Beitragsfoto: Theaterschiff Heilbronn
Inhaltsverzeichnis
Leichtigkeit
Es gab schon immer Studiengänge, die man in erster Linie fürs Renommee studierte. Passend, wenn man mit einem solchen Abschluss auch noch sehr gut und noch bequemer Geld verdienen konnte. Wobei eine Selbstrekrutierung von Leichtmatrosen einer Gesellschaft nie gut getan hat.
Inzwischen hat die neue Leichtigkeit des Seins Höhen erreicht, die selbst jene verwundern dürfte, die sich ihre Abschlüsse zumindest noch erkauft oder anderweitig ergaunert haben.
Die Premium FAZ macht nun folgerichtig mit einem Artikel auf, der ihren Lesern verspricht, selbst um das halbwegs noch notwendige Auswendiglernen von ganz banalen Inhalten herumzukommen: „An welcher Uni ist Jura am leichtesten?“ Was mich an den SPD-Slogan erinnert: „Bildung darf nicht anstrengen!“
Die FAZ verspricht nun einen „datenbasierter Überblick für alle, die den passenden Studienort suchen.“
Bevor ich mich nun in ein paar Warteschlaufen begebe, spaziere ich lieber in Richtung Garten und kille ein paar unschuldige Pflanzen. Danach spaziere ich am Neckar entlang und schaue, ob unsere „versprochenen“ Flugzeugträger bereits in Richtung Bodensee unterwegs sind.
Wenn das mit Curaçao schief geht, dann können wir doch wenigstens Lichtenstein bombardieren.
Glasfaser
Bin ich froh, dass ich meine Mobilfunkverträge bei der Telekom habe, denn mein Telekom-Glasfaseranschluss überfordert diese Firma ganz offensichtlich — reines Teufelszeug. Was bei der Telekom aber immer funktioniert, das sind die Werbeanrufe, die ich weiterhin und meist wöchentlich erhalte.
Jüngst wollte mir sogar ein Telekom-Mitarbeiter ein iPad schenken, nur weil ich seit 20 Jahren ein sehr treuer (und mehr als sehr gut zahlender) Telekom-Kunde sei. Ich weiß nicht wie die Telekom rechnet, aber meinen ersten eigenen Vertrag habe ich 1984 noch bei der Deutschen Bundespost abgeschlossen und selbst als ich im Ausland lebte, wollte mich die Telekom nicht wirklich vom Haken lassen. Wobei ich beim Funknetz von Anfang an auf diese Firma baue und bisher nur bei den Kosten zu meckern hatte, einmal von den gigantischen Funklöchern in Deutschland abgesehen, die mich aber als Auslandsdeutscher nicht so wirklich interessierten. Und als ich wieder in Deutschland zurück war, habe ich einfach noch einen Fremdvertrag mit abgeschlossen, um die Funklöcher in Ulm überbrücken zu können.
Als ich dann wieder zurück in Heilbronn war, hatte ich mich so daran gewöhnt, dass ich in den Vororten wie z. B. in Kirchhausen einfach eine Straße weiterfuhr, um telefonieren zu können. Inzwischen muss ich nicht mehr ständig erreichbar sein und finde Funklöcher wie auch nicht funktionierende Hausanschlüsse sogar passend — das Gesamtkonzept ist stimmig. Anders als im tiefen Afrika, wo zwar fast nichts funktioniert, aber dafür jeder Busch oder Baum über ein sehr schnelles Internet verfügt.
Nun weiß ich zumindest, warum mich Telekom-Mitarbeiter nie übers Festnetz anrufen, denn die wissen ganz genau, dass das Festnetz für die Telekom noch Neuland ist. Das machen die erst seit 1995 und deren ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bundespost, die noch Festnetz konnten, dürften inzwischen alle in Rente sein.
Meine Hoffnung, dass sich mit der Einführung von Glasfaser auch bei uns in Deutschland nun alles zum Besseren wendet, ist leider vergeblich gewesen. Nun bin ich einmal gespannt darauf, wann ich wieder übers Festnetz erreichbar bin und wie oft ich dafür meine Glasfaserleitungen nachmessen, Steckverbindungen lösen und sämtliche Geräte vom Strom nehmen muss. Von den unzähligen Stunden, die ich dafür in Warteschleifen verbringen muss, einmal ganz abgesehen.
Auch vermute ich, dass der Mobilfunk nur deswegen funktioniert, weil dies längst von den Chinesen, Indern oder US-Amerikanern sichergestellt wird und die Telekom nur noch für Werbung und Abrechnung zuständig ist.
Vermischtes
Uralt aber dennoch gut. In Hamburg heißt es „Schiff ahoi!“ und in Heilbronn „Hoi a Schiff!“ Weniger gut ist, dass die Heilbronner Lohnschreiber der lokalen Tageszeitung meinen, man müsse deren Leserschaft erklären, warum ein Seeschiff nicht nach Heilbronn kommen könne.
Was aber erklären könnte, warum es in Heilbronn tatsächlich noch Grundschüler gibt, die, wenn man ihnen die Heilbronner Stimme vorlegt, ihre Lehrer fragen, wann sie denn eine richtige Zeitung lesen dürfen. Deren Eltern sind wohl von Großstädten nach Heilbronn immigriert.
Aber Landluft soll ja genau so gut wie Seeluft sein. Wenn nicht gerade in der Nachbarschaft ein Chemiewerk seine Sollwerte weiterhin überschreiten darf oder die Bauern meinen, dass beim Düngen und Jäten viel hilft viel bedeutet.
Was vielleicht einmal einen gut recherchierten Artikel in einer Tageszeitung wert wäre; dies nennt man inzwischen sehr gerne investigativen Journalismus. Was aber nicht in das Konzept reiner Werbeblätter oder von Hofberichterstattern passt. Und von lokalen Blättern leider kaum noch finanziert werden kann, denn gute Journalisten wie auch Recherchen sind teuer und deren Eigentümer möchten in erste Linie gut leben.
Ein Circulus vitiosus, nicht nur die Schiffe, sondern auch der ganze Rest wird bei uns immer kleiner werden.
„Wer den Ort verlassen will, an dem er lebt, der ist nicht glücklich.“
Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1984, Kapitel 12)






