Beitragsfoto: Ausblick
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Wielandshöhe
Das Blog von Vincent Klink lese ich schon etwas länger. Und so suchte ich immer wieder nach einer Gelegenheit, um mir mal auch die Wielandshöhe etwas näher anzuschauen. Als er dann wieder einmal über Kutteln schrieb, war es dann so weit und aus reiner Neugier wurde Verlangen.
Rein zufällig wurden Kutteln fast zeitgleich Thema an einer ganz anderen Stelle und so fanden sich ganz spontan drei weitere Kuttelliebhaber, die sich bereit erklärten, zusammen mit mir nach Stuttgart zu pilgern. Wie die meisten Leser wissen, ist Stuttgart personifiziertes Verkehrschaos und so muss man die Anreise zur Wielandshöhe vorab genau planen. Auch wenn die Zacke direkt vor dem Restaurant hält, muss man erst einmal zur Zacke kommen. Wegen des Wetters planten wir spontan um und nutzten meinen Jüngsten, der fast in der Nähe wohnt, für den Zubringerdienst.
Wir hatten für 18.00 Uhr gebucht und kamen trotz einer eineinhalbstündigen Anreise auf den Punkt genau an; ein Fensterplatz war unser Lohn. Das Restaurant selbst tadellos. Zudem die besten Toiletten, die ich in den letzten Jahren bei uns in Restaurants vorgefunden habe; einzig der Zugang über eine Wendeltreppe für Menschen mit Behinderung ein Malus. Wer es aber erst einmal nach Stuttgart schafft, der bekommt auch das geregelt.
Von der Empfangsdame angefangen bis hin zum Verlassen des Restaurants ist das Personal eine reine Freude. Zuerst tippte ich auf eine erfreuliche Entspanntheit, schnell fand ich heraus, dass es professionelle Souveränität ist. Erst vor Kurzem servierte man mir in Stuttgart abgelaufenen Champagner, in der Wielandshöhe testet ein Sommelier jede Flasche vorab.
Erst stellte sich „unsere“ Servicekraft vor, dann bekamen wir frisch gebackenes Brot und Butterschmalz. Zusammen mit dem Aperitif ein Amuse-Gueule; ohne Probleme wurde sofort ein Sonderwunsch erfüllt.
Kutteln als Suppe kannte ich bisher nicht, diese Kutteln überzeugten allerdings auf der gesamten Linie! Das mit dem Apfeldicksaft und Apfelessig konnten wir uns im Anschluss noch vom Küchenchef erklären lassen. Bisher war bei uns die Diskussion Weiß- oder Rotwein, nun wurde diese um das Süßen erweitert. Schon alleine die Kutteln sind die Reise wert.
Die restlichen Speisen ohne jeglichen Tadel. Sicherlich den Stuttgartern geschuldet, waren die servierten Portionen mehr als ausreichend. Auch wurde ich erstmals in einem Sternerestaurant gefragt, ob ich gerne Nachschlag hätte. Man passt sich offensichtlich den lokalen Gegebenheiten an — was ich als Bonus werte.
Erstmals war ich in einer Sterneküche vor dem Nachtisch bereits mit dem Essen voll und ganz zufrieden. Den anderen am Tisch ging es ebenso. Unser Servicemitarbeiter konnte uns davon überzeugen, dass ein Nachtisch der krönende Abschluss eines jeden Essens ist. Und so kam jemand von uns auf die Idee, dass ein „Le Colonel“ ein guter Abschluss wäre. Ohne jegliches Wenn und Aber bekamen wir diesen serviert.
Mein Fazit: das beste Preis-Leistungsverhältnis in einem Restaurant der letzten zehn Jahre!
Audi
Ich kann mich noch daran erinnern wie wir in den 1970er-Jahren darüber spekulierten, was mit Neckarsulm geschieht, wenn Audi das Werk schließt. Ich hoffte darauf, dass NSU Heilbronn zugeschlagen wird und sich unsere Stadt damit zu einer echten Großstadt weiterentwickeln kann.
Gut 50 Jahre später wo unser bundesdeutsches Wirtschaftsmodell wieder einmal ins Schwanken gerät, denkt man wieder einmal darüber nach, unnötige Fabriken zu schließen.
Was auch mich nun erneut wieder hoffen lässt, denn NSU gäbe einen guten Stadtteil ab und man könnte, wenn man schon einmal dabei ist, Heilbronn noch mit Flein, Weinsberg, Nordheim, Untergruppenbach und Talheim ergänzen.
Auf alle Fälle aber werden sich nun die Handwerksbetriebe in der Region freuen können, denn doch so mancher Audi-Mitarbeiter würde sicherlich auch in einem mittelständischen Betrieb glücklich werden — und könnte dann auch ohne schlechtes Gewissen Daimler fahren.
Vermischtes
Diesen Monat darf ich auf der Landesversammlung einen Impulsvortrag geben und damit eine hoffentlich sehr spannende Diskussion einleiten. Dafür habe ich sogar eine kleine Präsentation vorbereitet, welche sich nun in einer Art von Peer Review befindet. Damit möchte ich sicherstellen, dass man meine Gedankengänge auch verstehen kann.
Gleich heute Morgen gab es eine Preisverleihung des Europäischen Wettbewerbs. Es ist schon ziemlich lange her, weit über 15 Jahre, dass wir einen Europapreis vergeben konnten, auch bei den Bundespreisen wird es immer enger. Umso mehr freute es uns heute, dass wir die beste Arbeit auf einem Teilgebiet des Wettbewerbs auszeichnen durften — das hatten wir in weit über 30 Jahren noch nie.
Ebenfalls neu, dass es nun Urkunden gibt, für jene, die in eine nähere Betrachtung für einen Bundespreis kamen, was immer dies auch bedeuten mag. Solche „Preise“ dürfen dann später einmal unsere Nachfolger verleihen. Das ist nun wie bei den Bundesjugendspielen: erst bekommen alle eine Urkunde und dann lässt man den Wettbewerb gleich ganz sein.
Spannend wie die Schulen von und mit dem Engagement der Eltern leben, damit meine ich keine Helikoptereltern, die ihre Kinder nur deshalb von der Schule abholen, damit sie wieder Zugriff auf den Tablett-PC mit YouPorn haben. Ich meine damit jene Schulen, wo Eltern ihre Kinder hinschicken, damit sie in einem halbwegs geordneten Umfeld möglichst selbständig den Schulalltag bewältigen können.
Viel zu viele Schulen sind inzwischen reine Verwahrungsanstalten, was genau dann geschieht, wenn eine kritische Masse an Nicht-Eltern erreicht wurde und damit auch die Schule ihren ureigenen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann.
Für uns ist dies sehr eindeutig zu beobachten, denn Schulen, die ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr bewältigen können, bleiben dem Europäischen Wettbewerb einfach fern — meist sogar bereits, sobald die Lehrer erkennen, dass ihre Schule zur reinen Verwahrungsanstalt umkippt. Wie es ein frustrierter Junglehrer einmal so schön an meiner ehemaligen Grundschule formulierte: „Meine Aufgabe ist es, dass kein Kind während meines Unterrichts verstirbt.“
Die wenigstens Schüler, die solche Schulen überleben, kommen auch gestärkt aus diesen heraus. Die meisten dürften künftige Leistungsrentner sein. Und nein, es liegt nicht an den Lehrern, die sind inzwischen — zumindest die tatsächlich auch ausgebildeten — weit besser als es die Lehrer in meiner Schulzeit waren!
Die Lehrer werden inzwischen leider genau so sinnlos verheizt, wie man es mit uns Soldaten bereits seit den 1980er-Jahren macht. Und dafür gibt es genau zwei Gründe, Eltern, die schulunfähige Kinder zur Schule schicken und Bildungspolitiker, die ihre Köpfe in den Sand stecken.





