Hölle

Jahresendfrust 5 (9)

Beitragsfoto: Hölle | © Amy auf Pixabay

Die Generation Helmut Kohl macht sich so langsam, aber sicher, einer nach dem anderen vom Acker. Die etwas schlaueren darunter bekommen aber Gott sei Dank noch mit was sie so alles angerichtet haben — dies wird diese Egomanen aber nicht weiter beunruhigen dürfen, sie lassen für sich zuvor noch Kathedralen errichten.

Unsere Umwelt ist zerstört, das Land abgewirtschaftet, die Schuldenberge höher als der Mount Everest, Europa gerät langsam, aber sicher wie der Rest der Welt auch in einen immer heißer werdenden Krieg und unsere Demokratien stehen allesamt vor dem Kollaps.

Auch der Normalbürger hat dies bereits erkannt und nimmt noch mit, was er so alles mitnehmen kann: Förderungen fürs E-Auto, Urlaube, Feste und Feiern bis zum Abwinken! — das Ganze hatten wir auch schon einmal und nannten es später die Goldenen Zwanziger.

Schlimmer ist nur noch, dass wir derweil allesamt bereits beginnen, wieder nach den dafür „Schuldigen“ zu suchen. Dabei kommt es ganz gut, dass es zunehmend neue Mitbürger bei uns gibt, die dem Antisemitismus ganz neuen Schwung verleihen. Da unsere jüdischen Mitbürger als Verantwortliche für den ganzen Schlamassel aber kaum ausreichen dürften, müssen wir uns noch andere Schuldige suchen: die Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft bieten sich dazu eigentlich ganz gut an.

Selbst dies wird allerdings nicht ausreichend sein und so ist es wohl ganz gut, dass wir uns einen gesunden Nationalismus erhalten haben, den wir schon etwas länger wieder an den Griechen („Raus aus dem Euro!“), Italienern und anderen vermeintlich schwächeren Ausländern so gerne üben. Ich sehe schon die politischen Forderungen, dass wir uns von den Luxemburgern, Dänen, Niederländern und Schweizern das wiederholen sollen, was diese uns die gesamten Jahrzehnte über „geklaut“ haben — und wenn wir dann etwas mehr in Schwung sind, trauen wir uns vielleicht sogar wieder an den Erzfeind — denn wir wissen es doch eigentlich alle: „Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben!“

Bis dahin lassen wir es aber noch einmal so richtig krachen! Das haben wir uns doch allesamt mehr als verdient; auch wenn wir kaum selbst noch das kleine Einmaleins beherrschen oder einen Nagel gerade in die Wand schlagen können, an pünktliche Zügen oder saubere Straßen möchte ich schon gar nicht mehr denken.

Ich erinnere mich diesbezüglich gerne an eine Karikatur zurück, in der ein paar kleine Teufelchen zusammensitzen, lachen und sich dabei auf die Schenkel klopfen. Der Untertitel: „Sie nennen es Geistig-moralische Wende“.

Davor hatte man als Mensch noch versucht, die Welt wenigstens ein klein wenig besser zu verlassen, als man sie selbst vorgefunden hat!


Margaritas

18.11.02023 5 (4)

Beitragsfoto: Margaritas | © Konstantin Kümmerle

Kegelabend

Zum Abschluss des Tages trafen sich ein paar Unermüdliche zum Kegelabend der EUROPA-UNION. Beim völlig entspannten Kegeln wurden die kommenden Vereinsveranstaltungen nochmals rekapituliert, wobei ich die Anwesenden über die aktuellen Anmeldestände informieren konnte. Das Problem hierbei ist, dass es inzwischen so viele Veranstaltungen gibt und man immer wieder eine Auswahl treffen muss.

So ist es jeden Tag aufs Neue eine Entscheidung, welcher Veranstaltung man dieses Mal den Vorzug gibt. Dabei gilt weiterhin der Grundsatz, dass es nicht an der mangelnden eigenen Zeit liegt, sondern einfach an anderen Präferenzen. Dies kann bei größeren Vereinsveranstaltung, die einer immensen Vorbereitung bedürfen, zum Problem für den Veranstalter werden, auf alle Fälle ist es für Vorstände ärgerlich, wenn selbst bei den obligatorischen Mitgliederversammlungen die Teilnehmer ausbleiben.

Bei den eher geselligen Zusammenreffen sieht das wiederum ganz anders aus, denn da freut man sich auf die gerade Anwesenden und verbringt mit diesen einfach eine schöne Zeit — so auch gestern beim Kegelabend.

Im Nachgang zum Kegeln sinnierten wir noch bei gutem Essen gerade über diese wechselnden Präferenzen unsere Mitbürger als ich auf die Idee kam, bei unseren Freunden und Bekannten eine spontane Abfrage zu machen, wo sie denn gerade unterwegs sind — dank der Telekommunikation heutzutage kein Problem mehr, ich musste in Böckingen nur ein paar Meter gehen, um eine stabile Internetanbindung zu erhalten.

Die Bandbreite der Rückmeldungen war ganz ordentlich, darunter auch einige, die es sich an diesem Abend einfach „nur“ zuhause gemütlich gemacht hatten — was mich daran erinnerte, dass ich selber noch eine Serie zu Ende bingen muss — oder auch immer noch arbeiteten, aber auch Vereinsmitglieder, die an diesem Abend im Literaturhaus Kultur genossen.

Der Sieger des Abends war allerdings Konstantin Kümmerle, der aus einem authentischen mexikanischen Restaurant in Brüssel Bilder der gerade dort servierten Margaritas übersandte.

Was mich sofort an den ersten waschechten weiblichen James Bond denken lies: „Just call me Rita … Margarita!“

Erklärungsversuch

Warum nur drücken Teile unserer Politik wie auch unserer Verwaltungen sowie des Polizei- und Justizapparats immer öfters beide Augen zu, wenn antidemokratische Kräfte, egal aus welchen Lagern oder gar Religionszugehörigkeit, die Menschenrechte im allgemeinen und die Existenz unseres Staates im besonderen in Frage stellen?

Es muss ein einigendes Band geben, das diese unterschiedlichen Menschen und Gruppen untrennbar miteinander verbindet, ein Band, das sämtliche Parteiideologien und selbst den Diensteid eines deutschen Beamten in Nichts auflöst.

Dieses Band dürfte der Antisemitismus sein, der u. a. aus islamischen wie auch christlichen Fundamentalisten, Linken und Nazis eine eingeschworene Bruderschaft macht.

Jetzt hoffe ich einmal nicht, dass man bald wieder wirklich alles in Deutschland machen darf, z. B. als Taliban in einer Ditib-Moschee das Kalifat auszurufen, so lange man dies nur mit einer antisemitischen Grundeinstellung untermauert.

„Mann liest vor“

Auch dieses Jahr war ich wieder beim bundesweiten Vorlesetag als Lesepate tätig. Gestern erneut in meiner alten Grundschule; wobei ich erstmals 2018 an der Wilhelm-Hauff-Schule und bei meseno an diesem Vorlesetag teilnahm.

Zum Abschluss der „Mann liest vor“-Aktion gibt es im Sekretariat der Dammgrundschule für alle „Lesemänner“ ein Käffchen. Ich finde dies ist eine nette Geste der Schulleitung. Und da auch Matthias Leers von den Freien Wählern bei „Mann liest vor“ engagiert ist, konnten wir zum Abschluss gemeinsam eine Tasse Kaffee trinken. Zugegebener Maßen habe ich Detlef Stern dabei vermisst.


Lesezeichen

Hass 4.7 (3)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Melanie Mühl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Gehasst wird von unten nach oben“ — Philosophin zum Hass (zuletzt aufgerufen am 9.11.2023, 10.41 Uhr) 

„Bildungsbürger aufgepasst: Es gibt neben dem Hass noch ein weiteres fatales Gefühl. Ein Gespräch mit der Philosophin Hilge Landweer über Pro-Palästina Demonstranten, Friedrich Merz und importierten Antisemitismus. …

Hass-Narrative sprechen stets unterschiedliche Gefühle an: Zorn und Empörung, Unter- und Überlegenheitsgefühle, aber auch Missgunst, Ressentiment und Verachtung. Zusammen ist das eine hochgradig toxische Mixtur.“


Interessantes Gespräch zwischen Melanie Mühl und Hilge Landweer. Ich habe es mir einmal in meine digitale Ablage gelegt.

[https://iiics.org/h/20231109100300]