Stuttgart 21

Lichtaugen 4.9 (8)

Beitragsfoto: Zeitungsausschnitt

Bereits seit Jahren verfolge ich das Projekt Stuttgart 21, früher aus persönlichem Interesse, weil ich damals hoffte, schneller an den Flughafen zu gelangen und heute eher, um gute Beispiele für meine eigenen Vorlesungen zu bekommen. Dabei hätte ich es schon damals™ wissen müssen, dass ich höchstens in meinen Spätjahren und dies auch nur ggf. in den Genuss eines Schienenausbaus kommen werde.

Heute wissen wir es ganz genau, dass das mit der Gäubahn erst in Jahrzehnten etwas werden wird, deren Fortführung, die Frankenbahn, nicht einmal mehr und dies trotz aller politischen Versprechungen der letzten Jahrzehnte angedacht ist und eine zeitgemäße Anbindung Heilbronns an den Flughafen in Stuttgart schon alleine mangels Interesse meiner Heilbronner Mitbürger ebenfalls nicht kommen wird.

Und ob das mit der den Ausbau begründenden europäischen Magistrale etwas werden wird, wage ich inzwischen zu bezweifeln, weil die Bayern daran mit beteiligt sind und dort Schienenprojekte nur gelingen, wenn sich Regierungsmitglieder dabei gesund stoßen dürfen. Auf den Nordzulauf des Brenners werden noch unsere Urenkel vergeblich warten, wobei nicht einmal die Weiterführung der Strecke von Ulm nach Augsburg gesichert ist.

Und selbst wenn in ein paar Jahrzehnten der Streckenausbau gelingen wird, steht es in den Sternen, ob die Bahn das mit dem Deutschlandtakt überhaupt hinbekommen wird. Leider dient die Bahn weiterhin nur dazu, um ein paar „systemrelevante Mitbürger“ der Deutschland AG reich zu machen — und so sind die Fahrgastzahlen auch nur dann von Interesse, wenn diese die variablen Vergütungen der Bahnvorstände erhöhen.

Dies alles schmälert mein Interesse am Projekt Stuttgart 21 aber nicht und ich gucke regelmäßig nach dessen Fortschritten. Wer nicht selbst Baustellenführungen mitmachen kann, der findet gleich zwei von mir gerne empfohlene YouTube-Kanäle, das S21Bau.TV und das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm.

Inzwischen befinden sich die sogenannten Lichtaugen des Tiefbahnhofs in ihrer Fertigstellung und spätestens jetzt stellt sich mir die Frage, wie die Stadt Stuttgart oder gar die Bahn sicherstellen wollen, dass keine Wilden diese Lichtaugen zu Sonnendecks umfunktionieren, die Glasscheiben zertrümmern oder gar Gegenstände durch die Lüftungsschlitze auf die Bahnsteige werfen?

Wie wir es auch hier sehen werden, wenn eine Projektplanung von Anfang an schief läuft, dann wird das Projekt bis zu seinem Abriss (Neudeutsch: Rückbau) in ein paar Jahren allen Beteiligten weiterhin sehr viel Spiel, Spaß und Spannung bereiten. Ganz nach dem bekannten Werbemotto: „Ein bisschen Spaß ist immer drin. Lass Dich überraschen. Gemacht, um die Welt zu überraschen.

Wer jetzt an Ostern denkt, der kennt meinen Humor bereits ein wenig.


Schwimmbad

23.2.02024 5 (5)

Beitragsfoto: Schwimmbad | © Armin Forster auf Pixabay

Dunkelflaute

Dank Audi wird es in Heilbronn ein Gaskraftwerk geben, so kann man dies zumindest in der Heilbronner Stimme lesen. Der Spatenstich für das neue Kraftwerk erfolgte heute. Die Kosten alleine dafür betragen rund 500 Millionen Euro. Hinzu soll später noch eine Wasserstoffleitung kommen, von woher weiß heute wohl noch keiner. Auf alle Fälle aber wird eine neue Fernwärmeleitung nach Neckarsulm verlegt.

Was alles aber nicht wirklich Sinn macht, denn das neue Kraftwerk soll Energie erst bei Dunkelflaute — wenn die Windräder stillstehen und keine Sonne scheint — die dann „benötigen Energieleistungen, die quasi auf Knopfdruck verfügbar sind“, liefern — ganze 710 Megawatt.

Und mit diesen 710 Megawatt elektrisch kommen noch 190 Megawatt thermisch, die das Fernwärmenetz bespielen. Das bedeutet, dass, wenn man der Argumentation der Experten von Land und EnBW folgt, die Neckarsulmer, darunter Audi als Hauptabnehmer und das nördliche Heilbronner Industriegebiet immer dann Wärme erhalten werden, wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint.

Und so werden wohl in Neckarsulm und im nördlichen Heilbronner Industriegebiet auch noch unheimlich viele Windräder und Solaranlagen erstellt, den die Energie um 190 Megawatt Fernwärme liefern zu können will erst einmal produziert werden.

Interessant zu wissen ist es dabei auch, dass wir bisher 1 000 Megawatt elektrisch und 320 Megawatt thermisch (beim alten Rohrnetz) hatten. Wahrscheinlich plant man neben der Stilllegung von „Knorr“, Illig und „Südmilch“ bereits an weiteren Reduzierungen, denn die sonst verstärkt benötigten Stromtrassen sind 2026 bestimmt auch noch nicht da.

Schwimmbad

Dass dies schon länger ein Problem in Heilbronn ist, habe ich hier im Blog seit meiner Rückkehr nach Heilbronn schon öfters geschildert. In Ulm konnte ich noch zwischen drei Schwimmhallen hin und her wechseln und damit sicherstellen, dass ich täglich meine Bahnen ziehen konnte. Dies ist mir seit meiner Rückkehr nicht mehr möglich, da Heilbronn für seine Größe zu wenig Bahnen hat und die wenigen verfügbaren gerne eher für Beckenbiertrinker, Beckenpizzaesser oder Wasserparfumleichen zur Verfügung gestellt werden — getreu dem Motto: „Wir können alles außer Sport“.

Zudem hat man in diesen Jahren auch noch die Lehrschwimmbeckenkapazitäten reduziert, sodass die ganze Misere jetzt bereits sogar von ein paar Gemeinderäten zur Kenntnis genommen wurde — was die Größe und Dringlichkeit dieses Heilbronner Defizits nicht viel besser beschreiben könnte!

Auch hat man in dieser Zeit mit der „Modernisierung“ der Dammschulen dafür gesorgt, dass sich die heutigen Schüler nicht nur eher in die Wilhelminische Zeit zurückversetzt fühlen können, sondern damit dort auch diese Kapazitäten anstatt erhöht, weiter reduziert — zwei schrottige Sporthallen inklusive, wobei die modernere davon noch aus meiner Grundschulzeit stammt und die ältere der beiden schon von meiner Großmutter in deren Grundschulzeit als wenig tauglich empfunden wurde.

So langsam erkennt man nun zumindest im Gemeinderat, dass man auch in Heilbronn Schulen, Schwimmbäder und Sportstätten benötigt — was eine funktionierende Stadtverwaltung bereits seit Jahren hätte wissen müssen!

Besser wäre es gewesen, in den vergangenen Jahren die Dammschulen nicht nur massiv zu erweitern und zeitgemäß auszubauen, sondern zusätzlich auch neben zwei modernen Sporthallen und einem Sportplatz — der letzte verbliebene wurde übrigens jüngst erst für die BUGA geopfert! — mit einer Schwimmhalle auszustatten.

Aber vielleicht kommen unsere Gemeinderäte nun doch noch auf die Idee, um zum einen auf die jüngere Sporthalle der Dammschulen ein Kleinspielfeld zu setzen und zum anderen an den Ort des immer noch vorhandenen „Container-Dorfes“ eine Schwimm- und Sporthalle zu bauen. Und wenn man ein wenig großstädtisch denken würde, wäre drunter noch Platz für eine Tiefgarage und drüber könnten Klassenräume für eine weitere Grundschule gebaut werden.

Auch könnte man — wenn es einem tatsächlich um die Schüler in Heilbronn ginge — im Leerstand des Fischer-Hochhaus’ gleich daneben noch eine Schulmensa einrichten.

Ball-Knigge

Etwas bessere Berufe zeichnen sich dadurch aus, dass man gleich zu Beginn seines eigenen Berufslebens mindestens einmal einen Vortrag über Knigge halten muss. Dabei lernt man zwei wesentliche Dinge, nämlich, dass sein bekanntestes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ (1788) viel mehr und etwas ganz anderes ist als auch heute noch vermutet, und man zweitens seine Zuhörer mit Knigge-Ratgebern aller Art „totschmeißen“ kann. Inzwischen wurde sogar aus diesen obligatorischen Vorträgen ein ganzer Berufszweig, der nun danach trachtet, den Menschen etwas mehr Höflichkeit und „gute“ Manieren beizubringen, zumindest aber den diese Kurse buchenden Firmen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nichtsdestotrotz ist es weiterhin von Vorteil, wenn man zu bestimmten Anlässen ungefähr weiß, wie man dort auflaufen, auch wenn man sich dann doch ganz anders entscheiden sollte. Meine Überzeugung dabei ist es, dass man — vorausgesetzt, man stellt selbst auch etwas dar — zwar niemals under- oder gar overdressed sein kann, es aber die reine Höflichkeit gegenüber dem Gastgeber gebietet, sich zumindest annähernd zu kleiden, was bestimmt selbst einem Diogenes gut zu Gesicht gestanden hätte.

Und so freut es mich heute auf eine Website der Tanzschule Danceorama Bern hinweisen zu können, die einen meines Erachtens ganz gut gelungenen kleinen Ball-Knigge veröffentlicht hat.

Und so würde ich mich riesig darüber freuen, wenn die Ballgäste des Europa-Balls im „Black Tie Optional“ kämen, zumindest aber „Formal“. Das ganz Besondere am Europa-Ball ist es zudem, dass man auch ohne Probleme in der jeweiligen Landestracht kommen kann — was man dann aber nicht mit der heute üblichen „Festzeltuniform“ verwechseln sollte.

Nachtrag 24.2.2024

Ein eifriger Leser meines Blogs machte mich auf das Buch „Deutsche Volkstrachten – eine Sammlung deutscher Trachtenbilder“, wohl anfangs des letzten Jahrhunderts herausgegeben, aufmerksam. Ein Blick auf die Karte „Gruppe I Süddeutschland“ zeigt, dass Trachten eher in Bergdörfern und verwunschen Tälern zu Hause waren. In den städtischen Regionen — in einer solchen liegt auch Heilbronn als Reichsstadt ganz prominent — war schon länger die europäische Kleiderordnung üblich, so wie in allen größeren Handels- und Gewerbestädten auch. Selbst Augsburg und München waren damals noch trachtenfrei!


Binärer Code mit Europaflagge

8.10.02022 5 (3)

Beitragsfoto: binärer Code mit Europaflagge | © Shutterstock

Peter Pane

Die Entdeckung des Wochenendes war für mich ein wirklich erfrischendes Burger-Restaurant mit einem ganz besonderen Namen. Davon gibt es bereits 46 Restaurants in Deutschland und eines in Wien; wir besuchten das in Augsburg.

Eigentlich fanden wir es per Zufall, da das von mir angesteuerte Restaurant überraschender Weise geschlossen hatte — ist auch schon eine ganze Weile her, dass ich in Augsburg war. Wir waren vom Essen und dem Service mehr als positiv überrascht. Deshalb suchten wir dieses Restaurant gleich heute nochmals auf und fanden denselben guten Service vor, wie wir auch erneut das gute Essen genossen.

An beiden Abenden wurden wir von Unjon sehr gut betreut, wobei er es mir sicherlich verzeihen wird, sollte ich seinen Namen falsch geschrieben haben.

Inhaber und Geschäftsführer der Peter Pane Kette ist Patrick Junge, der einer Lübecker Kaufmannsfamilie entstammt. Nach einigen Jahren im Familienunternehmen gründete er 2012 die Paniceus Gastro Systemzentrale GmbH, die Mutter der Peter Pane Restaurants, welche bis heute ihren Sitz im 1907 erbauten Stammhaus der Familie im Herzen der Lübecker Altstadt hat. 

Datenschutz

Der Europäische Gerichtshof kam im Juli 2020 zum Schluss, dass das Datenschutzniveau in den USA nicht den Standards der EU entspräche. Die Richter bemängelten dabei vor allem die weitreichenden Zugriffsmöglichkeiten von US-Geheimdiensten auf Daten von Europäern. Dies führt u. a. in Deutschland dazu, dass man versucht, US-amerikanische Unternehmen aus dem Markt zu drängen und zudem wenig bekannte deutsche Unternehmen durch verstärkte staatliche Subventionen am Leben zu erhalten — auch wenn diese nicht in der Lage sind, mit halbwegs konkurrenzfähigen Produkten aufzuwarten.

Und so erstaunt es mich nun sehr, dass anscheinend gerade bei uns in Deutschland, wo wir doch alle so sehr großen Wert auf Datenschutz legen, gerade dieser Datenschutz staatlicherseits nicht gewährleistet werden kann, schlimmer noch, von staatlichen oder staatlich geförderten Institutionen persönliche Daten und vertrauliche Informationen, sei es die unserer Behörden oder unserer Firmen zumindest an die Russische Föderation „verscherbelt“ werden.

Gestern hat Jan Böhmermann einen solchen Fall publik gemacht und so wäre es wohl zwingend notwendig, dass zumindest ein paar Staatsanwälte einmal mit entsprechenden Ermittlungen beginnen.

https://youtu.be/dtZf-A4Qd5k
ZDF Magazin Royale vom 7. Oktober 2022

So aber kann man zu dem Verdacht gelangen, dass bei uns in Deutschland nicht nur von sehr vielen Akteuren der Europäische Bundesstaat verhindert wird, sondern inzwischen auch sämtliche Verbrechen der Russischen Föderation zumindest gedeckt, wenn nicht gar gefördert und unterstützt werden.

Eine wehrhafte Demokratie ist nur so lange eine solche, wenn sie sich selbst gegen Angriffe von außen wie auch innen wert und sich nicht nur damit begnügt, anderen Demokratien fortwährend gegen das Schienbein zu treten.

Bundeskongress

Gestern ging es kurz ein wenig durcheinander, ich musste Termine umplanen und erneut den Rücktransport unserer Ausstellung nach Stuttgart verschieben, aber dann konnte ich doch noch zum Bundeskongress nach Augsburg fahren. Wir kamen etwas später als geplant an und trafen dort auf weitere Delegierte, denen es ähnlich erging. Das führte dazu, dass wir den Abend gemeinsam in einem für mich neuen Restaurant in sehr gemütlicher Runde beendeten, wobei wir ganz neue Pflöcke einschlugen, von denen ich wohl in den kommenden Monaten vielleicht auch Jahren noch schreiben werde.

Heute trafen wir dann auf die anderen Delegierten und ich konnte mich dabei mit alten Bekannten weiter austauschen, zumindest für mich der eigentliche Kongressschwerpunkt. Der inzwischen 65. Bundeskongress findet in sehr schwierigen Zeiten statt, die sicherlich viel einfacher zu bewältigen wären, wenn wir Europäischen Föderalisten in den vergangenen Jahrzehnten politisch erfolgreicher gewesen wären. So bleibt uns nur die Erkenntnis, dass unser Weg der richtige gewesen wäre und auch heute noch ist. Leider aber erzielen auch heute noch die Nationalisten und Antidemokraten zusammen bei allen wegweisenden Entscheidungen in Europa die notwendigen Mehrheiten, um einen europäischen Bundesstaat weiter zu verhindern. Wobei wir Demokraten uns seit gut sieben Jahrzehnten damit begnügen müssen, dass wir weiterhin auf dem richtigen Weg sind. Wir sollten uns so langsam aber darüber im klaren sein, dass ein Weg, der nie zum Ziel führt, nicht der richtige Weg sein kann!