Konzert

Musikvideo zum Wochenende 5 (3)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Mit großen Schritten geht es zurück nach 1978, wobei sämtliche Hits in diesem Jahr sehr ähnlich klangen, was wohl an der Dominanz der Bee Gees gelegen haben dürfte.

Auf alle Fälle war der Hit „Kiss You All Over“ der Gruppe Exile auf allen Sendern, in den Discotheken und Tanzschulen zu hören. Der Song befindet sich auf dem Album „Mixed Emotions“ (1978), was sehr gut zu meiner aktuellen Stimmung passt.

Die Band gründete sich bereits 1963 und dürfte heute wohl eher den Liebhabern von Country-Musik bekannt sein.

1979 erzielte die Gruppe mit dem Song „How Could This Go Wrong“, der sich auf der Platte „All There Is“ (1979) befindet, einen weiteren Achtungserfolg.

Was wiederum ganz gut zu meiner Begeisterung für das Jahr 1979 passt.

Als ich im Dezember 2014 wieder voll und ganz in meine Heimat zurückkam, hatte ich keine Ahnung davon, wie lange solch ein erneutes Ankommen dauern, nur dass es der Beginn eines neuen und vermutlich letzten Lebensabschnitts werden wird.

Vieles ist in dieser Zeit geschehen, auch mit mir. Begegnungen mit wunderbaren und mit weniger wunderbaren Menschen, sammeln von großartigen Erfahrungen und solchen, die man sich gerne erspart hätte, sowie das Gestalten und vor allem auch das Genießen, denn meine Heimatstadt hat schon immer entschleunigt — gleich nachher geht es mit Freunden in ein für mich neues Restaurant.

Ein Ausblick ist dabei auch immer ein Rückblick.


Grüntee

Genuss 5 (3)

Beitragsfoto: Grüntee | © Pixabay

Joan Westenberg hat mich mit ihrem heutigen Rundschreiben „Don’t Become a Connoisseur.“ angestoßen, um einmal über meine eigenen kleinen Leidenschaften nachzudenken.

„You spend enormous amounts of time and mental energy developing your discernment; you read, you practice, you compare, you discuss. This is time you could have spent doing almost anything else, including simply enjoying the thing you’re trying to become expert at.“

Joan Westenberg, 8.12.2025

Und im Folgenden kann man ihr wohl kaum widersprechen.

„Refined taste is a form of social currency. When you can discourse knowledgeably about single-origin chocolate or Japanese denim, you’re signaling membership in a particular, educated, cultured, upper-middle-class tribe. You’re demonstrating that you have the leisure time to develop these refined preferences, the disposable income to indulge them, and the social connections to learn the right vocabulary and opinions.

Connoisseur-ship is, basically, a very elaborate and expensive form of peacocking.“

Joan Westenberg, 8.12.2025

Aber ihre Schlussfolgerung, es doch besser gleich mit den kleinen Leidenschaften sein zu lassen, ist dann doch ein wenig zu impulsiv. Ich bin davon überzeugt, dass man als Mensch durchaus in mehreren Welten zuhause sein kann.

Meine Tee- und Kaffeeleidenschaften waren selten übertrieben teuer und ich gehe einmal davon aus, dass ein regelmäßiger Starbucks-Besucher mehr Geld für Plörre verschwendet, als ich für selten zu kaufende Tee- oder Kaffeesorten. Was mich aber nicht daran hindert, um mir für die Fahrt den Kaffee bei McDonald’s zu holen. Obwohl ich inzwischen einen ganz speziellen Mokka bevorzuge, trinke ich weiterhin die in den lokalen Cafés angebotenen Kaffeekreationen — allerdings lasse ich dabei die sicherlich gut gemeinten Garnierungen weg.

Ich muss aber zugeben, dass manche Leidenschaften völlig aus dem Ruder laufen können. Meine Leidenschaft für Spirituosen (ursprünglich dadurch motiviert, weil halt- und damit sammelbar) dürfte ganz gut zu Joan Westenbergs Überlegungen passen.

Wahrscheinlich als ein Resultat meiner Einsatzzeiten hat sich meine mir angeborene Sammelleidenschaft mit meiner Leidenschaft für Whisky zusammengefunden und ist dabei über die Jahre hinweg völlig aus dem Ruder gelaufen. Wenn es „nur“ eine „teure Art der Angeberei“ gewesen wäre, müsste ich mir heute wohl kaum Gedanken darüber machen, wie ich diese Leidenschaft wieder abwickeln kann.

Seit gut zehn Jahren helfen mir Familienmitglieder und Freunde dabei, um meine Sammlung loszuwerden. Nun aber muss ich feststellen, dass dies ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Was nun zu einem echten Dilemma führt, denn gerne öffne ich im Freundes- und Familienkreis Jahrzehnte alte Flaschen und freue mich darüber, wenn der eine oder andere auch Freude daran hat. Diese Flaschen nun allerdings einfach so wegzugeben, dazu bin ich einfach noch nicht in der Lage.

Man versucht mich dafür schon etwas länger zu gewinnen, und meine bessere Hälfte meint, dass das doch sehr schöne Geschenke auch für den etwas erweiterten Bekanntenkreis wären, dann aber halte ich die jeweilige Flasche nach Jahren wieder einmal in den Händen und kann dann doch nicht so recht loslassen.

Genuss ist einfach doch etwas vielschichtiger als es sich Joan Westenberg vorstellen möchte. Wobei ich auch heute noch in Restaurants gerne den einen oder anderen Absacker nehme, hierbei kommt es in erster Linie auf die jeweilige Gesellschaft und nicht auf das Getränk an.

Leidenschaften sind eher eine wunderbare Ergänzung zum ganz normalen Leben, die man sicherlich nicht zum Leben benötigt, dieses aber doch etwas bereichern können — „Die Menge macht dabei das Gift“ (Paracelsus).


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 4 (4)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay | Mädchen

Schon wieder ein Gedicht! Die langjährigen Leser werden sich erinnern, denn Gedichte gab es früher hier zuhauf. Wer keine Gedichte mag, auch diese Leser kenne ich, der darf nun froh darüber sein, dass ich kein eigenes veröffentliche. Und ich kann froh darüber sein, dass ich im Gegensatz zu Wolfram Weimer meine Gedichte nie in Buchform veröffentlichte.

Und so kann ich nun frank und frei behaupten, dass meine Gedichte, weil ich sie in späteren Jahren für nicht sehr gelungen hielt, einfach selbst vernichtete, weit besser waren.

Der Grund für das heutige Gedicht und ich bemühe dabei sogar Friedrich Schiller ist ein ganz anderer. Als alter Mann überkommt zumindest mich ab und an das Verlangen, jüngeren Männern ein paar Ratschläge erteilen zu müssen. Ob das passend ist, sei dahin gestellt und auch ich habe als junger Mann des öfteren nur die Augen gerollt, wenn mir wieder einmal ein „Opa“ gut gemeinte Ratschläge erteilte.

Dabei ist es weit besser, die jungen Männer alle Fehler selbst machen zu lassen (Jean-Jacques Rousseau), wobei die besseren auch etwas daraus lernen; die intelligenteren lernen dabei sogar aus den Fehlern anderer.

Wenn man als junger Mann mit Schlampen zu tun hat und dies mehr sein soll als nur um Spaß zu haben, dann sollte man durchaus etwas aufpassen. Schöner als Schiller kann ich es dabei nicht formulieren!

Der Handschuh

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Auftut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen
Und streckt die Glieder
Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder,
Da öffnet sich behend
Ein zweites Tor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut,
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu
Grimmig schnurrend,
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder;
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
Auf das Tigertier,
Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wirds still;
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leun
Mitten hinein.

Und zu Ritter Delorges spottender Weis
Wendet sich Fräulein Kunigund:
„Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
Wie Ihr mirs schwört zu jeder Stund,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf.“

Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehens die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück,
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
„Den Dank, Dame, begehr ich nicht“,
Und verläßt sie zur selben Stunde.

Friedrich Schiller, 1797