Bildungscampus

15.8.02023 4.7 (14)

Beitragsfoto: Bildungscampus

Nachgehakt

Die unten stehende Kommentierung von Gerd M. Hofmann alias Liegeradler hat mich dazu bewogen, einmal nach der Ursache dieser Falschmeldung zu suchen. Bekanntlich fantasiert künstliche Intelligenz (noch) nicht, sondern versucht erst einmal möglichst viele Daten zu erhalten (Stichwort: Datenkrake) und diese dann so plausibel wie möglich aufzuarbeiten; Detlef Stern kann das allerdings sehr viel besser erklären.

Und so habe ich mich einmal gefragt, warum die KI die Anzahl der Heilbronner Gemeinderäte nicht richtig feststellen kann, ganz offensichtlich dabei diese den unterschiedlichsten Parteien und Gruppierungen zuordnet und zudem die Parteien dann noch sehr ungewöhnlich gruppiert.

Dazu muss man folgendes wissen: Datenschutz wird in der Heilbronner Stadtverwaltung bestenfalls klein geschrieben. Zudem macht in der Verwaltung jeder was er will und keiner was er soll. Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter beständig unzählige Listen, Aufstellungen und Verteiler erstellen und diese dann weltweit und sehr gerne im Internet präsentieren. Jüngst erhielt ich eine städtische E-Mail, die mich schon traditionell darauf hinwies, dass ich diese mehrfach erhalte, weil ich in den unterschiedlichsten Verteilern geführt werde — leider habe ich bisher nicht in Erfahrung bringen können, auf welchen städtischen Verteilern ich stehe und wann ich dazu jemals meine Genehmigung erteilt hätte. Dann erfuhr ich, wo ich in Heilbronn alles kostenfrei Tampons erhalte und wieder einmal, dass das weibliche Geschlecht weiterhin unterdrückt wird.

Erst gestern fand ich mich in einem offenen Verteiler wohl des Gemeinderats wieder, der mir ganz nebenbei die aktuellsten E-Mail-Adressen der Heilbronner VIP zur Verfügung stellte. Und gerade machte ich mich auf der Heilbronner Website über den Gemeinderat schlau, der mir mit einem Klick sämtliche Privatadressen lieferte und zudem die Erkenntnis, dass die Stadt Heilbronn selber nicht weiß, welcher Gemeinderat aktuell in welcher Partei oder Gruppierung ist.

Ich möchte die von Gerd M. Hofmann ins Spiel gebrachte KI nicht entschuldigen, aber woher soll die wissen können, was in Heilbronn Faktum ist, wenn dazu nicht einmal in der Stadtverwaltung Konsens vorliegt.

Auf alle Fälle weiß ich jetzt wieder, wo sämtliche wichtigen Heilbronner residieren, bis auf den Wohnort des OB; und das wird wohl weiterhin das bestgehütete Geheimnis in Heilbronn bleiben.

Lustiger Weise meint Bard von Google auf meine Frage wo denn der OB wohne dazu:

„Es tut mir leid, aber diese Information ist nicht öffentlich verfügbar. Die Privatsphäre von öffentlichen Amtsträgern muss respektiert werden.“

Google BArd, 15.8.2023

Jetzt muss dies nur noch jemand der Stadtverwaltung erklären.

Nachtrag 3.9.2023

Heute wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadtverwaltung zwar die oben angesprochene Liste nicht überarbeitet hat aber mit einer weiteren Liste ins Rennen geht (Stand 22.8.2023). Ein Blick dort hinein zeigte, dass jetzt zumindest die Gemeinderäte den richtigen Fraktionen zugeordnet wurden.

Allerdings bleiben weiterhin die Wohnadressen der Gemeinderäte veröffentlicht, was gemäß eines Schreibens der Stadtverwaltung vom 15.8.2023 zumindest für Bewerber nicht mehr üblich ist: „zum Schutz der Persönlichkeitsrechte werden bei Wahlbewerbern statt der vollständigen Wohnanschrift nur noch der Wohnort und ggf. Stadtteil veröffentlicht.“

Wahlkampf

Thomas Aurich bringt es heute in der Heilbronner Stimme (15.8.2023: 26) auf den Punkt, der Kommunalwahlkampf hat begonnen. Nicht nur die Freien Wähler haben sich in Stellung gebracht, auch die anderen Parteien und Gruppierungen sind nicht nur mit dem Kandidatensammeln beschäftigt, sondern haben inzwischen auch wieder damit begonnen, ihre uralten Forderungen aus den Schubladen zu ziehen und damit bei ihren Wählern wie immer zu punkten.

Ganz bequem kann man damit als eingesessener Gemeinderat seinen Wahlkampf bestreiten — es ist derselbe wie bereits die letzten Male. Und auch den Parteien muss nichts Neues einfallen, sie fordern weiterhin im Wahlkampf genau das, was sie dann die nächsten fünf Jahre wieder so erfolgreich zu verhindern wissen — und deswegen wird die SPD in Heilbronn noch in 100 Jahren eine Sozialquote im Wohnungsbau fordern, die Grünen „Multi-Kulti“ hochleben lassen ohne überhaupt zu wissen, was das eigentlich sein soll und die CDU will weiterhin bei allem sparen mit Ausnahme bei den Kneipen und den Festen.

Und auch wir Heilbronner Bürger müssen uns mit nichts Neuem auseinandersetzen: es bleibt weiterhin alles so, wie es schon immer war. Wir Heilbronner wollen es ganz offensichtlich auch nicht anders!

Wir warten lieber alle darauf, dass ein oder vielleicht noch ein paar weitere Heilbronner unsere Stadt still und heimlich für uns möglichst kostengünstig und damit nach deren eigenem Gusto umbauen — ob dort später dann auch Menschen wohnen, arbeiten, lernen und leben möchten, bleibt einmal dahingestellt.

Landtag

Seit Längerem arbeiten CDU und Grüne daran, auch unseren Landtag in Stuttgart zum Super-Parlament zu machen. Ursprünglich waren einmal maximal 120 Abgeordnete im Landtag vorgesehen. Inzwischen sind es bereits 154 Abgeordnete, und wir müssen nun nach der letzten, von der Landesregierung durchgesetzten Wahlreform befürchten, dass der nächste Landtag mehr als 200 Abgeordnete haben wird.

Deshalb ist es sehr erfreulich, dass sich Dieter Distler aus Bietigheim dafür einsetzt, den Landtag per Volksbegehren auf völlig ausreichende 70 Abgeordnete zu deckeln. Leider wird er dabei von der doch sonst so lautstarken FDP-Opposition diesbezüglich nicht unterstützt und auch die weniger auffällige wie nicht vorhandene Opposition von SPD oder AfD fürchten unisono um ihre eigenen Honigtöpfe — alle im Landtag vertretenen Parteien werden einhellig dafür sorgen, dass kein Kandidat hinten runterfallen wird.

Wer mehr über die Initiative von Dieter Distler erfahren möchte, der kann sich auf landtag-verkleinern.com [1.10.2023: Website nicht mehr vorhanden] darüber informieren. Bis dato hat Dr. Distler mehr als 8 000 von den 10 000 notwendigen Unterschriften für den Anstoß eines Volksbegehrens zusammen.

Für den dann folgenden Schritt hin zu einem Volksbegehren müssen sich zehn Prozent der Wahlberechtigten innerhalb eines halben Jahres für ein Volksbegehren aussprechen; das wären bei uns fast 800 000 Bürger.

Wie schon gesagt, unsere Parteien werden dies zu verhindern wissen, aber alleine das Erreichen der 10 000 Unterschriften wäre ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass wir Bürger unser Land und unsere Demokratie noch nicht ganz aufgegeben haben.

Sollte Dieter Distler entgegen aller Erwartung die 800 000 Baden-Württemberger hinter sich bringen, dann könnten wir am 9. Juni 2024 bei den Wahlen zum Europäischen Parlament und den zeitgleich stattfindenden Gemeinderatswahlen auch darüber abstimmen, ob wir zukünftig ein zeitgemäßes und vor allem ein arbeitsfähiges Landesparlament erhalten werden — schon alleine diese Abstimmung wäre ein Riesenerfolg und würde zudem dafür sorgen, dass die Wahlbeteiligung ungeahnte Höhen erreicht.


Bahnhof Hagenau

14.8.02023 4.2 (6)

Beitragsfoto: Bahnhof Hagenau

Vorkommnis

In einem Landkreis soll es zu dem folgenden Verwaltungsvorgang gekommen sein. Ursache dabei war die notwendige Anmeldung von Fahrzeugen des Landkreises. Man hätte dabei von einem Schreibtisch zum anderen gehen und das Ganze auf dem kleinen Dienstweg erledigen können, zumal die Anmeldung von Fahrzeugen im eigenen Zuständigkeitsbereich dieser Verwaltung liegt.

So aber hat man diesen Vorgang wohl ausgeschrieben und letztendlich an eine bestens qualifizierte Rechtsanwaltskanzlei vergeben, die bereits weitere staatliche Aufgaben sehr erfolgreich umsetzt. Und so kam es, dass ein hoch dotierter Rechtsanwalt zum Anmelden der Fahrzeuge ins Landratsamt spazierte und dieses nach erfolgreicher Anmeldung von der Rechtsanwaltskanzlei eine Bestätigung samt obligatorischer Rechnung bekam.

Ich konnte dies selber nicht glauben, aber ein direkt involvierter Mitbürger hat mir versichert, dass solche Aktivitäten inzwischen mit zum behördlichen Alltag gehören. Und selbst wenn es nicht stimmen — was ich aus eigener Erfahrung aber sehr bezweifle — sollte, zeigt eine solche Geschichte aber ganz gut, was wir unseren Verwaltungen heute überhaupt noch oder — ganz im Gegenteil — ganz besonders zutrauen.

Bildungsfahrt

Wenn man kein Gemeinderat ist, dann muss man seine Bildungsfahrten noch selber organisieren und finanzieren, was aber den Vorteil hat, dass man dorthin fahren kann, wo man selber auch hin will. Und so fuhren wird am Wochenende nicht nach Amsterdam oder New York, Rio, Tokyo — diese kleine Anspielung sei mir erlaubt –, sondern eine ganze Nummer kleiner, in die ehemalige Reichsstadt Hagenau.

Im Gegensatz zu Heilbronn ist Hagenau eine vielversprechende Pendlerstadt, die allerdings aufgrund fehlender Zuzüge in den letzten Jahrzehnten keine solche Größenentwicklung wie Heilbronn erlebte und sich nun zwischen Straßburg, Karlsruhe und Mülhausen neu aufstellt.

Hilfreich dabei ist der neue Hauptbahnhof, der nicht nur einen wohl in Baden-Württemberg als Radschnellweg firmierenden Radweg an den Bahnhof anbindet, sondern auch ein entsprechend großes Parkhaus neben den Bahnhof stellt. Das alte Bahnhofsgebäude wurde durch ein modernes neues mehr als komplettiert und das Vorfeld sehr großzügig gestaltet, was zudem noch für mehr als ausreichend Parkplätze und einen Busbahnhof reichte. Neben dem Bahnhof führt eine ähnlich wie in Heilbronn attraktive Brücke über die Gleise, diese hat allerdings den Vorteil, dass sie überdacht ist und zudem noch auf die Bahnsteige führt. Am anderen Ende der Brücke entsteht ein sehr großzügiges Parkhaus, sodass sämtliche Pendler sehr einfach ihre Züge erreichen können.

Dieser infrastrukturelle Umbau Hagenaus, der sicherlich auch in Heilbronn möglich gewesen wäre, zeigt schon jetzt erste Erfolge, denn es entstehen dort nun sehr viele attraktive Wohngebäude, die sicherlich Bewohner aus den größeren Städten anlocken werden.

Für mich waren allerdings die Parkanlagen und die Fußgängerzone von Interesse, die sehr sauber waren und auch noch sehr spät am Abend genutzt werden konnten. Dort gab es wie in Heilbronn Menschen, die sicherlich weniger Glück als andere hatten, aber sich nicht so wie bei uns daneben benehmen — mag sein, dass dies auch mit an den Überwachungskameras lag, die man an den zentralen Stellen in der Stadt sehen konnte.

Wer sich Hagenau selber einmal anschauen möchte, dem empfehle ich die Gaststätte L’Ancienne Douane am Place d’Armes. Sämtliche von uns gewählten Speisen waren mehr als hervorragend und die Bedienung vorzüglich.

Dank unserer Begleiter konnten wir noch eine Burg besteigen, an einem Grenzübergang europäische Geschichte nachvollziehen und am Deutschen Weintor über Weinwerbung fachsimpeln.

Bürokratie

Während die AfD gegen „unwertes“ Leben vorgehen will, beeilt sich die CDU wenigstens den „Sozialschmarotzern“ das Leben schwerer zu machen. Und so muss auch die eigentliche Regierungspartei in Baden-Württemberg ein wenig Stimmung machen. Deswegen will nun Ministerpräsident Winfried Kretschmann ebenfalls bei der Bevölkerung für positive Stimmung sorgen und widmet sich nun einem ganz besonderen Thema, indem er den Abbau von Bürokratie fordert.

Dumm dabei nur, dass es gerade die Grünen sind, die in den letzten Jahren Regierung und Verwaltungen zur jeweiligen XXL-Version ausbauen und künftig auch den Landtag zu einem der größten Parlamente weltweit vergrößern — was die Bürokratie in bisher ungeahnte Höhen katapultiert. Da muss man nicht einmal mehr von den vielen neuen Regeln und Gesetzen sprechen, die unser Leben schon jetzt von Tag zu Tag schwieriger machen.

Das wirklich Blöde daran ist, dass die Grünen niemals Bürokratie abbauen werden, die CDU mit ihrem aktuellen Geschwätz der arbeitenden Bevölkerung nicht wirklich weiterhilft, aber man davon ausgehen muss, dass die AfD bei nächstbester Gelegenheit zumindest einigen Mitbürgern deren Existenz nicht nur infrage stellt, sondern tatsächlich auch zerstört.


Blitz

Flatrate 4.3 (7)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Leider handelt es sich dabei um keine Sommerloch-Äußerung eines drittklassigen Berufspolitikers, sondern um einen Auszug der künftigen CDU-Programmatik.

„Die Union fordert eine höhere Eigenbeteiligung der gesetzlich Krankenversicherten. ‚Wir müssen die weit verbreitete Flatrate-Mentalität in der gesetzlichen Krankenversicherung beenden‘, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Tino Sorge (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.“

ZDF, 13.08.2023 17:29 Uhr

Dabei wissen es wir doch alle und dies bereits seit Jahren, dass es bei uns keinen besseren Beruf für „Flatliner“ gibt, wie den des Volksvertreters. Und dazu benötigt es nicht mehr als einen Listenplatz und eine ausreichende Anzahl von Wählerstimmen für die listenverantwortliche Partei. Schwuppdiwupp gehört man zur Bildungs- und Leistungselite unseres Landes!

Und sobald man zu diesem erlauchten Kreis gehört, ob Gemeinderat oder gar Europaabgeordneter, dann muss man sich um wirklich nichts mehr Gedanken machen — vielleicht noch, ab wann man auch noch zur Geldelite unseres Landes zählt. Spätestens mit der Zuruhesetzung als Berufspolitiker muss sich die gesamte Familie keine Sorgen mehr über die materiellen Dinge des Lebens machen — es sei denn, man vergleicht sich sich selbst weltweit mit den allerbesten, den Königshäusern, Despoten oder gar Diktatoren oder zumindest mit deren Knechten und Mägden, wie etwa einem Gerhard Schröder oder einer Karin Kneissl.

Auf alle Fälle aber müssen sich unsere Berufspolitiker um alltägliche Dinge keine Gedanken mehr machen, denn diese gibt es für diese besseren Menschen völlig umsonst. Und wer nicht gratis Lufthansa fliegen will, der lässt sich einfach von der Bundeswehr oder der Polizei mit dem Hubschrauber chauffieren – Ehegatten und Kinder inbegriffen.

Für ärztliche Notfälle stehen unseren Volksvertreter selbstverständlich neben dem gesamten Gesundheitswesen auch noch die Bundeswehrkrankenhäuser zur Verfügung, denn dem Rundum-Sorglospaket darf es an wirklich nichts mangeln. Das Ganze wird dann noch um kostenlose Urlaubsreisen um die gesamte Welt ergänzt, denn man muss diese Leistungsträger unbedingt auch bei Laune halten.

Und genau wenn man auf so einem hohen Roß sitzt, dann muss man sich über die Flatrate-Mentalität in unsere Bevölkerung auslassen!