Beitragsfoto: Leser | © Pixabay

19.5.02021 5 (2)

Beitragsfoto: Leser | © Pixabay

Copper

Copper, eine Katze, die mich vor langer Zeit unbedingt adoptieren wollte, zumindest verstand ich so die ersten Aktivitäten dieses kleinen Wollknäuels. In den späteren Jahren erkannte er mich bei Besuchen auch immer wieder und als alter Herr stritt er sich sehr gerne mit mir um den bequemsten Platz im Haus. Die Zeit fliegt, und auch Katzen leben nicht ewig.

Feminismus

Feminismus ist eigentlich eine ganz gute Sache, vor allem dann, wenn er für Gleichberechtigung und Menschenwürde eintritt. Leider wird er aber immer mehr nur noch als Kampfbegriff zur Durchsetzung von Eigeninteressen missbraucht und schlimmer noch, zu reinem femininem Chauvinismus degradiert. Aussagen wie, „das wäre nie passiert, wenn Frauen das Sagen gehabt hätten“ oder „der beste Mann für einen Job, ist immer eine Frau“ dürfen hierfür als Beleg dienen. Dabei versagen oder reüssieren Frauen in Führungspositionen wie ihre männlichen Pendanten auch, und man könnte dabei durchaus zu dem Schluss kommen, dass das nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat.

Der heutige Feminismus hat aber auch hierfür bereits eine Erklärung parat, denn die Schuld für weibliches Versagen liegt entweder an unserer „sexistischen“ Sprache, oder aber daran, dass Männer die Frauen nicht richtig anlernen oder gar ausbilden wollen. Aussagen wie „Frauen können keine Mathematik, weil diese den Frauen nicht richtig vermittelt wird“, sind auch in akademischen Kreisen nicht selten zu hören.

Verantwortungslos

Zwei heutige Entscheidungen der Bundespolitik (Kampfflieger und Militärreform) zeigen erneut, dass es uns angesichts der bestehenden Absicherung durch die USA immer noch nicht darum geht, eigene tragbare Verteidigungsstrukturen aufzubauen oder uns gar in die bereits vorhandenen, für alle gewinnbringend zu integrieren.

Einzig der eigenen „Wirtschaftsförderung“ und der wirtschaftlichen Unterstützung unseres Nachbarn Frankreich wird Rechnung getragen, wobei es der Politik ganz nebenbei gelingt, ihre eigenen Pfründe zu sichern.

Dabei wäre eine verantwortungsvolle Sicherheits-, Verteidigungs- und Rüstungspolitik dringend von Nöten, zum einen, um die eigene Existenz zu sichern und zum anderen, um gesamtwirtschaftlich, ressourcensparend und nachhaltig zu agieren.

„Stell dich mitten in den Regen, 
glaub an seinen Tropfensegen 
spinn dich in das Rauschen ein 
und versuche gut zu sein! 

Stell dich mitten in den Wind, 
glaub an ihn und sei ein Kind – 
lass den Sturm in dich hinein 
und versuche gut zu sein. 

Stell dich mitten in das Feuer, 
liebe dieses Ungeheuer 
in des Herzens rotem Wein – 
und versuche gut zu sein!“ 

Wolfgang Borchert, Versuch es

Weinberg

Weinerei 5 (3)

Beitragsfoto: Weinberg im Stahlbühl 2017

Als Heilbronner bin ich in einer Weinstadt — manche sagen in einer der größten Weinbaugemeinden Württembergs, was für eine westfränkische Gemeinde wohl eine Auszeichnung sein dürfte — großgeworden und konnte als Schüler noch an der einen oder anderen Weinlese teilnehmen. Besser in Erinnerung blieben mir aber die spontanen Aktionen, noch in der Nacht Öfen in den Weinbergen aufzustellen, was ich schon damals für so schräg hielt, dass es mir schon wieder gefiel.

Da es damals auch noch üblich war, Wein kistenweise zu kaufen und im Keller zu lagern, habe ich 1979 meinen ersten Wein gekauft, nur um ihn Jahre später in den Abfluss zu kippen. Auf die Idee, diesen Wein damals etwa zu trinken, bin ich erst gar nicht gekommen. Dies war, ganz unterbewusst, wohl auch die Ursache dafür, dass ich später begann Whisky und Cognac zu sammeln.

Und auch, wenn ich in den 1980er-Jahren nach Heilbronn zurückkam und abends ausging, war es zumindest bei den jüngeren Wengertern üblich, den einheimischen Wein mit Cola oder gleich mit Schnaps zu trinken. In den bayerischen Kneipen hieß dies, glaube ich mich zu erinnern, damals Hirsch- oder Ochsenblut, und bei uns Korea.

Ende der 1980er-Jahre fand ich dann ausgerechnet im deutschen Norden Kameraden, die den Heilbronner Wein nicht nur kistenweise nach Hause schleppten, sondern auch in unseren Kasinos anboten. Hierbei lernte ich dann den Kerner lieben, weil er im Gegensatz zum Riesling den Magen nicht allzu sehr belastete. Und natürlich den Lemberger, der, für mich interessanter Weise, den Abend, auch ohne Zusatz von weiterem Alkohol, abrunden konnte.

Die älteren und vor allem trinkfesteren Kameraden bevorzugten dabei „den Göhring“ aus Heilbronn — in der Nachbetrachtung hoffe ich aufgrund des Geschmacks und nicht des Namens wegen — und als sie erfuhren, dass dies mein Nachbar sei und ich durch seine Schwefelschwaden hindurch zur Schule ging, war es nicht mehr abzuwenden, dass ich im Ehrenamt Kasino-Offizier wurde.

Ein paar Jahre später, als ich mich beruflich in Richtung Frankreich orientierte, lernte ich den Wein als Genussmittel kennen. Was aber auch dazu führte, dass ich zumindest im ersten Jahr nach jedem Mittagessen Schlagseite hatte und meine produktive Arbeitszeit in den Spätnachmittag legen musste.

Seit jener Zeit ist mir der französische Wein ans Herz gewachsen, und da jedes französische Regiment gute Beziehungen zu einem Weingut oder einem Champagner-Haus hat, konnten wir uns diesen Genuss auch leisten.

In diesen gut 10 Jahren wanderte auch die eine oder andere Kiste Heilbronner Wein nach Frankreich, wobei ich feststellen durfte, dass es die besseren Lemberger waren, die nicht nur der Höflichkeit wegen von meinen Kameraden getrunken wurden. Diese Erfahrung konnte ich auch über gut 30 Jahre hinweg während unserer Familienfeste auf dem Gaffenberg machen, wobei nie ein Lemberger übrig blieb, gerne aber andere Weine aus heimischer Produktion.

Da ich mich zudem in den 1990er und Nullerjahren einmal jährlich auch für ein paar Wochen in den USA aufhielt, lernte ich dort den kalifornischen Wein kennen und lieben, besonders meine dort lebende Tante machte uns immer wieder auf die besten Weine Kaliforniens aufmerksam, welche in meinen Augen gut mit den Bordeaux-Weinen mithalten können.

Meine Einsatzjahre sorgten dann dafür, dass ich den spanischen Wein kennen und schätzen lernte, da meine spanischen Kameraden meine Affinität zu französischen Weinen einfach nicht hinnehmen mochten. Diese Jahre führten dann aber auch dazu, vermutlich weil die militärischen Transportwege zusammen mit den vorherrschenden Klimaverhältnisse auch den besten französischen oder spanischen Wein nicht guttaten, dass wir allesamt auf den südafrikanischen Wein aufmerksam wurden und diesen zudem schätzen lernten.

In meinen letzten Dienstjahren lernte ich auch italienische Kameraden kennen, und deren Freundschaft führte dann dazu, dass ich bis heute die Weinregionen Italiens kennen- und lieben lerne — derzeit ist es Puglia –, was besonders meine bessere Hälfte freut, die eine ganz besondere Affinität zu Italien hat.

Ohne wirklich ein großer Weinkenner geworden zu sein, der aber gerne gute Weine trinkt, habe ich eigentlich nur eine Erkenntnis gewonnen: Bier und Wein haben eines gemeinsam, am besten schmecken sie dort, wo sie auch produziert werden.

Deshalb finde ich es auch heute noch ganz gut, wenn ich zu meinem Zwiebelrostbraten einen guten Lemberger bekomme, der darf dann auch ruhig aus der Brackenheimer Gegend stammen.

„Rotwein ist für alte Knaben — eine von den besten Gaben.“

Wilhelm Busch, Abenteuer eines Junggesellen

Maskerade

17.5.02021 5 (2)

Regierung XXL

Schlechte Minister und Staatssekretäre werden nicht dadurch besser, dass man noch mehr prekäre Parteimitglieder in Ämter hebt. Auch wenn ich es allen Mitbürgern gönne, dass sie sich dumm und dämlich verdienen, sollte man aber gerade als Landesregierung mit unseren Steuergeldern umsichtiger umgehen. Nur wieder einmal gemeinsam das Lied der „Schwarzen Null“ zu intonieren, rettet unsere Haushalte nicht.

Europaheuchelei

Notiz am Rande: der explosionsartigen Vergrößerung von Regierung und Beamtenapparat fiel das Europaministerium zum Opfer. Beide Parteien wollten sich wohl wenigstens von einer Heuchelei verabschieden. Ab morgen bis zur Bundestagswahl werden sich aber beide Parteien erneut uneingeschränkt zu Europa bekennen — sie verlassen sich weiterhin voll und ganz auf die Gedächtnisschwächen ihrer Wähler.

Lektüre

Heute mal eine etwas leichtere Lektüre. Amartya Sens „Identität und Gewalt“ aus dem Jahr 2006 ist sehr flüssig zu lesen und passt thematisch ganz gut zu meinem eigenen Buch; auch sind seine dort vertretenen Vorstellungen jenen der europäischen Föderalisten sehr ähnlich. Vielleicht auch deshalb, weil er u. a. Schwiegersohn von Eugenio Colorni ist.