Brainticket

Gong & Brainticket 4 (9)

Beitragsfoto: Plattencover

An manche Musikbands sollte ich mich erst erinnern, wenn ich „home alone“ bin. Auf alle Fälle aber nur dann auf den Plattenteller legen.

Gong und Brainticket sind zwei dieser Gruppen, die aktuell und wohl nur heute ihre Runden auf meinem Plattenteller drehen. Erstaunlicher Weise kam noch kein einziger Nachbar zu Besuch.

Mancher Leser wird nun über meinen Musikgeschmack etwas erstaunt sein und jene, die mich schon etwas länger kennen, dass ich diese Platten überhaupt noch besitze. Auch heute gilt noch, dass man sich als Mensch nicht in Schubladen pressen lassen sollte. Sich aber auch nicht allzu schnell selbst auf das eine oder andere festzulegen, denn dafür ist unsere Welt auch heute noch viel zu bunt und vielfältig. Zugegeben, nicht mehr annähernd so wie noch Ende der 1960er- bis Ende der 1970er-Jahre!

Meine damaligen Freunde gingen noch bis Frank Zappa mit, hatten zwar auch von Janis Joplin und Jimi Hendrix gehört, stiegen dann aber doch bei den nun beschriebenen Bands aus. Erfreulicher Weise kamen sie aber wieder, und dies entgegen der ersten Ansage von Brainticket, dass man Freunde verlieren wird, sobald man deren Platten mit diesen zusammen hört.

Die 1970er-Jahre waren für persönliche Experimente und die eigene Selbstfindung ein exzellentes Jahrzehnt. Nur wer halbwegs die gesamte Bandbreite des Angebots kennt, kann sich guten Gewissens für einzelne Dinge entscheiden. Und wer nur den Jazz kennt, kann niemals ein echter Jazz-Liebhaber sein! Und wenn man wie ich eine ganz passable Jazz-Plattensammlung hat, bedeutet dies noch lange nicht, dass man dann nur noch Jazz hoch und runter hört.

Für manche Menschen dürfte es gar keinen Unterschied machen, ob man nun Psychedelic-, Krautrock- oder Jazz-Musik spielt. Auch Liebhaber von Folk- oder Volksmusik muss es geben; durch gut 30 Jahre Treffpunkt Europa gestählt, erschüttert mich diesbezüglich gar nichts mehr; eine Helene Fischer mal ausgenommen.

Gong wurde 1968 gegründet aber von mir erst mit ihrem Sidekick „Planet Gong – Live floating anarchy 1977“ im Jahr 1978 wahrgenommen. Mit ihrer Platte „Downwind“, die nun jazziger wurde bekam die Gruppe 1979 etwas mehr Aufmerksamkeit. Zwar spielte dort noch Mike Oldfield mit und Carlos Santana ließ sich höchst persönlich von der Platte inspirieren, dennoch wanderte mein Interesse eher in Richtung Hip-Hop und Rap ab.

Gong, das waren hauptsächlich Daevid Allen, Pierre Moerlen, Allan Holdsworth, Steve Hillage und bei „Planet Gong“ noch Gilli Smyth, experimentierte damals ebenfalls und ich weiß nicht, wo die Musiker inzwischen gelandet sind. Auf alle Fälle folgte ich auch deren Aufforderung nicht, die Platte gleich am besten im Laden zu klauen; ich bekam sie vom Ladenbesitzer zum Sonderpreis, wer hätte sie bei uns auch sonst genommen?

Bereits 1976 wurde ich auf Brainticket aufmerksam, eine Band, die ihre Wurzeln im Soul-Jazz hatte und mit der Platte „Cottonwoodhill“ 1971 für mehr Verwirrung als sonst üblich sorgte. Und so war dies auch meine erste Platte von Brainticket.

Vielleicht hätte ich aber dem zweiten Plattenhinweis folgen sollen, nämlich: „Only listen once a day to this record. Your brain might be destroyed!“ Mancher Leser wird jetzt wohl denken, das erklärt doch so einiges. Ich hörte diese LP auf alle Fälle mehrfach hoch und runter. Auch wenn der Bandleader Joel Vandroogenbroeck noch bis 2019 durchhielt, war für mich dieses Abenteuer bereits 1980 mit der Platte „Adventure“ zu Ende — für meinen damaligen Geschmack zu zahm und zu altbacken.

In den 1980er-Jahren nutzte ich „Cottonwoodhill“ nur noch um Stereoanlagen zu testen oder als Waffe, der reinste Psychoterror. Konnten meine männlichen Freunde, Kameraden oder gute Bekannte das Ganze noch halbwegs nachvollziehen und ab einer bestimmten Promillegrenze sogar für gut befinden, traf der erste Warnhinweis der Platte bei meinen weiblichen Gästen voll und ganz zu: „After listening to this record your friends won’t know you anymore“. — wohl der beste Rausschmeißer aller Zeiten und vielleicht ist diese Platte deshalb heute so gesucht.


Verkehrsschild

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Beitragsfoto: Blick aus Heilbronn heraus

Erklärungsversuch

Bei all den Billionen Euro an Steuergeldern, von denen sehr viele einfach so hinterher weg sind, fragen sich die Bürger immer öfters, was mit diesen eigentlich gemacht wird. Auch wenn bei uns die systemische Korruption gang und gäbe ist, kann dies das Verschwinden von Billionen Euro alleine nicht erklären.

Es ist wohl und dies vielleicht auch meist ohne böse Absicht der Beteiligten einfach ein ganz normales systemimmanentes Problem — zumindest aber in jenen Systemen, die auf eine Bestenauslese verzichten; der Preis für die Mediokratie, dies im Sinne von Herrschaft der Mittelmäßigkeit. 

Nehmen wir als Beispiel die Turmstraße, man könnte auch die Hilfsgelder für Flüchtlinge oder die Sozialhilfen nehmen. Die Turmstraße liegt eindeutig nicht im Fokus der Stadtverantwortlichen, ganz im Gegenteil, sie könnte zum Problemchen für die Autofahrer unter den städtischen Bediensteten werden, die dann gegebenenfalls nicht mehr so schnell in ihren verdienten Dienstschluss kämen.

Und so kann die Turmstraße gut verwendet werden, um Fördermittel zu deren Sanierung einzuwerben, es eilt ja nicht. Sobald man die Fördermittel erhalten hat, für die Turmstraße mindestens bereits zweimal, nutzt man diese erst dazu, um die dafür zuständige Verwaltung aufzupolstern. Sind die Fördermittel ausreichend oder gar regelmäßig, wird die zuständige Verwaltung sogar noch erweitert. Wenn dann noch Fördermittel übrig sind, werden Beraterverträge abgeschlossen und Wettbewerbe ausgelobt. Wenn dann immer noch Gelder übrig sind, kommt es zu Ausstellungen, Preisverleihungen und auch zu ersten Modellen, die man dann in extra angemieteten Räumen ausstellen kann. Immer noch Geld übrig? Kein Problem: es gibt Bürgerbeteiligungen, Podiumsdiskussionen und temporäre „Sommerzonen“.

Irgendwann sind die Steuergelder für die Turmstraße wieder einmal irgendwie so weg. An der Turmstraße selbst hat sich nichts verändert, so wie die letzten 60 Jahre bereits. Macht nichts, man wartet nun wieder eine Weile — höhere Verwaltungen vergessen in solchen Fällen schnell — und beantragt neue Fördermittel, was beim aktuellen Bundeshaushalt überhaupt kein Problem sein dürfte!

Und da wir in Deutschland unzählige „Turmstraßen“ haben, könnte alleine dies erklären, warum es bei uns kaum noch vorangeht.

Vermischtes

Eigentlich nur deshalb erwähnenswert, weil es ein weiteres Anzeichen für den Rückschritt ist. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes soll nun das „Nacked Dressing“ verboten sein. Offene Gesellschaften zeichnen sich mit dadurch aus, dass es jedem freisteht, sich so zu kleiden, wie er es möchte. Man dabei aber auch als Zuschauer oder als ganz gewöhnlicher Passant seine Kommentare dazu abgeben darf; die Höflichkeit gebietet es manchmal, davon abzusehen.

Ich nahm das Schaulaufen in Cannes nur einmal wahr, nämlich als ich für „meine Truppen“, die sich schon mehrere Wochen auf einem Übungsplatz in der Nähe befanden, nach einem Zeitvertreib suchte. Und die Veranstalter hatten interessanter Weise nichts dagegen, dass uniformierte junge Männer diesem Schaulaufen folgten. Eher die anwesenden Politiker, wobei ich bis heute noch nicht weiß, was diese dort überhaupt zu suchen hatten?

Als Betrachter wundert es mich, warum gerade jene Menschen „Fleisch zeigen“, die es besser nicht machen sollten — beim aktuellen Wetter auch in Heilbronn ein Thema. Vanessa Friedman vermutet es wohl richtig, dass man als halbwegs gut aussehende Frau kaum leichter Werbung für sich machen kann. Als Mann werfe ich hingegen ein, dass wir nicht ganz so blind sind, dass es gut aussehende Frauen überhaupt nötig hätten, durch Freizügigkeit zu glänzen. Und so wird es wie bei den Hüten, Taschen und Schuhen auch wohl eher ein Frau-Frau Ding sein.

Vor Kurzem freute ich mich sehr, dass ich bei der Stadtverwaltung vorsprechen durfte. Noch mehr darüber, dass man mir meine Urkunden beglaubigte und in der Verwaltung in Kopie hinterlegte, damit ich bei künftigen Behördengängen nicht wieder sämtliche Originale herauszusuchen habe. Ich war hin und weg und mehr als positiv überrascht: 21. Jahrhundert in unserer Stadtverwaltung!

Heute musste ich erneut einen Behördengang erledigen, kein Problem, denke ich, da die notwendigen Unterlagen dort bereits vorliegen. Falsch gedacht und versprochen! Diese Unterlagen liegen zwar in der Heilbronner Stadtverwaltung, aber leider nun nicht bei der zuständigen Sachbearbeiterin.

Also gut, wieder von vorne. Originale heraussuchen, zur Stadtverwaltung pilgern, beglaubigen lassen, beglaubigte Kopien dort hinterlegen und darauf hoffen, dass man es beim kommenden Behördengang mit derselben Mitarbeiterin zutun bekommt. Bei weit über 3 000 Mitarbeitern eine sehr vage Hoffnung!

Gestern leider nur ein viel zu kurzes Gespräch mit Detlef Stern, gab es überhaupt ein Käffchen? Dann Improvisation — einmal nur mit Profis! Danach etwas unglückliche Studenten, die wieder einmal erkannten, dass man als Student auch selbstständig lesen und denken muss. Zumindest aber etwas zuhören und versuchen zu verstehen. Das Ganze hatte bei mir eher den Anschein, dass es hier um betreutes Lernen geht, wohl so lange, bis die jungen Damen und Herren ihre Rentenansprüche geltend machen können.

Sehr erfreulich die Zusammenarbeit mit zweit Heilbronner Handwerksbetrieben, gemeinsam konnten wir eine sehr passable Lösung finden. Nach sieben Stunden war alles zu meiner Zufriedenheit erledigt. Und dazu musste ich nur kurz vor der Vorlesung, gleich nach der Vorlesung und letztmals für die Abnahme am Nachmittag tätig werden. Gott sei es gedankt! Es gibt sie noch, die Profis!

Auflösung

Für mein vermutlich erstes Bilderrätsel in diesem Weblog bekam ich einen halbwegs erfolgreichen Lösungsversuch eingesandt.

Gerd M. Hoffmann erkannte sofort den Standort des Blog-Beitragbildes, einem sogenannten Blue Screen of Death (BSOD), welcher sich in einer Sontheimer Aldifiliale befindet. Die etwas Älteren von uns kennen sicherlich noch den Black Screen of Death, der wohl zu deprimierend wirkt und deshalb durch einen Blue Screen ersetzt wurde. In einem Anfall von Retromanie versuchte Microsoft einmal zum Original zurückzukehren, ließ es dann aber wieder bleiben.

Heutzutage hat sich die Microsoft-Software so gut entwickelt, dass man als Laie kaum noch einen Blue Screen zu sehen bekommt, es sei denn, man bekommt es mit Profis wie im obigen Falle zu tun. Kleine Notiz am Rande, auch Apple hat für seine Mobiltelefone inzwischen den BSOD übernommen.

Und meine technikaffinen Leser werden mir bestimmt noch mitteilen wollen, dass es auch einen Red Screen of Death (RSOD) gibt. Heutzutage muss man dazu nur ein Flugzeug zum Absturz bringen wollen. Sollte der RSOD darüber hinaus bei Ihnen auftreten, wäre es vielleicht einmal an der Zeit, um das eigene Betriebssystem „upzudaten“.

Nun zurück zum eigentlichen Bilderrätsel. Diese Aufnahme stammt vom Klingenberger Steg. Die Blickrichtung ist Richtung Heilbronn. Am 1. Mai 1926 wurde der Steg eingeweiht und von mir am 1. Mai 2025 zum ersten Mal betreten. Eigentlich gehörte der Steg bis zu deren Eingemeindung den Horkheimern, warum auch immer. Zuvor gab es an dieser Stelle eine Fährverbindung. Weil aber immer mehr Menschen aus dem Zabergäu in die damaligen Sonntheimer Fabriken strömten, wurde ein Steg notwendig.

Inzwischen wieder einmal saniert, steht er nun eher den Radfahrern zur Verfügung. Als Fußgänger muss man deshalb höllisch aufpassen, sobald man diesen Steg betritt, zumindest bei gutem Wetter.

Direkt neben dem Steg befindet sich eine Slipanlage, welche noch heute gerne von Wassersportlern benutzt wird. Diese sollten sich dann aber daran halten und nur in Richtung Heilbronn paddeln, denn in der anderen Richtung möchte die Natur geschützt werden. Bis zur Erstellung einer Slipanlage bei der Neckarhalde nutzten wir DLRGler gerne diese Slipanlage und tuckerten dann für unsere Einsätze in Richtung Heilbronn.


Füllfederhalter

Hurensöhne 4.3 (8)

Beitragsfoto: Füllfederhalter | © Markéta Machová auf Pixabay

Du dreckiger Hurensohn! | 13. Mai 2025 um 13:31 Uhr

Leider ist dies bei uns in Heilbronn gängige Realität. Gerade heute stand ich neben einem mit zwei Beamten besetzten Polizeiauto an der Ampel, als ein anderer Autofahrer kurz zuckte aber dann doch bei Rot über die Ampel schoss. Im Wegschauen ist man bei uns in Heilbronn Weltspitze! 

Leserbriefe an Werbeblätter zu schreiben war schon immer keine gute Idee.