Europaaktionstag

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Beitragsfoto: Europaaktionstag | © Konstantin Kümmerle

Spaziergang

Mit der U-Bahn ging es in die Münchner Innenstadt und von dort zu Fuß aus durch die Stadt bis nach Schwabing und durch den Englischen Garten wieder zurück. Da zwei meiner Lieblingscafés nicht mehr zu finden waren, erfreuten wir uns einfach an einem neuen Café direkt am Viktualienmarkt. Da das Wetter gut war, wurde auch noch ein Biergarten aufgesucht — mit etwas Glück fanden wir sogar noch einen Platz.

Die Innenstadt selbst war sehr gut besucht, was keinen verwundert, da die Stadt insgesamt sehr sauber ist und attraktive Geschäfte wie auch Lokale zuhauf vorhanden sind. Selbst eine etwas größere Demonstration, die erst am Stachus begann und zum Schluss noch bei uns am Café vorbeimarschierte, ergänzte das städtische Gesamtbild, anstatt die Menschen abzuschrecken — es waren auch keine wilden Bauern, Montagsmarschierer, Neo-Nazis oder Kalifat-Beschwörer, sondern einfach nur Bürger, die auf ein berechtigtes Anliegen aufmerksam machten.

Derweil informierten Freie Wähler-Kandidaten in Heilbronn darüber, wie wir Heilbronn wieder attraktiver machen wollen — wenn es nach mir ginge, mit etwas mehr Ordnung und Sauberkeit und vor allem mehr Transparenz in städtischen Angelegenheiten, denn wenn Unordnung und Misswirtschaft im Rathaus vorherrschen, verkommt jede Stadt.

Zum Abend hat uns der Älteste noch ins Donisl am Marienplatz entführt. Er wusste dabei nicht, dass ich dessen Geschichte noch in bester Erinnerung hatte. 1984 machte der Wirt selbst im Spiegel Schlagzeilen und wie es eine kurze Recherche ergab, hatten dessen Wirte auch 2023 noch nicht sehr viel dazugelernt. Was dem Ganzen aber keinen Abbruch tat, denn der Ochsenbraten war in Ordnung; für mich persönlich hätten aber Knödel den Braten besser abgerundet als die servierten Kartoffeln. Der Abend war dennoch ein Genuss, was aber eindeutig an den beteiligten Personen lag.

So schön es auch sein mag, manchmal etwas in der Erinnerungen zu schwelgen, das echte Leben findet hier und jetzt statt. Sehr nett auch die Bemühungen der Jugend, mich durch München zu führen. Aber so schnell ändern sich Städte nicht und ich war dort bereits unterwegs, als die besagte Jugend noch nicht einmal ein Augenzwinkern war.

Auf alle Fälle aber war es ein wunderbarer Münchenaufenthalt und man muss zudem anerkennen, dass sich die Welt insgesamt ständig verbessert, auch wenn man es selbst nicht wahrhaben möchte.

Nachtrag

Auch wenn ich das Café Extrablatt nicht mehr gefunden habe, denn bereits 1998 hatte sich auch München weitergedreht, geht mir jetzt die Konstantin Wecker Musik zu Kir Royal nicht mehr aus dem Kopf.

Über die entsprechende Sendung habe ich schon mehrfach geschrieben und die Protagonisten waren auch dieses Wochenende ein Thema — die Jüngeren kennen sie nur noch vom Hörensagen, aber manche davon doch noch aus Funk und Fernsehen, wenn nämlich der ÖRR auch wieder etwas nostalgisch wird oder diese VIP ihre Renten aufbessern müssen.

40 Jahre

Dieses Jahr schaffte ich es, meinen Ältesten in unserer gemeinsamen Alma Mater zu besuchen. 1984 hatte ich dort mein Studium aufgenommen. Dieses Jahr wird Maximilian dort sein Studium beenden. Meine erste Unterkunft, ein altes Luftwaffengebäude, war tatsächlich noch vorhanden. Leider meine spätere Studentenbude nicht mehr. Diese wurde wohl vor ein paar Jahren von einem neuen Gebäude ersetzt, welches inzwischen ebenfalls wieder neu gebaut werden müsste. Manche der alte „Sternanlagen“, die damaligen Neubauten, waren tatsächlich noch vorhanden, allerdings in einem sehr jämmerlichen Zustand. Meine Kameraden, die damals dort als erstes einzogen, werden dennoch erstaunt darüber sein, dass es diese Gebäude heute überhaupt noch gibt. Mein Ältester wohnt allerdings in einem neuen Gebäude am anderen Ende des Campus, welches kaum 5 Jahre alt, ebenfalls schon wieder auseinanderfällt.

Was den Zustand der Bundeswehr weiterhin ganz gut erklären kann. Unsere Steuermilliarden werden hauptsächlich dafür verwendet, damit sich ein paar erlauchte Mitbürger dumm und dämlich verdienen können. Landesverteidigung geht anders!

Europaaktionstag

Es gab in den letzten Jahrzehnten gleich mehrere Versuche, den Treffpunkt Europa zu kopieren. Der wohl gelungenste ist der Europaaktionstag in Stuttgart, der sich auch heute noch halten kann. Zum Unterschied zu Heilbronn wird dieser vom Staatsministerium unter Beteiligung weiterer Landesministerien sowie den Vertretungen des Europäischen Parlaments und der Kommission in München ausgerichtet und durch die Stuttgarter Stadtverwaltung und die Mehrheit im Gemeinderat mitgetragen, wobei diese auch nicht darauf schauen, wo sie selbst Profit aus diesem Tag ziehen können.

Auch wenn der Europaaktionstag zumindest bisher nicht den Charme des Treffpunkts Europas entwickeln konnte, ist es rundweg eine sehr gelungene Veranstaltung. Und so macht es uns Heilbronnern von der EUROPA-UNION Spaß, diesen Tag in Stuttgart zu unterstützen. Auch wenn ich dieses Mal vorzeitig aus Stuttgart wegmusste, war der Tag ein gelungener Start in das Wochenende.

Kaum drei Stunden später durfte ich in Unterhaching ein neues Restaurant kennenlernen. Gut bürgerliche griechische Küche, die sich sehr wohltuend von sehr vielen griechischen Restaurants in Deutschland unterscheidet. Das Setting des Restaurants namens Mythos vor allem im großzügigen Außenbereich sehr mediterran, was gerade beim aktuell guten Wetter vor Ort bestens zur Geltung kam.


Kaiserstraße | © Shutterstock

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Kaiserstraße | © Shutterstock

Amüsement

Mein Gang durch die Innenstadt sorgt auch hin und wieder für ganz nette Erinnerungen. Vor allem bei gutem Wetter gibt es jüngst eine Heilbronner Kneipe, vor der sich verstärkt gebrauchte Nobelkarossen versammeln und deren vermeintliche Besitzer amüsiert zuschauen, wie sich Fußgänger, Rad- und Rollerfahrer sowie Kinderwägen abmühen, um nicht auf die Straßenbahnschienen ausweichen zu müssen.

Bereits in den 1980er-Jahren gab es eine Münchner Kneipe namens Extrablatt, in der sich die Nobelkarossenbesitzer dabei amüsierten, für jeden Strafzettel oder gar ein abgeschlepptes Auto eine Flasche MOËT & CHANDON springen zu lassen.

Der Unterschied zu Heilbronn ist, dass es sich in München um sehr attraktive Neuwagen mit sehr spendablen Besitzern handelte, und auch das Ordnungsamt täglich vorbeischaute und Strafzettel verteilte.

Das Münchner Spektakel erfreute damals die Passanten, die Gäste, den Kneipenbesitzer, das Champagnerhaus und uns Steuerzahler, die Heilbronner Kopie außer mir — der an eine schöne Zeit erinnert wird — wohl nur die Kneipengäste, welche ganz offensichtlich zu geizig sind, um Parkgebühren zu zahlen.

Gestern Nachmittag — ich kann es mir einfach nicht verkneifen und muss es erwähnen — haben wir beim Spazieren das Ordnungsamt gesehen. Sie waren dieses Mal im Auto unterwegs, und in der Zeit, wo wir sie einsehen konnten, haben die „Beamten“ gut 10 Ordnungswidrigkeiten, wie parken in der Fußgängerzone, blockieren von Gehwegen und fehlende Masken, übersehen. Man kann vermuten, dass sie eine Prämie für jedes Mal wegschauen erhalten, und deshalb, mit dem Auto unterwegs, ihre Quote erhöhen.

Aufreger

Manche Menschen sind einfach gleicher als die anderen, und das wird wohl schon immer so gewesen sein — überall auf der Welt und auch bei uns hier in Heilbronn. Regelmäßig wird es auch publik und eine kleine Aufregungswelle rollt durch das Land. Ein oder zwei Aufreger in der Zeitung und alles geht wieder seinen gewohnten Gang.

Rentner

Heute startet mein Schwager Dan Schaffer einen neuen Lebensabschnitt, nämlich den eines Rentners. Dabei erinnere ich mich noch ganz genau daran, wie er mir einst sein Mobile home, das irgendwo in der Pampa Ohios stand, vorführte. Nur ein paar Jahrzehnte und etliche Veränderungen später, ist er nun in der Eifel heimisch, wobei diese getrost ebenfalls als Pampa bezeichnet werden darf. Der große Vorteil für mich ist dabei, dass man anstatt des Flugzeugs nun die Bahn oder das Auto nutzen kann.

Und da er weiterhin den Pfadfindern sehr verbunden ist, wird es ihm bestimmt nicht langweilig werden.

„Old age ain’t no place for sissies.“

Bette Davis, an ihrem 70. Geburtstag (Nachruf in der Newsweek 1989)

Hände | Geld | Kleingeld

Auf den Punkt gebracht 5 (4)

Beitragsfoto: Kleingeld | © Pixabay

Mario Adorf hat die Quintessenz der heutigen Bundespolitik bereits in den 1980er-Jahren für alle gut verständlich formuliert: „Ich scheiß Dich sowas von zu mit meinem Geld …” Nur eins haben selbst die damaligen Autoren schon nicht so richtig verstanden, nämlich dass der vermeintliche „Geldscheißer“ dabei meist nicht sein eigenes Geld verwendet, sondern nur die Kunst beherrscht, das Geld anderer Leute möglichst „pressewirksam“ für die eigenen Zwecke zu verwenden.

Fernsehserie aus den 1980er-Jahren

Da ich zu dieser Zeit einen guten Kumpel im Café Extrablatt in München hatte, war der Start ins abendliche München für meine Kameraden und mich kaum ein Problem. Und so war es auch ganz normal, dass wir regelmäßig die Fernsehserie „Kir Royal“ mit großem Vergnügen anschauten. Selbstverständlich gehörte damals das entsprechende Getränk zu einem ganz normalen sonntäglichen Frühstück mit dazu; und es musste auch nicht zwingend ein Sonntag sein, und schon gar nicht ein Frühstück. Allerdings haben wir uns dies alles auch jeden Tag aufs Neue selbst verdient!

Gut dreißig Jahre später erinnere ich mich wieder sehr gut an die Worte von Mario Adorf und zwar bei jeder Nachrichtensendung oder einem Blick in die Zeitung. Die Bundesregierung und mit ihr auch alle Landesregierungen überschlagen sich nur so mit Angeboten an fast jeden von uns — es scheint keine Grenzen mehr zu geben.

Dieses Mal sollten wir dabei aber bedenken, dass es sich ausschließlich um unser eigenes Geld handelt, welches uns möglichst pressewirksam „in den Hintern geschoben“ werden soll; ganz im Gegensatz zum damaligen Angebot von Generaldirektor Heinrich Haffenloher, der zumindest für sich in Anspruch nehmen konnte, dass er selbst auch etwas zu diesem auszugebenden „Vermögen“ beigetragen hat, aber auf jeden Fall belastete er nicht zukünftige Generationen mit seinen Ausgaben.

Leider passt das Ganze auch sehr gut zu einem Blog-Beitrag, den ich bereits im März diesen Jahres unter dem Titel „Tagespolitik“ geschrieben habe. Und wir werden zudem auch kurz- bis mittelfristig keine wesentlichen Änderungen in der Politik erwarten dürfen, denn so lange das „Schneeballsystem“ läuft, gibt es kaum jemanden, der dagegen ernsthaft opponiert. Und so lange die meisten hoffen dürfen, dass sie nicht selbst das bittere Ende erleben müssen, so lange werden sie auch jeden wählen, der diesen Weg als die einzig gangbare Alternative preist. Offensichtlich die Leitungslösung für alle Baby Schimmerlos dieser Republik.

Ich hingegen möchte meine Mona nicht verlieren und suche gerne nach gangbaren Alternativen. Auch wäre es mir auf jeden Fall viel lieber, wenn ich zumindest die Möglichkeit bekäme, zwischen Alternativen wählen zu dürfen!

This planet has – or rather had – a problem, which was this: most of the people living on it were unhappy for pretty much of the time. Many solutions were suggested for this problem, but most of these were largely concerned with the movement of small green pieces of paper, which was odd because on the whole it wasn’t the small green pieces of paper that were unhappy.

Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy (1979)