Netzwerk

Netzwerken 4.9 (28)

Beitragsfoto: Netzwerk | © Pixabay

Dieser Beitrag ist wohl mein meist geänderter und bearbeiteter Beitrag dieses Weblogs überhaupt. Angefangen hat es damit, dass ich das World Wide Web als eine gute Möglichkeit angesehen habe, um neue Netzwerke zu kreieren und bestehende einfacher zu unterhalten.

So versuchte ich mich seit 2001 an den verschiedensten Portalen und Websites, wie zum Beispiel IIICS oder World citizenship, die ich noch heute mehr oder weniger und eher aus nostalgischen Gründen immer noch betreibe oder zumindest die Adresse beibehielt.

Andere, teilweise anfangs auch sehr erfolgreiche Versuche sind heute nur noch, wenn überhaupt über das Internet Archive zu finden.

Letztendlich sind und leben alle Netzwerke vom Engagement der handelnden Personen; damit ist es auch ganz normal, dass sich Netzwerke beständig verändern, immer wieder verschwinden und dafür neue entstehen, wobei die Qualität eines jeden Netzwerks ausschließlich an seiner Aktualität zu bewerten ist. Ganz plakativ ausgedrückt: auch das beste Telefonbuch aus dem 20. Jahrhundert erfüllt heute nicht mehr seinen Zweck.

Und um es gleich vorweg zu nehmen, auch Facebook, Twitter und Co. sind nur temporäre Erscheinungen, deren heutige Bedeutung späteren Generationen wohl kaum noch zu vermitteln sein wird.

Und nach all meinen selbst gemachten Erfahrungen ist das eigene Telefonbuch, in dem die Telefonnummern von Menschen stehen, die man rund um die Uhr und egal von welchem Ort aus anrufen kann, das beste Netzwerk-Tool das es überhaupt gibt, außer selbstverständlich, man hat „seine“ Nummern alle im Kopf abgespeichert, auch das soll es noch geben.

Daraus schließe ich aber auch, dass jedes Netzwerken eine natürliche Grenze hat, die man höchstens durch sehr lebendige Netzwerkgemeinschaften etwas erweitern kann, aber auch nicht sehr weit.

Alle anderen Versuche und Bemühungen leben ausschließlich von der Sammelleidenschaft der Menschen. Auch ich war einmal „stolz“ darauf möglichst viele Facebook „Freunde“ angesammelt zu haben, die ich inzwischen aber wieder gegen Null reduzierte, oder gar auf viele Linkedin Partnerschaften, von denen ich wohl nie eine brauchen bzw. nutzen werde.

Und selbst der Nutzen von Netzwerken als bessere und günstige Verteiler- oder Werbegemeinschaften ist für den Normalgebrauch sehr fraglich, denn auch hier gilt: „It’s Crime and Sex That Sell News!“

„But you can’t make people listen. They have to come round in their own time, wondering what happened and why the world blew up under them. It can’t last.“

Ray Bradbury, Fahrenheit 451 (2012 [1953]: 146)

Weihnachtsbrief 2001

Weihnachtsbrief 2001 5 (7)

Schon wieder Weihnachten! Das für uns so turbulente Jahr 2001 neigt sich dem Ende zu. Ein Jahr in Chemnitz ist vorüber, inzwischen haben wir uns an die rauen Winde hier gewöhnt und nutzen nun die Zeit, auf die vergangenen Monate zurückzublicken.

Alles hat mit dem Umzug in der Vorweihnachtszeit letzten Jahres von Müllheim nach Chemnitz begonnen. In Rekordzeit von nur vier Tagen hatten wir uns im September eine schöne Wohnung im Jugendstilviertel auf dem „Kaßberg“ ergattern können. Der Umzug war von Tina allein zu organisieren, weil Heinrich sich einmal mehr auf einem Lehrgang entspannte. Trotz einiger Vorbehalte klappte dann doch alles.

Den Weihnachtsbaum hatten wir auch noch auf die Schnelle organisieren können; war wieder Männersache. Das neue Jahr begann für Max in einer sächsischen Grundschule. Schnell erkannten wir, dass Sachsen im Vergleich zu Baden-Württemberg an schulischen Anstrengungen einen Quantensprung nach vorn erforderte. Unser armer Max, der bisher nur mit dem Griffel gekritzelt, von Kopfrechnen keine Ahnung hatte und Lesen noch als anstrengende, lästige und überflüssige Nebenbeschäftigung ansah, musste erkennen, dass zum veränderten Umfeld auch schulisch in Sachsen einiges anders ist.

Wir brauchten bestimmt drei Monate, um ihn einigermaßen ins schulische Mittelfeld zu treiben. Es war eine schreckliche Zeit, und wir sind alle froh, dass Max es geschafft hat. Aber der Preis war hoch. Daraus haben wir gelernt, niemals inmitten eines Schuljahres umzuziehen.

Konstantin verschmähte seinen uns zugewiesenen Kindergartenplatz. Er war durch nichts dazu zu bewegen, diesen Platz zu nutzen. Muttertier Tina konnte ihm auch eigentlich keinen Vorwurf machen, der Kindergarten war einfach zu furchtbar anders. Nach drei Monaten auf vier Wartelisten stehend, verbunden mit der Hoffnung, vielleicht im September einen Platz zu bekommen, erschloss sich uns schließlich im Waldorfkindergarten eine Möglichkeit. Nachdem Heinrich seinen Widerstand aufgegeben hatte, konnte Konstantin dort sein Glück finden und wir mit ihm. Musikalisch bildet sich Max zurzeit mehr oder weniger freiwillig mit dem „Keyboard“ weiter, während Konstantin dazu singt.

Nach all den Monaten haben wir immer noch Schwierigkeiten, uns mit dem hier traditionellen Hortsystem abzufinden. Fast alle Kinder aus Maxens Klasse sind nachmittags im Hort; das bedeutet, sie essen dort zu Mittag, halten Mittagsruhe, machen die Hausaufgaben und werden dann bis spät nachmittags, bis ihre Eltern sie dann nach getaner Arbeit abholen kommen, betreut. Freunde nachmittags regelmäßig zum Spielen einzuladen oder zu besuchen gibt es nur in Ausnahmefällen.

Man merkt überall, dass nur ein „Ostlohn“ kaum eine Familie ernähren kann. Viele „Ostfrauen“ sind es aber auch nicht anders gewohnt als ihre Frau im Beruf sowie abends und am Wochenende in der Familie zu stehen. Es ist ein hartes Leben. Aber es ist heilsam zu sehen, wie gut es uns eigentlich doch geht. Um unsere am Anfang etwas langweiligen Nachmittage besser auszufüllen, spielen unsere Kinder nun Basketball, wobei sie damit das Handballspiel aufgeben mussten.

Zweimal die Woche sind sie jetzt im Training. Die Körbe hängen zwar hoch, aber die Begeisterung hält an. Mal sehen, wie lange noch. Unseren traditionell vierwöchigen Sommerurlaub haben wir dieses Jahr zur Hälfte zu Hause im „Ländle“ verbracht und die letzten zwei Wochen genutzt, um Sachsen zu entdecken. Ein schönes Land mit vielen Burgen, ein Paradies für unsere Kinder.

Im Spätsommer hat sich Tina nach leichtem Tritt vom Göttergatten entschlossen, sich vorsichtig nach ihrem beruflichen Marktwert zu erkundigen. Das Arbeitsamt hatte erst zwei herbe Schläge in die Magengegend für Sie bereit, die eine vorzeitige „Midlife-Crisis“ zur Folge hatten. Dann aber – oh Wunder – Herrn Beyer, ihrem Arbeitsberater sei Dank, ging doch noch die Türe zum ersehnten Lehrgangshimmel auf.

Tina hat sich nun einen einjährigen Lehrgang an Land gezogen, der sie eines Tages, genauer gesagt am 30.10.2002 und welch Zufall an Göttergattens Geburtstag in die Niederungen einer neuen beruflichen Selbstständigkeit entlassen wird.

Da Tina nun morgens außer Haus ist, wird die Wohnung jetzt nur noch einmal die Woche im Team geputzt. Wenn man dann ein Auge zudrückt und die Wohnung einfach Wohnung sein lässt, ist auch alles bestens. Die Männer der Familie absolvieren zurzeit einen Haushaltscrashkurs mit anschließendem Dauerpraktikum.

Für Heinrich brachte der berufliche Alltag nicht viel Neues; allerdings musste die schöne Wohnung mit je einer gut halbstündigen Autofahrt erkauft werden.

Erholung von den langen Arbeitszeiten fand er Anfang August, als er wieder zu einem dreimonatigen Lehrgang, diesmal nach Hamburg durfte. Da er dorthin mit dem Zug unterwegs war, konnte er zweimal die Woche von einer Berliner Stadtrundfahrt schwärmen, die sonntags bei Nacht und freitags bei Tag erfolgte. Berlin, eine Stadt, welche nun in unserer „Sightseeing-Reichweite“ liegt und neben dem Elbsandsteingebirge die Attraktion für uns darstellt.

Zum Jahresende konnte der Beruf mit zwei Überraschungen aufwarten. Zum einen verzichtete sein Arbeitgeber darauf, ihn erneut in den Einsatz zu schicken und zum anderen für alle noch überraschender, mit der schon lange ersehnten Beförderung zum Major.

Rückblickend auf das Jahr 2001 können wir viele neue Erfahrungen und neue Freunde auf unserem Lebenskonto verbuchen.

Mit diesem für uns unerwartet positiven Jahresausklang hoffen wir nun auf ein ruhigeres 2002.

Auf den Weltfrieden, Frohe Weihnachten und alles Gute im Neuen Jahr!

„Das Dumme am Tod ist nicht, daß er die Zukunft verändert, sondern daß er uns mit unseren Erinnerungen allein zurückläßt.“ 

Peter Høeg, Fräulein Smillas Gespür für Schnee (2004 [1992]: 344)

Maximilian & Konstantin

Vaterfreuden 5 (3)

Beitragsfoto: beide Söhne beim Foto-Shooting

Als der Kommandeur erfuhr, dass ich zum zweiten Mal Vater werde, genehmigte er mir eine kurze Übungsunterbrechung und so fuhr ich noch in der Nacht von Zentralfrankreich nach Heilbronn, um im SLK-Krankenhaus angekommen festzustellen, dass es erneut eine Weile dauern wird. Und kaum war ich zum zweiten Mal stolzer Vater und die beiden Omas erneut zur Stelle, kehrte ich wieder zur Übung zurück, dieses Mal aber füllte ich das Auto mit Champagner und bereitete nach Rückkehr in die Gefechtsübung allen Mitstreitern eine kleine Freude.

Die Anregung meiner Kameraden, nämlich den jüngsten Sohn Pegasus — nach der gerade laufenden Übung — zu nennen, fand bei meiner besseren Hälfte keine Zustimmung. Übrigens, der 16. Juni 1996 ist nicht nur ein Sonntag, sondern zudem auch der US-amerikanische Vatertag — eine generalstabsmäßige Planung meiner besseren Hälfte; was ich allerdings bereits berichtet hatte.