Blogger

1.10.02026 5 (4)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Verstörend

Es gibt sie weiterhin, zivilisierte Länder, in denen die Todesstrafe nicht nur gesetzlich besteht, sondern auch exekutiert wird. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass diese sogar einmal in der hessischen Landesverfassung festgezurrt war, aber wegen „Bund sticht Land“ nie realisiert wurde. Warum die Todesstrafe selbst in Ländern, wo sie bereits seit Jahrzehnten abgeschafft wurde, immer wieder aufs Tableau kommt, müsste einmal von Psychiatern näher untersucht werden. Seit es die Todesstrafe gibt, weiß man, dass diese keine abschreckende Wirkung hat. Damit dürfte diese nur das Verlangen nach Vergeltung befriedigen und ggf. seitens des Staates finanzielle Aspekte berücksichtigen.

Für mich gibt es nur wenige Gründe, um Menschen zu töten. Als erstes für alle Menschen aus Notwehr heraus und seitens des Staates in einer Art erweiterten Notwehr für den Polizeiapparat. Für den Fall, dass ein Staat seine Soldaten einzusetzen gedenkt, was heute — wenn dies nicht aus Notwehr geschieht — einer Bankrotterklärung gleichkommt, noch das militärisch notwendige Töten.

Wobei es jedem bewusst sein sollte, Soldaten sind alleine dazu da, um bei Bedarf zu töten. Aber nicht dazu, um selbst getötet zu werden.

Aktuell binge ich Boston Legal und dort wird u. a. sehr gut die Todesstrafe thematisiert. Alan Shore meint dabei, dass wer für die Todesstrafe ist, sich zumindest einmal selbst eine Exekution ansehen sollte. Ich finde, dies hat was! Ich gehe sogar soweit zu fordern, dass jeder Richter, der eine Todesstrafe verhängt, das Töten dann auch selbst übernimmt — nicht immer ist die Gewaltenteilung auch angebracht.

In Tennessee haben sich Politik und Justiz jüngst dazu entschieden, um nach 200 Jahren wieder einmal eine Frau hinzurichten — alleine wohl, um Donald Trump ein klein wenig aufzuheitern; was dieser so kurz vor den Midterms sicherlich nötig hat.

Christa Pike ist dabei das Opfer und dies im wahrsten Sinne des Wortes! Nach zwei missglückten Hinrichtungsversuchen wurde sie vorläufig in ein Krankenhaus gebracht. Nun bin ich einmal gespannt darauf, ob sie morgen von der National Guard oder dem ICE totgeschlagen werden muss.

Was ist bloß aus unserer Welt geworden!

Verschiedenes

Aktuell trudeln bei mir die Anfragen zur Klausureinsicht ein. Ich sammle diese erst einmal und suche dann zusammen mit Detlef Stern nach einem passenden Termin und Ort. Erst wenn ich diese habe, werde ich auf die Anfragen antworten.

Inzwischen ist es schwieriger mit der Bahn von Heilbronn aus zum Flughafen nach Stuttgart zu kommen als über die Seidenstraße zu gelangen. Wenn das Verkehrsministerium und die Deutsche Bahn so weitermachen, gibt es bestimmt bald entsprechende Reiseberichte und Romane, die dann Marco Polo völlig alt aussehen lassen.

Das dies heute so ist, liegt meines Erachtens daran, dass man das in Ministerien und dem Bahnvorstand benötigte Personal nicht mehr nach Eignung, Leistung und Befähigung aussucht, sondern dabei voll und ganz auf „Familienbande“ baut — so wie es in jenen Länder üblich ist, die wir so gerne als Failing oder gar Failed States bezeichnen.

Wir nutzen heute dann das Auto, wobei sich die Fahrerin schon überlegt, wie sie am besten den gesperrten Engelbergbasistunnel umfahren kann.

Funktionierende Demokratien haben allesamt einen ganz gewaltigen Nachteil, denn sie machen das Raubrittertum fast unmöglich. Und wir alle lieben doch einen Götz von Berlichingen! Und da es keine echten Männer mehr gibt, müssen halt Gestalten wie Wladimir Putin und Donald Trump ran. Jan Fleischhauer hat vor über zehn Jahren bereits darüber geschrieben und ergründet, warum viele Deutsche Wladimir Putin bewundern (Der Spiegel, 17.04.2014, 18.20 Uhr).

Wir Menschen wollen mehrheitlich einfach nicht in einer heilen Welt leben, wo alle unsere Mitmenschen eine Chance haben, um glücklich zu werden! Was auch erklären könnte, warum in Deutschland lebende Türken so gerne Recep Tayyip Erdoğan wählen.

Etwa 60 000 in Deutschland lebende Bosnier haben sich zur kommenden Wahl angemeldet, um mit über die Zukunft Bosnien und Herzegowinas zu entscheiden. Wohl sehr menschlich, wenn diese sich für noch mehr Konflikt vor Ort entscheiden werden, denn sie müssen selbst bestenfalls nur noch zum Urlaub dorthin.

Bosnien

Heute wurden wir gefragt, ob wir als Wahlbeobachter nach Sarajewo gehen. Offiziell sicherlich nicht, was aber nicht bedeutet, dass mich die dortige Wahl am 4. Oktober 2026 nicht interessiert. Beruflich bedingt war ich von Anfang an mit dem Zerfall des damaligen Jugoslawien beschäftigt, was mir zudem darüber hinaus ein Anliegen war, weil wir in unserem Verein von Anfang an auch Mitglieder des Westbalkans hatten, die nun über Nacht zu waschechten Feinden wurden, und ich Freunde seit meiner frühsten Jugend hatte, die ich nun überhaupt nicht mehr verstand. Aus stolzen Jugos wurden plötzlich fanatische Serben, Kroaten, Bosnier, Albaner, Slowenen, Kosovaren und noch weit mehr. Wobei sich aus ehemaligen werdenden Europäern mit Masse nationalistische Spinner entwickelt haben, die sich bis heute wie von ganz alleine selbstrekrutieren. Der größte Teil dieser heutigen Verbohrten war noch nicht einmal geboren, als am 14. Dezember 1995 das Dayton Peace Agreement verabschiedet wurde.

Ich war von Anfang an gegen dieses Peace Agreement und musste seine Auswirkungen dann vor Ort mit ausbaden. Bis heute dürften die Menschen dort mehrheitlich noch nicht soweit sein, dass sie diesen Friedensvertrag auch leben können. Bis heute muss die internationale Gemeinschaft darauf achten, dass der weiterhin schwelende Konflikt nicht wieder völlig aus den Fugen gerät. Schlimm, wenn auch nach Jahrzehnten unsere damaligen Analysen des Konflikts weiterhin Bestand haben und es zwar bis heute nicht zum Worst Case Szenario kam, wir dieses aber weiterhin nicht ausschließen können.

Das letzte Mal war ich 1999 vor Ort als auch der oder das Kosovo etwas beruhigt werden konnte. Und vor ziemlich genau 30 Jahren machte ein Kamerad ein Foto von mir, das mich in einer abgestürzten Seilbahngondel zeigte und die Absurdität von Konflikten noch besser darstellen konnte als jene Aufnahmen von Kleinkindern, die mit Hammer und Meisel inmitten von Blindgängern aller Art nach Metall zum Verkaufen suchen.

Spannend für mich dabei, ob ich einen Flashback bekomme, wenn sich dieser nicht bereits eingestellt hat. Unser Reiseführer Semin Bristina hat mir versprochen, dass es keinen Gefechtsfeld-Tourismus geben wird, sondern wir die positiven Veränderungen der letzten drei Jahrzehnte zu Gesicht bekommen werden.

Ich hoffe inständig dabei, dass diese positiven Eindrücke nicht sogleich wieder von der dortigen Wahl völlig zunichte gemacht werden — überraschen würde es mich auf alle Fälle nicht! Diesbezüglich hat mich heute Gerhard Sabathil auf einen Beitrag von Milan Nič und Nikola Xaviereff aufmerksam gemacht, der wieder einmal darauf hinweist, dass selbst die Westliche Welt bis heute keine einheitliche Meinung zum Westbalkan gebacken bekommt: As Bosnia Votes, Western Consensus Is Broken (DGAP, 29.9.2026).

Bis heute und wie schon in den 1990er-Jahren verdienen viel zu viele daran, dass es auf dem Westbalkan nicht besser werden wir, und dies beinhaltet von Anfang an auch Hilfsorganisationen sowie die ganzen Think Tanks und Universitätsfakultäten, die damit über Generationen hinweg ihr eigenes Einkommen sichern können.

Das wirklich Schlimme daran ist, dass, wenn es den Westbalkan nicht gäbe, wir Europäer nach einem anderen Gebiet Ausschau halten müssten, um bestimmte systemrelevante Menschen zu beschäftigen.


Tanzen

28.2.02024 4.7 (3)

Beitragsfoto: Tanzen | © Pixabay

Verschiedenes

Manche Besprechungen können so richtig erschöpfend sein, vor allem dann, wenn es noch nicht einmal ein Protokoll gibt und schon wieder ganz neue Ideen durch die Lüfte wabern. Vielleicht hälfe es, wenn man sich zu einem Thema nur in einer Gruppe trifft und nicht ständig neue Grüppchen bildet. Als Mitverantwortlicher verliere ich so langsam aber sicher die Lust an der ganzen Sache.

An anderer Stelle geht es schon etwas organisierter von statten, und so kann ich mich schon auf einen sehr interessanten Europa-Ball freuen.

Als kleinen Mehrwert für meine Leser habe ich heute eine freie Wohnung in der Innenstadt anzupreisen. Wer neugierig ist, kann schon einmal den entsprechenden Blog-Beitrag vom 20. Mai 2019 lesen. Demnächst werde ich auch noch einen neuen Beitrag mit weiteren Details schreiben. Wer schon jetzt Interesse an der Wohnung hat, der kann sich gerne bei mir melden. Die Wohnung geht offiziell in ein paar Tagen an den Markt.

Erfreulich zu erfahren, dass man wohl eine RAF-Terroristin nach all den Jahrzehnten gefasst hat. Wie von mir vor ein paar Tagen geschrieben, eine Demokratie muss sich gegen alle ihre Feinde wehren. Noch erfreulicher aber ist es, dass sich die europäischen Faschisten aus Frankreich und Italien nun ganz offiziell von den deutschen Nationalsozialisten zu distanzieren beginnen; die Steigerung von Faschismus ist weiterhin der Nationalsozialismus! Wunderbar wäre es dabei, wenn auch viele unserer Mitbürger endlich zu verstehen beginnen, was sie da mit ihren Stimmen und Geldern heranziehen: nicht nur Staats- und Demokratiefeinde, sondern die übelsten Verbrecher auf Gottes Erdboden.

Höhepunkt des gestrigen Tages dann aber nicht das dienstägliche Planschen im Stadtbad, denn zum Schwimmen fehlt in all dem Gewimmel der Platz und ich habe keine Lust, mich um ein Plätzchen in einer Bahn zu streiten, sondern das abendliche Tanzbeinschwingen.

Apropos Stadtbad, es sieht gerade danach aus, dass die Kannibalisierung der Heilbronner Innenstadt munter weitergeht. Die Stadtverwaltung vertreibt nicht nur die letzten attraktiven Geschäfte, lässt die letzten Sportanlagen und Grünflächen verschwinden, sondern möchte nun auch noch das Stadtbad in einen der Stadtteile verlegen.

Aufräumen

Eine Erinnerung, dass ich meine Apps „verifizieren“ müsste, führt nun dazu, dass ich nach all den Jahren meine Entwickler-Accounts bei Google, Microsoft und Apple schließen möchte.

Zuerst wurde es etwas nostalgisch als ich versuchte, mich bei den jeweiligen Accounts anzumelden und dann auf Dinge wie z. B. eine Chat-App gestoßen bin, die ich schon längst vergessen hatte. Und so wird es wohl auch nichts machen, wenn diese Apps nicht nur aus den jeweiligen Stores verschwinden, sondern nun auch aus meinen alten Entwicklerkonten.

Dann wurde es etwas nervig, nämlich als ich die unterschiedlichsten Namen und Nummern angeben musste — was mich daran erinnerte, dass ein funktionierendes Backup oder wenigstens ein altes Notizbuch durchaus nützlich sein können. Dumm dabei nur, dass ich die Notizbücher, auch die digitalen, schon längst entsorgt habe und ein Backup für mich immer noch das reinste Teufelszeug ist.

Und so werde ich wohl die kommenden Tage doch so einige E-Mail austauschen, bis auch dieses Aufräumen von Erfolg gekrönt sein wird. In diesem Falle aber dürften die beteiligten Firmen die Leidtragenden sein, denn für meine Schlamperei können sie nun wirklich nichts.

Nachtrag

Da anscheinend Apps von mir noch genutzt werden (?), können diese nicht aus dem Store entfernt (??) und deshalb einer meiner Accounts nicht gelöscht werden. Für manche Dinge bin ich inzwischen einfach zu alt.

Gedicht

Nikki Giovanni schrieb bereits 1968 das Gedicht „Ego tripping“, dessen Titel durch „there may be a reason why“ ergänzt wurde. Dieses Gedicht passt in die heutige Zeit und in unseren Kulturkreis wie die Faust auf das Auge. Ich halte es für besonders erwähnenswert, weil es den folgenden Satz enthält, der das gesamte Gedicht voll und ganz auf den Punkt bringt.

„I am so hip even my errors are correct“

Nikki Giovanni, ego tripping (1968)

Das heutige Gedicht ist allerdings von Paul Laurence Dunbar, der aus Ohio stammt und in Dayton zur Schule ging — was wahrscheinlich Dan interessieren dürfte.

We Wear the Mask

We wear the mask that grins and lies,
It hides our cheeks and shades our eyes, —
This debt we pay to human guile;
With torn and bleeding hearts we smile,
And mouth with myriad subtleties.

Why should the world be over-wise,
In counting all our tears and sighs?
Nay, let them only see us, while

We wear the mask.
We smile, but, O great Christ, our cries
To thee from tortured souls arise.
We sing, but oh the clay is vile
Beneath our feet, and long the mile;
But let the world dream otherwise,

We wear the mask!

Paul Laurence Dunbar, The Complete Poems of Paul Laurence Dunbar (1913)

Und wer sich etwas weiter vertiefen möchte, dem empfehle ich Dunbars „Weltschmerz“-Gedicht. Weltschmerz, ein weiteres Wort, das deshalb in die englische Sprache Einzug gehalten hat, weil man es wohl kaum besser ausdrücken kann.