Grenzkontrollen

Sobald ein gescheiteter Politiker nicht mehr weiterweiß, kommen Grenzkontrollen ins Spiel — die Einzäunung des eigenes Klientels als Allheilmittel, wie jüngst à la DDR. Zum einen soll es Fachkompetenz, Initiative und sich kümmern vortäuschen und zum anderen uralte Reflexe bedienen: die anderen sind Schuld.

Menschen und schon gar nicht Viren kann man durch Ab- und Ausgrenzung daran hindern, sich über die gesamte Welt hinweg auszubreiten. Gerade in jenen Zeiten, in denen sich Menschen kaum aus dem eigenen Dorf oder ihrer Stadt wegbewegen konnten, wütete allerorten die Pest.

Und zum Ende des Ersten Weltkriegs, wo die Nationen allesamt auf ihre Staatsgebiete konzentriert waren, wütete die spanische Grippe.

So wird man auch heute weder Viren noch Menschen daran hindern können, sich auszubreiten. Deswegen ist es müßig, immer wieder neue Grenzkontrollen oder gar -schließungen zu initiieren.

Besser wäre, einmal zu akzeptieren, dass Grenzkontrollen und -schließungen nur knappe Ressourcen vergeuden und endlich damit anzufangen, andere Lösungsmöglichkeiten verstärkt in Erwägung zu ziehen.

Neben einer intensiveren Aufklärung von unmündigeren Bevölkerungsteilen, einschließlich zeitnahem und unmittelbaren Sanktionieren von entsprechendem Fehlverhalten, könnte auch das bestehende Monitoring ausgebaut und professionalisiert werden. Letztendlich muss man zudem darüber nachdenken, erkrankte Menschen und medizinisches Personal über Grenzen hinweg zu verteilen, um Ausbreitungsschwerpunkten besser und schneller begegnen zu können.

In keiner Pandemie gelang es Menschen, egal wie privilegiert sie auch waren, sich einzuigeln und das Ende einer Pandemie abzuwarten. Sollten Sie es dennoch selbst versuchen wollen, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre Edgar Allan Poes „The Masque of the Red Death“ aus dem Jahr 1842 mit in Ihre Selbstisolation zu nehmen; und auch Giovanni Boccaccio hat bereits Mitte des 14. Jahrhunderts in seinem Werk „Dekameron“ entsprechende Schlussfolgerungen gezogen.

„People are more inclined to believe in bad intentions than in good ones.“

Giovanni Boccaccio, The Decameron (c. 1350, 3. Tag, 6. Geschichte)

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