Landtag

4.5.02026 5 (8)

Beitragsfoto: Landtag

Spielen

Über den jüngsten Blog-Beitrag von Detlef Stern bin ich auf einen etwas älteren Blog-Beitrag „Die Kunst des Surfens“ von ihm gestoßen. Bestimmt hatte ich diesen bereits schon eimal gelesen, konnte mich aber nicht mehr an David Cain und sein Spiel erinnern.

Und da ich gerade zum Leidwesen meiner besseren Hälfte beim Prokrastinieren — es gibt aber Gründe dafür! — bin, nehme ich dieses Spielchen hier ebenfalls einmal mit auf.

  • Benutze kein Smartphone.
  • Starte auf einer normalen Webseite, die auch ausgehende Hyperlinks enthält. (Wie wäre es mit dieser Seite?)
  • Vermeide alle „sozialen Medien“, auch Reddit, YouTube, natürlich alles vom Meta- und vom Abc-Konzern, X sowieso, Bluesky, Fediverse, irgendwelche „Apps“ …
  • Klicke dich mittels Hyperlinks zu einer anderen Webseite. Lese. Wiederhole.
  • Wenn du in einem „sozialen Medium“ landest, hast du verloren. Dann bist du gefangen in den Händen des Corporate Web.

Ok, nach acht Hyperlinks bin ich auf einer Bloomberg-Seite gelandet, die zwar als bekannter Blog beworben wurde, inzwischen allerdings zum Corporate Web zählen dürfte. Was zeigt, wie fließend das Internet eigentlich ist.

Damit aber habe ich das heutige Spiel beendet und werfe nun die Zahl „Acht“ in den Raum. Was mich auch schon wieder an das Kleine-Welt-Phänomen oder die Six Degrees of Separation denken lässt.

Wer mir eine kleine Freude bereiten möchte, der spielt mit und gibt mir seine erreichte Zahl bekannt; vielleicht sogar die Website, bei der er dann ausgestiegen ist — meine ist wie geschrieben, jene von Matt Levine.

Wer über die Zahl 20 kommt, der dürfte längst den Status „Voll-Nerd“ erreicht haben.

Vermischtes

Gestern Abend konnte ich noch kurz das Tanzbein schwingen und mich so ganz nebenbei mit Leonhard Reinwald auf die vorläufige Tagesordnung der morgigen Kreisvorstandssitzung einigen. Was mich nun daran erinnert, dass ich heute Abend, eher Nacht noch die morgige Vorlesung vorzubereiten habe — erwische mich gerade beim Prokrastinieren — könnte mal in den alten Unterlagen meines Psychologiestudiums gucken, dort finde ich bestimmt einen Grund dafür.

Heute Morgen gab es eine ziemlich unspektakuläre Fahrt mit dem meseno-Bus. Ich habe dabei auf das übliche Tanken verzichtet und freue mich nun ein klein wenig darauf, dass der nächste Nutzer seine ganz eigene Erfahrung an der Tanksäule machen wird. Wahrscheinlich aber schaffen es die Nutzer in dieser Woche wieder einmal, dass ich dann kommenden Montag zwingend zur Tanke muss. Mich tröstet dann die Tatsache, dass die anderen Fahrer dafür sehr sparsam unterwegs gewesen sein müssen.

Rasen muss man sich einfach leisten können. Was mich allerdings dabei erstaunt, sind die vielen arbeitslosen Heilbronner, die weiterhin sehr beständig mit ihren PS-Boliden völlig sinnlos durch die Stadt surfen und sich wie gestern Abend ein Autorennen nach dem anderen liefern. Man könnte meinen, dass die Spritpreise immer noch nicht hoch genug sind oder aber, dass die staatliche Sozialhilfe viel zu hoch ist!

Wahrscheinlicher ist es aber, dass wir einfach nur den falschen Menschen Subventionen und Sozialhilfen gewähren. Jenen Menschen, die nicht arbeiten können oder wollen, die sollte man zwingend so lange auf der Schulbank sitzen lassen, bis sie dort vollends vergammeln oder von ganz alleine Arbeit finden und annehmen.

Was bedeutet, dass unsere Schulpflicht erst mit Eintritt des Rentenalters endet. Man müsste dazu anstatt Arbeitsämtern in jeder Stadt „Volksschulen“ einrichten — eine Umwandlung wäre sehr praktisch. Und dort sitzen diese Menschen selbstverständlich staatlich subventioniert so lange, bis sie sich für eine höhere Bildung qualifizieren oder selber einen Arbeitsplatz finden. Und wer diesen wieder verliert, der geht zurück zu Tante Liese auf die Schulbank und lernt erneut Rechnen, Lesen und Schreiben — wieder einmal.

Erfreulich, die heutige Information vom Betriebsamt, dass ich am Donnerstag die Flaggen für den Europa-Ball abholen darf; das Betriebsamt gehörte schon immer zu meinen Lieblingsämtern.

Landtag

Die Koalitionsverhandlungen befinden sich in den letzten Zügen, beide Parteien halten ihre entsprechenden Landesversammlungen am Wochenende ab — was man halt so am Europatag macht. Vielleicht ist es aber auch der gemeinsame Startschuss zu einer nachhaltigen und verantwortlichen Europapolitik in Baden-Württemberg.

Bis Samstag dürfte dann auch geklärt sein, wer welches Pöstchen in der Landesregierung erhält und ob die Aussage von Manuel Hagel, dass es zumindest weniger Staatssekretäre als beim letzten Mal geben wird, der Wahrheit entspricht.

Mit Beginn des Monats hat offiziell die 18. Wahlperiode des Landtags begonnen. Fristgerecht wurden auch sämtliche Stühle im Plenarsaal verschraubt. Schon jetzt kann man sämtliche Landtagsabgeordnete im Internet bestaunen, besonders gefällt mir dabei, dass als erstes Gudula Achterberg aus Heilbronn zu finden ist. Selbstverständlich freut es mich auch, dass weitere Heilbronner im Landtag sitzen, nämlich Isabell Huber, Michael Preusch und Thomas Strobl, alle ebenfalls Mitglied bei der EUROPA-UNION.

Insgesamt sitzen nun 157 Abgeordnete in Stuttgart, zwar drei mehr als beim letzten Mal, aber immerhin nicht der Landtag XXL, den ich zuvor befürchtet hatte — wobei rein technisch betrachtet 120 bis 150 Abgeordnete das sinnvolle Maximum eines jeden Parlaments sind. Unsere nun 157 Abgeordneten müssen alleine nur unter sich schon 12 246 Kommunikationskanäle offen halten; was erklären könnte, dass sie alleine deswegen kein offenes Ohr mehr für ihre Wähler haben können.


Met Live

3.5.02026 5 (6)

Beitragsfoto: Schnappschuss

Eugen Onegin

Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat mir schon immer gefallen, besonders seine Klavierkonzerte. Seine Ballette Nussknacker und Schwanensee dürfte wohl jeder kennen. Und seine Oper Eugen Onegin ist seit 1879 ein Dauerbrenner. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diese Oper schon gesehen habe. Auf alle Fälle habe ich sie noch als CD herumliegen und hatte sogar einmal eine Aufführung auf Videokassette. Für den Inhalt der Oper ist Alexander Puschkin verantwortlich.

Gestern war es dann wieder einmal soweit, denn die Metropolitan Opera brachte diese Oper wieder einmal auf die Bühne und wohl erstmals zugleich auch in die Kinos (MetLive). So richtig angelockt wurde ich dabei von der Aussage, dass diese Aufführung zum Schluss hin wagnerische Züge hätte — das war mir tatsächlich noch neu.

Inszeniert wurde diese Opernaufführung bereits 2013 von Deborah Warner. Recycelt wurde sie schon einmal 2017 und 2022 an der Met. Dieses Mal nun mit Asmik Gregorian als Tatjana und mit Iuri Samoilov als Onegin. Maria Barakova gab eine gute Olga und Stanislass de Barbeyrac gab einen sehr symphatischen Lenski. Insgesamt gab es an allen Stimmen nichts auszusetzen. Und auch das Orchester unter dem Dirigenten Timur Zangiev tadellos.

Zur Inszenierung kann ich nur sagen, dass diese bereits 2013 mehr als altbacken war. Das Bühnenbild (Tom Pye) zwar aufwendig aber überhaupt nicht interessant — zur Inszenierung wahrscheinlich sogar passend. Die Kostüme (Chloe Obolensky) eine Art Mischung von Schwarzwald und Apfelweinaussschank („Der blaue Bock“). Da half es dann auch nicht mehr viel, dass man ein wenig NASA-Feeling à la Artemis-Mission neu einstreute.

Insgesamt eher eine sehr gute Mietshausaufführung: sehr gute Handwerker und Hausmeister, dafür aber einen völlig ideenlosen Architekten. Die Mieter sind zufrieden, manche vielleicht auch glücklich, dennoch möchte keine Vermieter selber drin wohnen.

Am besten gefielen mir die Interviews mit den Sängern, wobei Iuri Samoilov kein Blatt vor den Mund nahm. Übrigens, Joyce DiDonato die den heutigen Host des Abends gab, trug den neusten New Yorker Unterwäsche-Chic, wohl als Kontrast zu den restlichen Kostümen der Oper gedacht.

Noch zwei Trivia zur Oper. Olga heiratet kurz nach dem Tod ihres Verlobten einen Lanzenreiter und verlässt ihre Heimat. Die Russen brauchten gut 140 Jahre, um die letzten Worte Onegins zu erfüllen; sage da nochmals jemand, dass Alexander Puschkin und Pjotr Iljitsch Tschaikowski keine Visionäre gewesen seien!

@ Nancy Gibson: Du hast mir damals in Chemnitz als Olga besser gefallen. Und die Aufführung selbst, schlichter aber dafür weit gefälliger.

Vermischtes

Erfreulich, dass FC Schalke 04 nun wieder in der Bundesliga zu finden sein wird, was einen Bekannten von mir sicherlich heute noch so richtig ärgert, da die Fortuna gestern weniger Glück hatte.

Vor zwei Tagen gab es Vollmond, was nur deshalb etwas interessant ist, da es diesen schon wieder am 31. Mai geben wird. Diesen nennt man dann Blue Moon, warum auch immer. Den nächsten soll es dann wieder am 31. Dezember 2028 geben. Ob einer davon tatsächlich auch einmal blau schimmern wird oder vielleicht sogar schon hat, werden sicherlich unsere Experten beantworten können.

Spannend zu lesen, was Detlef Stern zu seinen neuen Bewertungskriterien für Arbeiten geschrieben hat. Auf alle Fälle reduziert der Einsatz von KI den Wert der eigenen Arbeit ungemein — nicht nur bei den Weblogs, sondern auch in der Schule, im Studium und ganz besonders im Beruf. Ich bin zudem davon überzeugt, das jene, die nun von einer KI ersetzt werden, nie gebraucht wurden. Vielleicht hat damit KI doch etwas Gutes.

Ganz spontan gab es noch ein EUROPA-UNION Rundschreiben, das die unterschiedlichen Aktivitäten im Land im Zuge der Europawochen aufführte und letztmals für den Europa-Ball warb.

Expertise

Veranstaltungen vorzubereiten, die kaum noch jemanden interessieren, dies ist so etwas von upturnend, das kann man sich vorab gar nicht vorstellen. Deshalb nun auch meine Entscheidung, vom toten Pferd abzusteigen. Gestern beim europäischen Frühstück haben wir dann darüber gewitzelt, dass sobald wir die eine oder andere Veranstaltung endgültig eingestampft haben, ein paar Schlümpfe um die Ecke kommen und genau solche Veranstaltungen fordern, weil dies völlig neu sei und man so etwas unbedingt benötigen würde.

Was mich nun dazu motiviert, um über unsere heutigen Experten zu schreiben; was zudem ganz gut auch unsere momentane Welt beschreiben könnte. Ich möchte dies an ein par wenigen Beispielen deutlich machen, wobei ich weiß, dass ich von diesen ein klein wenig Ahnung habe.

Fangen wir mit dem Internet an, der Sache von der ich am wenigsten verstehe. Ich selbst sehe mich dort als erfahrenen Nutzer und nicht als Experte. Detlef Stern wird dies bestätigen können.

Seit Mitte der 1980er-Jahre bin ich im Internet unterwegs, was anfangs nur ein militärisches Gadget mehr war. Seit Ende der 1990er-Jahre betreibe ich immer wieder eigene Server und Websites und seit den Nullerjahren sogar permanent. Ich konnte dabei eigene Websites monetarisieren und auch mit eigenen Apps etwas Geld verdienen.

Was mich aber sicherlich nie und nimmer selbst zu einem Experten werden ließ. Aber ich weiß inzwischen ziemlich gut, wer von dieser Materie Ahnung hat und wer nicht — jene in meinem Umfeld mit Ahnung kann ich wohl an den Fingern meiner beiden Hände, vielleicht noch die Zehen mit hinzu, abzählen.

Was jene, die nach ein paar Monaten bloßem Wischen und Drücken zu glauben scheinen, selbst die völligen Durchblicker zu sein, nicht davon abhält, ganze Elogien über das Internet zu schreiben, selbstverständlich inzwischen KI-gestützt. Experte ist man heute bereits, wenn man halbwegs unfallfrei Microsoft- oder andere Produkte bedienen kann oder über ein entsprechendes Zertifikat verfügt.

Schon alleine aufgrund meines Berufs habe ich von Sicherheitspolitik Ahnung und zähle mich mit mehr als 30 Jahren als Profi und mit insgesamt über 45 Jahren intensiver thematischer Beschäftigung zu jenen Menschen mit Expertenstatus. Hierbei habe ich lernen dürfen, dass man sämtliche andere Experten zum entsprechenden Thema namentlich kennt und mit den meisten auch schon einmal zusammengearbeitet hat.

Mehr möchte ich schon gar nicht mehr zu diesem Thema schreiben, denn hier bekomme ich schon Magengeschwüre sobald ich nur daran denke! Alles nur noch Experten um mich herum!

Und die müssen nicht einmal wie beim Thema Internet wenigstens selbst wischen und drücken können, nicht einmal mehr furzen oder grunzen. Ein paar YouTube-Videos, wenn möglich noch das eine oder andere „Hausfrauenbriefing“ und vielleicht sogar noch einen mehr oder weniger erfolgreichen Versuch eines Journalismus- oder Politikstudiums. Wenn allerdings wirklich alles schief läuft, langt auch bloß ein Parteibuch; besser noch, man lässt sich wie in den USA inzwischen üblich gleich noch ein Hakenkreuz aufs Gemächt tätowieren und der Posten des Kriegsministers ist gesichert. Sollte man keins haben, langt bei uns selbstverständlich auch eine Fönfrisur.

Erst jüngst haben mir ein paar solcher depperten Experten schriftlich versichert, dass die EU (max. 6) über mehr Atom-U-Boote als die USA (ca. 70 Boote) verfügt. Selbst wenn man die Briten mit einrechnet, dürften bei uns keine zwölf nuklear betriebene U-Boote zusammenkommen. Was bei unseren deutschen Experten aus der Politik weit mehr als 70 ist.

Auf alle Fälle aber macht man bei uns mit seinem Expertentum richtig gut Geld und dies ohne jemals etwas arbeiten oder gar leisten zu müssen — einzig und alleine drangsaliert man gerade jene Mitmenschen, die sich durch Fleiß und Arbeit mit der Materie vertraut gemacht haben.

Zum Schluss komme ich noch auf mein Lieblingsthema Europa zu sprechen. In den USA wird gerne kolportiert, dass es zwei Dinge gibt, von denen man überhaupt keine Ahnung haben müsse, um sie in vollen Zügen genießen zu können, nämlich Sex und Golf. Bei uns kommt noch Europa mit hinzu.

Europa kann man erleben und genießen. Mit ein wenig Menschenkenntnis und gutem Willen wird man ohne Wenn und Aber zu einem sachkundigen und fundierten Europäer. Aber auch hierbei schlägt unser Expertentum voll und ganz zu!

Als Europäer, der seit über 35 Jahren versucht Europa zu leben, werde ich immer öfters von Europaexperten drangsaliert. Was mich zu der Erkenntnis bringt, dass wir insgesamt weniger Experten benötigen und dafür wieder mehr ganz normale Menschen, die sich aus reinem Interesse heraus für eine Sache interessieren und darüber kundig machen wollen.

Und wer in einer Sache Experte sein möchte, der sollte nicht gleich schon an seinem Grundschulabschluss scheitern! Auf alle Fälle aber sollten Experten 2 und 2 oder gar 6 und 6 zusammenzählen können und dann auch wissen, dass das Ergebnis weniger als 70 ist!

Jene besagten Experten, die aktuell im Europäischen Parlament untergekommen sind, können dies auf alle Fälle nicht. Wobei ich die Verantwortung bei Lehrern sehe, die eine Empfehlung fürs Gymnasium selbst für jene aussprechen, die nicht lesen und schreiben können, vom Rechnen ganz zu schweigen. Denn ab 16 hilft dann alleine ein Parteibuch, um selbst in höchste politische Ämter zu gelangen — dazu muss man auch nicht einmal mehr unfallfrei telefonieren können.

„Verschmäht, verstoßen! O welch hartes Los!“

Eugen Onegin, letzte Worte

Fediverse Reactions
Schnappschuss

27.4.02026 4.8 (12)

Beitragsfoto: Schnappschuss

80 Jahre

Dieses Jahr ist für die EUROPA-UNION eigentlich ein besonderes Jahr. Am 21. September können wir auf 80 Jahre Hertensteiner Programm zurückblicken, und unser Bundesverband feiert am Ende des Jahres sein 80-jähriges Bestehen. Da die EUROPA-UNION Heilbronn bei seiner Gründung bereits als lokale Gruppierung existierte, können auch wir dieses Jahr mit Fug und Recht 80 Jahre feiern.

Dazu haben wir dieses Jahr gleich mehrere Highlights im Programm. Angefangen haben wir mit einer Fahrt nach Florenz. Eine weitere Fahrt nach Sarajewo wird noch folgen. Mit unseren inzwischen 10. Hertensteiner Gesprächen thematisieren wir sowohl das Hertensteiner Programm als auch die Europäischen Föderalisten in Gänze.

Und am Europatag gibt es wieder den Europa-Ball. Leider zeichnet es sich hierbei ab, dass dieser nicht so gut besucht sein wird, wie wir es uns erhofft hatten. Dass Europa bei uns Europäern nicht mehr so ganz im Fokus steht, das ist seit Längerem bekannt. Dass unsere Demokratie bei uns Europäern kaum noch auf Interesse stößt, dürfte inzwischen immer offensichtlicher werden. Dass Bildung — lassen wir mal Abschlüsse und Zertifikate außen vor — ebenfalls bei uns kaum noch nachgefragt wird, lässt sich bereits allerorten feststellen. Aber dass nun auch die Kultur an sich — lassen wir mal Essen und Trinken außen vor — bei uns kaum einen mehr hinter dem Ofen hervorlockt, sollte uns Bürgern zu denken geben.

Man könnte nun meinen, dass sich die Gesellschaft langsam aber sicher darauf einigt, 80 Jahre gutes Leben sei für uns alle mehr als genug. Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass sich das nur noch bis zum eigenen ganz persönlichen Untergang Denken bei uns als Staatsraison etabliert hat und wir nunmehr die Folgen davon miterleben dürfen bzw. müssen. Was für uns über 60-Jährige aber kaum noch von großer Relevanz sein dürfte — was jene, die nicht an kommende Generationen denken, nun sicherlich erfreut.

Ich hatte bis zuletzt darauf gebaut, dass wir Europäische Föderalisten etwas anders mit unserer Welt und unseren Mitbürgern umzugehen pflegen — aber auch bei uns scheint sich eine Unlust breit zu machen.

Vermischtes

Meine heutige Fahrt mit dem meseno-Bus brachte einige neue Senklöcher auf der Autobahn, was bestätigen dürfte, dass wir Autobahn auch nicht mehr können. Erheiternd ein „Ersatzortsschild“, das an der Stelle eines ehemaligen Ortsschildes stand, aber den Namen dieses Ortes nicht preisgab. Ich vermute einmal, das hat eher etwas mit unseren Verkehrsregeln zu tun, wobei die allermeisten von uns nun nicht wissen dürften, mit welchen genau.

Morgen habe ich wieder Vorlesung, zuerst aber das inzwischen obligatorische Nichtkäffchen mit Detlef Stern. Was mich nun daran erinnert, dass ich im Laufe des Tages noch eine Vorlesung vorzubereiten habe. Es gibt durchaus unangenehmere Dinge, wie z. B. mein Hochschul-E-Mail-Konto: von den letzten drei E-Mail, die ich dort bekam, war eine ein Phishing-Angriff, die andere ein Verstoß gegen die DSGVO und die dritte ein Hinweis auf beides.

Was mich dann doch ein wenig traurig stimmt, denn es erinnert mich daran, dass ich inzwischen bereits mehr vergessen habe als viel zu viele überhaupt erst lernen werden. Man könnte versucht sein zu glauben, dass Intelligenz ein stark begrenztes Gut ist und je intelligenter die Gesellschaft als Ganzes wird, umso dümmer müssen deren einzelne Mitglieder werden — wohl deshalb vergesse ich in letzter Zeit so viel.

Gestern schwangen meine bessere Hälfte und ich noch kurz das Tanzbein, aber auch hier zeichnet es sich ab, dass selbst das Tanzen immer mehr aus der Mode kommt, wobei Tanzen sicherlich eine der wesentlichen Grundlagen aller menschlichen Gesellschaften ist.

Ok, sehen wir einmal davon ab, dass Menschen sich immer öfters den Umstehenden völlig unkoordiniert und losgelöst von jeglichen Tonsignalen in einer Art von Zuckungen auf einer Fläche präsentieren — manche dürften sich dabei noch an Friedrich Merz erinnern.

Tradition hin oder her, aber schon in der Steinzeit und wahrscheinlich bereits weit davor, hatte sich die Menschheit darauf geeinigt, was man gerade so noch als Tanzen verstehen kann. Wir lassen dafür demnächst unsere Roboter auf Festen für uns tanzen, so wie wir heute schon kleine Maschinen in Ringen aufeinander einprügeln lassen. Und da wir bald außer grunzen auch nicht viel mehr Konversation machen können, übernimmt das künftig für uns eine KI.

Unlust

Eine allgemeine Unlust scheint sich allerorten bemerkbar zu machen. Schon etwas länger vermute ich dies bei den Studenten meiner Vorlesungen, aber auch bei den Schülern, die ich im Zuge meiner Arbeit bei meseno erlebe.

Aber auch bei uns Bloggern macht sich Unlust breit. Zu meinem Erstaunen gab es von Detlef Stern gestern keine lange Woche, denn ich hatte nach den jüngsten Gespräche mit überhaupt keiner langen Woche mehr gerechnet.

Fast schon etwas verstörend der jüngste Blog-Beitrag von Live aus dem Rantgebiet, denn dort hat man offensichtlich auch nicht mehr so richtig Lust darauf, andere Blogger durch den Kakao zu ziehen.

Alternativ kann man einfach auch nur alles schön und gut finden, was meines Erachtens auf dasselbe hinausläuft. Passend dazu findet mein aktueller Lieblingsbock nur noch alles wunderbar, zumindest sämtliche Kanzler der Bundesrepublik.

Deswegen fragte ich mich gestern Abend sogleich das Folgende: Was will der Lama mit dem Gewehr?

Pawo Choyning Dorji machte bereits 2023 daraus einen ganzen Spielfilm namens „The Monk and the Gun“. Harry Einhorn als Waffensammler Ron Coleman kommt im gesamten Film nicht mehr aus dem Staunen heraus und hält zum Schluss auch noch einen leicht überdimensionierten Phallus in Händen. Tandin Sonam zeigt als Benji, dass man auch ehrlich miteinander umgehen kann und Tandin Wangchuk rundet als Mönch Tashi das ganze Geschehen ab.

Eigentlich geht es im Film aber um die erste demokratische Wahl in Bhutan 2008. Trotz Bemühens aller Verantwortlichen haben die Bhutaner im Film wohl keine so rechte Lust dazu. Auf alle Fälle aber ist Bhutan seither und dies bis heute eine konstitutionelle Monarchie.

Nachtrag 28.4.2026

Erfreulich, ein Leser hat mir bei meinem um die Ecke Denken folgen können; Donald Trump nennt dies ganz staatsmännisch „weaven“. Wobei er wohl so gut darin ist, dass selbst ich ihm dabei nicht mehr so richtig folgen kann. Man könnte aber auch meinen, dass seine Hirnwindungen nicht mehr so ganz richtig funktionieren — was mich wieder an eine uralte Aussage seiner eigenen Mutter denken lässt.

Für das Gewehr bekam ich eine Rückmeldung. Und so lege ich mit einem Artikel der New York Times nach. Wobei es mich schon etwas wundert, dass die „Attentate“ auf den US-Präsidenten immer zu richtigen Zeit für ihn kommen.


Fediverse Reactions