Beitragsfoto: Mädchen mit Europaflagge | © Shutterstock
Wenn einmal wieder meine Uraltbeiträge etwas gehäuft mit einem Sternchen bewertet werden und man versucht, mein Blog über die Suchfunktion zu hacken, dann weiß ich mit Bestimmtheit, dass im Verband eine Bundesveranstaltung ansteht — wenigstens dabei ist auf manche Mitstreiter Verlass.
Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass wir Bundestreffen gemeinsam mit der Jugend veranstalten. Wenn ich mich richtig daran erinnere, war dies vor gut zwei Jahrzehnten sogar einmal eine meiner eigenen Forderungen. In der damaligen Zeit sicherlich völlig berechtigt, heute hat sich die Welt allerdings wieder etwas weitergedreht und wir müssten bereits Trennungen alleine aufgrund einer Altersgrenze überwunden haben. Diesbezüglich hatte ich jüngst eine fruchtbare Diskussion mit einer grünen Abgeordneten. Warum wir bei der Inklusion nicht wirklich weiter sind, das müsste man dringend einmal näher untersuchen. Ich behaupte dabei, dass unsere Gesellschaft diesbezüglich längst viel weiter als unsere Politik ist.
Die Zeiten in denen politisch Interessierte über dem Bildungsdurchschnitt lagen, dürften schon eine Weile vorbei sein. Auch hier hat ein völlig falsches Proporzdenken seine Spuren hinterlassen. In meiner Jugend konnte ich mit Gleichaltrigen noch sehr spannende und interessante Diskussionen führen, die zudem fast immer faktenbasiert waren. Um nicht hintenan zu bleiben, war man gezwungen, sich in entsprechende Fachliteratur zu vertiefen, an Fachbesprechungen teilzunehmen oder an die Orte zu gehen, wo man sich beruflich mit dem Thema auseinandersetzte. Schon alleine deswegen konnte man die Themen nicht alle paar Tage wechseln oder gar mehrere vertieft an einem Nachmittag abarbeiten. Stundenlang über einer einzigen DIN A4 Seite zu sitzen und zu streiten war zwar gewöhnungsbedürftig, wenn man sich dabei aber einmal durchsetzen konnte, das Schönste was es gab.
Was zudem sehr spannend war, wenn man seine Freizeit ganz folgerichtig in Atom- und Kohlekraftwerken oder gar bei der Autoindustrie verbrachte, wo man noch an Katalysatoren forschte. Das Thema Umwelt war in den 1970er-Jahren der letzte Schrei und man versuchte noch die Welt zu retten.
Als ich meinen Fokus von der Umwelt- auf die Sicherheitspolitik verlegte, weil mir dies Ende der 1970er-Jahre opportun erschien, veränderte dies mein gesamtes Leben. Das Thema war nicht nur viel komplexer, sondern erforderte tatsächlich auch große persönliche Opfer — der eigene Wehrdienst war damit gesetzt.
Was manche künftige „politische Experten“ nicht davon abhielt, den Weg des Scheins zu wählen und damit zudem sehr erfolgreich zu werden. Vielleicht ist dies der Grund, warum die heutige Jugend nur allzu gerne auf Fakten und Expertise verzichtet und sich durch Selbstbetrug die Welt nach der eigenen Fasson zu schmieden versucht — Pippi Langstrumpf lässt grüßen.
Noch vor ein paar Jahren bereitete ich mich inhaltlich auf Bundesbesprechungen vor, wurde inzwischen allerdings des Besseren belehrt. Für mich sind diese Veranstaltungen nur noch wert, um mich dort mit guten Bekannten und Freunden zu treffen und über die wichtigen Verbandsangelegenheiten zu sprechen — ich lerne weiterhin sehr gerne von Menschen, die etwas können und zu sagen haben!
Das inhaltslose Geblubber überlasse ich gerne anderen. Wenn ich dann aber lese, dass unsere nicht mehr ganz jugendlichen „Hoffnungsträger“ — die Jugend wurde schon etwas länger vergrault — mit Forderungen wie nach Erasmus für Soldaten um die Ecke kommen, wird mir Angst und Bange. Was ich wohl dort demnächst wieder alles miterleben muss!
Schon länger hat man auf Bundesebene aufgehört, Kreisvorsitzende um deren Meinung zu bitten. Man dreht sich in den höheren Gremien gerne um sich selbst. Dies könnte gut erklären, warum unser Verband in den kommenden Jahren weiter abnehmen wird, an politischer Bedeutung hat er schon sehr lange verloren — übrigens ist dies eine Erkenntnis, die nicht von mir stammt.
Nicht nur in einem föderalen Verband — dort aber ganz besonders — wird die Kärrnerarbeit auf der Kreis- oder gar Ortsebene geleistet. Ich kenne genügend Kreisvorsitzende, die dies seit Jahren unermüdlich machen, manche haben wie ich früher auch, dabei versucht, ihre gewonnene Expertise einzubringen. Man wählt aber weiterhin lieber den Proporz, wobei die Verbandsexpertise immer mehr von Menschen kommt, die ein zwei Jahre lang versuchen über unseren Verband hinweg „berühmt“ zu werden und politische Karriere zu machen.
Wie bereits des öfteren geschrieben, habe ich selbst auf der Kreisebene der JEF begonnen — eher gezogen als gesunken. Inzwischen habe ich mehr als 30 Verbandsjahre auf dem Buckel und mehr als 20 Jahre in der Funktion eines Kreisvorsitzenden. Ich konnte dabei weit mehr als 1 000 Veranstaltungen selber verantworten und unzählige Gespräche mit Interessierten und Föderalisten führen. Wobei ich noch gut fünf andere Kreisvorsitzende kenne, die dies locker übertreffen dürften.
Und das hat alles mit dem Einarbeiten in die Materie begonnen, damit, dass man sich mit anderen auf der lokalen Ebene zusammensetzte, sich informierte und gemeinsam Veranstaltungen initiierte. Selbst wenn man ein Hirn wie ein Planet hätte, muss man sich seine Expertise erarbeiten und dies über Jahre hinweg — husch, husch geht nur im Kino!
Nur mal so, wer Erasmus für Soldaten fordert, der sollte mindestens zwei Dinge erfahren haben, nämlich Soldat zu sein und halbwegs erfolgreich an einem Erasmusprogramm teilgenommen haben. Wer unseren Verband umkrempeln möchte, der sollte zuvor mindestens ein paar Jahre lang erfolgreich selbst einen Kreisverband geführt haben. Und ob ein Verband erfolgreich ist, das erkennt man u. a. an der Anzahl echter und selbst zahlender Mitglieder!
Leider aber werde ich am kommenden Wochenende wieder großes Kino erleben müssen!





