Grenzübergang nach Österreich

„Kind in Brunnen-Politik“ 4.6 (13)

Beitragsfoto: Grenzübergang nach Österreich | © Reinhard Thrainer auf Pixabay

Getriggert von der Information, dass bei uns nach einem Messerangriff in Aschaffenburg mit zwei Toten und drei Verletzten die politische Diskussion außer Fugen gerät, muss ich doch auch einmal meinen Senf dazu geben.

Das Bundesamt für Migration hat gemäß der im ÖRR bereitgestellten Informationen bereits im Juni 2024 den Asylantrag des Aschaffenburgmörders abgelehnt und nach den Regeln des Dublin-Verfahrens seine Abschiebung nach Bulgarien angeordnet. Die CSU, voll im Wahlkampf stehend und angeblich Deutschland wieder sicher machen wollend, hat dabei das Kind in den Brunnen geschmissen: ganze sieben Monate lang hatte Joachim Herrmann, der zuständige Minister, offensichtlich keine Zeit, um diesen bekannten Täter abzuschieben — wohl weil kein runder Geburtstag eines Parteifreundes anstand!

Damit haben Markus Söder und sein Innenminister Joachim Herrmann zumindest grob fahrlässig, wenn nicht gar mit Vorsatz („Kind in Brunnen-Politik“) gehandelt und sind für diese Morde mit verantwortlich.

Seit Jahrzehnten, wohl bereits seit Rainer Barzel, betreibt die Union eine sehr erfolgreiche „Kind in Brunnen-Politik“, die erst das Kind in den Brunnen wirft und dann damit den Wahlkampf bestreitet, nämlich indem man dem Wähler verspricht, das Kind im Falle eines Wahlerfolges wieder aus dem Brunnen zu holen. Für das deutsche Gemüt sicherlich eine vielversprechende und durchaus erfolgreiche politische Strategie.

Spätestens seit den Warnungen an die Union seitens Franz Josef Strauß‘, dass diese Politik nur solange funktioniert, wie es keine weitere Partei rechts der Union gäbe, wissen die Verantwortlichen in der CDU und CSU um deren Brisanz. Leider wurden Straußens Ratschläge geflissentlich in den Wind geschlagen. Tragischer Weise rekrutierten sich später die meisten halbwegs ernst zunehmenden (nur im Sinne einer politischen Relevanz) Parteien rechts der Union gerade mit aus deren ehemaligen Mitgliedern.

Und so haben inzwischen viele andere Parteien wie die AfD oder das BSW diese Art von Erfolgspolitik übernommen und beginnen damit mehr Wähler zu generieren, als es selbst der Union lieb sein kann. Und spätestens dann, wenn die Vertreter dieser Parteien das Kind eigenmächtig in den Brunnen werfen können, wird die Union obsolet sein.

Diese Gefahr scheint bei uns außer den Unionsverantwortlichen allen politisch denkenden Menschen inzwischen voll und ganz bewusst zu sein.

Und so ist es höchste Zeit, dass sämtliche demokratische Parteien damit beginnen, verantwortliche Politik zu betreiben und dabei versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden!

Aber was machen Union, FDP, AfD und BSW nun? Sie fordern wegen dem obigen Anlass ein „faktisches Einreiseverbot“ für Ausländer aller Art (Friedrich Merz). Markus Söder, einer der Mitverantwortlichen für die Aschaffenburgmorde, verlangt zumindest eine „Grenzschließung für illegale Migration“. Christian Lindner sprach angesichts der Gewalttat von einem veritablen Staatsversagen in Deutschland, das er vor Kurzem noch selbst orchestrierte. Die AfD verwies lächelnd auf ihre Forderung nach Grenzschließungen und das BSW bemüht sich derweil noch mehr eklige Plakate in Deutschland aufzuhängen — wohl eine Ersatzhandlung dafür, dass man dem politischen Gegner und Andersdenkenden noch nicht in echt an den Kragen gehen kann.

Dem deutschen Gemüt gefällt das Ganze so wie immer, Recht und Ordnung muss weiterhin nur für andere gelten — und wir alle wissen doch ganz genau, dass das Dritte Reich nur ein „Vogelschiss in der Geschichte“ war.

So lange die Union nicht wieder zu einer vernünftigen und verantwortlichen Politik zum Wohle von uns allen zurückkehrt, bleibt zu hoffen, dass sie zumindest keine weiteren Innenminister mehr stellt! [ein kleiner Insider in Richtung Heilbronn].

Nachtrag

Detlef Stern teilte mir das Folgende mit: Zum Brunnenkindpost 😉 Quelle: https://workchronicles.substack.com/p/comic-prevention-vs-cure

Nachtrag 26.1.2025

„And I gave you proper warning, too, only a little while ago!
Arithmetic leads to Philology, and Philology leads to Crime …“

Eugène Ionesco, The Lesson (2000: 216)

Mädchen

Rückführung 5 (1)

Beitragsfoto: Mädchen | © Foto von Andrea Piacquadio auf Pexels

Auch das Thema Rückführung wird immer sehr gerne genommen, um möglichst populistisch Klientelpolitik betreiben zu können. Und wer glaubt, dass dies nur Parteien an den beiden extremen Ränder unseres Parteienspektrums machen, der irrt sich ganz gewaltig. Gerade unsere sogenannten Volksparteien sorgen mit diesem Thema für Begeisterungsstürme bei ihren jeweiligen Parteivölkern. Und gerade deswegen wird es auch nie zu einer für alle tragbaren Lösung kommen.

Bei der Rückführung, die gerne auch als Abschiebung oder Rückschiebung bezeichnet wird, handelt es sich um eine Ausweisung von illegalen Einwanderern oder abgelehnten Asylbewerbern.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben unterschiedliche Rückführungsabkommen zu Drittländern. Deutschland hat z. B. Rückführungsabkommen mit Marokko und Algerien oder einigen Balkanländern und erstaunlicherweise auch mit Spanien und Griechenland. Von einem dahinter stehenden Konzept kann man dabei allerdings nicht sprechen, hier werden Abkommen nach Lust und Laune von zufällig gerade einmal verantwortlichen Politikern abgeschlossen, wobei die kurzfristigen Stimmungsschwankungen der eigenen Klientel die Hauptursache sein dürften.

Einige bilaterale Rückführungsabkommen innerhalb der EU fielen durch das Schengener Abkommen und die Regelungen nach der Dublin-Verordnung weg, was vermutlich wiederum zu den Abkommen Deutschlands mit Spanien und Griechenland führte — das ist richtig spannend, denn damit bedient der dafür verantwortliche Politiker gleich beide Flügel seiner Partei, jene, die Schengen und Dublin begrüßen und jene, die dann die Abkommen mit den Mittelmeeranrainern feiern. Berufspolitik von seiner besten Seite: ein Schritt nach links, ein Schritt nach rechts und sich dann die kommenden Jahre für den dabei erzielen Fortschritt feiern lassen!

Und auch die EU hat Rückführungsabkommen, die dort aber Rückübernahmeabkommen heißen, dies klingt einfach viel besser. Diese wurden u. a. mit der Russischen Föderation und der Türkei abgeschlossen und wir alle können uns sehr leicht vorstellen, was diese Abkommen tatsächlich wert sind.

Und damit komme ich auf den eigentlichen Punkt, denn es sind zum aller größten Teil nicht fehlende Gesetze, Abkommen oder Abmachungen, die uns allen die Probleme bereiten, sondern es sind immer die Menschen, die diese Abkommen mit Leben füllen oder gar umsetzen müssen. Ich spreche dabei nicht von der jahrzehntelangen Unfähigkeit unserer Politik, ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln oder gar die Ursachen für diese Problematik in Angriff zu nehmen, sondern von der mehr als dilettantischen Umsetzung der bereits und teilweise seit Jahrzehnten bestehenden Abkommen.

Und dies hat bei uns System!

Als Soldat musste ich in den 1990er-Jahren die Abschiebepraktiken, vor allem die der bayerischen Landesregierung auf dem Balkan miterleben. Dort wurden gerade jene abgeschoben, denen man am leichtesten habhaft werden konnte und die sich nicht wehren konnten oder wollten. Ich musste u. a. miterleben, wie dabei ganze Familienexistenzen zerstört wurden — einfach nur für den schnellen Ruhm einzelner Politiker oder wegen faschistoider Gewaltvorstellungen doch so einiger Staatsdiener.

Und auch heute führt die Frage, wer denn eigentlich bei uns abgeschoben wird, immer wieder zu Empörung und Kopfschütteln in der gesamten Bürgerschaft. Auch ich bin der festen Überzeugung, dass Kriminelle, die kein staatsbürgerliches Anrecht auf Verbleib bei uns haben, besser gestern als heute in ihre Ursprungsländer oder gerne auch in Transitländer abgeschoben werden müssen.

Für alle jene, die sich bei uns produktiv zum Wohle der Gesamtgesellschaft einbringen wollen und können, sehe ich das anders, hier sollte man wirklich alles unternehmen, dass diese Menschen sich so schnell wie möglich bei uns integrieren können. Leider aber schieben unsere „Staatsdiener“ Arbeits- und Leistungswillige einfacher und viel bequemer ab als Kriminelle; die dahinter stehenden Schicksale sind diesen Mitbürgern völlig egal.

Zudem und das muss man wohl so sehen, gibt es auch hier bereits einen eigenen Wirtschaftszweig, der sich gerade um den möglichst langen Verbleib von Menschen, die hier überhaupt nichts zu suchen haben, kümmern und damit die Grundsätze unseres Rechtssystems mit Füßen treten — einzig und alleine wegen des eigenen Vorteils.

Und so werden wir auch zukünftig miterleben, wie nette und produktive Menschen abgeschoben werden und dafür kriminelle Wiederholungstäter so lange bei uns bleiben dürfen, bis sie aufgrund ihres hohen Alters automatisch Bleiberecht erhalten.

Aber so können wir uns auch immer wieder an der einen oder anderen Geschichte erfreuen, die wohl jedem von uns so zu Ohren kommen. Gerade vor Kurzem hat mir ein guter Bekannter von einem Mitarbeiter berichtet, der sehr fleißig und ordentlich bei ihm als Hilfsarbeiter tätig war. Und so war mein guter Bekannter nicht sehr erfreut, als dieser Mitarbeiter sich bei ihm abmeldete, weil er mit einer für ihn lukrativen Rückkehrhilfe des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ausgestattet, in seine Heimat zurückkehrte.

Hocherfreut war mein guter Bekannter, als nach all den Feiertagen der besagte Mitarbeiter wieder bei ihm auf dem Hof stand — gerade zur rechten Zeit, da die Geschäfte gerade gut laufen — und um Einstellung bat. Eine Nachfrage ergab, dass er jetzt nur anders heißt. Unmöglich? Ich glaube kaum, denn auch bei uns sind Namensänderungen inzwischen ohne Weiteres möglich.

Ich habe diese nette Geschichte nicht überprüft, möchte diese aber zum Anlass nehmen und fragen, wer bei dieser Sache etwas falsch gemacht hat; dies ist selbstverständlich nur eine rhetorische Frage, die ich sehr gerne selber beantworte.

Als erstes unsere Politik, die kaum noch in der Lage und willens ist, verständliche, tragbare und vor allem auch wirksame Gesetze zu erlassen und als zweites ein Verwaltungsapparat, dem immer öfters die fachliche und soziale Kompetenz fehlt, um Gesetze, Abmachungen, Regeln oder Vorschriften um- und durchzusetzen.

„Sollte ich den Moment meines Todes bewusst miterleben, werde ich an die Deportation denken. Sie hat mein Leben bestimmt.“

Simone Weil, Interview im Tagesspiegel (22. März 2009) 

Irish Whiskey 5 (5)

Dieser Beitrag ist Thomas Michl geschuldet, der es sicherlich nicht ertragen könnte, wenn ich über Whisky schreibe und die irische Verwandtschaft dabei ganz außer Acht lasse. Ihn wird es bestimmt schon genug ärgern, dass Kilbeggan nicht oder besser gesagt, noch nicht, zu meinen favorisierten irischen Marken gehört.

Meine Entdeckungsreise zu den irischen Whiskeys begann 1988 mit Tullamore Dew und zwar an einem Abend in Hannover, den ich so schnell nicht vergessen werde. Der Bekanntheitsgrad irischer Whiskys war schon damals nicht so groß, da die Produzenten im Gegensatz zu ihren schottischen Gegenüber wohl zu spät die Bedeutung des Marketing erkannten und zudem noch viel später die Abkehr von einer rein auf Menge getrimmten industriellen Massenproduktion einleiteten. So war es mir eine große Freude, als irische Freunde uns zur Eröffnung des Tullamore Dew Besuchszentrums einluden und ich erfuhr, dass man nunmehr diesen Whiskey auch fast wieder an seinem Ursprungsort produziert. Das heißt, in wenigen Jahren werde ich wieder nach einem Glas Tullamore Dew greifen können, das auch dort vor Ort destilliert wurde.

Tullamore Dew, wurde 1829 erstmals in der Tullamore-Destillerie gebrannt und gehört interessanter Weise seit 2010 zum Brennereikonzern William Grant & Sons, u. a. den Eigentümern des sehr bekannten schottischen Glenfiddich Whiskys.

Da Whisky oder auch der Whiskey, ob aus Irland oder den USA, in den 1950er bis in die 1990er-Jahre hinein kaum ein „Kultgetränk“ mehr war, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Tullamore-Destillerie, wie übrigens die meisten anderen Destillerien in diesen Jahren auch, bereits 1954 geschlossen und fortan die Marke Tullamore Dew industriell und je nach Bedarf in anderen Destillerien hergestellt wurde.

Das gleiche geschah auch mit der Locke’s Distillery, die den oben besagten Kilbeggan brennt. Sie wurde 1957 geschlossen und brennt mit neuem Besitzer erst wieder seit 2007 Whiskey; dafür beansprucht sie den Titel der ältesten irischen Destillerie, da sie bereits 1757 nachweislich ihren ersten Whiskey brannte.

In den 1970er-Jahren gab es dann in Irland faktisch nur noch eine Destillerie, welche Whiskey je nach Bedarf produzierte und es dauerte länger als in Schottland, um ab den 1990er-Jahren auch in Irland wieder eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Als ich mich ab 1990 eher auf die Single Malt aus Schottland konzentrierte, weil dort nach alle den Jahren der „Bedeutungslosigkeit“ zuerst und meist kleinere Destillerien begonnen hatten, dem Whisky erneut individuelle Noten und eigene Charaktere zu verleihen, entdeckte ich kurz darauf auch meinen bis heute persönlichen Favoriten aus Irland, nämlich den Bushmills Whiskey der Old-Bushmills-Brennerei, den es schon damals auch als Single Malt zu finden gab. Diese Brennerei gehört zu den ältesten Whiskey Brennereien und verweist auf eine gut 400 jährige Tradition. Der bereits gestern von mir vorgestellte Johnnie Walker Whisky wird hingegen dieses Jahr erst 200 Jahre alt. Zwar ist auch die Hausmarke von Bushmills ein Blend, dennoch empfehle ich hier eher den Bushmills 10, einen Single Malt der 10 Jahre in Bourbon- und Sherry-Fässern gereift ist. Die weiteren Marken, welche bis zu 21 Jahren in Fässern reifen, dabei vereinzelt auch in Madeira-Fässern, sind sicherlich eine gute Wahl, ich persönlich tendiere dann aber doch eher zu den Single Malt aus Schottland und auch Japan.

Die überall und auch bei Bushmills immer mehr in Mode kommenden limitierten und Sonderabfüllungen sind eher etwas für die heutigen Sammler oder für jene, die solche Getränke dann „on the rocks“ oder zusammen mit Cola und einer möglichst dicken Zigarre genießen. Für eine wohl etwas jüngere Marke, welche den Single Malt Whiskey mit irischem Honig vermischt, konnte ich mich dann gar nicht begeistern, und diese Mischung hat mir schon als Jim Beam Honey, einem Bourbon Whiskey, nicht sehr geschmeckt.

Wer aber gerne Whiskey trinkt, welcher ähnlich einiger Single Malt aus Schottland torfig schmeckt und einen starken Eigengeschmack entwickelt, dem empfehle ich die Marke Connemara, deren Whiskey, wie die meisten Scotch auch, im Gegensatz zu den anderen irischen Whiskeys nur zweimal gebrannt wird. Ich empfehle dabei gleich zum 12jährigen Whiskey zu greifen, und wem dieser auch schmeckt, der kann dann mit gutem Gewissen dabei bleiben.

Last but not least muss ich noch auf den Jameson zu sprechen kommen, von dem mein Freund und Kamerad Ronan Corcoran überzeugt ist, dass es der einzige Whiskey der Welt sei, mit dem man einen anständigen Irish Coffee zubereiten kann. Und wer jemals einen von Ronan zubereiteten Irish Coffee getrunken hat, der wird daran auch nie und nimmer zweifeln.

Jameson wurde im Jahr 1780 in Dublin gegründet und bis 1971 auch dort in der Bow Street destilliert. Auch wenn es inzwischen die unterschiedlichsten Abfüllungen jeglichen Alters gibt, empfehle ich beim Original Blend zu bleiben. Ich habe davon immer eine Flasche vorrätig, da ich nie weiß, wann und wer einen guten Irish Coffee trinken möchte.

„If you mean the demon drink that poisons the mind, pollutes the body, desecrates family life, and inflames sinners, then I’m against it.
But if you mean the elixir of Christmas cheer, the shield against winter chill, the taxable potion that puts needed funds into public coffers to comfort little crippled children, then I’m for it.
This is my position, and I will not compromise.“

Judge Noah S. Soggy Sweat