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Kleinbloggershofen 4.3 (7)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Kaum möchte ich einmal meinen Senf nur für mich behalten und damit eine ganze Menge Leute glücklich machen, triggert mich ein Blogger aus meiner Timeline und verführt mich wieder einmal dazu, doch etwas zu schreiben. Heute Morgen ist es Henning Uhle mit seinem Beitrag „Cancel Culture: Jetzt neu als Blogosphäre-Edition“.

Henning Uhle wird es mir sicherlich verzeihen, wenn ich nicht direkt auf seinen Beitrag eingehe, sondern diesen einfach dazu nutze, um meine eigenen Gedanken etwas schweifen zu lassen.

Der Begriff „Kleinbloggershofen“ gefällt mir einfach, bringt unsere kleine Bloggergemeinschaft (in Relation zum Rest der Welt) vielleicht auch völlig unabsichtlich in die Nähe der Donaldisten, welche bekanntlich in Entenhausen leben [Achtung: das hat absolut nichts mit Donald Trump und seinem MAGA-Universum zu tun, denn die sind zu unser aller großem Unglück real].

So wie die Donaldisten in ihrem ganz eigenen Universum leben, zumindest zeitweise, leben wir Blogger und manche von uns fast den gesamten Tag lang im Internet. Das Internet, vielleicht sogar die künftige Welt der Menschheit (Matrix), ist vom Konzept her ein Multiversum und kann damit gleich mehrere Welten beherbergen und sorgt vielleicht sogar einmal dafür, dass sich manche dabei einmal tatsächlich begegnen.

In unserer Menschengeschichte war „die Stadt als der perfekte Ort gedacht, wo der Mensch sein Menschsein zum besten verwirklichen konnte.“ (Niklas Luhmann, 2021: 558). Und das dürfte für uns Menschen in den Zeiten des Internets nunmehr die Bloggerwelt sein und damit trifft Kleinbloggershofen genau den Punkt.

Und egal wo Menschen leben, da menschelt es halt! Was wohl Henning Uhle getriggert hat: „Ja, es geht in Kleinbloggershofen mal wieder um WIR gegen DIE.“ Und dies ist genau das Riesenproblem der gesamten Menschheit, spätestens seit dem Rauswurf aus dem Paradies. Heute weiß ich, das wird sich erst ändern können, wenn es die Menschheit nicht mehr geben wird.

Dennoch gibt es und wahrscheinlich bereits vom Anbeginn der Menschheit an einen Gegenentwurf, den ich auch von Anfang an hier in meinem Blog thematisiere, nämlich den Föderalismus oder wie es die digitalen Nerds unter uns heute so gerne nennen, das Fediverse. Beides ein und dasselbe Konzept, das versucht das „WIR gegen DIE“ durch föderale Strukturen und durch das Prinzip der Subsidiarität aufzulösen und damit die Menschheit insgesamt ein klein wenig besser zu machen.

Ich bin inzwischen vom Grundsatz „Bloggen ist nur Bloggen, wenn man sich alles selbst ausdenkt“ längst abgewichen und nutze spätestens seit 2017 selber Software anderer Leute, um mich am bequemsten in Kleinbloggershofen bewegen zu können. Was ich dabei aber weiterhin zu vermeiden versuche ist, dass andere Leute und auch andere Dinge (noch viel schlimmer!) für mich das Denken und damit mein Denken übernehmen.

Man darf sein Hirn nicht bei erstbester Gelegenheit an der Garderobe abgeben, sondern sollte weiterhin versuchen, ein bleibendes Teilchen der Evolution zu sein. Und nicht nur nach Niklas Luhmann wäre das Ergebnis dieser Evolution eine Weltgesellschaft — wenn es nach mir ginge, dabei eine friedliche, demokratische und föderal von unten nach oben aufgebaute.


Konzert

Musikvideo zum Wochenstart 5 (1)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Heute Morgen gab es die übliche Fahrt mit dem meseno-Bus. Bisher hatte ich dabei nie die leeren Kisten vergessen, war wohl mit meinen Gedanken bereits woanders. Nach meiner Rückkehr schnell noch die morgige Vorlesung vorbereitet. Das Thema wie bei meiner ersten Unterrichtung gleich nach dem erfolgreichen Studium, nur inzwischen sehr heftig abgespeckt — man passt sich über die Jahrzehnte einfach an, ob man möchte oder auch nicht.

Während der heutigen Fahrt kamen sogar Reaktionen über meine Blog-Beiträge vom Wochenende herein. Ich habe mich darüber sehr gefreut und versucht passende Antworten zu liefern — was man so beim Fahren halt hinbekommt.

Das mit der Telekom zieht sich noch eine ganze Weile und wenn ich dann damit durch bin, wird es die nächste Baustelle geben. Dabei ist jene vom Frühjahr weiterhin eine, was aber eindeutig am Subunternehmer liegt. Deutschland wenigstens auf den Stand der Technologie aus den 1990er-Jahren zu bringen, ist eine enorme Kraftanstrengung und eine noch größere Herausforderung.

Derweil träumen manche davon unser Land zu einem digitalen Eldorado zu machen oder gar Europa entsprechend konkurrenzfähig zu bekommen. Dies ginge wohl nur, wenn wir unser Land attraktiv genug für ausländische Leistungsträger machen oder aber ganz gewaltig an unserem Bildungssystem arbeiten. Beides würde Unsummen von Geld kosten, Geld, das wir einfach nicht mehr haben, denn gut die Hälfte geben wir bereits für Soziales aus und vom Rest versickert ein großer Teil einfach nur so. Letzteres würde dazu noch gut 20 Jahre dauern, bis wir erste Erfolge sehen könnten — Bildung und Ausbildung strengt an und dauert seine Zeit. Den Studenten meiner Vorlesungen dürfte der Unterschied zwischen Aufwand und Dauer geläufig sein.

Ganz passend zu den 1990er-Jahren der Song, der mir heute einfach nicht aus dem Kopf gehen möchte. The Verve veröffentlichte ihre „Bitter Sweet Symphony“ bereits 1997 als Single. Das Lied befindet sich auch auf dem dritten Album der Gruppe „Urban Hymns“ (1997), welches mich an ein anderes Album aus den 1970er-Jahren denken ließ.

The Verve gründete sich 1990, war eine Band der 1990er-Jahre — die Rolling Stones git es noch heute (kleiner Insider) — und passt mit obigem Lied ganz gut zu meiner aktuellen Stimmung.

Heute muss ich mich noch ein wenig in Verträge vertiefen und unterschreiben, wäre sicherlich noch passender, wenn es dann auch zu regnen und später zu gefrieren beginnt.

Die ganz üblichen Ärgernisse lenken mich dabei wenigstens hin und wieder vom Hauptgeschehen ab und zeigen mir wieder einmal sehr deutlich, dass es immer noch schlimmer kommen kann. Und so freue ich mich wieder einmal gerne am aktuellen Geschehen, denn es kommt sicherlich noch schlimmer, und folge derweil der uralten Erkenntnis eines jeden Infanteristen: „Embrace the suck!“

Der Song „Lucky Man“ befindet sich ebenfalls auf dem Album „Urban Hymns“.

„Cause it’s a bitter sweet symphony, that′s life
Try make ends meet, you’re a slave to money then you die.“

The Verve (1997)

Weltuntergang

Gott, Tod und Chaos 5 (4)

Beitragsfoto: Weltuntergang | © Gerd Altmann auf Pixabay 

Eigentlich hätte ich heute Morgen bei meiner aktuellen Lieblingsbaustelle, gut 500 Meter Straßensanierung, die nach mehr als einem Jahr Bauzeit nun in die nächste Phase tritt, in eine mir bereits gut bekannte Umleitung überführt werden müssen. Da aber vor mir ein 38-Tonner fuhr und davor sogar ein Sechsachser, dachte ich kurz daran, dass die Verantwortlichen eine ganz neue Umleitung gewählt hatten, um womöglich die bereits stark belasteten Anwohner etwas zu entlasten. Was halt alles so geschieht, wenn jedes Dorf seinen eigenen Industriepark haben möchte.

Kurz darauf hingen wir in der Baustelle fest und ich konnte mit anschauen, wie sich gleich zwei größere Lastkraftwagen aus dieser Misere wieder herauswanden. Derweil stellten städtischen Bedienstete am Ort des offensichtlich fehlenden Umleitungsschildes einen Weihnachtsbaum auf. Insgesamt kostete mich diese Baustelle heute gut 30 Minuten Lebenszeit — Strategien gibt es nur zu Kriegszeiten, davor macht ein jeder, was er will und keiner, was er eigentlich soll.

Auf alle Fälle hatte ich heute sehr viel Zeit, um über Gott und die Welt nachzudenken. Nach einem kurzen Abschweifen zum Schienenersatzverkehr, der mir unterwegs ebenfalls verstärkt begegnete, bedauerte ich rein fiktiv jene Fahrgäste, die damit verkehren und nicht wissen, dass die Bahnverantwortlichen den eigentlichen Grund für den Schienenersatzverkehr, einen notwendigen Gleisbau, ebenfalls rein fiktiv nicht liefern konnten, da sie in all dem Trubel vergessen hatten, die notwendige Ausschreibung für den Gleisbau überhaupt zu erstellen.

Gemäß Genesis 1,2 war die Erde „wüst und leer“, es herrschte das Tohuwabohu. Gott schafft Ordnung aus dem Chaos (Gen 1,3 – 1,31) und wenn wir nun die heute allgemeingültige Auslegung verlassen, was durchaus etwas mit einer Umleitung zu tun haben kann, dann könnte man darüber sinnieren, ob Chaos und Gott nicht ein und dasselbe sind, das eine den anderen in sich trägt und auch wieder umgekehrt.

Was diese Überlegung nun noch etwas spannender machen könnte, wäre auch hierbei, den Tod an sich gleich mit ins Spiel zu bringen. Wie hängt der Tod mit beidem zusammen und könnte man vielleicht sogar von einer weiteren Dreieinigkeit sprechen? Damit stelle ich als Christ die Trinität nicht infrage, sondern begebe mich nur wieder auf eine weitere Umleitung.

Auf alle Fälle aber muss, wer unser Land heute überhaupt noch ein klein wenig verstehen möchte, die Mystik bemühen! Rein rational können wir uns unsere Welt schon lange nicht mehr erklären.

Und wenn ich schon bei der Mystik bin, muss ich sogleich noch an die morgige Vorlesung denken. Dieses Mal möchte ich über Personalmanagement sprechen, ein Gebiet, auf dem ich mich nicht nur in der Lehre bewege, sondern auch ein paar Jährchen Berufserfahrung mit beisteuern könnte. Wohl beides und zudem ein jeder für sich gute Gründe, um mir nicht zuzuhören; Genesis 2,17 lässt grüßen.

Nachtrag

Ganz passend dazu ein Artikel von Simon Lea im The Collector (16.11.2025) mit dem Titel „A Look Into Nietzsche’s Elitism and Anti-Education“.