Gedanken

Gedankengänge 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | © Image by Colin Behrens from Pixabay 

Eigentlich wollte ich nicht mehr zu diesem Thema schreiben. Aber der Krieg in Europa, welcher ohne Frage ein hybrider Weltkrieg ist — meine Meinung (!) — treibt mich einfach um und führt nun dazu, dass ich doch wieder ein paar ganz aktuelle eigene Gedankengänge in einem Blog-Beitrag festhalte. Diese sind weder strukturiert noch für einen Blog-Beitrag ausgearbeitet; ich schreibe mir hier einfach meinen Kummer von der Seele. Der Auslöser dazu war ein Artikel von Ivo H. Daalder und James Goldgeier in Foreign Affairs vom 9. Januar 2023 mit dem Titel: The Long War in Ukraine – The West Needs to Plan for a Protracted Conflict With Russia.

Selbstverschuldet führen wir heute noch Kriege wie im letzten Jahrtausend und dafür mache ich unsere Berufspolitik und unsere Waffenproduzenten bzw. -händler verantwortlich. Genau so wie ich diesen eine Teilschuld am Überfall der Russischen Föderation auf die Ukraine gebe. Zumindest nach militärischen Gesichtspunkten — wenn man auf verantwortungsbewusste Militärs gehört hätte — gäbe es diesen aktuellen Krieg nicht; leider in diesem Fall, gilt aber auch hier weiterhin das Primat der Politik und man muss unumwunden zugeben, dass Kriege immer von der (Berufs)Politik gemacht werden. Selbst wenn Kriege vom Zaun brechende Berufspolitiker einmal gedient haben sollten (siehe: GröFaZ), heisst das noch lange nicht, dass das Militär den Krieg begonnen hat. Das Militär muss meistens diese Kriege führen aber letztendlich immer verantworten. Die Berufspolitik unterschreibt später dann die Friedensverträge und lässt sich wieder einmal feiern. Und dabei sind es neben der Berufspolitik die Waffenproduzenten und -händler die aus Kriegen ihre Vorteile ziehen — ich kenne keinen Soldaten, der in einem Krieg jemals gewonnen hat, außer an Erfahrung vielleicht.

Spätestens in den 1980er-Jahren war allen Beteiligten klar, dass Kriege, die es übrigens seit 1945 nicht mehr gibt bzw. geben dürfte, wenn überhaupt noch, dann völlig anders zu führen sind. Damit meine ich nicht, die damals bereits überholte Abschreckungsstrategie der „Massive Retaliation“, sondern zeitgemäßere und moderne Kriegsführungstechniken, wie eine weitgehende Automatisierung und der noch heute so von der deutschen Politik angefeindeten Roboterisierung des Gefechts. Bereits damals wurden uns professionellen Soldaten Konzepte vorgestellt, wie zukünftig eine zeitgemäße Kriegsführung auszusehen hat.

Weg von der Levée en masse hinzu einer weitgehenden Professionalisierung der Streitkräfte, die zudem nur noch multinational und zumindest mit Zustimmung oder aber im Auftrag der Vereinten Nationen eingesetzt werden. Die Leere des Gefechtsfeldes wurde dabei bis ins Höchste zelebriert wobei nur noch einzelne Offiziere unterstützt von Robotern und weiteren modernen Waffensystemen künftigen Kriegen ein ganz anderes Gesicht gegeben hätten.

Aber Wissenschaft und Militär hatten die Rechnung ohne Industrie und Berufspolitik gemacht, wie letztere zuvor auch „völlig unbedarft“ Kriege insgesamt abgeschafft hatte und nunmehr darum bemüht war, diese wieder hoffähig zu bekommen. So dienen noch heute Kriege dazu, um von einer völligen Inkompetenz oder gar kriminellen Machenschaften der verantwortlichen Berufspolitiker abzulenken — entsprechende Beispiele finden sich in den letzten Jahrzehnten zuhauf. Die Hauptursache lag und liegt allerdings noch heute darin, dass man mit „Verteidigungspolitik“ am einfachsten mit Billionenbeträgen an Steuergelder jonglieren kann ohne jemals tatsächlich zur Rechenschaft gezogen zu werden — der sogenannte militärisch-industrielle Komplex kann als Beispiel für dieses Gebaren angeführt werden.

Und so wurde nicht nur in der Russischen Föderation — wie wir es aktuell erfahren können — die „Verteidigungsindustrie“ dahingehend ausgebaut, dass Berufspolitiker und „Unternehmer“ sehr einfach sehr reich wurden. Auch in der westlichen Welt wurden auf Kosten der Streitkräfte Billionen an Steuergeldern veruntreut und an Potemkinschen Dörfern festgehalten und dies immer mit dem Hinweis, dass dies der Wirtschaft und der Gesellschaft diene. Sobald manche Bürger dieses Verhalten in Frage stellten, wurde darauf hingewiesen, dass man doch nicht die Sicherheit unserer Länder gefährden könne oder dies gar wolle.

Ganz aktuell erleben wir in der Ukraine wieder einmal, dass sich Fortschritt und moderne Technologie nicht ignorieren lassen und wir — auch die militärisch Unbedarftesten — können allesamt erahnen, wie zukünftige Kriege aussehen werden. Zudem erleben wir in sämtlichen Medien hautnah mit, wie dort die eigenen Staatsbürger und Freiwillige aus anderen Ländern regelrecht verheizt werden, teilweise nur um kriminelle Machenschaften zu vertuschen oder die Versäumnisse von Jahrzehnten auszugleichen.

Hinzu kommt auf beiden Seiten eine Kriegsführung, die kein morgen zu kennen scheint und das spätestens seit Vietnam gescheiterte Konzept „Masse statt Klasse“ nunmehr zu einem neuen Höhepunkt führt. Wir erleben dabei Munitionsverbräuche, die kein einzelner Staat mehr tragen kann und es muss einen aufhorchen lassen, dass alleine die Ukraine in einer Woche mehr Granaten verbraucht als selbst die USA in einem Monat herstellen können.

Wenn man nun aber glaubt, dies sei der Höhepunkt des Ganzen, dann irrt man sich gewaltig, denn wir erfahren zudem, dass die deutsche Waffenindustrie — ähnlich wie bei der Bundeswehr üblich — überteuerte Waffensysteme liefert, die dann ihren Zweck nicht erfüllen, da unsere Waffenindustrie traditionell nur wunderbare Luftschlösser verkauft. Ganz aktuell hierbei die Information, dass die Ukraine zwar das deutsche System IRIS-T erhalten hat, was übrigens in der Ukraine nun gewaltige Ressourcen bindet, dieses System aber mangels notwendiger Flugkörper „nur jedes Schaltjahr einmal“ einen Schuss abgeben kann.

Schlimmer noch, wir können in der Ukraine bereits einen Wissens- und Technologietransfer beobachten, der wohl kaum beabsichtigt noch geregelt ist und uns allen insgesamt, besonders der westlichen Welt, zukünftig sehr schaden wird. Und auch dies zeigt erneut, dass es ein großer Fehler war, unsere ehemals tatsächlich funktionsfähige Rüstungsindustrie, wohl alleine wegen des kurzfristigen Gewinnstrebens einzelner, zu reinen Waffenhändlerorganisationen umzubauen. Übrigens, das daraus resultierende schlechte Gewissen hat man durch Waffenexportgesetze beruhigt, die aber nur dazu führten, dass die Industrie durch Korruptionszahlungen diese wieder umgehen kann, was wiederum für beide, Industrie und Politik, eine Win-Win-Situation darstellt.

Jeden Krieg muss man so schnell wie möglich beenden, diesen in der Ukraine leider aber nicht! Denn es handelt sich hierbei „nur“ um einen einzelnen Kriegsschauplatz, nämlich von einem, sich gerade langsam aber sicher weiter entfaltenden Weltkriegs. Und wenn wir diesen gewinnen möchten, müssen wir weiterhin Ukrainer und Russen „verheizen“, so lange bis sich die Russische Föderation in Wohlgefallen auflöst und damit unsere ideologischen Gegner so geschwächt werden, dass diese bereit sind, um wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Diese dann hoffentlich erzielte Gefechtspause wird zumindest seitens der Gegenseite dazu genutzt werden, um die eigenen Streitkräfte tatsächlich zukunftsfähig zu machen. Und auch wir wären gut beraten, wenn wir uns wieder an die originären Aufgaben von Streitkräften und Rüstung erinnern würden und zudem dafür sorgen, dass in künftigen Kriegen nicht das unsinnige Opfern von Menschenmassen notwendig ist, um eine „Entscheidung auf dem Schlachtfeld“ herbeizuführen.

Selbstverständlich wäre es für alle viel besser, wenn wir verantwortliche Politiker, wie jene nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten, die ihre Aufgabe darin sehen, den Krieg an sich abzuschaffen und Modelle zu entwicklen, wie man ohne Waffengewalt Interessenkonflikte ausgleichen kann — eine zeitgemäße Form der Vereinten Nationen böte die geeignete Plattform dafür. Alleine es fehlt uns an den dazu notwendigen Politikern, und diese erhalten wir nur, wenn wir unsere Demokratien allesamt wieder in Ordnung bringen — Bildung, Moral und Verantwortung sollten wieder hoffähig werden!

Und wer jetzt glaubt, dass wir Deutschen wieder einmal ungeschoren davon kommen, der wird sich irren, denn selbst, wenn alles zu unseren Gunsten liefe, muss irgendwer die Zeche zahlen und dieser Krieg, der wird die Welt Billionen Euro kosten. Und die Russen werden, so wie wir Deutschen übrigens nach dem Zweiten Weltkrieg auch, diese Kosten nicht zahlen können, die Ukrainer werden ebenfalls nichts mehr haben, die US-Amerikaner zahlen jetzt schon bereits mehr als sie können, die Chinesen können wir wohl kaum zur Kasse bitten und so wird ein großer Teil der Zeche an uns hängen bleiben — dies ist neben den Folgen des Klimawandels und den Kosten einer völlig aus dem Ruder gelaufenen „Sozialpolitik“ nur ein weiterer Grund, warum spätestens unsere Enkel weitaus kleinere Brötchen backen müssen.

Deshalb wäre es ganz gut, sich schon jetzt darüber Gedanken zu machen — nicht wer den kommenden Mallorcaurlaub für unsere „Leistungsrentner“ finanziert, sondern — wie wir unser Wirtschaftssystem insgesamt am Leben erhalten können. Ich glaube, eine Besteuerung zu 100 % für die Gewinne bei Waffen und Munition wären ein ganz guter Anfang.

Leseempfehlung

Zum meinen spontan geschriebenen Blog-Beitrag passt ein Artikel von Matthias Gebauer und Konstantin von Hammerstein aus dem Spiegel 3/2023 zum Thema „Zeitenwende bei der Bundeswehr: Heerjemine – wie schlimm es um die Truppe wirklich steht“ ganz gut. Dieser Artikel wurde am 13. Januar 2023 auch online bei S+ veröffentlicht.

Wenn wir vielleicht doch noch etwas zum Positiven wenden wollen, dann müssen wir nicht nur die letzten verantwortlichen Minister, sondern auch die zuständigen MdB vor Gericht bringen und mindestens wegen Landesverrats anklagen. Weitere Anklagepunkte werden im Laufe der Ermittlungen sicherlich folgen.


Journalistin

Journalisten 5 (2)

Beitragsfoto: Journalistin | © Neven Divkovic auf Pixabay

Schlechte wie auch gute Journalisten gab es schon immer. Meine erste Erfahrung mit Journalisten konnte ich bei der Lektüre der Heilbronner Stimme machen. Qualitätsjournalismus lernte ich kennen, da der Vater eines Freundes den Spiegel abonniert hatte und ich diesen damit regelmäßig lesen konnte. Noch bis weit in die 1990er-Jahre hinein gehörte der Spiegel zu meiner regelmäßigen Lektüre.

Später dann, als ich mich politisch in einer Jugendorganisation engagierte, lernte ich weitere Lokalzeitungen kennen und musste mich mit der Tatsache abfinden, dass unsere Lokalzeitungen allesamt an politischen Inhalten weniger interessiert waren als an den vielen Riverboat-Partys und sonstigen politischen Festen der damaligen Konkurrenz. Und noch heute, Jahrzehnte später, bekomme ich dort jene Artikel abgedruckt, die sich schwerpunktmäßig ums Essen und Trinken drehen — politische Inhalte interessieren weiterhin nur dann, wenn diese mit der gefühlten lokalen Einheitsmeinung in Einklang zu bringen sind.

Zu Beginn meines Berufslebens stellte man uns vor die Wahl, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und, wohl eher für die Nordlichter, die Welt zu abonnieren. Ich entschied mich damals für die FAZ und blieb dieser Zeitung fast bis zu meiner Zuruhesetzung treu, auch wenn ich mich immer mehr mit der Süddeutschen Zeitung anfreunden konnte; und hätte diese nicht beständig mit ihrem Regionalteil gedroht, vielleicht sogar einmal über einen Wechsel nachgedacht.

Beruflich bedingt, lernte ich dann auch Zeitungen anderer Länder kennen und schätzen, so habe ich bis heute immer wieder ein paar davon abonniert und freue mich darüber, dass diese mir dabei helfen, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Noch heute schätze ich gut recherchierte Zeitungsartikel sehr und glaube darüber hinaus, dass Zeitungen an ihrer eigenen Konkurrenz wachsen und gedeihen, aber ohne Konkurrenz nur noch vor sich hin vegetieren und zu bloßen Abziehbildern von sich selbst und ihrem ehemaligen Glanz mutieren.

Wiederum beruflich bedingt, wurde ich damit konfrontiert, dass man durchaus selbst im Interesse von Journalisten liegen kann und diese nicht immer nur beständig darum bitten muss, dass sie über die eigenen ehrenamtlichen Aktivitäten berichten. Schnell musste ich aber dabei feststellen, dass es nicht unbedingt ein Vorteil ist, wenn man ins Interesse von Journalisten gerät. Und so wurde es „überlebensnotwendig“, dass ich mich mehr mit Journalisten beschäftigte als es mir meist lieb war und dabei auch entsprechende Lehrgänge und Ausbildungen absolvieren musste.

Meine erste entsprechende Erfahrung musste ich dann bereits als Zugführer machen, nämlich als man mir befahl, eine Journalistin mit Kamerateam den gesamten Tag über mit dem von mir geführten Infanteriezug zu bespaßen. Da es sich nur um einen weiteren Waldkampftag handelte und die Soldaten inzwischen ihre Aufgaben im Schlaf beherrschten, eigentlich ein Selbstläufer — das dachten wohl nicht nur meine Vorgesetzten, sondern auch ich. Aber um wirklich ganz sicher zu gehen, informierte ich meine Kameraden vorab über die Bedeutung dieses Besuchs und stellte ihnen noch ein paar Kisten Bier in Aussicht.

Und so begleitete uns diese Journalistin fast den gesamten Tag über, führte Gespräche und ließ bestimmte Übungen für die Kamera wiederholen. Dabei wurde ihr Gesicht immer länger, was ich auf die viele frische Luft, die sich so langsam einschleichende Kälte und das Fehlen eines besonderen Caterings für unsere Presse-Begleiter zurückführte.

Dann aber geschah, was nicht geschehen sollte, ein Soldat, nicht gerade der brillanteste unter der Sonne, verhaspelte sich im Interview und es kam dabei zu einem Halbsatz, den man ohne Kontext hätte missverstehen können. Und damit war der Presse-Besuch plötzlich zu Ende und die Journalistin verließ uns mit ihrer Entourage wieder.

Ein paar Tage später wurde ich von meinen Vorgesetzten barbiert und mir dabei der Pressebericht vorgeführt. Dieser bestand nur aus einer Meinung der besagten Journalistin, die dann zum Schluss mit gerade diesem Halbsatz untermauert wurde — damit hatte ich meine erste Bekanntschaft mit dem gefühlten Journalismus gemacht. Und wenn man etwas bei der Bundeswehr schon einmal gemacht hat, dann darf man dies immer wieder machen.

Und so war ich eines Tages hocherfreut als ich zwei Spiegel-Journalisten betreuen durfte, die extra zu uns gekommen waren, um meine Vorgesetzten im O-Ton zu hören. Sehr umgängliche Herren, die erstaunlicher weise sehr viel wussten, mehr als sie in ihrem Artikel später schrieben, welcher zudem auch sehr fair war — ein Highlight fachlichen Journalismus’. Weniger erfreut war ich über den zeitgleich stattfindenden Besuch einer Journalistin, die wohl zum selben Thema recherchieren sollte, weil es damals das Thema überhaupt war, sich aber bereits bei Ankunft auf meinen einzigen weiblichen Soldaten, eine sehr attraktive Französin, welche sich aber durch gute Stabsarbeit und eine beeindruckende Robustheit bei allem Kameraden Respekt verschafft hatte, stürzte und diese frank und frei fragte, was sie von den sexuellen Belästigungen in der Armee halte? Diese erwiderte nur: „Warum, hat sich einer meiner Kameraden über mich beschwert?“ und ließ die Journalistin stehen. Da ich bereits wusste, dass ich gegen gefühlten Journalismus keine Chance habe, ließ auch ich diese Dame links liegen und war mir dabei völlig sicher, dass diese an ihrem Thema vorbei schreiben würde. Auf jeden Fall aber hat mir kein Vorgesetzter später deren Artikel unter die Nase gerieben.

Den Tiefpunkt journalistischer Arbeit durfte ich etwas später in einem bekannten Hotel an der Sniper Alley kennenlernen, dort hatten sich Politik, Presse, Hilfsorganisationen und die organisierte Kriminalität zusammengefunden, offensichtlich weil es der einzige lebenswerte Ort in der näheren bis weiteren Umgebung war. Ich war mit dabei, weil dort Informationen wie auf einem Bazar gehandelt wurden und gute Informationen sind nicht nur für Journalisten wichtig. Auf jeden Fall aber durfte ich dort wohl die letzten Dinosaurier des Journalismus erleben, welche von jüngeren Journalisten wie Popstars umschwärmt wurden und whiskygeschwängert und mit Zigarren- oder Zigarettenqualm umnebelt gerne ihre Weisheiten an die Frau brachten. Damals wurden ganz offensichtlich Karrieren gestartet, wobei wohl auch der gefühlte Journalismus massentauglich wurde.

Ich hatte diese Erlebnisse bereits vor Jahren in zwei oder drei Blog-Beiträgen verarbeitet, diese später aber — wohl altersmilde — wieder gelöscht. Dabei halfen auch Erlebnisse, die ich bei einem meiner letzten Einsätze machen, wobei ich erstmals freie Journalisten kennenlernen durfte, die fachlich fundiert und gut recherchierte Artikel schrieben, die sie später dann an die verschiedensten Medien verkaufen mussten. Diese Journalisten lebten ihren Beruf und wohl meist auch an der Grenze hin zum Prekariat — mit Gefühlsjournalismus wären sie sicherlich viel weiter gekommen.

Wieder mit dem Journalismus befriedet hat mich dann aber ein nun auch etwas ergrauter wie auch bekannterer Journalist, dem ich mit Malariamitteln zugedröhnt ein Fernsehinterview gab, wobei er mich zudem völlig auf dem falschen Fuß erwischte. Dieses Interview wurde meines Wissens nie ausgestrahlt, er hat es später aber sehr gerne zur Belustigung meiner Mitarbeiter gezeigt — was bezeugt, dass ein Quäntchen Humor durchaus zu gutem Journalismus mit dazugehört.

Und wo stehen wir heute? Es gibt sie sicherlich noch, die guten Journalisten, die weiterhin durch Kärrnerarbeit und fachlich versiert Informationen sammeln und für ihre Leser aufbereiten. Und später dann, wenn sie sich selbst durch Erfahrung und Wissen ein Bild gemacht haben, mit Meinungsbeiträgen ihre Leser- oder Hörerschaft verzücken, besser noch, dabei ihre Meinungen auch mit treffenden wie gut fundierten Argumenten untermauern können.

Leider aber, und dies war der Grund dafür, warum ich u. a. mein FAZ-Abonnement gekündigt habe, kommen gute Journalisten immer seltener zu Wort. Und wenn dabei auch noch die Rechtschreibfehler zunehmen und die Kenntnisse in den Grundrechenarten entsprechend abnehmen, dann lohnt es sich wirklich kaum noch, eine überregionale Zeitung zu lesen. „Die lokale Tageszeitung liest man wegen der Todesanzeigen“, so zumindest meine längst und viel zu früh verstorbene Oma.

Besonders dann nicht, wenn die viel gelobten Meinungsmacher zwar immer eine dezidierte Meinung verkünden aber sehr oft weder das dazu notwendige Wissen noch die Erfahrung und manchmal nicht einmal ausreichend Hirn haben, um überhaupt eine fundierte Meinung haben zu können.

Es fängt bereits an, wenn ich Meinungen über das Ehrenamt lese, von Journalisten, die selbst nie hinreichend ehrenamtlich tätig waren und das Ganze wird für mich dadurch gekrönt, wenn es in Glossen um Dinge geht, bei denen ich weiß, dass der betreffende Journalist weder das notwendige Wissen noch die dafür nötige Erfahrung haben kann.

Man darf durchaus eine Meinung haben, aber diese sollte auf Grundlagen beruhen und je fundierter diese Grundlagen sind, so wertvoller dürfte die damit vertretene Meinung sein — ob diese Meinung gut oder schlecht ist, liegt weiterhin in der Betrachtung des Lesers. Auch hängt es vom Leser ab, ob er diese dann teilt oder nicht.

Und so bin ich davon überzeugt, dass guter Journalismus aus dem Zusammentragen von Informationen und deren verständliche Aufbereitung für den Leser bzw. Hörer besteht. Dazu zähle ich auch, dass man die erhaltenen Informationen vorab auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüft und gerade bei strittigen Themen die gesamte Bandbreite mit abdeckt.

Wem als Journalist dies alles zu mühsam ist und wer dabei glaubt, die Welt alleine durch die eigene Meinung glücklich machen zu müssen, der sollte vom Journalismus Abstand nehmen und lieber ein Weblog schreiben.


Siedler von Catan

Zerstreuung 5 (1)

Beitragsfoto: Brettspiel

Bevor ich mich wieder ab Montag voll und ganz mit meinen üblichen Routineaufgaben beschäftige und mich mit frischem Schwung ins neue Jahr stürze, habe ich mir einfach einmal ein Wochenende der Zerstreuung gegönnt. Hinzu kam noch, dass ich mich nach Wochen einer fortdauernden Männergrippe auch so langsam wieder halbwegs fit fühle. Und solange mein weiterhin anhaltender Schnupfen nicht wieder stärker wird, sind die Voraussetzungen für die kommenden Aktivitäten fast optimal.

Ein gestriger Spieleabend, der mir einen Sieg bei den Siedlern von Catan bescherte, dürfte mein persönlicher Höhepunkt eines durchaus erfolgreichen Zerstreuungswochenendes sein. Neu hinzu kam für mich noch das nächtliche Bingen einer britischen Krimi-Reihe, die mir erst jüngst empfohlen wurde. Eigentlich war ich einmal ein Fan von Krimis, bis mir das deutsche Fernsehen mit seinen Tatorten und sonstigen Unfällen das Krimischauen abgewöhnte. Aber noch heute gucke ich immer wieder gerne Verfilmungen von Agatha Christie Romanen, und meine bessere Hälfte bedauert immer noch, dass es keine Fortsetzung von Miss Fisher’s Murder Mysteries (2012-2015) gibt, die sie vor ein paar Jahren zusammen mit Ursula während eines Kalifornienaufenthaltes vom Anfang bis zum Ende angeschaut hat.

Mich hat nun die bereits seit 2012 (!) laufende Fernsehserie Endeavour vor den Fernseher gelockt. Diese Krimi-Reihe spielt in Oxford und beginnt 1965 und soll bis in die 1970er-Jahre reichen; ich finde ein gelungenes zeitliches Setting, weil es mich doch sehr an meine eigene Jugend erinnert. Die Serie basiert auf den Romanen von Colin Dexter und hat den jungen Inspektor Morse zum Protagonisten. Deshalb läuft sie auch in Deutschland unter dem Namen „der junge Inspektor Morse.“ Shaun Evans spielt dabei den Polizisten Endeavour Morse und ich finde, dies auch ganz gelungen. Nun bin ich einmal gespannt darauf, wie weit ich mit dieser Serie kommen werde und ob sie mir auch bis zum Ende gefällt.

Sollte dies der Fall sein, dann muss ich nicht wie meine bessere Hälfte bei Phryne Fisher, die übrigens vorzüglich von Essie Davis verkörpert wird, auf eine Forstsetzung warten, sondern könnte gleich die Krimi-Serie Inspector Morse weiterschauen, da diese bereits zwischen 1987 und 2000 gedreht wurde und wohl die eigentlichen Romane von Colin Dexter zur Vorlage hat; der ältere Endeavour Morse wird dabei von John Thaw gespielt.

Auf jeden Fall aber ist es in unserem Zeitalter sichergestellt, dass all jene, die Zerstreuung suchen, diese auch finden und dazu müssen sie nicht einmal mehr das Haus verlassen und etwa eine Bibliothek aufsuchen, sondern einfach nur noch den Fernsehapparat einschalten — schöne neue Welt.

„Wer täglich herumläuft und sich von Neuigkeiten nährt, wird fremd in seinem eigenen Hause; wer immer in Zerstreuungen lebt, wird fremd in seinem eignen Herzen, muß im Gedränge müßiger Leute seine tägliche Langeweile zu töten suchen, verliert endlich alle Zuversicht zu sich selbst und verzagt, wenn er einmal Zerstreuungen entbehren und eine Zeit lang mit sich selbst alleine sein muss.“

Adolph Freiherr Knigge, Über den Umgang mit Menschen (1878 [1788]: 64)