Demokratie

Zeichen der Zeit 4.7 (11)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Pixabay

Die Antidemokraten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Zum einen haben sie festgestellt, dass es tatsächlich auch nach über 30 Jahren des Endes der DDR-Diktatur und über 75 Jahre Ende des Nazi-Regimes auch in Deutschland weiterhin eine große Anhängerschaft für totalitaristische Wahnvorstellungen gibt, aber zum anderen doch mehr Bürger als gedacht eine Art von „Nazi-Scham“ entwickelt haben.

Damit können die Totalitaristen besonders aus der rechten Ecke zwar immer wieder gute Wahlergebnisse und teilweise sogar auf lokaler Ebene Mehrheiten erreichen, aber es langt weiterhin nicht, um wie in den 1930er-Jahren einen Umsturz zu erzielen.

Das dürfte an zwei wesentlichen Gründen liegen. Erstens geht es uns Deutschen und selbst den Ärmsten unter uns immer noch zu gut, um erneut das Experiment einer Diktatur zu wagen und zweitens haben bisher ob links oder rechts unsere Totalitaristen noch keinen so ganz waschechten Führer gefunden; sie müssen sich bisher mit deren Westentaschenausführungen oder gar mit billigen Kopien erfolgreicher ausländischer Diktatoren und Despoten begnügen — das reicht den allermeisten Polizisten und anderen Beamten mit einem Hang zum Fatalismus noch nicht, um die eigene Pension zu gefährden.

Deshalb haben sie jetzt und egal aus welcher Ecke sie kommen eine neue Strategie entwickelt: sie bieten jeweils gleich zwei Versionen ihrer Parteien an. Die eine läuft halbwegs und kaum noch versteckt unter „richtiger“ Flagge, gerade so, dass sich die völlig verblendete Anhängerschaft nicht beleidigt fühlt und die andere versammelt jene, die weiterhin möglichst versteckt und im Dunkeln unsere Demokratie demontieren wollen. Der Charme letzterer Fraktion aus der rechten Ecke ist es, dass diese auch für Bürger wählbar ist, die ganz offiziell weiterhin keine Nazis sein wollen aber „unwertes Leben“ und ganz besonders alles Fremde wie die Pest hassen oder auch „bloß nur“ alles Demokratische abschaffen möchten.

Und auch in der linken Ecke wird ganz aktuell heftig in diese Richtung diskutiert, wobei man hier die neue Strategie noch nicht so ganz erkennen kann.

In Heilbronn ist man jetzt schon wieder und ganz offiziell einen Schritt weiter. Die rechte Ecke hat jetzt gleich zwei Gruppierungen für die kommende Gemeinderatswahl aufgestellt. Sie heißen zwar unterschiedlich aber in beiden ist AfD drin.


La Grande Confrontation

La Grande Confrontation 5 (3)

Beitragsfoto: Buch am Pool

Selten habe ich ein Buch so verschlungen wie „La Grande Confrontation – Comment Poutine fait la Guerre á nos Démocraties“ von Raphael Glucksmann, welches im März 2023 erschien. Zugegebener Maßen waren die Voraussetzungen auch vorzüglich, denn nach einem ausgiebigen Strandspaziergang war das Wetter so gut geworden, dass ich den Rest des Tages im Jacuzzi verbringen konnte.

Ein weiterer Vorteil, da der Autor Sohn von André Glucksmann ist, den ich während meines Studiums laß, und er wohl aufgrund des Vaters nicht umhin kam, um in seinem Buch Friedrich Hölderlin und Martin Heidegger zu zitieren, die ich letztes Jahr im Jacuzzi gelesen habe. Nicht zuletzt aber war es das Thema, das mich sehr stark ansprach, zumal ich den im Buch getätigten Aussagen und Schlussfolgerungen von Raphael Glucksmann nur allzu gut folgen konnte.

Im Buch findet sich das Who is Who der europäischen Politik wieder, jene die mit Wladimir Putin von Anfang an gemeinsame Sache machten oder sich auch nur von ihm schmieren ließen. Einzig François Hollande, Joe Biden und Wolodymyr Selenskyj kommen ihm Buch gut weg. Ich gehe noch ein bisschen weiter als Glucksmann und behaupte, dass wir inzwischen allesamt in einer DDR 2.0 leben würden, wenn die US-Amerikaner 2020 erneut Donald Trump gewählt hätten — was übrigens die aktuelle Zusammensetzung der europäischen Regierungen nicht wesentlich ändern würde.

So aber spricht Glucksmann von einer großen Konfrontation und meint damit nicht den Streit von politischen Ideologien, sondern alleine nur den Kampf, den wir Demokraten allesamt derzeit gegen die „Herrschaft des Verbrechens“ führen. Er verwendet dabei explizit den deutschen Begriff und bezieht sich zudem noch auf Dr. Mabuse, einen Superverbrecher, der von Norbert Jacques erfunden wurde. Und die Aussage dabei ist eindeutig: der Massenmörder und Verbrecher Wladimir Putin führt mit seinem über gut 20 Jahre zusammengekauften Gefolge einen Krieg gegen alle Demokratien.

„Car la corruption n’est pas qu’une affaire de normes et de codes, c’est d’abord un problème d’état d’esprit, une question de vertu civique et d’éthos politique.“

Raphael Glucksmann, La Grande Confrontation (2023: 142)

Den Hauptteil seines Buches schließt er mit der folgenden Aussage und drückt damit die uralte Hoffnung aus, dass Polen doch noch nicht in Gänze verloren sei. (Józef Wybicki, 1797).

„Il est temps de dire et de montrer ce que nous sommes et ce que nous voulons être.“

Raphael Glucksmann, La Grande Confrontation (2023: 172)

„C’est cette histoire de corruption et de trahison que je veux raconter. … Tout commence toujours par la corruption des classes dirigeantes.“

Raphael Glucksmann, La Grande Confrontation (2023: 19f)

Blick auf Heilbronn

27.7.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Blick auf Heilbronn

Ehrenring

Heute durfte ich im Großen Ratssaal der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Heilbronn an Heiner Dörner beiwohnen. Zwei gute Reden und zwei sehr gut aufgeführte Sonaten von Georg Friedrich Händel später, gab es dann noch ein Gruppenfoto der Freien Wähler zusammen mit dem neuen Ehrenringträger.

Herbert Burkhardt, Eugen Gall, Heiner Dörner, Heinrich Kümmerle und Irene Seeburger

Sehr gefreut hat es mich, Helmut Himmelsbach wiederzusehen — eine Erinnerung an die bessere Zeiten unserer Stadt. Noch mehr gefreut hat es mich, dass sämtliche Anwesenden heute der festen Überzeugung waren, dass es in Heilbronn weiterhin nur eine Freie Wählergruppe gibt.

Hintergrund:

Über die Verleihung des Ehrenringes der Stadt Heilbronn entscheidet der Gemeinderat. Strikt ist die entsprechende Satzung: er soll höchstens zweimal jährlich verliehen werden und nicht mehr als zwölf lebende Personen sollen Träger des Ehrenringes sein. Erstmals wurde er 1959 verliehen. 

Mietspiegel

Dass die Linke, weiterhin völlig zerfressen vor Neid auf alle, die nur halbwegs leistungsbereit und leistungsfähig sind, nun ein Mietenmoratorium in Heilbronn fordert, wundert wohl keinen. Das unrühmliche Ende des Sozialismus ist wohl schon so lange her, dass man mit diesen Ideen wieder sehr billig seine Mitmenschen betrügen und ausbeuten kann.

Erstaunlich ist heute nur, dass nun auch die SPD gemäß der Heilbronner Stimme (27.07.2022: 25) auf dieses rein populistische Getue aufspringt und dabei sogar einen „eigenen“ Antrag stellt, in welchem private Vermieter und Wohnbaugesellschaften aufgefordert werden, die Mieten in den kommenden zwei Jahren nicht zu erhöhen.

Ursprünglich hat ein Vertreter des Mieterbundes, und dies wohl bei allen Parteien und Wählergruppen, für diese Aktion geworben. Die üblichen Verdächtigen sprangen sofort darauf an, wobei ich mir von manchen SPD Mitgliedern mehr Verantwortung in der Sache und etwas Anstand gegenüber ihren Mitbürgern gewünscht hätte — ich vergaß dabei, dass auch die SPD Wahlen gewinnen möchte, allerdings weiterhin ohne eigene Leistung und möglichst auf Kosten anderer.

Wir erinnern uns viellicht noch, dies ist exakt das Erfolgsmodell der DDR, der Sowjetunion, Kubas und Nordkoreas. Das Resultat in Heilbronn wird wohl sein, dass die Stadtsiedlung weiter munter für die wohlhabenderen Mitbürger baut, Gewinne maximiert und dabei vor allem ihre Aufsichtsräte sehr glücklich macht. Ein weiteres Resultat wird sein, dass sich die anderen großen Wohnbaugesellschaften diesem Erfolgsmodell anschließen werden, aber dafür die Politik vehement und ohne jegliche Gnade bei den Kleinstvermietern ein Mietmoratorium einklagen wird: Erich Honecker lässt bestimmt schon heute in der Hölle die Champagnerkorken knallen!

Death in Paradise

Bereits seit 2011 schauen meine bessere Hälfte und ich diese Fernsehserie, welche eine Koproduktion des BBC und France Télévisions ist. Inzwischen konnten wir in den USA die zehnte Staffel beginnen und diese nun seit gestern auch hier bei uns in Deutschland weiterschauen. Zu unserer beider Freude soll es noch eine elfte und zwölfte Staffel geben.

Abgesehen von der sehr leichten Erzählweise und der wunderbaren Umgebung, haben mir persönlich von Anfang an die Kabbeleien zwischen den englisch- und französischsprachigen Protagonisten gefallen, die mich ein wenig an mein eigenes Berufsleben erinnern, welches allerdings selten mit solch einem wunderbaren Umfeld wie jenem in Saint Marie aufwarten konnte. Saint Marie ist eine fiktive Insel und die Inselhauptstadt namens Honoré ist eine Hommage an St Honoré, einer Stadt aus einem Agatha Christie Roman. Tatsächlich spielt die Serie auf Guadeloupe, einem französischen Überseegebiet in der Karibik — was das Ganze sicherlich nicht schlechter macht.

Robert Thorogood ist der Schöpfer der Serie. Der Hauptdarsteller hat mehrfach gewechselt, wobei meine bessere Hälfte und ich uns nicht einig darüber sind, wer der beste ist; beim bisher schlechtesten sind wir aber einer Meinung.

Die Erkennungsmelodie der Serie „You’re Wondering Now“ stammt von Coxsone Dodd und wurde bereits 1964 von Andy & Joey in Jamaica aufgenommen. Die Version von Amy Winehouse ist heute wohl noch besser bekannt.

„You’re wondering now, what to do
Now you know this is the end
You’re wondering how, you will pay
For the way you misbehaved“

Coxsone Dodd , 1. Strophe von You’re Wondering Now