Dammgrundschule

Korrekturen 4.5 (11)

Beitragsfoto: Schild an einer Schule

Nicht schon wieder ein Blog-Beitrag, ich weiß, dass dies manche meiner Leser nun denken werden. Aber es gibt überlebenswichtige Gründe dafür. Ich komme noch aus einer Gesellschaft, die sich selbst als Leistungsgesellschaft bezeichnete, zumindest noch anfangs, und zudem aus einem Beruf, in dem Versagen nicht nur meist tödlich war und deswegen einfach nicht toleriert werden konnte. Und nun sitze ich hier und korrigiere Klausuren, die mich inzwischen dazu bewegen, meine Bemühungen jungen Menschen noch etwas halbwegs Sinnvolles beibringen zu wollen, so langsam aber sicher auslaufen lassen.

Jene Menschen, die die sich berufsmäßig auf den Lehrberuf eingeschossen haben, heutzutage bereits im Kindergarten beginnend und sich bis hin zu heutigen Universitäten ausdehnend, müssen über ein unstillbares masochistisches Verlangen verfügen — anders kann ich mir das nicht mehr erklären.

Und so nutze ich inzwischen wirklich jeden Hinweis der mir bekannten Profis, um das Korrigieren von Klausuren oder Seminararbeiten halbwegs mental gesund zu überstehen. Und zum ersten Mal in meinem Leben kann ich halbwegs verstehen, dass es so etwas wie einen Burnout tatsächlich geben kann.

Ein Lehrer, ein Professor oder auch nur ein Dozent möchten doch einfach nur Wissen vermitteln; ich lasse einmal das andere durchaus gesellschaftlich notwendige „Beiwerk“ außen vor. Zumindest ich habe alle meine Versuche sehr schnell eingestellt, den Studenten neben dem vorgegebenen Wissen noch etwas mehr beibringen zu können. Denn dies ist den Studenten, mit denen ich es zu tun habe, völlig unverständlich. Diese jungen Menschen möchten mit großer Masse nicht einmal den vorgegebenen Lehrstoff können, sie möchten einzig und alleine die Klausur bestehen — möglichst ohne jeglichen Aufwand.

Inzwischen muss ich sogar davon ausgehen, dass sie nicht einmal ihr selbst eingeschlagenes Studium interessiert, sie möchten einfach nur einen x-beliebigen Hochschulabschluss vorweisen können, um „möglichst viel Geld zu verdienen“ (Auszug aus gleich mehreren Klausuren).

Hier könnte ich inzwischen weiterhelfen und dabei auch sehr gute Tipps geben, was allerdings wohl zu Strafanzeigen führen würde.

Ich bin inzwischen am Ende meiner Weisheit angelangt, eigentlich konnte ich bisher guten Gewissens von mir behaupten, dass ich selbst einem Kanarienvogel zur schnöden Wiedergabe von Wissen verhelfen konnte. Das Eintrichtern von notwendigen Informationen gelang mir immer ganz gut, und meistens konnten „meine Schüler“ ihr Wissen auch Jahre später noch nachbeten — sehr viele davon sogar erfolgreich anwenden.

Inzwischen habe ich mich auf die absolut rudimentären Informationen meines Lehrgebiets begrenzt und frage dazu nur noch das ab, was ich 1 zu 1 mehrfach in den Vorlesungen thematisiert hatte.

Problem Nummer eins, man besucht meine Vorlesungen nicht. Problem Nummer zwei, man beschäftigt sich während meiner Vorlesungen mit anderen wichtigeren Dingen. Problem Nummer drei, man versteht die deutsche Sprache nicht und Problem Nummer vier, es fehlen lebensnotwendige Verknüpfungen im Hirn.

Hinzu kommt, dass es nicht ausreichend ist, lernwillig zu sein, wenn die grundlegenden Verknüpfungen im Hirn fehlen. Und so muss ich es nun erneut feststellen, dass die Studenten meine Fragen zwar beantworten könnten, wenn ich diese mündlich vortrage, sie dieselben Fragen aber nicht mehr verstehen, wenn sie diese in einer Klausur selber lesen müssen!

Mir gelingt es einfach nicht, selbst bei besten Bemühen, meine Fragen schriftlich so zu formulieren, dass diese einem 5-Sekunden-TikTok-Tanz entsprechen.

Und so folge ich nun einem neuen Rat und höre Musik, die noch schrecklicher ist als das noch von mir zu Lesende.

Paul Mazzolini, den Älteren besser als Gazebo bekannt, hat 1983 diesen Hit gelandet und man konnte ihm einfach nicht entgehen. Er dudelte damals überall so lange bis man ihn einfach gut finden musste!

Bis vor Kurzem amüsierte ich mich noch köstlich über Armin Laschet, der damals als Dozent die Klausuren einfach verloren haben wollte und die Noten auswürfelte — heute weiß ich es besser, reine Notwehr!

Und sobald man glaubte, es geht nun nicht mehr schlimmer, tanzten alle zu dem nun folgenden Song „Lunatic“. Ich bin noch heute stolz darauf, dass ich keine dieser Platten besitze!

Aber als Soldat kämpfe ich mich weiterhin durch und dies bis zur allerletzten Klausur, das unterscheidet uns Soldaten von den Berufspolitikern. Und für den kommenden Krieg habe ich schon eine gewinnbringende Idee: Lehrerkampfverbände! Die werfen wir dann in die völlig aussichts- und hoffnungslosen Situationen und dürfen dabei sogar hoffen, dass diese daraus erfolgreich hervorgehen werden.

Um das Sommersemester halbwegs gesund überstehen zu können, lege ich bald meinen Korrekturstift erneut nieder und nehme eine Einladung von Freunden an.

Das Grauen darf gerne noch eine Weile warten. Wäre ich ein „bösartiger Professor“ (Auszug aus den Klausuren) würde ich die Klausuren einfach in den Müll werfen und die Studenten bitten, ihr Glück an einer Baumschule zu versuchen. Ich bin aber nur ein netter Dozent und versuche zu retten, was noch zu retten ist.

Das wirklich Tragische daran: nach der Klausur waren viele der in den Vorlesungen anwesenden Studenten wohlgestimmt, da sie tatsächlich viele der Fragen wiedererkannten, leider aber die Verknüpfungen „abgespeicherte Frage zu abgespeicherte Antwort“ oftmals fehlschlugen.

90 Prozent der Studenten wird man gleich nach deren erfolgreichem Studium durch eine KI ersetzen können, was allerdings nun nicht für eine künstliche Intelligenz spricht. Als Gesellschaft müssten wir uns schleunigst überlegen, wie wir solche Menschen besser in die Gesellschaft integrieren können.

Und zum Wohle künftiger Generationen müssen wir uns überlegen, wie wir die Verknüpfungen in den Hirnen junger Menschen wieder besser hinbekommen: z. B. durch das Verbot von Mobiltelefonen und Social Media für all jene, die noch über keinen qualifizierten Berufsabschluss verfügen!


Lesezeichen

Masterplan? 4.9 (7)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Jürgen Kaube | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hat Peter Thiel einen Masterplan? (zuletzt aufgerufen am 5.7.2025, 9.59 Uhr; meine Leser können den Beitrag übrigens kostenfrei lesen).

„Der Tech-Milliardär Peter Thiel fällt unter den Superreichen durch seine rechtslibertäre Ideologie und seine philosophischen Lektüren auf. Viele meinen, er habe einen gefährlichen Masterplan. Aber stimmt das? Ein Besuch bei Wolfgang Palaver, der ihn seit den Neunzigerjahren kennt. …

Ob Thiels Begeisterung durch seine Lektüren und ihre Verwertung in geschichtsphilosophischen Laubsägearbeiten einen Sinn hat, lässt sich nur beurteilen, wenn man mit den verwendeten Begriffen umzugehen weiß, ihre Geschichte kennt und ihre Implikationen. Andernfalls sind es nur die gefährlich wirkenden Gedankenspiele eines Milliardärs. …

Womöglich verhält es sich mit den geschichtsphilosophischen Einlassungen, politischen Thesen und theologischen Spekulationen Peter Thiels genauso, und sie sind am Ende nur private Marotten. Freundlicher formuliert: wachgehaltene Erinnerungen an die eigene Jugend auf dem Campus und einen Lehrer, der ihn beeindruckte. Er hat sie in sein Leben als Geschäftsmann und Finanzier der autoritären Rechten vielleicht mitgenommen, weil es ihm sonst allzu trostlos erschiene, nur ein Investor zu sein, nur reich. Sie vergolden ihm sein Handeln. Aber in der Fassung, die er ihnen gibt, sind sie eben dies: eine Verzierung.“


Lesenswerter Artikel von Jürgen Kaube, der sich auf einen Podcast des Deutschlandfunks bezieht, auf den ich am 20.6.2025 in einem Blog-Beitrag aufmerksam machte.

Jürgen Kaube scheint nicht nur die dort erwähnten Philosophen selbst gut zu kennen, sondern hat auch noch eine sehr verständliche Herangehensweise an Philosophie.

Wobei wir inzwischen alle wissen müssten, dass Milliardäre nur zu solchen geworden sind, weil sie eine Inkarnation von mehr Schein als Sein sind! Und sobald sie ihr Ziel erreicht haben, bauen sie einen Mythos um sich herum auf, der die Rechtmäßigkeit ihres Vermögens manifestieren soll.

Die schlimmsten Milliardäre sind aber jene, die dann auch noch unsere Gesellschaft, die sie zu dem machte was sie heute sind, zerstören möchten.

Und somit es es eher eine Frage der Psychiatrie als eine Frage der Philosophie.


Hände | Geld | Kleingeld

4.7.02025 4.9 (8)

Beitragsfoto: Kleingeld | © Pixabay

Vermischtes

Die Bundesregierung leert klammheimlich die bundesdeutschen Gasspeicher, was verständlich ist, da es die Aufgabe der neuen Regierung ist, einzig und alleine die Gewinne von systemrelevanten Personen zu maximieren. Das Manko dabei, wenn der Winter kommt, könnten wir nicht nur die höchsten Gaspreise der Welt erhalten, sondern auch kaum noch Gas auf Vorrat haben, um unsere Heizungen anzufahren.

Nun kann es sein, dass dies der CDU, CSU und SPD völlig egal ist, eher aber suchen sie nach einem Grund, um mit Wladimir Putin wieder ganz offiziell auf Du und Du zu gehen — weil man sonst unser Land nicht mehr retten kann, das ist alternativlos sozusagen.

Das Erfolgskonzept bundesdeutscher Politik: die Karre an die Wand fahren und sich dann als Retter feiern lassen!

So ist es auch verständlich, dass man alles daran setzt, dass die Energieproduktion nicht dezentralisiert wird, denn auch das schmälert die Gewinne der systemrelevanten Personen.

Wenn jetzt schon die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber schreibt, dass wir unsere Lebensweise ändern müssten, erlaube ich mir nur kurz den Hinweis, dass ich dies hier schon seit Jahrzehnten fordere. Wir aber wählen auf Teufel komm raus genau immer jene Politiker und lassen diesen dabei wirklich alles durchgehen, so lange sie uns nur glauben lassen, dass es bis zu unserem eigenen Ableben noch reichen wird — danach bekanntlich die Sintflut!

Und so ist es vielleicht sogar eine kleine Genugtuung, dass nun doch noch zumindest einige von uns die Hölle auf Erden erleben dürfen, bevor sie das Zeitliche segnet. Mein Großvater würde dazu sagen: „Kleine Sünden straft der Herr sofort“.

Meine Prognose für die kommende Wahl: die ersten beiden Plätze gehen an jene beiden Parteien, die entweder Klimaanlagen für alle Deutschen versprechen oder einfach nur behaupten, dass die Juden an allem schuld seien. Konrad Adenauer und Theodor Heuss wussten nach 1945 noch, wie man unser Land tatsächlich retten kann: Bildung und Kultur für alle!

Jason Kottke, sonst ein Berufsoptimist, schreibt in seinem Blog „There’s No Undo Button For Our Fallen Democracy“. Und das zum Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika! Meine Familie und Freunde in den USA mögen es dennoch schaffen, ein klein wenig zu feiern — und ich hoffe, dass dabei kein Beerdigungsgefühl aufkommen wird!

Alle unsere Demokratien haben zwei grundsätzliche Fehler. Zum einen die Käuflichkeit unserer Politiker (–> repräsentative Demokratie) und zum anderen die Ignoranz der Wähler (–> direkte Demokratie), die wir bis heute nicht lösen konnten.

Apropos christlich, man hat nun in der Ausgabe 02/2025 (Juli – September 2025) von „Evangelisch in Heilbronn“ nachgesteuert und meinen bereits im Februar verstorbenen Vater doch noch erwähnt.

„Immer wird uns das Vertrauen eines der größten, seltensten und beglückendsten Geschenke menschlichen Zusammenlebens bleiben, und es wird doch immer nur auf dem dunklen Hintergrund eines notwendigen Mißtrauens entstehen.“

Dietrcih Bonhoeffer (2022: 19)

Mindestlohn

Einfach nur eine unsägliche Diskussion. Wobei es den Verantwortlichen seit Jahrzehnten nicht einmal gelingt, die Löhne an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Am Arsch der Welt in Mecklenburg-Vorpommern benötige ich keine so hohen Löhne wie z. B. in Stuttgart oder München, auch nicht beim Mindestlohn.

Was aber überhaupt nicht geht, ist, die Löhne an der Hautfarbe, der Nationalität oder dem Geschlecht festzumachen. Eher schon, die Löhne wieder mit so etwas wie Leistung oder gar Erfolg zu koppeln.

Verpackungssteuer

Manche Stadtverwaltungen versuchen nicht nur dem Müll durch mehr Reinigungskräfte und eine bessere Strafverfolgung Herr zu werden, sondern versteuern nun völlig zurecht auch die Wergwerfverpackungen. Leider sind dank guter Lobbyarbeit meines Erachtens eher wegen massiver Korruption sämtliche Raucherprodukte ausgenommen. Dabei wären 50 Euro Steuer je einzelnem Zigarettenfilter immer noch zu tief gegriffen.

Und so können wir der massiven Umweltzerstörung einschließlich Tausender völlig unnötiger Toter im Jahr nur noch dadurch Herr werden, wenn wir dieses Fehlverhalten nicht nur massiv besteuern, sondern sämtliche Dreckschweine zusätzlich kriminalisieren, denn das sind sie doch: Kriminelle!

Reine Appelle oder gar mehr Bildung funktionieren schon lange nicht mehr, schon gar nicht bei unserem prekären Bildungssystem. Wir haben unsere Gesellschaft inzwischen so stark heruntergewirtschaftet, dass selbst die Demokratie in großer Gefahr ist.

Ich war die letzten gut fünf Jahrzehnte davon überzeugt, dass wir durch mehr Bildung, unsere Demokratie, unsere Gesellschaft und auch unsere Umwelt wieder in den Griff bekommen, nun muss ich anerkennen, dass dies falsch war!

Die schweren Bildungsdefizite in unserer Gesellschaft werden, ob wir es wollen oder nicht, letztendlich einen Überwachungs- und Polizeistaat zur Folge haben. Wahrscheinlich ist es genau das, was unsere Bildungspolitiker schon immer wollten.

„I actually think that philosophical theories make a tremendous difference to every aspect of our lives. In my observation, the rejection of realism, the denial of ontological objectivity, is an essential component of the attacks on epistemic objectivity, rationality, truth, and intelligence in contemporary intellectual life. “

John R. Searle (1996: 197)