Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

18.1.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Experten

So langsam wachen auch unsere sogenannten Experten auf, und die Medien füllen sich mit Elaboraten über den „Ukrainekonflikt“, der sicherlich ein Konflikt mit der Russischen Föderation und, wenn man genauer hinschaut, ein erstes Resultat des Zerfalls der Westlichen Welt ist.

Nach unseren Werten haben wir auch das Zusammengehörigkeitsgefühl verloren, und jede „Nation“ versucht für sich dabei das meiste herauszuholen. Unsere chinesischen Nachbarn (global gesehen) haben sich inzwischen — nach Jahrzehnten der Schwäche — erholt und versuchen wieder ihren ehemaligen dominanten Platz in der Welt einzunehmen.

Und in dieses, dabei entstandene Vakuum versucht sich die zerfallende Russische Föderation zu retten — selbstverständlich mit Hilfe ihrer Fünften Kolonne, der wir es in Europa viel zu bequem gemacht haben und die jüngst sogar in unserem Land den Kultstatus erreicht.

Egal was unsere „Experten“ nun von sich geben mögen, Europa steht und fällt mit der Bereitschaft und der Fähigkeit der USA, uns noch halten zu wollen und dann auch halten zu können — wenn ihnen die Fünfte Kolonne nicht zuvor kommt; auch hier kann man schon sehr beängstigende Äußerungen, selbst aus unseren eigenen Regierungsparteien, lesen.

Wenn wir uns Europäer nicht sehr schnell an unsere ureigenen Werte erinnern — darunter fällt auch Freiheit und Demokratie — und erstmals in unsere Geschichte nicht nur über Solidarität reden, sondern diese auch einmal selbst leben und das noch freie Europa demokratisch und föderal einen (Ungarn und Co. gehören offensichtlich nicht dazu!), dann werden wir nur noch als Lebensverlängerungsmaßnahme der Russischen Föderation dienen, und dies so lange, bis die Chinesen sich mit dem Rest der Welt einig geworden sind.

Also liebe Experten, schreibt munter so weiter — so lange ihr noch schreiben dürft.

Parteichef

Eigentlich ein Oxymoron, aber in unseren Parteien seit Jahrzehnten ein sehr begehrtes Amt. Und wenn man dann solch ein Amt ergattert hat, meint man, das Ganze noch einmal steigern zu können und pocht auf mindestens ein Ministeramt — selbstverständlich zeitgleich.

Dass dies meist überhaupt nicht funktioniert, ahnen die meisten seit Konrad Adenauer, und etliche Parteichefs nach ihm haben dies auch immer wieder bewiesen. Entweder blieb die Partei auf der Strecke oder gar das zu regierende Land — jüngst häuft es sich, dass die jeweiligen Amtsinhaber beides zur Strecke bringen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass immer wieder die Forderung zu hören ist, die Partei- von den Regierungsämtern zu trennen — und dies geleitet von der einfachen Erkenntnis, dass die Parteien die für Doppel- oder Mehrbelastung qualifizierten Mitglieder einfach nicht haben.

Das Ganze wird aber doch noch durch die „Doppelspitze“ im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze gerieben, indem man versucht, aus zweimal Minus Plus zu machen. Jüngst konnten Parteien damit sogar Wahlen gewinnen.

In Bälde steht zu befürchten, dass die „Doppelspitze“ auch in Regierungsämtern eingeführt wird, was die ursächlichen Probleme leider aber nicht behebt.

IndieWeb

Da habe ich mich doch tatsächlich beim Basteln verrannt und war ganz froh darüber, dass mir Detlef Stern schnell und ganz unkompliziert weiterhelfen konnte. Das Schöne dabei, ich konnte wieder viel Neues kennenlernen und damit sind die nächsten Bastelstunden gesichert.

Ich musste aber auch feststellen, dass ich schon längst, zumindest das Internet betreffend, meine Grenzen erreicht habe und vieles, was ich bei anderen Weblogs als gut gelungen und für elegant halte, selber nie hinbekommen werde.

Und so bleibt mir nichts anderes übrig, da ich keine neues Studium mehr aufnehmen möchte, als mich weiterhin mit dem zufrieden zugeben, was ich mit eigenen Bordmitteln und Kenntnissen so zusammenbasteln kann.

So werde ich mich noch etwas länger mit dem IndieWeb beschäftigen, bevor ich vielleicht doch noch einen weiteren Versuch starte, um einen reinen HTML-Weblog zum Laufen zu bekommen.

Geburtstag des Tages

Montesquieu


Maskerade

17.1.02022 5 (4)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Spannender Wochenstart

Ganz zurecht hat die australische Regierung einen Tennisspieler des Landes verwiesen. Etwas genauer sollten sich die Australier allerdings erklären lassen, wie er überhaupt erst das Land betreten konnte. Und die ersten Reaktionen aus Serbien, dem Heimatland dieses Tennisspielers, zeigen ganz gut, warum Serbien besser noch nicht Teil der Europäischen Union wird.

Mindestens ein SPD-Bonze meint, dass man nicht nur die Städtepartnerschaften mit Russland fördern muss, sondern der Russischen Föderation sogar weitere Avancen machen müsste: „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich mir sehr gut überlegen, ob man Russland nicht endlich ein Angebot macht, Mitglied der Europäischen Union zu werden, um eine ganz große Kraft für Frieden und Freiheit zu gewinnen“ (Till Backhaus in der Ostsee-Zeitung) — Bei einem solchen kruden Demokratieverständnis sollte es niemanden mehr wundern, dass dieser Partei, und dies trotz Kanzlerbonus, die Mitglieder weiter in Scharen davonlaufen.

So wie es aber aussieht, glaubt inzwischen der „lupenreine“ Demokrat Wladimir Putin, dass er nicht nur die Ukraine heim ins Reich holen kann, sondern ihm die anderen ehemaligen Vasallen des Sowjet-Reiches ebenfalls gerne willkommen heißen werden. Und auch manche unserer Bundestagsabgeordneten, von der Linken bis hin zur AfD pilgern bereits regelmäßig in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten — bestimmt nicht nur, um sich für Beraterdienstleistungen entlohnen zu lassen.

Zu allem Übel gerät auch noch Joe Biden in immer schwierigere Fahrwasser, und Kamala Harris ist ihm ganz offensichtlich keine große Hilfe. So macht sich Donald Trump wieder Hoffnungen.

Und in Italien hat sich Silvio Berlusconi inzwischen ganz offensichtlich von seiner letzten Bunga-Bunga-Party erholt und steht nun als Präsident zur Verfügung. So betrachtet, sind wir Deutschen mit unserem Präsidenten noch ganz gut aufgestellt — Qualifikation hin oder her.

Die Chinesen schieben inzwischen wegen COVID-19 Panik — nicht etwa wegen der möglichen Opfer, sondern alleine wegen der Winterspiele. So werden sie wohl auch die Invasion Taiwans etwas nach hinten verschoben haben.

Solche Probleme haben die Herrscher in Katar nicht, sie werden die Fußballweltmeisterschaft auch dann abhalten können, wenn unsere Welt zum Ende des Jahres voll und ganz in Trümmern liegt. Dafür wird der Deutsche Fußballbund schon sorgen — ob ungeimpft, geimpft oder was auch immer.

Durch die Decke

Nicht nur die Testzentren schießen bei uns wie die Pilze aus dem Boden, sondern auch die Ansteckungen gehen wieder durch die Decke — am Sonntag lag die Inzidenz im Stadtkreis Heilbronn bei 643,7 (!). Eigentlich wundert es keinen mehr, denn die Gründe dazu wurden nicht nur auf diesem Weblog bereits des öfteren genannt.

Und so freut es mich dann doch, dass heute auch die Heilbronner Stimme (17.01.2022: 27) unter der Überschrift „Was in Teststellen alles schiefläuft“ schreibt: „Anwendungshinweise der Tests werden häufig nicht eingehalten.“ oder „Stichprobe in der Stadt zeigt zahlreiche Mängel.“

Dieser unsägliche Heilbronner Zustand ist hauptsächlich hausgemacht, da von Anfang an eine absolute Führungsschwäche gepaart mit völliger Ignoranz das Handeln unserer Verwaltung bestimmen. Leider ist unser Gemeinderat dabei auch keine große Hilfe und setzt weiterhin die falschen Schwerpunkte.

So werden wir Heilbronner doch noch einiges länger als vorausgesagt mit COVID-19 leben müssen. Was übrigens auch die gesamtgesellschaftlichen Kosten — von den zu früh beendeten Menschenleben ganz zu schweigen — völlig unnötig erhöht. Um diese Problematik halbwegs in den Griff zu bekommen, sollten die Verantwortlichen auch einmal in Haftung und Regress genommen werden — und dann auch nicht nur die, die sich durch falsche Tests an unseren Steuergeldern bereichern!

Europa-Ball

Dass die EUROPA-UNION Heilbronn nach ein paar Jahrzehnten Abstinenz wieder einen eigenen Ball veranstalten möchte, war schon im letzten Jahr beschlossene Sache. Dieses Wochenende wurde in einer Besprechung darüber hinaus vereinbart, dass der Europa-Ball am Samstag, 23. Juli 2022 auch ein eigenes Rahmenprogramm erhält.

Diese Rahmenprogramm beginnt am Freitag mit einem europäischen Besenabend, bietet am Samstag eine Stadtrundfahrt mit gemeinsamen Mittagessen und schließt am Sonntag mit einem europäischen Brunch ab.

Das Rahmenprogramm soll auch Ballgäste ansprechen, die extra wegen des Europa-Balls nach Heilbronn reisen. Und, um allen Ballgästen ein möglichst sicheres Gefühl zu geben, müssen alle Ballteilnehmer, ob in der Organisation tätig oder einfacher Besucher, einen tagesaktuellen COVID-19 Test vorweisen. Die Tanzschule Brenner, Mitveranstalter des Europa-Balls, bietet am Ballnachmittag eine zusätzliche Testmöglichkeit an — dies ist besonders für auswärtige Gäste eine gute Gelegenheit, um einen solchen Test zu erhalten.

Geburtstag des Tages

Benjamin Franklin


Schachfiguren

Souveränität 5 (3)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Elmer L. Geissler auf Pixabay

„Diese Woche hätte nicht treffender illustrieren können, warum die Europäer die Ausrichtung ihrer Sicherheitspolitik dringend überarbeiten müssen.“ schreibt Katrin Pribyl in der heutigen Heilbronner Stimme (14.01.2022: 2). Und damit sind die jahrzehntelangen Bemühungen der europäischen Nationalisten, die friedliche, demokratische und föderale europäischen Einigung zumindest kaputt zureden, endgültig im Mainstream angekommen.

Denn die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union wäre sehr gut aufgestellt, wenn nicht beständig die Nationalisten in Europa diese seit Jahrzehnten unterminieren und immer wieder durch nationale Alleingänge oder Unterlassen ad absurdum führen. Und genau so machen sie es auch mit der Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union.

Dabei liegen die Fakten seit spätestens 1945 auf dem Tisch und wurden bisher von keinem ernstzunehmenden Fachmann bestritten — höchstens von unseren doch so geliebten Experten, die so gerne durch die Medien tingeln.

Ohne eine immer tiefergehende europäische Zusammenarbeit, die tatsächlich auch die Aufgabe von Teilen der bisherigen nationalen Souveränität beinhaltet, kann kaum ein einzelner europäischer Mitgliedstaat seine eigene Souveränität noch garantieren. Das Vereinigte Königreich bemüht sich gerade, die Ausnahme von der Regel zu werden — wir werden gut mitverfolgen können, ob und wie dies funktioniert.

Ohne die Zugehörigkeit zur NATO wird die Europäische Union auch ihre eigene Sicherheit nicht garantieren können, es sei denn wir Europäer verzichten auf maßgebliche Errungenschaften, wie zum Beispiel die soziale Absicherung jedes Einzelnen, in unseren Gesellschaften — so wie es die US-Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren.

Von Anfang an stellen die Superstaateuropäer, so werden die europäischen Nationalisten schon etwas länger genannt, genau diese beide Fakten in Frage und unternehmen wirklich alles, um Recht zu behalten. Zum Beispiel verhindern sie die notwenige Finanzierung der NATO und zudem die Bereitstellung der zugesagten nationalen Beiträge und Ressourcen. Auch verhindern sie eine gemeinsame Rüstungspolitik der NATO, um für alle die Gesamtausgaben für Verteidigung reduzieren zu können — ganz im Gegenteil, sie steigern die Ausgaben durch völlig absurde nationale oder manchmal auch trinationale Rüstungsprojekte. Und den NATO bzw. EU Resterfolg unterminieren sie dadurch, dass sie in sämtlichen entsprechenden Gremien alles unternehmen, um gemeinsame Beschlüsse und koordinierte Maßnahmen zu unterbinden.

John F. Kennedy hat uns Europäer noch regelrecht hofiert, aber spätestens seit Ronald Reagen machen alle US-Präsidenten auf dieses unsägliche europäische Getue aufmerksam und versuchen die Europäer sowie auch einzelne europäische Staaten zu einem gemeinsamen konzertierten Handeln, oder wenigstens zum Einhalten der vertraglich garantierten Zusagen zu bewegen.

Im Gegenzug machen wir Europäer uns über unsere amerikanischen, auch die kanadischen, Bündnispartner lustig, lassen diese bei fast jeder Gelegenheit im Regen stehen, aber fordern selber beständig deren Bündnisleistungen und -garantien ein.

Jüngst haben wir den US-Amerikanern sogar noch offenbart, dass wir eine offene strategische Autonomie, aber auf jeden Fall die völlige Souveränität gegenüber den USA erreichen wollen — während wir allesamt unverhohlen um die Gunst der Chinesen und Russen buhlen, deren beider Führungen bekanntermaßen nicht für Demokratie, sondern für Unterdrückung der eigenen Bevölkerungen, Angriffskriege und Völkermord stehen.

Notgedrungen haben sich die US-Amerikaner nun wieder einmal an den Verhandlungstisch gesetzt, um den Chinesen und Russen zumindest ein paar Zugeständnisse zur Sicherheit und Versorgung Europas und dessen ureigenen „Vorhöfen“ abzuringen … und schon liest man wieder in den Medien: „Am Montag hatten sich die USA und Russland in Genf getroffen, um über die Ukraine-Krise zu beraten. Die Europäer fehlten am Tisch.“ und dies mit der Forderung verbunden, dass man zugleich weniger von Washington abhängen und selbst handlungsfähiger werden muss (Heilbronner Stimme, 14.01.2022: 2).

Dabei wäre das Ganze sehr, sehr einfach: Wir müssten

  1. alle verlässliche Bündnispartner werden und auch unsere selbst eingegangen Verpflichtungen erfüllen;
  2. anfangen politisch koordiniert zu agieren, sowohl in Europa als auch innerhalb der NATO;
  3. sämtliche Rüstungsprojekte auf NATO-Ebene koordinieren und, wenn möglich, zusammenlegen, damit wir allesamt unsere Verteidigungsausgaben minimieren können.

Das immer lauter und offen zu Tage tretende Souveränitätsgeschrei ist nichts anderes als ein lautstarkes Bekenntnis gegen Europa, gegen die Europäische Union, gegen die NATO und alle unsere gemeinsamen Werte.

Das dazugehörige Motto lautet: Nationalisten aller Länder vereinigt Euch! und lasst uns neue Kriege führen, denn sterben werden immer die anderen.

So werden diese Nationalisten weiterhin um Russland und China buhlen anstatt gleichberechtigte Partner unserer demokratischen Nachbarn zu werden — damit sind die tatsächlichen Schwerpunkte und Präferenzen unserer (europäischen) Nationalisten eindeutig gesetzt und offenkundig.

Zugegebener Maßen gab es tatsächlich einmal eine Alternative zum europäischem Vasallentum gegenüber China oder Russland auf der einen und einer Nordatlantischen Partnerschaft auf der anderen Seite, nämlich die einer Afro-Europäischen Kooperation, welche als „Eurafrika“ tatsächlich sogar auf französischer Seite in den 1950er- und 1960er-Jahren im Gespräch war. Da aber Nationalisten meist auch Rassisten, zumindest aber Chauvinisten sind, wurde diese Idee sehr schnell wieder beerdigt und deren kleinere Version, eine „Mittelmeerunion“, ebenfalls vehement abgelehnt.

So werden wir Europäer so lange nach Souveränität und Autonomie schreien, bis sich die Amerikaner, Afrikaner, Chinesen und Inder darüber streiten müssen, wer sich denn nun um die alten Europäer kümmert.

„Competition has been shown to be useful up to a certain point and no further, but cooperation, which is the thing we must strive for today, begins where competition leaves off.“

Franklin D. Roosevelt, Rede beim People’s Forum in Troy, New York (3. März 1912)