Beim Empfang 2005

Rede zum Treffpunkt Europa 2014 5 (2)

Beitragsfoto: Dr. Manfred Weinmann beim Empfang 2005

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren! 

Es freut mich heute ganz besonders hier erneut dieses Grußwort sprechen zu dürfen, nicht nur weil wir morgen den 25. Treffpunkt Europa feiern, sondern weil wir alle – und dies nur wenige Tage nach der Amtseinführung unseres neuen OB – heute zum Empfang des Oberbürgermeisters am Vorabend des Treffpunkts Europa eingeladen sind.

Damit führen Sie, Herr Oberbürgermeister, eine Tradition fort, die unter Ihren Vorgängern Herrn Dr. Manfred Weinmann begann und unter Herrn Helmut Himmelsbach für die meisten von uns zu einem Highlight des Jahres geworden ist.

Tradition ist es dabei nicht, wie Thomas Morus es treffend formulierte, die Asche zu bewahren, sondern die Flamme weiterzutragen. Und sie Herr Oberbürgermeister haben sich dankenswerter Weise dazu bereit erklärt.

Ich meine mit dieser Flamme aber nicht das olympische Feuer, dies wird zum Entsetzen vieler inzwischen von Diktatoren, Potentaten und Kriegstreibern weitergereicht. Ich meine mit dieser Flamme unsere Europäische Idee, welche in vielen von uns lodert und hoffentlich den Funken Europa weiterträgt, auch über Heilbronn hinaus, und möglichst bei vielen unserer Mitbürger die europäische Begeisterung entflammen lässt.

Aus diesem Grund veranstalten wir seit 25 Jahren den Treffpunkt Europa und aus diesem Grund fordern wir auch ein Europahaus für Heilbronn. Dieses Europahaus soll aber kein weiterer „Infopoint Europa“ und auch kein weiteres „Europe Direkt“ sein, sondern eine europäische Bildungsstätte werden, gerne auch als Gegenpol zur Heilbronner „Experimenta“ – welche bekanntlich die Technologie in den Vordergrund stellt.

Denn Bildung ist Bürgerpflicht! Nur die Bildung – und dies möglichst für alle – kann uns vor der schleichenden Entmenschlichung dieser Welt retten. Und nur die Bildung – nicht Waffen – kann uns vor zukünftigen Kriegen bewahren.

Europa ist Bildung und Bürgerbeteiligung zugleich! Hier bei uns in Heilbronn sind wir weiterhin auf dem richtigen Weg. Und diesen wollen wir auch gemeinsam weitergehen. Morgen beim Treffpunkt Europa, am 25. Mai in den Wahlkabinen und vielleicht in ein paar Jahren auch im „Europahaus Heilbronn“.

„You answered without saying anything. That’s politics.“

Arthur Kennedy als Jackson Bentley in Lawrence of Arabia (1962)

Griechisches Parlament

Europatag 2014 5 (2)

Beitragsfoto: griechisches Parlament | © Hugo Petitjean auf Pixabay 

Unser Europa ist in Gefahr! Europa bröckelt nicht nur an seinen Rändern, es erodiert auch aus seiner Mitte heraus; und dies alles 100 Jahre nach Beginn eines bisher nie dagewesenen Massenmordens und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer – seinem bisher als endgültig geglaubten Ende. Manchem Mitbürger schwant bereits, dass Politik mehr sein muss als Gelder umzuverteilen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 scheint nur noch regionale Bedeutung zu haben und unsere Bürgerrechte, zuletzt im Jahr 2000 als Grundrechte der Europäischen Union festgeschrieben, werden immer öfters wieder in Frage gestellt: das Post- und Fernmeldegeheimnis besteht offensichtlich nur noch auf dem Papier, die Meinungs- und Informationsfreiheit wird nun auch schon innerhalb der EU begrenzt, die Reise-, Versammlungsfreiheit sowie das Recht auf Wahl des Wohnsitzes soll nur noch für manche unserer Mitbürger Gültigkeit haben und viele von uns verzichten von selbst immer öfters auf ihr Wahlrecht und ihre Beteiligung an gemeinschaftlichen Aufgaben, wie der Mitarbeit in Verbänden, Vereinen und auch Parteien. So lange man uns Europäern finanzielle Sicherheit verspricht, scheinen wir alles schlucken zu wollen.

Wir Europäische Föderalisten stemmen uns vehement gegen diese Entwicklung. Wir wollen ein Europa in Vielfalt geeint, wir wollen ein demokratisches Europa, föderal strukturiert und dem Frieden verpflichtet, wir wollen ein Europa der Bürger! Dafür arbeiten und werben wir. Darum machen wir uns für eine möglichst hohe Wahlbeteiligung stark und fordern unsere Mitbürger zur Wahl des 8. Europäischen Parlamentes am 25. Mai diesen Jahres auf. Darum veranstalten wir auch alljährlich den Treffpunkt Europa in Heilbronn und zeigen unseren Mitbürgern, dass Europa eigentlich schon heute ganz gut funktioniert.

Der Treffpunkt Europa ist inzwischen zu einem festen Bestandteil des Heilbronner Kultur- und Gesellschaftsleben geworden. Diese großartige Veranstaltung gelingt nur deshalb, weil sich viele Mitbürger Heilbronns und seiner Umgebung stets ehrenamtlich das ganze Jahr über zusammenfinden, sich für unseren Treffpunkt Europa engagieren und diesen jedes Mal wieder aufs Neue entstehen lassen und dies nunmehr bereits zum 25. Male. Dabei werden diese Mitbürger von weiteren Institutionen und Firmen unterstützt, um jeweils an einem Samstag in der Europawoche allen Besuchern ein kunterbuntes Fest der Völkerverständigung bieten zu können, bei dem darüber hinaus auch die vielfältigsten kulinarischen Wünsche angesprochen und mehr als erfüllt werden. All diesen Menschen, den Organisatoren, Künstlern, Sängern, Tänzern, Musikern, Choreographen, Köchen, Müttern und Vätern sowie allen anderen Helfern, teilnehmende Vereinen, unterstützende Institutionen und Firmen ist diese Jahresbroschüre gewidmet. Denn ohne diese Menschen gäbe es den Treffpunkt Europa nicht, ohne diese Menschen würde in Heilbronn Europa im Kleinen nicht so gut funktionieren und ohne diese Menschen wäre unser Europa in Vielfalt geeint nur ein weiterer „hohler“ Begriff im gesellschaftlichen und politischen Miteinander unserer Zeit. Wir wünschen Ihnen allen schöne Stunden beim diesjährigen Treffpunkt Europa und bitten Sie auf jeden Fall am 25. Mai 2014 wählen zu gehen.

„Everything that irritates us about others can lead us to an understanding of ourselves. I understand England only when I see where I, as a Swiss, do not fit in. I understand Europe, our greatest problem, only when I see where I as a European do not fit into the world. Through my acquaintance with many Americans, and my trips to and in America, I have obtained an enormous amount of insight into the European character; it has always seemed to me that there can be nothing more useful for a European than some time or another to look out at Europe from the top of a skyscraper. “

Carl Jung, Memories, Dreams, Reflections (1963)

Europa böckelt

Europa bröckelt 4.8 (5)

Beitragsfoto: Zerfallende europäische Flagge | © Shutterstock

Die jüngsten Ereignisse in und um Europa herum versetzen nicht nur uns Europäische Föderalisten immer mehr ins Staunen. Europa bröckelt nicht nur an seinen Rändern, es erodiert auch aus seiner Mitte heraus; und dies alles 100 Jahre nach Beginn eines bisher nie da gewesenen Massenmordens und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer – seinem bisher als endgültig geglaubten Ende!

Manchem Mitbürger schwant bereits, dass Politik mehr sein muss, als Gelder umzuverteilen und dem politischen Gegner Worthülsen buchstäblich um die Ohren zu hauen. Europa ist in Gefahr! Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 scheint nur noch regionale Bedeutung zu haben und unsere Bürgerrechte zuletzt im Jahr 2000 als Grundrechte der Europäischen Union festgeschrieben, werden immer öfters wieder infrage gestellt: das Post- und Fernmeldegeheimnis besteht offensichtlich nur noch auf dem Papier, die Meinungs- und Informationsfreiheit wird nun auch schon innerhalb der EU begrenzt, die Reise-, Versammlungsfreiheit sowie das Recht auf Wahl des Wohnsitzes soll nur noch für manche unserer Mitbürger Gültigkeit haben und viele von uns verzichten von selbst immer öfters auf ihr Wahlrecht und ihre Beteiligung an gemeinschaftlichen Aufgaben wie der Mitarbeit in Verbänden, Vereinen und auch Parteien. So lange man uns Europäern finanzielle Sicherheit verspricht, scheinen wir alles schlucken zu wollen.

Die jüngsten Ereignisse sind aber auch eine Chance für unser Europa! Denn es ist nunmehr offensichtlich, wohin uns die Zentralisten mit ihren althergebrachten Nationalismen, Deutungs- und Verhaltensmustern führen werden – zurück ins 19. Jahrhundert. Nutzen wir diese sich uns bietende Chance und geben wir den Werten, die sich unsere Vorfahren hart erkämpft haben, wieder ihre Bedeutung zurück. Solidarität heißt nicht selber möglichst viel aus staatlichen Töpfen zu erhalten, sondern Mitbürger in ihrem Bestreben zu unterstützen, ein menschen-würdiges Leben führen zu können. Und Demokratie heißt nicht, anderen beim Entscheiden zuzuschauen, sondern sich selber zu informieren und einzubringen. Auch wird uns allen wieder vor Augen geführt, dass Freiheit und Frieden niemals umsonst sind, sie müssen immer wieder aufs Neue erworben werden.

Lassen wir uns aber nicht entmutigen, unsere europäische Idee ist weiterhin ein sehr attraktives Modell menschlichen Zusammenlebens, denn sie gibt jedem die Chance auf ein glückliches und erfüllendes Leben. Deshalb streben viele Menschen nach Europa und deshalb werden die europäischen Werte auch in den entlegensten Regionen dieser Erde immer wieder eingefordert. Wir Europäer müssen handeln, wir müssen an unseren eigenen Werten festhalten, wir müssen sie wieder selber „verdienen“ und „erarbeiten“ und wir müssen auch anderen Menschen helfen, diese Werte in ihren Ländern zu etablieren. Alles in allem: „Europa braucht ein neues Solidaritätsgefühl, damit seine Einheit nicht am Ende an allzu großen Lasten der Geber und am Frust der Nehmer zerbricht.“ (Władysław Bartoszewski)

„Die beste Demokratie wird wertlos, wenn das gesamte politische System verrottet ist und nur noch aus egoistischen Cliquen besteht, aus Seilschaften, Privilegien und Willkür.“

Richard David Precht, Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (2010: 27f)