Europa

Verfassungskonvent 5 (2)

Beitragsfoto: Europaflagge mit Menschen | © Shutterstock

Europa ist in Sommerlaune, auf jeden Fall das Europa, welches aktuell nicht unter dem russischen Angriffskrieg zu leiden hat. Auch das Wetter spielt mit und lässt uns sämtliches Ungemach, das ohne Wenn und Aber spätestens im Herbst auf uns alle einbrechen wird, vergessen: COVID-19 verdrängt, unser Energie- und Ressourcenmangel verdrängt und auch der Völkermord an den Ukrainern haben wir vorerst völlig verdrängt.

Jetzt ist erst einmal Urlaub angesagt und bis dahin rennen wir von einem Fest zum anderen. Es tut mir schon fast weh, dass ich meine Leser daran erinnern muss, dass diese Ignoranz nicht sehr lange anhalten wird. Und auch der Klimawandel macht weitere Fortschritte!

Und so ist es zwar sehr erfreulich, dass unsere Atlantische Allianz wieder einmal gehalten hat und Europa erneut rettet, aber auch diese Zuversicht kennt ihre Grenzen. Spätestens dann, wenn unsere amerikanischen Freunde erkennen, dass sie für die Rettung der Demokratien Europas ihren eigenen Lebensstandard auf Entwicklungslandniveau senken werden müssen, dann wird Donald Trump oder einer seiner Eleven die US-amerikanische Demokratie endgültig beerdigen können — und die Folgen davon werden auch das gesamte Europa in den Untergang stürzen.

Aber selbst wenn es den US-Amerikanern erneut gelingt und sie auch ihre eigene Demokratie retten werden können, selbst dann wird der Klimawandel, Europas Kleinstaaterei, die fortwährenden Angriffe der Russischen Föderation und die zunehmende chinesische Aggression dafür sorgen, dass Europa von einer existentiellen Krise in die nächste gestürzt werden wird. Krisen in Ausmaßen, wie wir sie uns alle noch immer nicht vorstellen können!

Wir werden in Bälde mit Millionen von Zuwanderern oder Umsiedlern innerhalb Europas zu rechnen haben, wir werden die angehäuften Schulden nicht mehr bedienen können, wir werden unseren eigenen Lebensstandard nicht mehr halten können und noch weit schlimmer, wir werden in Verteilungskämpfe auf allen Gebieten verwickelt werden.

Dies alles ist mit unseren derzeitigen Nationalstaatmodellen und selbst mit einer halbwegs funktionierenden Europäischen Union nicht mehr zu bewältigen! Wir stehen — ob es Olaf Scholz nun möchte oder auch nicht — vor einer ganz gewaltigen Zeitenwende!

Wenn wir die kommenden Jahre nicht mit Notstandsgesetzen, gewaltigen Freiheitseinschränkungen, Enteignungen, handgreiflichen Verteilungskämpfen bis hin zu Grenzkonflikten leben wollen, dann ist es jetzt zwingend notwendig, dass wir die gesellschaftliche Grundlage schaffen, um diese nicht mehr zu vermeidenden Konflikte gemeinsam und innerhalb einer funktionierenden Demokratie zu bewältigen!

Und diese einzig funktionierende Grundlage ist der europäische Bundesstaat, der so schnell wie möglich für alle Europäer verbindliche Regeln und Maßnahme einleitet und dafür sorgt, dass die immer öfters und vehementer aufbrechenden Unterversorgungen geregelt und möglichst ausgeglichen werden. Nur so werden wir den Frieden in Europa erhalten und an seinen Rändern wieder herstellen können!

Um dies zu erreichen muss ein — von der Politik uns Europäern bereits seit Jahrzehnten immer wieder versprochener — europäischer Verfassungskonvent noch in diesem Jahr einberufen werden, der dafür sorgt, dass wir 2023 die Vereinigten Staaten von Europa haben, dann genau 75 Jahre zu spät aber besser als nie!

Nur ein europäischer Bundesstaat wird — wie wir es alle doch längst wissen — dazu in der Lage sein, die kommenden Probleme und Herausforderungen demokratisch, friedlich und menschenwürdig lösen können!

Leider aber, wie bei meinem letzten entsprechenden Aufruf, gehen unsere verantwortlichen Politiker jetzt erst auch einmal in den Urlaub und stecken dann ihre Köpfe wieder in den Sand.

Vielleicht aber ist es gerade dies nun das eindeutige Zeichen dafür, dass wir Unionsbürger allesamt tatsächlich eine europäische Revolution benötigen!

Vive l’Europe ! 

„Nations are old things that refer to old things.“

Timothy Snyder, The Road to Unfreedom : Russia > Europe > AmericA (2018: 112)

Feiernde Menschen

14.7.02022 5 (1)

Beitragsfoto: feiernde Menschen | © Shutterstock

Nationalfeiertag

Dieser französische Feiertag, der dem vermeintlichen Sturm auf die Bastille gedenkt und inzwischen traditionell die französischen Siege in der Vergangenheit zum Thema hat, ist auch ein Tag, an dem man sich an das Motto der französischen Revolution erinnern kann: „Liberté, Égalité, Fraternité“.

Da passt es nun auch ganz gut, dass uns die EU-Kommission daran erinnert, wo die tatsächlichen Gefahren der heutigen Zeit liegen, denn jede Demokratie, auch die europäische, stirbt von innen heraus! Justiz, Medien, Korruption: der Rechtsstaat in Ungarn und Polen ist akut in Gefahr! Dies wird nicht ohne gravierende Folgen für den Rest der Europäischen Union bleiben.

Der dritte Jahresbericht der EU-Kommission zur Rechtsstaatlichkeit wurde gestern veröffentlicht und enthält neben einer Gesamteinschätzung einen eigenen Bericht für jeden Mitgliedstaat. Und tatsächlich, die Situation in Ungarn und Polen ist katastrophal; was Ursula von der Leyen nicht davon abhalten wird, ihren „Parteifreunden“ weiterhin EU-Milliarden zuzuschustern.

Den Unionsbürgern fehlt dafür jedes Verständnis, und das ist es wohl auch, was die Verantwortlichen dieser Parteifamilien im Sinn haben, man möchte die EU von innern heraus zerstören und die Nationalstaaten wieder auferstehen lassen — mit oder ohne Demokratie spielt dabei auch keine Rolle mehr.

Gäubahn

Auch diese Teilstrecke der europäischen Verkehrsachse Berlin – Mailand ist immer wieder im Gespräch. Seit Jahren unternehmen die Verantwortlichen wirklich alles, um diese Nord-Südverbindung durch Baden-Württemberg zu kappen. So wurde vor Kurzem von der Berufspolitik signalisiert, dass man die Frankenbahn, der nördliche Teil davon, weiterhin nicht ausbauen will und damit weiter beim Nachkriegsnotbehelf bleibt.

Schlimmer noch trifft es jetzt die Gäubahn, die man ganz bewusst vom Stuttgarter Hauptbahnhof abkoppelt. Damit ist die ehemalige europäische Verkehrsachse Berlin – Mailand endgültig begraben.

Warum sämtliche Regierung in Baden-Württemberg, ob rot, grün, gelb oder schwarz, überhaupt keinen Wert auf einen funktionierenden, tragfähigen und nachhaltigen Schienenverkehr legen entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat es aber auch nur ganz banale Gründe, wie z. B. dass die Verantwortlichen entsprechende Baugrundstücke besitzen oder selbst in straßengebundene Transportunternehmen investiert haben.

Vereinsleben

Viele Vereine schwächeln schon seit Jahren und immer mehr davon müssen sich auflösen. Sehr oft liegt es daran, dass sich keine Mitglieder mehr finden, die Verantwortung übernehmen wollen. Für völlig falsch halte ich es dabei, dass man nun verstärkt versucht, Freiwillige mit Geldbeträgen für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen, denn damit zerstört man nicht nur die Idee des Ehrenamts, sondern das Vereinsleben an sich.

Dabei birgt doch das Vereinsleben für alle Mitglieder Schätze, die nie und nimmer mit Geld aufzuwiegen sind, und diese Tatsache ist es, die man wieder mehr in den Vordergrund stellen sollte. Und selbst wenn man sich im „falschen“ Verein engagiert und sich dabei von einer Enttäuschung zur anderen hangelt, gewinnt man dabei Erfahrungen, die ebenfalls unersetzlich sind.

Vor Kurzem laß ich in den Tiefen des Internets, dass „das Leben kein Lutschbonbon sei“. Dieser Aussage kann ich nur voll und ganz zustimmen. Und es gibt wohl kein angenehmeres Umfeld als einen Verein, um diese Tatsache für sich selber festzustellen. Auch möchte ich hinzufügen, dass es immer darauf ankommt, was man aus jeder Situation — egal wie verfahren sie auch sein mag — selber macht. Und gerade diese Herausforderungen sind es, die das Vereinsleben für alle mündigen Bürger erst so richtig attraktiv machen.

Das Schöne am Vereinsleben ist zudem, dass man dieses, wenn man überhaupt nicht mehr damit zurecht kommt, für sich ohne gravierende Folgen beenden kann, um dann sein Glück in einem anderen Verein zu suchen. Und auch diese Möglichkeit führt bei manchen Zeitgenossen vielleicht ebenfalls zu einer unbezahlbaren Selbsterkenntnis, nämlich spätestens dann, wenn man feststellt, dass man sich in keinem Verein lange zuhause fühlt.


Bürgerfest im Landtag

10.7.02022 5 (1)

Beitragsfoto: auf dem Bürgerfest im Landtag

Tanzen

Zum Ausklang des gestrigen Tages gönnten sich meine bessere Hälfte und ich noch ein paar Runden beim Übungstanz. Heute gibt es dann noch zwei Tanzkurse, den ersten zur Vorbereitung des Europa-Balls am Samstag, 23. Juli 2022 in der Tanzschule Brenner und den letzten einfach nur zur Entspannung — das Trommeln hatte ich schon einmal versucht und dabei festgestellt, dass ich darin fast so begabt bin wie beim Singen.

Übrigens, meine beim Tanzen erzielten Erfolge bemesse ich längst nicht mehr an der Anzahl der getanzten Figuren, sondern einzig und alleine daran, ob meiner besseren Hälfe und mir der jeweilige Tanz gefallen hat. Und wenn wieder etwas nicht so richtig hinhaut, dann erinnern wir uns daran, dass wir fast vier Jahre lang, beruflich bedingt, mit unseren dänischen Kameraden und ihren Gattinnen die Les Lanciers tanzten und dabei sogar als Tanzpaar zertifiziert wurden. Die Les Lanciers bestehen aus fünf Runden mit jeweils eigenen Tanzschritten: la Dorset, la Victoria, les Moulinets, les Visites und les Lancers.

Bürgerfest

Gestern habe ich fast den gesamten Tag im Landtag verbracht. Anlass war dessen diesjähriges Bürgerfest. Und im Vergleich zu den vergangenen Jahren war dieses Fest ein sehr angenehmes. Nur ein einziges Mal suchte ein Volldepp mit seiner Entourage den Streit aber zog sogleich wieder ab, als ich ihn darüber informierte, dass wir hier nicht im Kindergarten sind — wenn es doch nur immer so einfach wäre.

Und da ich die wichtigen Reden von noch wichtigeren Menschen ausließ, konnte ich so ganz nebenher doch noch so einiges an der normalen Vereinsbürokratie erledigen. Zudem war es dieses Mal sehr bezeichnend, welche Prominenz sich an unserem Stand sehen ließ und welche nicht — deshalb war der Tag vielleicht für alle so entspannend.

Wer noch nie auf dem Bürgerfest des Landtags war oder gar beim Tag der offenen Tür des Europäischen Parlaments in Straßburg, dem empfehle ich, im nächsten Jahr einfach einmal in Stuttgart beim Bürgerfest vorbeizuschauen. Man muss sich ja nicht wie wir Ehrenamtlichen den gesamten Tag dort aufhalten, sondern kann durchaus noch weitere Programmpunkte mit aufnehmen.

Stammtisch

Seit langem trafen sich, vor inzwischen schon wieder zwei Tagen, die Mitglieder des Deutsch-Afrikanischen Vereins zum Stammtisch. Nach einer langen Pandemie bedingten Pause gab es nicht nur viel Neues zu erzählen, sondern es hatten sich durchaus auch sehr viele Veränderungen bei einzelnen Mitgliedern ergeben. Sehr interessant fand ich dabei, dass ein junger begnadeter afrikanischer Trommler die Zeit genutzt hatte und nun auch Tanzkurse anbietet — beides zusammen, so sagt er, eine gute Art, um die, durch die Pandemie verursachten, Spannungen wieder abzubauen oder den diesbezüglichen Bewegungsmangel wieder etwas auszugleichen. Seine Kurse gibt er sowohl im Wertwiesenpark als auch in einer städtischen Einrichtung.

Da ich ihn schon etwas länger kenne, ist dies bestimmt eine sehr interessante Art und Weise, um wieder fit und entspannt zu werden. Wer sich nun dafür interessiert, wendet sich am besten an Sibylle Schmid vom Dt.-Afrikanischen Verein: sibylle_hn@gmx.de