Gemäldeausschnitt

Fieberwahn 4.8 (6)

Beitragsfoto: Gemäldeausschnitt | © George Emile Denorroy

Während ich weiterhin als Vorsitzender der Freien Wähler von der Heilbronner Stadtverwaltung schikaniert werde, Fragen aus der Bevölkerung beantworten muss, warum man bei uns als „Mann“ über 100 Kinder adoptieren und dabei gut 1,5 Millionen Euro an Steuergeldern einstreichen kann, absolvierte ich so ganz nebenbei noch meine wöchentliche Vorlesungsreihe. Dann aber musste mich meine bessere Hälfte von der Hochschule abholen, da meine Männergrippe plötzlich wieder da war. Die Rückfahrt nutzten wir noch, um ein paar Plakate zu dokumentieren, die gemäß der Stadtverwaltung illegal seien; manche Plakate, besonders jene an attraktiveren Orten, sind bereits verschwunden, was schon jetzt erboste Anrufe meiner Mitstreiter nach sich zieht.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Schlaf, heute wohl noch das beste Mittel, um wieder auf die Beine zu kommen. Man könnte auch einen Arzt konsultieren oder gleich den Rettungsdienst anrufen, was wohl immer mehr unserer Mitbürger als die bessere Alternative wählen.

Was mich nun im Wahn alles miteinander in Verbindung bringen und zusammenfassen lässt. Wohl noch als Minderjähriger musste ich die Frage in einem Essay beantworten, ob die Bundeswehr die Schule der Nation sei. Ich habe dies damals verneint, rein deduktiv hergeleitet. Heute verneine ich dies immer noch, nun aber induktiv hinterlegt. Aber, für eines hat die Bundeswehr bei jenen gesorgt, die sich damals aus den unterschiedlichsten Gründen heraus für den Wehrdienst entschieden, nämlich, dass sie über Nacht nicht nur zu besseren Menschen wurden, sondern tatsächlich auch etwas Gutes für das künftige Leben lernten — ob sie nun an schlechten Beispielen oder an guten Beispielen gewachsen sind, sei einmal dahingestellt, gewachsen sind sie aber alle.

Ein ähnlicher, vielleicht aber nicht so gewaltiger Meilenstein im Werden eines Menschen ist der erfolgreiche Abschluss einer Lehre, wobei nur jene Abschlüsse zählen sollten, die es dem Gesellen auch ermöglichen, dass er hinterher guten Kaffee kochen kann und weiß, wo bei einem Besen oben und unten ist.

Heute müssen wir mit ansehen, dass man als Flüchtiger, Verweigerer oder Drückeberger ohne größere Probleme nicht nur in Lohn und Brot kommt, sondern bis in die höchsten Regierungsämter. Schlimmer, man kann selbst als noch Ende Zwanziger ohne jegliche Ausbildung und Qualifikation den ganzen Tag die Allee im geleasten oder geschenkten Auto hoch und runter fahren — zumindest so lange bis man wegen Mord verurteilt wird. Oder aber man findet ein Parteibuch und gelangt so in den Bundestag und verdingt sich nun dort als „Geisterfahrer“ — ohne jegliche Gefahr mit der Staatsanwaltschaft in Berührung zu kommen; wobei jene, die halbwegs unfallfrei schwätzen können, das „Arbeitslosenfernsehen“ mit ihrer Anwesenheit krönen und dabei wohl auch noch extra abkassieren.

Derweil regen sich einige meiner Mitbürger auf, dass sich gerade Einwanderer mit krummen Geschäften bei uns dumm und dämlich verdienen (können). Die Frage sei mir erlaubt, wer ist denn Schuld daran, der Mann, der von einem ehrenwerten Notar über 100 Kinder zugesprochen und das Ganze von Verwaltungsmitarbeitern der übelsten Sorte noch eingetragen bekommt, oder die Abgeordneten, Notare, Richter und Verwaltungsbeamten wie auch -mitarbeiter, die dies erst ermöglichen?

Wer von uns würde 1,5 Millionen Euro auf die Hand ablehnen, wenn diese einem von unserem Verwaltungsapparat einfach so angeboten werden? Ich behaupte, ein großer Teil jener Mitbürger, die gedient oder aber zumindest eine richtige Berufsausbildung absolviert haben.

Die etwas Schlaueren von jenen, die nicht wirklich etwas gelernt haben, sitzen nun ihre Hintern in Verwaltungen platt und drangsalieren uns Bürger, wenn sie nicht gerade einem völlig unbekannten Mann Kindergeld für über 100 Kinder auszahlen — wobei, wenn man selbst völlig ahnungslos in Verwaltungen herum sitzt, kennt man meist auch nicht den Unterschied zwischen „1“, „10“ und „100“, was übrigens auch erklären kann, warum viele unsere Gemeinden völlig überschuldet sind.

Und wenn bei uns ein Verwaltungsmitarbeiter einmal einen Anfall von Arbeitswut verspürt, gibt es „Kindergeld für alle“, Genehmigungen zum Plakatieren in wildfremden Städten oder man drangsaliert Bürger.

Die größte Gefahr für jedes Land sind dumme und zugleich fleißige Verwaltungen! Und wenn man deren Mitarbeiter schon nicht bilden kann, dann sollte man sie wenigstens richtig erziehen; es hatte schon etwas Gutes, dass früher viele Verwaltungsmitarbeiter gedient hatten. Und dies ist wohl auch der Grund dafür, dass, sobald es in unseren Verwaltungen Arbeit gibt, noch heute nach der Bundeswehr geschrieen wird.


Duo

21.4.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Bérengére Le Boulair und Christiane Reiling

Fenster

Beginnen wir einmal mit etwas Erfreulichem. Nach fast 20 Jahren wird die Fenstererneuerung bei der Grünewaldschule endlich fortgesetzt; dafür sind nun 1 Million Euro fällig. Noch im Sommer soll die gleich daneben liegende Neckartalschule abgerissen und deren Neubau dann mit der Grünewaldschule zu einem Campus zusammenwachsen. Das hört sich schon einmal ganz gut an. Hoffen wir nun darauf, dass danach beide Schulen zumindest den aktuellen Forderungen an Bildungseinrichtungen genügen werden — die Lehrer und Schüler hätten es verdient.

Inzwischen will man die Container an den Dammschulen als Ausweichquartier für die Neckartalschüler nutzen. Bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat danach den Mut und das Geld aufbringt, die Container entsorgt und an deren Stelle die Dammschulen zu einem zeitgemäßen Schulzentrum, einschließlich der notwendigen Sport- und Schwimmhallen ausbaut. Alte Gemäuer nur etwas aufzuhübschen reicht schon lange nicht mehr! Zumindest aber zieht es dann weniger, wobei wir schon längst hätten erkennen müssen, dass Zugluft das geringste Problem heutiger Bildungsbemühungen ist.

Konzertabend

Kaum wieder auf dem Dampfer, konnte ich gestern Abend einer Einladung der Amicale des Français de Heilbronn folgen und wurde sogleich mit einem deutsch-französischen Konzertabend über die Freundschaft belohnt. Dieser fand interessanter Weise in der Aula der Fritz-Ulrich-Schule statt, was mich nun schon wieder zum Wahlkampf führt, nämlich, dass man in Heilbronn einmal darüber nachdenken könnte, wie man bei uns Bildung und Kultur besser in Übereinklang bringt und nicht beständig nur darüber, wer an was etwas verdienen darf und wer nicht!

Der gestrige Konzertabend hatte das Motto „zusammen & auseinander“ und wurde von den beiden exzellenten Künstlerinnen Bérengére Le Boulair und Christiane Reiling bestritten. Erstere eine begnadete Violinistin und die andere eine ebensolche Cellistin. Sehr spannend wie die beiden Musikerinnen ihre eigenen Erfahrungen des deutsch-französischen Zusammenlebens musikalisch aufgearbeitet und verarbeitet haben und dabei ihre eigenen Biografien verschmolzen, nicht nur musikalisch.

Ihre Improvisationen der Musik deutscher wie auch französischer Komponisten ein Gedicht! Gesangs- und Tanzeinlagen sowie das Rezitieren von Texten und dies alles in einer gut gewählten Kulisse, machten den Abend zu einem ganzheitlichen Freundschaftserlebnis. Die guten Pausengespräche des Abends rundeten diesen zusätzlich ab.

Mein Lob geht and die beiden Musikerinnen, mein Dank an die Amicale des Français, die mir diesen wunderbaren Abend erst möglich gemacht hat. Was wieder einmal zeigt, wie stark das bürgerschaftliche Engagement in Heilbronn verwurzelt ist und bleibt, trotz der unsäglichen Versuche diese mehr als lobenswerten Bemühungen von uns Bürgern immer wieder im Keime zu ersticken!

Kant

Wohl dem aktuellen Wahlkampf geschuldet, gingen 300 Jahre Kant fast an mir vorbei. Was nun die Frage nach den wahren Schwerpunkten aufwirft, wobei wir schon wieder bei Kant wären. Kant begegnete mir nicht nur während meines Studiums, sondern auch im Laufe meiner militärischen Ausbildung und erneut als ich mich näher mit dem Föderalismus beschäftigte. Sein in den letzten beiden Kontexten wohl bekanntestes Werk „Zum Ewigen Frieden“ habe ich bereits vor vielen Jahren in eine etwas lesbarere Form gebracht. Auf alle Fälle aber sollte man seine erste Kritik, die an der reinen Vernunft zumindest einmal angelesen haben, was mich wieder zu meinem eigenen Studium führt.

Seit wenigen Tagen liegt nun die aktuelle Ausgabe von The Federalist Debate (immer noch in Folie eingeschweißt) neben meinem Rechner. Diese zitiert eigentlich schon immer Immanuel Kant mit den Worten: „The establishment of a perfect civil Cobsititution depends on the problem of governing the external relations among states through law.“ Und auch eine richtige Tageszeitung bemüht sich schon seit gestern mehr Verständnis für Kant zu erzeugen und erinnert gleich mit drei Artikeln an dessen 300sten Geburtstag: Wider die Selbstverkleinerung des Geistes (Jürgen Kaube, FAZ, 20.4.2024), Der Unendliche (FAZ, 20.4.2024) und Der Unendliche II (FAZ, 21.4.2024), wobei ich erst heute dazu kam, diese Beiträge zu lesen.

„Es braucht Mut, sich dieses Verstandes zu bedienen. Wer ihn aufbringt, wird reich belohnt.“ 

FAZ, 21.4.2024

Immanuel Kant wurde wie meine Großmutter mütterlicherseits auch, in Königsberg geboren, allerdings ein paar Jahre eher, nämlich am 22. April 1724. Noch heute ist uns sein Leitspruch Sapere aude geläufig (hic!) und man kann es nur jedem empfehlen, ganz besonders den eigenen Studenten, denen damit vieles sehr viel einfacher gelingen könnte. Was mich nun wieder daran erinnert, meine kommende Vorlesung vorzubereiten, aber zumindest demnächst darüber nachzudenken, ob das Ganze überhaupt wirklich Sinn macht — wenn da nicht die Käffchen und guten Gespräche mit Detlef Stern wären und sein freundschaftlicher Hinweis, dass man nur etwas könne, wenn man es bereits auch erfolgreich gelehrt hat. Wobei wir jetzt schon wieder bei Kant angelangt sind:

„Vom leeren Raum kann es keine Erfahrung, auch keinen Schluss auf das Objekt derselben geben. Von der Existenz einer Materie belehrt zu sein dazu bedarf ich Einfluss einer Materie auf meine Sinne.“

Immanuel KAnt, Gesammelte Schriften

Döner

3.4.02024 5 (11)

Beitragsfoto: Döner | © Alexander Fox | PlaNet Fox from Pixabay

Ausblick

Morgen am 4. April 2024, kann die NATO ihr 75. Jubiläum feiern. 1949 gründeten zwölf Staaten das nordatlantische Verteidigungsbündnis, einer der ersten Versuche, um Europa und die westliche Welt zu einen. Inzwischen umfasst das Bündnis 32 Mitgliedstaaten, die alle zusammen den Westen und dabei ganz besonders die freien Teile Europas weiterhin vor der seit über 75 Jahre andauernden russischen Aggression schützen.

Geeint ist die NATO unschlagbar und kann immer noch dafür sorgen, dass die größten Teile der Welt friedlich zusammenleben können. Allerdings besteht heute die sehr große Gefahr, dass die NATO von innen heraus zerbricht. Nicht nur ein Donald Trump will sie zerstören, auch in Europa, den größten Nutznießern dieses Verteidigungsbündnisses, gibt es immer mehr Mitbürger, die sich nach dem Ende der NATO sehnen und tatkräftig darauf hinarbeiten. Viele davon möchten noch zu Ende bringen, was ihnen damals im „Heißen Herbst“ nicht gelungen ist.

Und schon damals war es eindeutig, wer gegen die NATO ist, ist nichts anderes als ein Kriegstreiber.

Eisenbahn

Das Süddeutsche Eisenbahnmuseum in Heilbronn, welches jeden Besucher von den Zeiten träumen ließ, als es bei uns noch pünktliche Bahnen gab, ist demnächst ebenfalls Geschichte. Auf alle Fälle liegt das ehemalige Bahnbetriebswerk in bester Lage, was sicherlich für jeden Investor eine gute Gelegenheit zum Geldverdienen ist, wäre da nicht der unter Denkmalschutz stehende Ringlokschuppen mit funktionierender Drehscheibe.

Und so können wir alle einmal sehr gespannt darauf sein, wie sich das Böckinger Zentrum weiterentwickeln wird. Zumindest der „Park“, der sich in Verlängerung des ehemaligen Bahnbetriebsgeländes befindet, soll dereinst zu einer weiteren Begrünung unserer Stadt führen.

Und so könnte eine in der weiten Ferne liegende Landesgartenschau uns einmal dazu verhelfen, dass es doch noch zu einer Lösung für das gesamte Viertel kommt. Was dem Süddeutschen Eisenbahnmuseum allerdings jetzt nicht weiterhilft.

Döner

Man mag von Dönern selbst halten, was man möchte, dennoch erstaunt es doch ein wenig, wie viel Tamtam die Heilbronner Stimme bei jeder Neueröffnung einer Dönerbude — und dann wieder bei deren Schließung — darum macht. Man könnte fast meinen, dass für die jeweiligen Redakteure Döner-Läden das Tadsch Mahal der Haute Cuisine sind.

Könnte aber auch sein, dass inzwischen die Dönerias nicht nur das Nonplusultra der Heilbronner Gastronomie, sondern auch noch die neuen Tempel der lokalen Kaufmannskunst sind. Und dies noch vor den zahlreicheren Nagelstudios und Haarentfernungsläden jeglicher Art.

Dabei könnten doch die neuen und immer zahlreicheren Automaten-Shops schon jetzt ein gutes Beispiel für die innovative Start-Up-Kultur in unserer Stadt werden; wobei die traditionelle Stadtkultur mit Besen, Tätowier-Läden und Hanf-Shops weiterhin sehr gerne gepflegt wird — zumindest in diesem Bereich hat Heilbronn Weltstadt-Charakter.

Erschreckend ist dabei nur, dass die Heilbronner Stimme-Redakteure diese Großstadterfolge zwar gerne bis hin zum Exzess feiern und sich dann aber sogleich wieder fragen können, warum den Heilbronner Hochschulen und Universitätsablegern nicht nur Professoren, sondern auch Studenten fehlen, denn woher sollen die denn alle kommen? Sicherlich nicht aus unseren Schulen!

Und so sollte sich kein Mensch mehr darüber wundern, dass man in der Stadtverwaltung inzwischen davon ausgeht, dass ein Plan nur dann gut ist, wenn er jahrzehntelang nicht aktualisiert wurde oder man dort nur zur eigenen Höchstform aufläuft, wenn es um das Abgreifen von Transferzahlungen geht.

Kurz und knapp: Heilbronn hat ein immenses Bildungsdefizit und kann als gutes Beispiel dafür dienen, dass ein zu üppiger Sozialstaat Menschen verdummt.

Was sehr viele nicht stören dürfte, denn wenn man bei uns nicht in der Stadtverwaltung unterkommt, eröffnet man einfach eine Dönerbude — das geht immer.