahlbeobachter nach Sarajewo gehen. Offiziell sicherlich nicht, was aber nicht bedeutet, dass mich die dortige Wahl am 4. Oktober 2026 nicht interessiert. Beruflich bedingt war ich von Anfang an mit dem Zerfall des damaligen Jugoslawien beschäftigt, was mir zudem darüber hinaus ein Anliegen war, weil wir in unserem Verein von Anfang an auch Mitglieder des Westbalkans hatten, die nun über Nacht zu waschechten Feinden wurden, und ich Freunde seit meiner frühsten Jugend hatte, die ich nun überhaupt nicht mehr verstand. Aus stolzen Jugos wurden plötzlich fanatische Serben, Kroaten, Bosnier, Albaner, Slowenen, Kosovaren und noch weit mehr. Wobei sich aus ehemaligen werdenden Europäern mit Masse nationalistische Spinner entwickelt haben, die sich bis heute wie von ganz alleine selbstrekrutieren. Der größte Teil dieser heutigen Verbohrten war noch nicht einmal geboren, als am 14. Dezember 1995 das Dayton Peace Agreement verabschiedet wurde.
Ich war von Anfang an gegen dieses Peace Agreement und musste seine Auswirkungen dann vor Ort mit ausbaden. Bis heute dürften die Menschen dort mehrheitlich noch nicht soweit sein, dass sie diesen Friedensvertrag auch leben können. Bis heute muss die internationale Gemeinschaft darauf achten, dass der weiterhin schwelende Konflikt nicht wieder völlig aus den Fugen gerät. Schlimm, wenn auch nach Jahrzehnten unsere damaligen Analysen des Konflikts weiterhin Bestand haben und es zwar bis heute nicht zum Worst Case Szenario kam, wir dieses aber weiterhin nicht ausschließen können.
Das letzte Mal war ich 1999 vor Ort als auch der oder das Kosovo etwas beruhigt werden konnte. Und vor ziemlich genau 30 Jahren machte ein Kamerad ein Foto von mir, das mich in einer abgestürzten Seilbahngondel zeigte und die Absurdität von Konflikten noch besser darstellen konnte als jene Aufnahmen von Kleinkindern, die mit Hammer und Meisel inmitten von Blindgängern aller Art nach Metall zum Verkaufen suchen.
Spannend für mich dabei, ob ich einen Flashback bekomme, wenn sich dieser nicht bereits eingestellt hat. Unser Reiseführer Semin Bristina hat mir versprochen, dass es keinen Gefechtsfeld-Tourismus geben wird, sondern wir die positiven Veränderungen der letzten drei Jahrzehnte zu Gesicht bekommen werden.
Ich hoffe inständig dabei, dass diese positiven Eindrücke nicht sogleich wieder von der dortigen Wahl völlig zunichte gemacht werden — überraschen würde es mich auf alle Fälle nicht! Diesbezüglich hat mich heute Gerhard Sabathil auf einen Beitrag von Milan Nič und Nikola Xaviereff aufmerksam gemacht, der wieder einmal darauf hinweist, dass selbst die Westliche Welt bis heute keine einheitliche Meinung zum Westbalkan gebacken bekommt: As Bosnia Votes, Western Consensus Is Broken (DGAP, 29.9.2026).
Bis heute und wie schon in den 1990er-Jahren verdienen viel zu viele daran, dass es auf dem Westbalkan nicht besser werden wir, und dies beinhaltet von Anfang an auch Hilfsorganisationen sowie die ganzen Think Tanks und Universitätsfakultäten, die damit über Generationen hinweg ihr eigenes Einkommen sichern können.
Das wirklich Schlimme daran ist, dass, wenn es den Westbalkan nicht gäbe, wir Europäer nach einem anderen Gebiet Ausschau halten müssten, um bestimmte systemrelevante Menschen zu beschäftigen.


