Militärlager in Bosnien

Aus der Bundeswehr 5 (3)

Beitragsfoto: Militärlager in Bosnien

Hier finden Sie zwei idealtypische Lebensläufe aus zwei unterschiedlichen Epochen der Bundeswehr, zum einen aus der Bonner Republik und zum anderen aus der Berliner Republik, welche unter dem Titel „Der Bund ist an allem Schuld“ vor Kurzem zusammengefasst und im World Wide Web veröffentlicht wurden.

Ich persönlich finde beide so passend, dass ich diese Geschichte selber gerne auf meinen Websites geteilt habe. Anhand der Reaktionen, nicht nur aus meinem Kameradenkreis, ist zu entnehmen, dass beide eindeutig für ihre damalige Zeit sprechen und demzufolge auch außerhalb der Bundeswehr in ähnlicher Weise zu finden waren bzw. immer noch sind.

Lage 

Robert M. aus H. ist Wehrdienstleistender. Robert verschläft und kommt verspätet zum Dienst.

Damals, 1973

Sein Spieß befiehlt ihn zu sich. Er lässt ihn stillstehen und belehrt ihn mit lauter Stimme über seine Pflichten. Robert muss einen Gefreiter vom Dienst (GvD)-Zusatzdienst leisten. Seine Kameraden lachen.

Robert leistet den GvD-Dienst. Zukünftig ist er pünktlich, um vor seinen Kameraden besser dazustehen. Einen solchen „Anschiss“ vom Spieß möchte er nicht nochmal erleben.

Nach Ende der Wehrdienstzeit ist sein späterer Arbeitgeber von der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit Roberts beeindruckt. Er bekommt eine Vertrauensstellung und eine Gehaltserhöhung.

Robert erzählt allen, dass er in seiner Bundeswehrzeit viel Gutes gelernt hat.

Heute, 2011

Roberts Spieß meldet den Sachverhalt an den Kompaniechef. Dieser informiert die Vertrauensperson, die Gleichstellungsbeauftragte, den Militärpfarrer und den Sozialdienst. Die Meldung eines BV (Besonderes Vorkommnis) unmittelbar an den BM (Bundesminister) wird geprüft. Die Vorgesetzten werden wegen möglicher Verfehlungen vernommen. Der Spieß wird zu seinem Schutz abberufen, weil er möglicherweise seine Dienstpflichten verletzt hat. Die Dienstpläne der letzten zehn Jahre werden überprüft.

Der Befehlshaber des Heeresführungskommandos (HFüKdo) lässt die Notwendigkeit eines pünktlichen Dienstbeginns im Friedensbetrieb untersuchen. Eine Befragung durch den dienstaufsichtsführenden Inspekteur scheitert, weil Robert an diesem Tag wieder zu spät kommt. Der Bataillonskommandeur wird versetzt. Der Kompaniechef wird nicht Berufssoldat. Der Spieß wird mit Depressionssymptomen in die FU 6 (Abteilung für Psychiatrie) eingewiesen. Mitarbeiter des Wehrbeauftragten sind vor Ort. Der Verteidigungsausschuss befasst sich mit der Angelegenheit. Die Untersuchung ist noch immer nicht abgeschlossen.

Robert hat mittlerweile als einer der letzten seiner Art die Wehrpflicht absolviert und ist entlassen.

Die Bild-Zeitung berichtet über Führungsschwächen in der Bundeswehr.

Robert meint, verschlafen ist doch nicht schlimm. Er verschläft auch mehrfach bei seinem neuen Arbeitgeber. Dieser entlässt ihn daraufhin.

Robert ist heute HARTZ IV-Empfänger.

Robert erzählt allen, die Bundeswehr wäre schuld daran.

Mein Fazit

Noch heute habe ich die alltägliche Grußformel eines meiner Kompaniefeldwebel in bester Erinnerung:

„Guten Morgen Männer und Nichtspringer!“

Ein Spieß der Bundeswehr

Als eine Art Zugabe führe ich nachstehend noch die drei wichtigsten und auch weltweit gültigen militärischen Regeln auf:

  1. If we don’t know what we are doing, the enemy certainly can’t anticipate our future actions!
  2. The beatings will continue until morale improves.
  3. If you are not used to succeed at your first try … never skydive.

„Supreme excellence consists in breaking the enemy’s resistance without fighting.“

Sunzi, Die Kunst des Krieges

Adventsgedanken

Adventszeit 5 (4)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Inzwischen befinden wir uns mitten in der Adventszeit, für viele eine gute Gelegenheit, um das letzte Jahr Revue passieren zu lassen.

Die jüngsten Entwicklungen geben zudem mehr als genug Anlass, um auch über den Lissabonner Vertrag im Besonderen und über die weitere Entwicklung unseres Europas im Allgemeinen nachzudenken.

Wir bekennenden Europäer sind deshalb gefragter als je zu vor. Wir dürfen uns aufgrund scheinbar falscher oder falsch laufender Entwicklungen nicht beunruhigen lassen.

Wir müssen diese Entwicklungen auf der Grundlage unseres Gesamtkonzept, dem Konzept für ein „Europa – in Vielfalt geeint“, einem Konzept für ein föderales Europas oder auch für die Vereinigten Staaten von Europa bewerten und dementsprechende Konsequenzen ziehen.

Auf jeden Fall ist es aber wichtig, dass wir alle – ob bekennende Europäer oder nicht – darüber diskutieren und gemeinsam tragfähige Lösungen für unsere Welt von morgen finden.

Ich für meinen Teil bin weiterhin von der Europäischen Idee überzeugt und halte auch vehement am Hertensteiner Programm fest – es ist auch nach über 60 Jahren immer noch das beste Konzept für ein Friedenseuropa; und wenn wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen, auch für eine bessere Welt.

Aber ich muss dennoch zu bedenken geben, dass wir Menschen in der Europäischen Union keine 5 % der derzeitigen Weltbevölkerung stellen und dies mit sinkendem Anteil. Deshalb sind wir auf die weitere und sehr enge Zusammenarbeit mit dem Rest Europas bis hin zum Magreb angewiesen, damit wir zukünftig überhaupt noch in der Welt von morgen bestehen werden können.

Es freut mich hier ganz besonders, dass unser Kommissar in Brüssel, Günther Oettinger, auf dem Bundeskongress in Erfurt hierzu sehr deutliche Worte gefunden hat.

„Ubi est autem dignitas nisi ubi honestas?“

Cicero, Epistulae ad Atticum (Buch VII, Brief 11)

Korean War Veterans Memorial

Kameradschaft 4.5 (2)

Beitragsfoto: Ausschnitt Korean War Veterans Memorial in Washington | © Pixabay

Über Führung, die heute gerne auch Leadership genannt wird, als auch über Kameradschaft wird sehr gerne und von sehr vielen Menschen gesprochen, meistens dabei von jenen, die beides nie selber erfahren, geschweige denn miterleben durften.

Leider findet man Führung und auch Kameradschaft kaum noch; letztere ist dabei sogar noch schwerer zu finden, da sie sich erst in tatsächlichen und existentiellen Krisen oder gar Kriegssituationen offenbart.

Man kann sie zwar befehlen oder gar einklagen, aber da geht es der Kameradschaft ähnlich wie der Intelligenz oder dem Anstand, denn ein Mensch muss diese Fähigkeiten haben oder wenigstens versuchen, sie sich hart zu erarbeiten, um sie auch selber zu finden.

Letztendlich zeigt sich Kameradschaft aber nur in seltenen Ausnahmesituationen, nämlich in solchen, die mindestens eine Person in eine existentielle Krise stürzt und diese Krise nur noch mit Hilfe von mindestens einer weiteren Person gemeinsam bewältigt werden kann.

Oder aber in Kriegen und Einsätzen, manchmal bereits auch in Lagen, die diese Krisensituationen nachzubilden versuchen.

Und wer Kameradschaft erfahren durfte, der hat ein wunderbares Geschenk erhalten, was wiederum von all den anderen Mitmenschen kaum nachzuvollziehen ist.

Und besser als Ludwig Uhland es 1809 im folgenden Gedicht formuliert hat, kann man Kameradschaft wohl kaum in Worte fassen.

Der gute Kamerad

Ich hatt einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.
 

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

Ludwig Uhland, 1809

Ludwig Uhland war selber seinen Freunden des schwäbischen Dichterkreises Justinus Kerner, Gustav Schwab und Karl Mayer tief verbunden. Was ihn auch zu einem Gedicht über die Wurmlinger Kapelle inspirierte, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Die Kapelle

Droben stehet die Kapelle, 
Schauet still ins Tal hinab. 
Drunten singt bei Wies’ und Quelle 
Froh und hell der Hirtenknab’.

Traurig tönt das Glöcklein nieder, 
Schauerlich der Leichenchor, 
Stille sind die frohen Lieder, 
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe, 
Die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe! 
Dir auch singt man dort einmal.

Ludwig Uhland

„Soldiers at war are not to be judged by civilian rules.“

Jack Thompson als Major J.F. Thomas in Breaker Morant (1980)