Squash-Court

Squash 4.5 (2)

Beitragsfoto: Squash-Court

Heute hatte ich seit längerem einmal wieder einen Squash-Schläger in der Hand. Und das führte unweigerlich dazu, dass ich tief in Gedanken versank. Im Vorfeld hatte ich darum gebeten, dass wir uns zu diesem Anlass auf einem Heilbronner Squash-Court treffen — dies ist wohl leider nicht mehr möglich. Ich hatte dabei sogar einen ganz bestimmten Court im Visier; die Zeiten ändern sich derzeit sehr gewaltig und dies ganz besonders in Heilbronn.

In meiner Jugend legten meine Eltern sehr viel Wert darauf, dass ich mich sportlich betätige und dabei auch möglichst viele Sportarten kennenlerne. Was das Tennis und Reiten anbetrifft, konnte ich sie damals überhaupt nicht verstehen — muss aber zugeben, dass mir beides später beruflich doch gut gedient hat. So blieb es mir auf Lehrgängen in Frankreich erspart, bei Wettkämpfen neben meinen französischen Kameraden mit dem Fahrrad nebenher „zu reiten“ — und ich bekam auch immer den gutmütigsten Gaul im Stall.

Und noch bis in die Nullerjahre hinein griff ich noch ab und zu zum Tennisschläger, vor allem dann, wenn mich der idyllische Platz oder die schiere Größe der Anlage mit Duzenden von Tennisplätzen reizte. Die drei Plätze meines ehemaligen Tennisvereins hätten mich nach meiner Rückkehr nach Heilbronn bestimmt zum Spiel verführt, mussten aber bereits vor ein paar Jahren einer Wohnanlage weichen, wobei ich schon froh darüber bin, dass sie keiner weiteren „Fressmeile“ wichen.

Und so versuchten meine bessere Hälfte und ich nach unserer Rückkehr zumindest unser Schwimmtraining weiter aufrechtzuerhalten. Aber auch hierbei viel mir auf, dass unsere Sportanlagen anstatt mit einem leichten Schweißgeruch eher mit einer Geruchsmischung aus Zwiebelrostbraten, Schorle weiß-sauer und Erbrochenem aufwarten. Im Hallenbad kommen dann noch des öfteren Parfümwolken mit hinzu, die für einen Schwimmer durchaus lebensgefährlich werden können — was allerdings die Badegäste am Sportbeckenrand mit Zigarette oder Bier in der Hand weniger stören dürfte.

Das erste Mal hatte ich im Mai 1992 einen Squash-Schläger in der Hand. Und dies nur, weil ich eine Woche zuvor meine bessere Hälfte kennengelernt hatte und diese in einem Heilbronner Squash-Team spielte. Tennis und Squash sind m. E. zwei völlig andere Sachen, und so obsiegte nach unserer Heirat ein Jahr später die Tatsache, dass Militärstandorte, zumindest bis zur Jahrtausendwende, allesamt über Tennisplätze aber über keine Squash-Courts verfügten. Wobei meine bessere Hälfte später dadurch entschädigt wurde, dass sie in den Nullerjahren Mitglied der Stettiner Golf-Damenmannschaft wurde und danach in Ulm ein Damen-Team an der Langwaffe und letztendlich sogar beim Tennis verstärkte; was dann doch noch einmal dazu führte, dass ich in den 2010er-Jahren nochmals zum Tennisschläger griff; meinen Squash-Schläger hatte ich bereits 1993 „verloren“.

So fuhren wir heute in die nächst größere Stadt, Neckarsulm, spazierten durch ein gut gefülltes Restaurant und fanden sozusagen im Hinterzimmer doch noch ein paar Squash-Courts vor. Zugegebener Maßen in einem einwandfreien Zustand und zudem mit der notwendigen Privatsphäre ausgestattet, was gerade für jene von Bedeutung ist, die sich nach fast 30 Jahren Abstinenz wieder einmal dieser Sportart widmen möchten.

Entgegen aller Erwartung — ich musste dieses Mal auch nicht als blutiger Anfänger gegen ein gut trainiertes Mitglied einer Squash-Mannschaft spielen — hat mir das Spiel ganz gut gefallen. Und so führen die angenehme Umgebung und die Kurzweiligkeit des Spiels wohl dazu, dass ich mir wohl wieder einen Squash-Schläger kaufen werde.

Als alter Heilbronner, der es noch gut findet, wenn man beim Sport oder der Arbeit und nicht in der Sauna oder beim Essen schwitzt, würde es mir noch besser gefallen, wenn man innerhalb der eigenen Stadtgrenzen bleiben könnte, um sich sportlich zu betätigen.


Bring Backs Plattencover

Alfa Mist 5 (1)

Beitragsfoto: Bring Backs Plattencover

Wenn es einmal etwas ungemütlicher wird, dann ist es eine gute Idee, erst einmal innezuhalten und zu schauen, ob es sich hierbei um existentielle Dinge handelt oder nicht. Und so habe ich den gestrigen Abend bei einem Affogato in der Sülmerstraße ausklingen lassen und mich am Anblick der vielen Passanten erfreut, die trotz des Wetters dort noch unterwegs waren.

Übrigens, wer gerne immer wieder einmal auf die Schnelle einen Espresso trinkt oder sich gar an einem Espresso Affogato erfreut, dem kann ich das Gelatone empfehlen.

Meinen heutigen Tag habe ich erst einmal mit ein paar Runden im Schwimmbad begonnen und es mir dann mit Platten von Alfa Mist so richtig gemütlich gemacht.

Alfa Mist ist ein junger Musiker aus London, der wohl Anfang der 1990er-Jahre geboren und ab 2015 mit Nocturne EP auch sehr schnell bekannt wurde. Diese Platte wird allgemein dem Hip Hop, Funk oder Soul zugeordnet. Mit der Platte Structuralism aus dem Jahr 2019, die man gut und gerne dem Jazz zuordnen kann, hat er mich dann vollends überzeugt. Aber auch die bereits 2017 erschienene Platte Antiphon sollte man sich einmal anhören.

Seine Platte Bring Backs, die vergangenes Jahr erschienen ist, habe ich mir sofort gekauft und dies ohne vorab hineinzulauschen — und dies bis heute nicht bereut.

Das Lied Organic Rust von der Platte Bring Backs (2021)

Während ich diese Zeilen schreibe höre ich allerdings die Platte Structuralism und, wenn ich heute noch dazu komme, Two for Mistake (2021) oder doch Epoch, die bereits aus dem Jahr 2014 stammt.

Je länger ich Alfa Mist lausche, umso mehr erinnert er mich an den jungen Thelonious Monk — die Sach- und Fachkundigen werden sich nun wohl die Haare raufen, mir aber egal.

Auf jeden Fall aber empfehle ich jedem zumindest einmal eine Platte von Alfa Mist in Gänze anzuhören.

Antiphon (2017)

Selbstverständlich hat Alfa Mist auch eine eigene Website. Diese finden Sie gleich hier.


Amtsstube

Amtsschimmel 4.8 (4)

Beitragsfoto: Amtsstube | © Shutterstock

Selbst über 70 Jahre Frieden in Europa hat auch eine negative Seite, nämlich dass sich bei uns ohne jegliche Unterbrechung und Störungen der Amtsschimmel so richtig selbst entfalten und dabei noch nie gekannte Dimensionen erreichen konnte.

Mindestens seit 40 Jahren wissen wir um diese Tatsache und den damit einhergehenden Gefahren für Staat und Gesellschaft — von den davon betroffenen Menschen ganz zu schweigen. Und seit dieser Zeit drücken wir auch beide Augen zu und lassen den Amtsschimmel weiterhin wiehern.

Faktum ist, und ich hatte auch dies bereits mehrfach hier kundgetan, dass wir Menschen einfach Bürokratie und Verwaltung benötigen, um als Gesellschaft überhaupt funktionieren zu können — über Jahrtausende beweisen wir bereits immer wieder, dass sämtliche anderen Modelle menschlichen Zusammenlebens gnadenlos scheitern.

Bisher war es allerdings auch immer ganz natürlich, dass Kriege, Revolutionen oder andere gesellschaftlichen Einbrüche dafür sorgten, dass wir Menschen auch mit der Bürokratie immer wieder von vorne anfangen mussten — die eigene Endlichkeit als Rettung jeden Lebens und Systems!

Neu für uns alle ist nun aber, dass sich die Bürokratie nicht wie „andere Lebewesen“ nach ein paar Jahrzehnten selbst erneuert, sondern nun ewige Züge annimmt und sich dabei als Institution nicht nur sehr wohl fühlt, sondern auch immer abstrusere Formen annimmt. Ohne Frage, gerade jene, die in diesem System zu Hause sind, werden diese Absonderlichkeiten nicht mehr erkennen können — auch dies ist eine bekannte Tatsache.

Sämtliche Versuche dieser Fehlentwicklung einen Riegel vorzuschieben, sind in den letzten Jahrzehnten schon in den ersten Ansätzen gescheitert. Nochmals, wir benötigen eine zu gut 80 % funktionierende Bürokratie, um als Gesellschaft überhaupt überlebensfähig sein zu können. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass manche dabei auch darüber spekulieren, dass nicht eine fehlende Bürokratie das Schlimmste wäre, sondern eine zu 100 % funktionierende — dies ist heute aber nicht das Thema.

Faktum ist auch, dass unsere Verwaltungen inzwischen und dies egal auf welcher Ebene Dimensionen angenommen haben, die nicht mehr handhabbar sind. Sie haben dabei schon längst jene Größe überschritten, die sie nunmehr dazu befähigt, dass sie sich ganz ohne den Rest der Gesellschaft am Leben erhalten und beschäftigen können.

Und der Rest der Gesellschaft beklagt sich zunehmend immer stärker, da dieser Rest die negativen Auswirkungen, von denen es unzählige gibt, erleiden und ertragen müssen — ursprünglich war es meine Absicht, ein gerade ganz aktuelles Beispiel aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit zu bringen, dann aber musste ich an alle, die denken, deren eigene berufliche und persönliche Existenzen durch unseren Bürokratiewahnsinn irreversibel zerstört werden und lasse das jetzt bleiben.

Meine Weblog-Leser stehen selber so im Leben, dass sie ausreichend eigene Beispiel aufführen können und wahrscheinlich auch weit drastischer als meine eigenen aktuellen ehrenamtlichen Erlebnisse!

Deshalb kürze ich meinen Beitrag ab und komme sogleich zu meinen eigenen Schlussfolgerungen. Wir müssen unsere Bürokratie und die darin gefangenen Mitbürger retten. Und wir können dies zumindest jetzt noch. Wenn wir dies allerdings nicht schnellstmöglich machen, dann greift eine von beiden Amtsschimmellösungen: entweder übernimmt die Verwaltung zu 100 % die gesamte Gesellschaft und diese besteht dann nur noch aus Verwaltung oder die Gesellschaft zerbricht an der Last unserer Verwaltung und hat es damit auch nicht verdient, von dieser verwaltet zu werden — Philosophen mögen dabei das unseren Verwaltungen inzwischen immanente Menschenbild erkennen.

Die Lösung für alle ist:

  • eine 100 % Transparenz in sämtlichen Verwaltungsangelegenheiten;
  • eine völlige Digitalisierung unserer Verwaltungen;
  • eine permanente Bestenauslese bei den Verwaltungsmitarbeitern;
  • eine zweijährliche Überprüfung sämtlicher Dienstposten auf Notwendigkeit und Effektivität;
  • eine Zeitbegrenzung sämtlicher Verwaltungsvorgänge, erlassener Regeln und Maßnahmen.

Ich bin mir dabei völlig im Klaren, dass noch viele weitere Dinge zu regeln sind, damit wird wieder die Verwaltungen bekommen, die wir tatsächlich benötigen und uns auch leisten können.

Abschließend nochmals mein Eingangs-Statement: wir können ohne (funktionierende) Verwaltungen nicht existieren.

„The only thing that saves us from the bureaucracy is inefficiency. An efficient bureaucracy is the greatest threat to liberty.“

Eugene McCarthy, Time magazine (12. Februar 1979)