Mittelmeer

Es ist an der Zeit! 5 (4)

Beitragsfoto: Mittelmeer | ©  8926 auf Pixabay

Einzelne Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bekennen sich bereits mehr oder weniger offen zu Diktatur und Rassismus. Neue Antidemokraten marschieren in den meisten Ländern auf und bereits totgeglaubte Alt-Nazis bzw. Kommunisten kommen aus ihren Löchern hervorgekrochen, um gemeinsam mit anderen Totalitaristen die aufkommende Götterdämmerung zu besingen.

Für Juden, Sinti & Roma, Asylanten und auch für bekennende Demokraten, Christen und Muslime werden in der EU bereits von kriminellen Subjekten vereinzelt NoGo-Zonen eingerichtet.

Deshalb mein Vorschlag an die EU-Politiker für diesen Sommer. Einfach mal die „Federalist Papers“ aus den Jahren 1787f lesen, das Hertensteiner Programm von 1946 zu Rate ziehen und über die Jahre 1957 – dato reflektieren.

Nach Rückkehr ins Europäische Parlament zusammensitzen und in Folge davon, den Bundesstaat Europa einschließlich einer neuen Verfassung den 28 Nationalparlamenten zur Billigung vorlegen.

Es würde mich nicht wundern, wenn die Bevölkerungsmehrheiten der meisten Staaten ihre Volksvertreter zur Unterzeichnung drängen. Und die restlichen Staaten könnten sich in einer Art Freihandelszone als priviligierte Partnerländer ebenfalls produktiv einbringen.

Was Politikern wie Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi, Robert Schuman oder Paul-Henri Spaak in weit schwierigeren Zeiten gelungen ist, müsste unseren Politikern – übrigens mit längerer Berufserfahrung ausgestattet – doch auch gelingen können!

Zumal die meisten Bürger mit Sicherheit wissen, dass es keine gangbare Alternative dazu gibt.

Es ist wirklich an der Zeit, dass unsere Volksvertreter den Anstoß dafür geben, und dies bevor wieder Scharlatane das Heft in die Hand nehmen und Europas Jugend erneut auf die Schlachtbank schicken.

„Time is something I have nothing else but.“

Walter Huston als Sam Dodsworth in Dodsworth (1936)

EU und UK

Alles ist möglich 5 (4)

Beitragsfoto: EU und UK | © Shutterstock

Sicherlich haben Sie alle – und dies bereits seit dem 23. Juni 2016 (!) – sehr gespannt die Vorgänge um den zum 29. März 2019 angekündigten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union mitverfolgt. Inzwischen scheint nunmehr alles bis zum 31. Oktober 2019 möglich zu sein, selbst ein Verbleib der Briten innerhalb der Europäischen Union.

Es gibt für uns Menschen keine bessere Regierungsform als unsere Demokratien; wobei aber auch diese durchaus ihre Mängel haben, so müssen wir zum Beispiel mit dem Manko leben, dass es keine Mindestvoraussetzungen für Volksvertreter gibt. Selbsteinschätzung wie auch Parteiapparate tragen dabei nicht zur Qualitätssicherung der politischen Entscheider bei und wir Bürger lassen uns bei Wahlen offensichtlich von anderen Dingen leiten.

Mir ist es unverständlich, wie sich Mitbürger in höchste Ämter wählen lassen und dabei von vorne herein wissen, dass sie diese nie und nimmer ausfüllen können, noch einen Funken von Ahnung haben, was sie in dieser Funktion eigentlich machen müssten. Die Folge davon sind u. a. jahrelange erfolglose Austrittsverhandlungen, jahrzehntelanger Stillstand bei existentiellen Fragestellungen, „Entscheider“, die sich gar rühmen, Probleme auszusitzen und damit einhergehend, ein immer stärker zunehmender Demokratie-Frust. Dieser Frust führt die Bürger immer näher an Autokraten und Diktatoren heran – an Menschen, die vorgeben oder zumindest den Anschein erwecken, zu wissen, was sie tun.

Das Problem liegt dabei nicht am Desinteresse der Bürger an der Politik oder gar an unserem Europa. Das Problem liegt eindeutig daran, dass wir alle unseren Mitbürgern Politik und auch Europa kaum noch oder bereits gar nicht mehr schmackhaft machen können!

Die „große Politik“ reißt längst keinen mehr vom Hocker, die Zivilgesellschaft sucht in ihrer Not – und dies weit weg von den Parlamenten – eigene Wege, wie zum Beispiel „Friday for Future“, „Gilet Jaune“ oder „Pulse of Europe“, um sich nicht nur Gehör zu verschaffen, sondern, um auf bestehende Probleme hinzuweisen und dies mit dem Ziel, dafür auch Lösungen zu finden.

Aber auch auf lokaler Ebene stehen Problemlösungen oder gar schwierig zu vermittelnde Entscheidungen längst nicht mehr im Fokus der Politik; was auch hier dazu führt, dass sich unsere Mitbürger vor Ort nicht mehr „mitgenommen“ fühlen. Ein Ausdruck davon ist die geringe Wahlbeteiligung. Dies wiederum motiviert politische Kandidaten dazu, nur noch dort Wahlkampf zu machen und für die zu sprechen, wo sie sich schnelle eigene Erfolge versprechen – ein Circulus vitiosus nimmt seinen Anfang.

„Well, I woke up this morning and I got myself a beer. The future’s uncertain and the end is always near.“

Jim Morrison, Roadhouse blues (1970)

Deutscher Bundestag

Herbst 1996 5 (4)

Beitragsfoto: Reichstagsgebäude | © Christian Ader, Getty Images

Wer erinnert sich noch an den Herbst 1996 als der Bundestag beschloss, seine gesetzliche Regelgröße von 656 auf 598 Abgeordnete zu verringen? Schon damals war ich der Überzeugung, dass der Bundestag auch mit 598 Abgeordneten immer noch überbesetzt ist, zumal mit einer immer weiteren Verflechtung der Mitgliedstaaten der Europäischen Union untereinander und einer folgerichtigen Ausweitung der Kompetenzen des Europäischen Parlaments Aufgaben und Verantwortlichkeiten an das Europäische Parlament abgegeben und zusätzlich den Föderalismus stärkend auch Kompetenzen an die Länder zurückgegeben werden könnten. Als Zielgröße könnten 150 Abgeordnete angestrebt werden, welche sich auf ca. 80 Wahlkreise verteilen und damit sicherstellen, dass der Bundestag nicht nur effektiv sondern auch effizient arbeiten kann.

Ein zwischenzeitlich durch den Bundestag geschaffenes „negatives Stimmgewicht“ veranlasste das Bundesverfassungsgericht 2008, das Bundeswahlgesetz für revisionsbedürftig zu erklären und den Bundestag zu einer Reform desselben zu zwingen, welche schließlich im Frühjahr 2013 in Kraft trat, aber aufgrund einer nicht erfolgten, nach dem Beschluss von 1996 zwingend notwendigen, Wahlkreisreform, die Abgeordnetenanzahl weiter erhöhte.

Inzwischen besteht der 19. Bundestag bereits aus 709 Abgeordenten, davon 111 Abgeordnete aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten, und ist damit fast so groß wie das Europäische Parlament, welches mit insgesamt 751 Abgeordneten für über 500 Millionen Unionsbürger verantwortlich ist.

Selbst eine in die Diskussion gebrachte Verringerung der Wahlkreise auf insgesamt 150 aber mit jeweils zwei Direktmandaten, wurde von den betroffenen Abgeordneten des 18. Bundestages abgelehnt. Es stünde unserer jetzigen Großen Koalition gut an, schnellstmöglich dafür Sorge zu tragen, dass der 20. Bundestag zumindest wieder seine gesetzlich festgelegte Regelgröße von 598 Abgeordenten einhält.

Mein Fazit: nicht an den Worten, sondern an den Taten muss man seine Abgeordneten messen!

„Wo wäre denn die Überlegenheit dessen, was wir verteidigen, wenn wir nicht in der Lage wären, unser begründetes Ressentiment zu überwinden?“

Albert Camus in einem Brief an den französischen Justizminister (5.12.1946)