Weihnachtsbaum auf Hand

Weihnachtsbrief 2024 5 (7)

Beitragsfoto: Weihnachtsbaum auf Hand | © Pixabay

Vor Kurzem befanden sich beide Söhne zeitgleich auf der Durchreise in Heilbronn und stellten erstaunt fest, dass der Advent bei uns im Hause noch nicht angekommen war. Keine fünf Minuten später hatte ich den Weihnachtsbaum aus dem Keller geholt, aufgeklappt und mit Strom versorgt. Auch der Adventskranz war sehr schnell aufgestellt, denn er ist ebenfalls aus Metall und lagert wie der Baum im Keller. Zum Glück hatte ich nach letztem Silvester sämtliche im Haus vorhandenen Wachsreste zu Kerzen gegossen, sodass auch die erste Kerze angezündet werden konnte.

Gegossen und nicht wie bei Bienenwachs üblich gezogen, da ich die neuen Kerzen dem bereits vorhandenen Adventskranz anpassen wollte. Beim Gießen ignorierte ich die in meiner Kindheit gemachten Erfahrungen und verwandte einfach die Dochte, die ich gerade fand, was zu einem Missverhältnis zwischen beiden Umfängen führte. Aber da ich die daraus resultierenden Reste wieder einschmelzen kann, ist dies nur eine kleine Un-Schönheit, die zudem dem heutigen bundesdeutschen Esprit gaulois entspricht: mehr Schein als sein.

Die besagte Durchreise unserer beiden Söhne lässt mich sogleich zu den positiven Dingen dieses nunmehr ausklingenden Jahres kommen. Der Älteste hat sich dieses Jahr verlobt, gleich nachdem er seine akademische Ausbildung erfolgreich beendet hatte und sich nun Pädagoge mit einem entsprechenden Universitätsabschluss nennen darf. Dabei stellte er meine damalige Leistung in den Schatten, da er zwei Tage weniger für seine Abschlussarbeit benötigte und zudem dafür auch noch eine bessere Gesamtnote erzielte. Inzwischen hat er auch seine Ausbildung zum Infanterieoffizier abgeschlossen und verfügt nun zusammen mit seinem früheren Abschluss als Notfallsanitäter über gleich drei vollwertige Berufsabschlüsse.

Der Jüngste trat im letzten Monat in Stuttgart, nachdem er zwei Studien erfolgreich abgeschlossen hat, seine erste Arbeitsstelle in einem Ministerium an und bezog dort auch gemeinsam mit seiner besseren Hälfte seine erste Wohnung — einmal von den verschiedenen Studentenbuden abgesehen.

Das dürfte es aber auch mit dem Erfreulichen in diesem Jahr gewesen sein. Und so war die Adventszeit auch schnell wieder vergessen. Erst als gestern spät abends die Anfrage kam, wo denn mein monatliches Rundschreiben bliebe, wurde ich erneut an das bevorstehende Jahresende erinnert. Keine zwanzig Minuten später war das Dezemberrundschreiben der EUROPA-UNION Heilbronn verschickt und ich ärgerte mich sofort ein wenig darüber, dass ich es vor dem Versenden nicht nochmals durchgelesen hatte. Es gibt dort ein paar Rechtschreib- und Grammtikfehler zu viel, sodass ich nun auf die Idee kam, schon jetzt meinen Weihnachtsbrief für dieses Jahr zu verfassen — ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden Tagen mein Jahr nicht mehr viel ändern wird.

Schon seit längerem hatte sich meine Mutter verstärkt um meinen Vater gekümmert, der aufgrund seines fortgeschrittenen Alters immer mehr Unterstützung benötigt. Im September geschah dann das Unerwartete, nämlich dass meine Mutter stürzte und sich dabei schwere Hirnverletzungen zuzog. Als Resultat davon befindet sie sich nun in einem Pflegeheim und mein Vater besucht sie dort täglich. Gäbe es meine bessere Hälfte nicht, wüsste ich nicht, wie ich mit der aktuellen Situation zurechtkommen könnte. Kaum sind die eigenen Kinder aus dem Haus, darf man sich um die eigenen Eltern kümmern. Der Unterschied dabei ist, dass sich Kinder zum Positiven entwickeln.

Aber auch hier gibt es Erfreuliches zu berichten, denn ich habe nun wieder mehr Verbindung zu jenen Familienteilen, die schon länger Heilbronn den Rücken gekehrt haben. Manchmal frage ich mich selbst, ob es wirklich schlau war, wieder nach Heilbronn zurückzukehren.

Das wirklich Spannende für mich ist es aber, dass sich meine Eltern bis heute noch selber um ihre „beruflichen“ Angelegenheiten kümmern und ich dieses nun in einem fliegenden Wechsel mit übernehmen darf. Und so war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich im Juni von meinen Mitbürgern nicht zum Gemeinderat gewählt wurde und auch ganz folgerichtig mein Amt als Vorsitzender der Freien Wähler zur Verfügung stellte; so hoffe ich, dass ich bis zum Jahresende in Gänze von dieser Aufgabe entlastet bin. Zumindest die Stadtverwaltung hat vor Kurzem ihre Verfolgung eingestellt, was durchaus hoffen lässt, dass wir in diesen schwierigen Zeiten auch bei uns noch über ausreichend Reste von Demokratie, Recht und Ordnung verfügen.

Dieses Jahr habe ich weitere meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten eingestellt, auch wenn ich manchmal noch das Vorlesen an der Grundschule und anderen Einrichtungen vermisse. Weniger die Nachhilfestunden bei den etwas älteren Schülern, denn diese wollen tatsächlich keine Hilfe, sondern streben ihren Eltern nach, die als völlig unnütze Mitglieder unserer Gesellschaft höchstens als Verbraucher ihre eigene Existenz rechtfertigen können. Da man Menschen nicht verhungern lassen kann, bleibe ich meseno weiterhin erhalten.

Meine Aktivitäten bei der EUROPA-UNION habe ich auch dieses Jahr beibehalten, wobei aber meine bessere Hälfte und ich uns immer mehr auf die lokalen Aktivitäten beschränken. Die Gründe hierfür sind vielfältig und sicherlich auch der Gesamtsituation geschuldet. Interessanter Weise habe ich dieses Jahr mein Engagement an der Hochschule Heilbronn sogar ein wenig ausgebaut, werde es aber aufgrund der dort gemachten Erfahrungen wieder zum Status quo ante bringen. Die Vorstellungen der dortigen Studenten sind mit meinen eigenen Vorstellungen über Bildung und Wissen einfach nicht kompatibel — wie das die weit qualifizierteren Dozenten aushalten oder gar verarbeiten können, bleibt mir ein Rätsel.

Rückblickend muss ich feststellen, dass dieses Jahr mein Familienleben und mein eigenes Wohlbefinden viel zu kurz kamen, mein Grill bisher kein einziges Mal in Betrieb genommen wurde und ich nicht einmal auf ein Weihnachts- oder gar Silvestergrillen — Halt! sGwuwl werde ich nun letzteres noch möglich machen.

Mancher Kamerad und Freund hat auch dieses Jahr weiterhin mit mir Verbindung gehalten, selbst wenn von meiner Seite aus nichts dazu beigetragen wurde — diesen guten Menschen schulde ich Dank und bitte hiermit sogleich um eine gerechte Bestrafung.

Irgendwie klappte es dann auch nicht, dass meine bessere Hälfte und ich wenigstens einmal ein Wochenende für uns freihalten konnten, von ein paar Tagen Urlaub ganz zu schweigen. Zumindest ich vermisse meine Zeit im Jacuzzi sehr, zumal wir in Heilbronn und Umgebung über keine Badekultur verfügen — die Römer sind einfach viel zu lange wieder weg. Nur ein „Bad“ vor den Ortsnamen anzufügen ist genau so wenig zielführend wie sich aus dem mir nichts, dir nichts heraus „Universitätsstadt“ zu nennen.

Ich meckere aber auf hohem Niveau, in welcher Stadt kann man schon ganz ohne Arbeit und eigenem Einkommen den gesamten Tag über in Luxusmobilen die Allee hoch und runterfahren und wenn einem dies nicht ausreicht, auch noch durch die Fußgängerzone touren? Wie wahr, wir leben in einer Region der unbegrenzten Möglichkeiten! Alles Meckern ist völlig überflüssig, denn wer bei uns noch arbeitet, der ist selber schuld — das wissen u. a. die Mitarbeiter unsere Stadtverwaltung nur allzu gut.

In anderen Regionen sieht es da schon ganz anders aus. Die Ukrainer — zumindest jene, die nicht den gesamten Tag über bei uns die Allee hoch und runterfahren — kämpfen seit 2022 um das nackte Überleben. Ähnlich geht es den Menschen in Syrien und vielen anderen Teilen der Welt. Und wer aktuell noch vom Krieg verschont ist, kämpft derweil mit den klimatischen Veränderungen und deren Folgen.

Nur ein ganz kleiner Teil der Menschen, wie wir Heilbronner selbst auch, kann sich noch auf einer „Insel der Glückseligen“ wähnen und ist demzufolge wirklich zu allem bereit, um diesem Wahn noch möglichst lange nachhängen zu können — da wählt man auch Politiker, von denen man ganz genau weiß, dass sie einen nur belügen und betrügen! Die Trumpisten bestimmen auch bei uns den politischen Alltag, überall in der Westlichen Welt sind Demokraten auf dem Rückzug.

Und bei uns in Heilbronn hat man dies bereits zur Kunst erhoben! Vorne im Rathaus huldigt man einem Nazi und hinten im Rathaus gedenkt man den Opfern des Nationalsozialismus — wir machen es schon viel zu lange viel zu vielen viel zu bequem, Hauptsache man muss selbst nichts dabei tun oder gar verantworten. Es sind ganz alleine die faulen Kompromisse, die unsere Demokratien an den Rand des Untergangs geführt haben. Und bis es soweit ist, schreiben — nein, lassen schreiben — die dafür Hauptverantwortlichen noch schnell eine eigene Autobiografie und sahnen nochmals ab.

Allerdings sieht es dieses Mal nicht danach aus, dass man seine Untaten oder sein Nichtstun weiterhin einfach nur aussitzen kann und spätestens nach einer Legislatur erneut an die Futtertröge gewählt wird, denn irgendwann gehen selbst die größten Vorräte zur Neige — das Scheitern der aktuellen Regierung darf als Menetekel gesehen werden. Und eigentlich freue ich mich schon so richtig darauf wie die derzeitige Opposition, welche mit allen Mitteln an der sogenannten Schuldenbremse festhalten will, diese sofort nach ihrem Regierungsantritt aussetzen wird. Und im selben Augenblick wird die dann neue Opposition, welche gerade noch das Aufheben der Schuldenbremse als absolut notwendig bewirbt, genau diese als „deutsches Kulturgut“ mit allen Mitteln verteidigen — wir Wähler wollen es einfach nicht anders!

Für die meisten von uns und ganz besonders für die Politiker ist Demokratie nur noch ein „Dschungelcamp“ — die deutscheste der deutschen Realityshows! Zumindest so lange wie die anderen im Mittelmeer ertrinken oder in den Schützengräben fallen. Und das ist auch nur allzu menschlich, denn man glaubt erst daran, dass es einen selbst erwischen kann, wenn es einen selbst erwischt hat!

Und dies dürfte meine einzige Erkenntnis der letzten zweiundsechzig Weihnachten sein: es war schon immer so und wird immer so bleiben. Auch wenn die meisten von uns wissen, wie man die Welt zumindest ein wenig besser machen könnte, wenigstens ein ganz klein wenig in der eigenen Umgebung, wir machen dies nicht.

Dabei wäre es doch so einfach, wenn jeder nur versuchen würde, sich selbst zu sein, für seine eigene Existenz aufkommen, vielleicht auch noch für jene sorgen würde, die ihm ganz persönlich am Herzen liegen und ansonsten seinen Nachbarn das nicht neiden, was diese vielleicht sogar unverdient erreichen.

Man muss überhaupt nicht versuchen, die Welt insgesamt zu retten, es reicht bereits völlig aus, wenn man es schafft, sich selbst zu retten. Und sollte jemand die Kapazitäten haben, um weit mehr zu erreichen, dann wäre es bereits völlig ausreichend, wenn er dabei seinen Nachbarn nicht auf die Füße tritt.

Die Welt ist so schön und so einfach zu handhaben, wenn es nur uns Menschen nicht gäbe! Dies sollte uns allen ein wenig zu denken geben — gerade vor Weihnachten.

„There is no liberal world order anymore, and the aspiration to create one no longer seems real.“

Anne Applebaum (2024: 175)

Wahlkabinen

5.11.02024 5 (7)

Beitragsfoto: Wahlkabinen | © Alexandru Nika, Shutterstock

Wahltag

Heute wird die 60. Wahl zum Präsidenten und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika abgehalten. Ohne Frage ist dies die wichtigste Wahl des Jahres — weltweit!

Anders als bei uns gibt es keine Prognose nach dem Schließen der Wahllokale und auch keine Hochrechnung während der Auszählung. Deutet sich allerdings aufgrund von historischen Ergebnissen und Vorwahlumfragen an, dass einem Kandidaten der Sieg in einem Bundesstaat kaum noch zu nehmen ist, dann rufen die großen US-Fernsehsender einen Gewinner aus. Diese Aussagen gelten als sehr verlässlich, die Sender unterhalten dafür sogenannte Decision Desks mit erfahrenen Experten.

In Pennsylvania (19 Wahlleute), das man als einen der wichtigsten Swing States ansehen kann, darf mit der Auswertung der Briefwahlstimmen erst am Wahltag um 7.00 Uhr (da ist es bei uns bereits 13.00 Uhr) begonnen werden. Bis in den 50 Staaten alle Stimmzettel ausgezählt sind — ohne Nachzählungen — kann es unter Umständen Tage dauern. Eines ist aber sicher, dass die Republikaner die Wahl bereits am selben Tag noch für sich reklamieren oder für den Fall, dass die US-Demokraten deutlich vorne liegen, die Wahl noch am Wahltag mit dem Slogan „Stop the Steal“ ablehnen — bürgerkriegsähnliche Zustände können erwartet werden.

Wegen der Zeitdifferenz schließen die Wahllokale in den USA nach und nach, wobei dies bei uns zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens sein wird, folglich ist es da schon Mittwoch!

Die ersten Ergebnisse aus den Swing States könnten aus Michigan, Georgia und North Carolina kommen. Sollten diese an die Republikaner gehen, wird wohl Kamala Harris wie damals Hillary Clinton sehr früh ihre Niederlage einräumen können.

Rückwärtsgewandt

Jean Asselborn war jüngst in Heilbronn und ich hoffe, dass er sich auch ins goldene Buch der Stadt eintragen durfte; es kommt nicht sehr oft vor, dass echte Staatsmänner den Weg nach Heilbronn finden. Interessant, wie er unsere Stadt auf Anhieb als „rückwärtsgewandt“ bezeichnete und dies obwohl Dieter Schwarz so viel in Gebäude investiert. Eine Investition in Bildung für alle wäre einfach zielführender — für die Instandhaltung unserer Schulen oder gar Sportstätten werden wir aber auch künftig keine Gelder freigeben. Und schon gar nicht in die Förderung von Mündigkeit und Demokratie. Wir bleiben weiterhin dabei: „Mehr Schein als Sein“ und „Hauptsache der Ranzen spannt“.

Das Wort des Tages ist allerdings „Talahon“, das es wohl nur in einer unisex-Form gibt und für unreife, dumme und völlig unnütze Menschen Verwendung findet. So weiß ich nun auch wie man die Spinner nennt, die mit übermotorisierten Fahrzeugen die Allee hoch und runter fahren oder mit E-Scootern Rentner auf den Gehwegen dieser Stadt jagen.

Auch die Geheimnistuerei im Heilbronner Rathaus treibt weiterhin ihre Stilblüten, ob es nun um das aktuelle Volksbegehren geht oder auch nur um den Kreisjugendring. Über diese Sachstände werden weiterhin nur die Heilbronner VIP informiert, welche bekanntlich gerne in Hinterzimmern aller Art „tagen“. Wirklich ärgerlich ist es aber, dass wir Bürger aus „Neutralitätsgründen“ des Rathauses keine Zwischenstände zum Volksbegehren erhalten. Genau wegen dieser angeblichen „Neutralität“ informiert das Rathaus uns Bürger wohl auch nicht über das Volksbegehren, man könnte dies z. B. regelmäßig in der Heilbronner Stadtzeitung machen — nein, man müsste es sogar!

Wenn man dies alles nicht immer nur einzeln betrachtet, dann kommt man auch als externer Beobachter sehr schnell dahinter, dass wir Heilbronner noch einen sehr langen Weg vor uns haben.

Hörenswert

Meine letzten 5 Pfennig zum US-Wahlkampf habe ich bereits gestern von mir gegeben. Und wir alle müssen nun auf das heutige Ergebnis warten. Dennoch möchte ich meinen Leseren Bernie Sanders‘ abschließenden Worte zum Wahlkampf nicht vorenthalten — übrigens der Apostroph ist auch nach aktueller Duden-Meinung noch richtig gesetzt, was sich bei der Duden-Redaktion allerdings stündlich ändern kann.

Bernie Sanders ist ein Vollblutpolitiker, dessen Überzeugungen ich nicht oft teile, der aber insgesamt ein aufrechter Demokrat und wahrhafter Menschenfreund ist. Und auch er versucht noch mit seinen „zwei Cent“ (ehemals etwa 5 Pfennig) den einen oder anderen US-Wähler zum Wählen zu bewegen und es wäre nicht Bernie Sanders wenn er dabei nicht eine eigene Wahlempfehlung aussprechen würde: „As this presidential campaign comes to an end, let me say a few words“.

Den Aufruf des Editorial Boards der New York Times hatte ich bereits gestern hinter der gezeigten Karte als Hyperlink hinterlegt. Das Problem dabei ist, dass GOP-Wähler die New York Times kaum lesen werden und ein weiteres, dass die New York Times Redakteure viel zu spät eindeutige Stellung bezogen haben. Im Gegensatz zu Bernie Sanders ist deren Aufruf nur ein Feigenblatt, um später jegliche eigene Schuld von sich weisen zu können. Dabei hätte man das unsägliche Treiben Donald Trumps und seiner Kumpane zumindest seit dem 6. Januar 2021 viel deutlicher in alle Medien darstellen und als Demokrat dabei zudem bewerten müssen.

Auch wenn Schwerverbrecher und Hallodris einen höheren Unterhaltungswert als die ganz gewöhnlich arbeitenden Bevölkerungsteile haben, wäre es dennoch die Verpflichtung von Medien ihren Konsumenten reinen Wein einzuschenken. Guter Journalismus hat nichts mit Hofberichterstattung zu tun und wer als Journalist reich werden möchte, der sollte besser in die Werbung gehen.

dark night poem

they say that
nothing is wasted:
either that
or
it all is.

Charles Bukowski, The Pleasures of the damned (2008: 9)

Allee

23.8.02024 5 (8)

Beitragsfoto: Allee

Wochenende

Erfreulich das Käffchen mit Detlef Stern heute Morgen. Es ging um Zettelkästen, Künstliche Intelligenz und weitere Themen, die uns beide interessieren. Was mich daran erinnert, dass ich noch mein Seminar vorbereiten muss. Auch bei meiner Vorlesung sollten einmal die Folien zumindest etwas aufgehübscht werden; als Student schmunzelte ich noch darüber, dass man so manchen Overheadfolien der Professoren ihr Alter ansehen konnte. Heute bei der Vorbereitung von Vorlesungen erwische ich mich immer öfters dabei, dass ich die alten Folien weiterhin für ganz gelungen halte bzw. als für die Situation ausreichend wiederverwende.

Da ich eigentlich kein Freund von Folien und schon gar nicht von Powerpoint bin, wäre der folgerichtige Schritt, dass ich ganz auf solche Dinge verzichte. Beruflich und bei der Vereinsarbeit nutze ich schon sehr lange keine solchen Hilfsmittel mehr. Am liebsten stelle ich die Bilder im Kopf der Zuhörer oder arbeite gleich mit diesen am „lebenden Objekt“. Für Detlef Stern wäre dies wohl agiles Studieren.

Und so stellt sich mir tatsächlich die Frage, ob ich dann nicht gleich meine Vorlesungen insgesamt auf ein neues Level bringe. Da ich aber nicht sagen kann, wie dies von den betroffenen Studenten aufgenommen würde, verhalte ich mich ganz automatisch so wie meine eigenen damaligen Professoren. Vieles besteht auch heute noch meist aus Nachahmung — bewusst oder unbewusst.

Vermischtes

Sobald man anderer Meinung als die Gaffenberg-Mafia ist, hat man in Heilbronn einen schweren Stand. Das musste nun auch eine Security-Firma feststellen. Diese war eigentlich nur als private OB-Show und zur üblichen Verschwendung von Steuergeldern angeheuert worden, machte aber den Fehler, sich dabei falsch über unsere Stadt zu äußern — den Job ist sie nun los.

Nun dürfen sich wieder ein paar CDU-Stadträte über die unzähligen Messerstecher in der Innenstadt aufregen und damit ihr einfacher gestricktes Klientel bedienen. Was sie dem SPD-OB im Gegenzug zugebilligt haben, werden wir so schnell nicht erfahren.

Erfreulich heute beim Spaziergang, wie schnell die Stadtverwaltung reagieren kann, wenn nur die richtigen Heilbronner einen Wunsch haben. Zum ersten Mal konnte ich die Allee als Parkplatz erleben und am helllichten Tag hoch und runter spazieren. Wobei damit so ganz nebenbei der Beweis angetreten wurde, dass man die Kernstadt insgesamt zur Fußgängerzone ausbauen und die Allee verkehrsberuhigen kann.

Auch der Kiliansplatz war sehr schnell von allen Auflagen befreit und kein Mensch kümmerte sich mehr um Flucht- und Rettungswege oder falsch gestellte Stände, Bühnen oder Buden. Über dreißig Jahre lang habe ich mich selbst diesbezüglich mit städtischen Mitarbeitern herumgestritten und dabei immer den kürzeren gezogen. In Heilbronn sind manche halt schon immer gleicher als andere — ich tippe einmal auf die Hasenmahlgesellschaft.

Dafür konnte ich heute den einen oder anderen Angestellten der Stadt belächeln, die im Lidl-Shirt durch die Stadt stolzierten; dabei verdienen die städtischen Mitarbeiter eigentlich gar nicht so schlecht.

Aktuell fragen sich viele Bürger, warum in den neuen Bundesländern so viele antidemokratisch wählen. Ein Grund könnte sein, dass nach der Wende nicht nur viele Raubritter in den Osten wechselten, sondern noch mehr Verwaltungsbeamte und Politiker, die bei uns keiner mehr haben wollte. Und diese haben den Osten in den letzten gut drei Jahrzehnten gesellschaftlich und politisch einfach abgewirtschaftet. Als ich vor gut zwanzig Jahren selbst in Sachsen lebte, hörte ich zwar die Signale meiner dortigen Mitbürger, habe sie aber — da viel zu blauäugig — nicht verstanden!

Und wenn wir in Heilbronn so weitermachen, dann zerstören wir auch noch unsere eigene Stadt: Demokratie ist einfach kein Selbstbedienungsladen für Volksvertreter und deren Vettern und Parlamente sind kein Tummelplatz für Tunichtgute!

Letzter Tag

Highlight des Tages ohne Wenn und Aber ist die Rede von Kamala Harris. Sie hätte es verdient gehabt, dass ein paar mehr gewichtige Showbiz-Promis zur Convention kommen. Die hatten wohl Sorge, dass ihre Einkommen künftig geringer ausfallen werden, wenn sie sich für Demokratie und die Zukunft der USA aussprechen.

Erfreulich, dass gleich mehrere US-Republikaner auf der Democrat National Convention sprachen, einen möchte ich dabei etwas hervorheben, denn Adam Kinzinger war bereits Thema hier im Blog. Ist es schon schwer, vor vielen Menschen zu sprechen, so ist es sicherlich schwieriger, vor sehr vielen Mitgliedern der gegnerischen Partei zu sprechen. Ich finde, dass Adam Kinzinger einen guten Job gemacht hat.

So viel Größe ist bei unseren eigenen Politikern wohl kaum zu finden. Ich hoffe nun darauf, dass die Republikaner die richtigen Politiker in ihren Reihen berücksichtigen werden, sobald sie von der Krankheit Donald Trump geheilt sind. Es wäre sicherlich sehr bedauerlich, wenn die GOP an Verbrechern wie Trump in Gänze zugrunde geht!

„I’ll never be ashamed to quote a bad writer with a good saying.“

Seneca, On Tranquility of Mind, 11.8