Türen

Auf den Punkt gebracht 5 (2)

Beitragsfoto: Türen | © Pixabay

Jedes Leben ist von Entscheidungen geprägt, wenn es nicht gar nur eine Serie von Entscheidungen ist. Als Menschen, da wir allesamt in Gemeinschaften leben, können wir zwar versuchen, uns ganz ohne eigene Entscheidungen durch das Leben zu mogeln, was, wenn es funktionieren würde, eine sehr bequeme Art und Weise wäre, müssen dann aber dafür in Kauf nehmen, dass andere für uns die notwendigen Entscheidungen treffen. Auf jeden Fall aber werden wir schon mit dem Versuch uns um Entscheidungen zu drücken, zur Belastung aller — an Beispielen mangelt es in unserer Republik nicht!

Wirklich schlimm ist dabei, dass sich inzwischen gleich mehrere Ideologien für eine persönliche Entscheidungsverweigerung der einzelnen Individuen stark machen, angefangen von einzelnen völlig antiquierten Religionen — Gottes Wille — über sämtliche Totalitarismen, den „Sozialstaat“-Fanatikern bis hin zu modernen Überlegungen, die den Menschen als bloßen Algorithmus sehen.

Und so ist es heute auch nicht mehr verwunderlich, dass man selbst als „real existierender“ Mensch (das Drumherum um Verstand und Seele) wirklich alles sein kann, was man möchte: Mann, Frau oder beides — zeitgleich oder wechselnd — oder gar nichts oder vielleicht auch nur irgend etwas dazwischen. Der dafür vielbemühte Begriff ist die eigene Identität.

Es sei jedem wirklich gegönnt, sein zu wollen, was er auch sein mag, aber dies bitte nicht alleine auf Kosten der anderen (!) und noch wichtiger, das Ganze auch mit einer gewissen Verbindlichkeit (!), die für die anderen, sich sonst noch auf der Welt befindlichen Mitmenschen, halbwegs einzuordnen ist.

Denn diese Mitmenschen müssen ihre eigenen Entscheidungen idealer Weise an irgend etwas festmachen können und sind mit, nennen wir sie mal vorsichtig und unverbindlich, „Wechselwesen“ meist überfordert und damit auch bei ihren eigenen Entscheidungen.

Oft wird dagegengehalten, dass wir Menschen doch alle gleich mehrere Rollen spielen und diese sich je nach Situation ändern. Auch das stimmt, aber selbst hierbei haben die anderen Menschen einen Anspruch darauf, zu wissen, was der andere gerade ist oder sein möchte.

Die Ehefrau würde schon gerne wissen, was sie gerade bei ihrem vermeintlichen Ehemann vor sich hat: einen „Italian Lover“, eine bekennende Lesbe, oder ein Kleinkind mit vollen Windeln. Denn dies hat unmittelbare Auswirkungen auf deren eigene Entscheidungen, und dürfte spätestens bei einem überraschenden Rollenwechsel für Verwirrung sorgen.

Ich könnte weitere und noch viel drastischere Beispiele aufführen, die bezeugen, dass zwar menschliche Identitätsprobleme oder Rollenspiele eine ganz normale Sache sind, aber normaler Weise — und das ist für jede Gesellschaft wichtig — nur durch die ständigen jeweiligen individuellen Entscheidungen und daraus resultierenden gesellschaftlichen Normen für alle halbwegs nachvollziehbar und damit auch handhabbar bleiben.

Wir alle müssen uns entscheiden, 24 Stunden am Tag und jeden Tag wieder aufs Neue. Und unsere Entscheidungen haben nicht nur für uns Konsequenzen, sondern beeinflussen die Entscheidungen unserer Mitmenschen ganz gewaltig, ob wir es selbst bemerken oder auch nicht.

Und ganz ähnlich wie bei unserer geschlechtlichen Identität, geht es uns allen auch so bei unserer „staatlichen“ Identität, denn auch dort gibt es analog zum biologischen Geschlecht und dem, aus eigener Überzeugung selbst gewählten Geschlecht, hier bei uns in Mitteleuropa neben dem „Deutschsein“ auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

In das „Deutschsein“ wird man gewöhnlich ebenso hineingeboren und man bezeichnet dies — heutzutage eher verpönt — als deutsche Volkszugehörigkeit, was etwas näher betrachtet, die Zugehörigkeit zu einer der vielen deutschsprachigen Ethnien ist. Ob man dann auch zu einer deutschen Ethnie gehört, zeigt sich daran, ob man deren Religion, Kultur und Sprache nicht nur anerkennt, sondern selber auch lebt. Und dass dies keine „Einbahnstraße“ oder gar „Sackgasse“ sein muss, zeigen die vielen deutschen „Kowalski“, „Boatengs“ und wie sie inzwischen auch immer heißen mögen, auf die wir Deutschen allesamt ohne Wenn und Aber mächtig stolz sind.

Und für die meisten von uns ist dieses „Deutschsein“ keine besondere Problematik. Es deckt sich zudem deswegen auch ganz gut mit der deutschen Staatsbürgerschaft, die von uns meist ohne größeres Nachdenken mit übernommen wird — so wie man sein biologisches Geschlecht auch ohne größeres Nachdenken mit in den Reisepass eintragen lässt.

Anders sieht es schon mit der deutschen Staatsbürgerschaft aus, gerade dann, wenn man sich selber keiner deutschen Ethnie zurechnet und auch niemals selbst auf die Idee käme, weil man u.a. deren Kultur und Religion nicht mag, ein „Volksdeutscher“ sein zu wollen, dennoch aber, und dies aus voller Überzeugung heraus, deutscher Staatsbürger sein möchte, weil der deutsche Staat — als Repräsentant aller deutschen Staatsbürger — den für einen bestmöglichen Vertrag anbietet und diesen auch mit der zu vergebenden Staatsbürgerschaft unterzeichnet. Dies setzt allerdings voraus, dass man nun als deutscher Staatsbürger ebenfalls die Vertragsbedingungen nicht nur unterschreibt, sondern ebenfalls erfüllt.

Dazu gehört ganz eindeutig und selbstverständlich die Beherrschung der deutschen Sprache (!), denn diese ist die Grundlage sämtlicher eingegangener Verträge, Verpflichtungen, Abmachungen und jeglicher Kommunikation untereinander. Dazu kommt noch, dass man sich eindeutig zu unserer Demokratie und unsere freiheitlich demokratischen Grundordnung sowie unserer offenen Gesellschaft bekennt und nunmehr danach lebt. Aber dies sollte gerade dann, wenn man sich ganz bewusst zu dieser für einen „ganz besonderen“ Staatsbürgerschaft bekennt, außer jeglicher Frage sein!

Und wie bei der Entscheidung über das eigene Geschlecht auch, sollte man sich letztendlich sicher sein, wenn man sich bewusst und dies entgegen der „eigenen Biologie“ für etwas anderes entscheidet! Sonst wird das Ganze zur reinen Farce, vor allem dann, wenn man sich — jeder von uns — nicht oder nicht wirklich entscheidet.

Und es wird zudem für alle anderen nur noch unerträglich und für die Gesellschaft insgesamt sogar existentiell gefährdend, wenn man sich nicht nur nicht entscheidet, sondern dazu gleich mehrfach gegenteilig, indem man die deutsche Staatsbürgerschaft zwar annimmt, darauf wieder die ursprüngliche zusätzlich erneuert und, weil man sich nicht entscheiden kann oder mag, sicherheitshalber noch eine weitere beantragt.

Dieses höchst persönliche „Identitätsproblem“ toppt man dann nur noch dadurch, indem man in Deutschland nicht nur die deutsche Sprache ablehnt, sondern die europäische Kultur überhaupt nicht mag, das Christentum generell verabscheut, sich überhaupt an den vielen Deutschen in Deutschland echauffiert und sich dann permanent darüber beklagt, dass man weder von den anderen verstanden noch ernstgenommen wird.

Deshalb entscheiden Sie sich! Egal wie, aber entscheiden Sie sich!

„If you look for an identity you find inequality. If you look for similarities you separate one truth from another.“

Giannina Braschi, United States of Banana (2011)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

19.11.02021 5 (2)

Schach

Sicherlich eine der schönsten Nebensachen überhaupt, und für manche Mitbürger eine sehr ernste Angelegenheit. Für mich schon immer eine netter Zeitvertreib, den ich leider nie in einem Verein ausleben konnte. So freue ich mich zum einen darauf, dass ich mich hin und wieder mit Vereinsspielern messen kann, wobei ich regelmäßig spätestens dann im Endspiel verloren habe, und zum anderen über eine Website mit Video-Schulungen, die ich auch schon etwas länger nutze und ohne Wenn und Aber jedem empfehlen kann.

Mato Jelic stellt dort immer wieder neue und besonders auch ältere, aber immer sehr interessante Schachpartien vor. Ich greife deshalb auf Mato Jelics Chess School immer wieder gerne zurück.

Ich wünsche allen Schachspielern unterhaltende Spiele, ob gegen einen realen Spieler oder auch nur gegen ein Schachprogramm.

Roman

Da ich schon immer gerne schreibe, blieb es nicht aus, dass meine bessere Hälfte mir immer wieder einmal vorschlug, neben Sachbüchern, Artikeln oder Stellungnahmen, doch auch mal etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen, z. B. ein Kinderbuch oder ein Roman.

So habe ich mich nun dazu durchgerungen, es einmal mit einem eigenen Roman zu versuchen, bevor ich mich dann doch noch an ein Kinderbuch wagen werde.

Sehr schnell habe ich jetzt festgestellt, dass das Schreiben von Fiktion eine ganz andere Denkweise mit sich bringen muss. Zumindest mir fällt es schwer, Alltägliches, was ich zum Beispiel hier im Weblog, in Briefen oder E-Mail zu Papier bringe, mit den Vorstellungen und Überlegungen zu einer Romanhandlung in Übereinklang zu bringen. Kann ich noch an mehreren Artikeln gleichzeitig arbeiten, so bin ich aber nicht in der Lage, von einem Weblog-Beitrag zu einer Romanseite und wieder zurück zu wechseln.

Auch bin ich noch nicht soweit, um mich zeitweise vom Internet zu trennen und in Klausur zu gehen, was wohl nötig wäre, um so richtig in eine eigene Romanwelt eintauchen zu können.

Aber vielleicht gibt es doch so den einen oder anderen Leser meines Weblogs, der bereits entsprechende Erfahrungen gemacht hat und mir mit ein paar Tipps zur Hand gehen könnte.

Mann liest vor

Heute durfte ich gleich in zwei Klassen an „meiner alten“ Grundschule vorlesen. Wieder einmal eine sehr erfreuliche Sache. Und es ist auch immer wieder schön mit anzusehen, wie sich die kleinen Kinder entwickeln.

Erstmals konnte ich in einer Klasse einer Art „Grußzeremonie“ zuschauen, wie sie seit ein paar Jahren an amerikanischen Schulen üblich ist, und ich muss zugeben, das passt auch bei uns ganz gut. Weniger gefallen hat es mir, dass sich jetzt auch schon Erwachsene zu meinen „Vorlesungen“ einschmuggeln wollen — noch merke ich das.

Im Nachklapp zu „Mann liest vor“, kamen wir Erwachsen wieder einmal auf die Infrastruktur zu sprechen, die sich tatsächlich an der Dammschule verbessert hat. Leider aber ist es wieder einmal nur eine halbe Sache, denn die Grundschüler sollen zukünftig tatsächlich in den kleineren der beiden Schulhöfe verbannt werden.

Meine Argumentation, dass die jüngeren Schüler, gerade in der heutigen Zeit, dringend mehr Auslauf benötigen als die Realschüler, die meist nur noch an ihren Mobiltelefonen hängen, und auch sonst keinen so großen Bewegungsdrang mehr verspüren, wird zwar von allen Lehrern und Schülern verstanden, leider aber nicht von den dafür zuständigen Stellen.

Deren Argumentation ist stichhaltiger: erstens, das haben wir schon immer so gemacht und zweitens, das war schon immer so.

Leider oder Gott sei dank, wie man es selbst auch immer sehen möchte, habe ich ein Alter erreicht, um diesen Fachleuten zu erwidern: nein, es war nicht schon immer so, und nochmals nein, wir haben es auch nicht schon immer so gemacht.

Das Totschlagargument folgt dabei sofort: dann ist es jetzt eben so!

Und so werden die Grundschüler zukünftig noch mehr eingepfercht als jemals zuvor, und ein paar städtische Verantwortliche haben weniger Arbeit.

Website des Tages

Chess School

„Thank you for visiting Chess School channel. Here you will find: The greatest chess games ever played, the immortal chess games, the best games from the latest tournaments, world champion’s games, instructive chess games, famous players games and much more. You will have fun while watching these videos and your chess skills will improve.“

Geburtstag des Tages

José Raúl Capablanca


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

18.11.02021 5 (2)

Anfetten

Wohl parteiübergreifend ist es inzwischen Usus, dass man nach einem Wahlerfolg in erster Linie die eigene Klientel bedient. Da es vor einiger Zeit nicht so gut ankam, als man ein ganz bestimmtes Klientel, es waren damals die Hoteliers, nachweislich und für alle erkennbar bediente, hat man sich nun auf das Gießkannenprinzip verständigt, wobei sich nur schwer feststellen lässt, wer dabei das meiste Wasser abbekommt.

Eine noch bessere und für das Klientel auch nachhaltigere Möglichkeit ist es aber, Parlamente, Ministerien, Verwaltungen und den öffentliche Dienst insgesamt aufzublähen und damit das eigene Klientel und deren Familien über Jahrzehnte zu versorgen. So schreibt die Heilbronner Stimme diesbezüglich:

„Seit Beginn der Regierungszeit der Grünen im Jahr 2011 wurde das Personal der Ministerien schon um etwa 1100 Stellen auf 4000 aufgestockt.“

Heilbronner Stimme (18.11.2021: 7)

Wenn man das alles so liest, dann haben wir heute bei uns gerade jene Verhältnisse, über die wir uns im Italien der 1970er und 1980er-Jahre so köstlich amüsiert hatten. Die Geschichten, die man dabei hört, wie z. B., dass man in Baden-Württemberg jüngst 7 Bewerber einstellte, nur um den 8. Bewerber — ein Parteisoldat — ganz „legal“ in Lohn und Brot zubekommen, toppen inzwischen selbst die Verhältnisse auf dem Balkan.

Man muss dabei aber auch das Positive sehen, denn völlig inkompetente und mit sich selbst beschäftigte Parlamente und Verwaltungen lassen uns Bürgern und den Firmen viel Luft zum Atmen — und so lange die Wirtschaft funktioniert, ist dies bestimmt eine gangbare Lebensart.

Blöd für alle nur, wenn die Wirtschaft einmal schwächelt — gute Beispiele dafür gibt es aus anderen Ländern genügend — oder noch schlimmer, wenn wir in schwierige Zeiten, wie z. B. in eine Pandemie, geraten.

Anrufe

Inzischen bekomme ich immer öfters Anrufe aus der Stadtverwaltung, die alle den gleichen Tenor haben: „Hätte der Führer das nur gewusst?!“ Wie wir alle, die noch in den 1970er-Jahren einen kritischen Geschichtsunterricht bekamen, wissen, hat es der Führer nicht nur gewusst, sondern auch mit bestem Wissen und Gewissen genau so und nicht anders gewollt!

Der Unterschied zu damals, heute stehlen sich alle Beteiligten nicht nur aus der Verantwortung, sondern planen von Anfang an auch ein, dass man ihnen möglichst nichts selber nachweisen kann. Das wirklich Unschöne daran ist aber, dass, wie eigentlich schon immer, letztendlich die kleinen Mitläufer zur Verantwortung gezogen werden, und sich die tatsächlich Verantwortlichen weiter feiern lassen können.

Ludwig Pfau

Ein in Heilbronn geborener Stuttgarter, der während der Märzrevolution 1848 als Herausgeber der Satirezeitschrift „Der Eulenspiegel“ bekannt wurde. Als einer der Mitbegründer der Demokratischen Volkspartei (DVP), aus der zumindest in Baden-Württemberg die FDP hervorging, die sich noch zu meiner Zeit FDP / DVP nannte, war er mir persönlich schon immer sehr sympathisch.

Heute kann man in der Heilbronner Stimme lesen, dass Pläne, Ludwig Pfau in Heilbronn ein Denkmal zu setzen, von unserem Gemeinderat sehr positiv aufgenommen wurden. Damit kann man den Stadträten ohne Wenn und Aber attestieren, dass sie nun wirklich völlig aus der Zeit gefallen sind.

Wer setzt im 21. Jahrhundert Personen noch echte Denkmäler? Besser wäre, wenn man schon unsere Steuergelder für völlig unnötige Projekte ausgeben möchte, dass man, neben der bereits in Heilbronn bestehenden Ludwig Pfau Schule, einen Ludwig Pfau Preis auslobt oder gar — wenn es uns so wichtig ist — eine Ludwig Pfau Stiftung ins Leben ruft, die sich der demokratischen Erziehung von jungen Heilbronnern widmet.

So bekommt man nur den Eindruck, dass man mit unseren Steuergeldern ganz bestimmte Personen fördern möchte. Und so frage ich mich an dieser Stelle, was übrigens aus dem völlig überteuerten und noch nutzloseren 3D-Modell der BUGA wurde?

„Highlight der Ausstellung ist das 3,50 mal 4,00 Meter große Stadtmodell im Maßstab 1:500 aus dem 3D-Drucker, das rund 150 000 Euro gekostet hat. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 570 000 Euro.“

Stimme.de (17. April 2017, 16:39 Uhr)

Dies umso mehr, da der Gemeinderat nicht einmal 3 000 Euro zur Verfügung hat, um Heilbronner mit Zuzugsgeschichte (gut 50 % der Stadtbevölkerung) zu würdigen.

Geburtstag des Tages

Margaret Atwood