Kinobesucher

18.5.02026 4.6 (9)

Beitragsfoto: Kinobesucher | © Amit Kumar auf Pixabay 

Vermischtes

Michael Kalina schreibt heute übers Schreiben und über Software. Ein etwas nerdiger Beitrag für Blogger und Softwareentwickler, wobei ich nun auf die morgige Stellungnahme von Detlef Stern gespannt bin. Was mich nun wieder daran erinnert, dass ich noch eine Vorlesung vorzubereiten habe. Sobald man sich selbst daran erinnern muss, sollte man auch einmal darüber nachdenken, ob es überhaupt noch erinnerungswert ist — die Welt dreht sich beständig weiter.

Heute bin ich noch auf einen Beitrag von Matt Sephton gestoßen, der eine schon etwas ältere Diskussion zwischen Detlef Stern und mir wohl rein zufällig weiterführt: „Fits on a Floppy“ (April 2026).

Passend zu meiner Zersiedelungserfahrung sind die hoffnungslosen Bemühungen unserer Politiker mit Unsummen an Steuergeldern Hightech-Jobs in den neuen Bundesländern zu schaffen. Laut Spiegel kostet so ein Job rund eine Million Euro. Und da wir dafür die notwendigen qualifizierten Arbeiter aus China, Indien oder Afrika herbeischaffen müssen, zeigen wir den dort lokal verbliebenen Einwohnern wie überflüssig sie eigentlich sind und fordern sie regelrecht dazu auf, jene Parteien zu wählen, die jedem Deppen einen geeigneten Job zu verschaffen versprechen.

Und da diese Parteien nur an ihren Versprechen gemessen werden und bei einer erfolgreichen Wahl nie liefern werden müssen, haben die Totalitaristen bei einem solchen Wettbewerb eindeutig einen Startvorteil: wir werden dies 2026 in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern sehen können.

Es gibt Gründe, warum sich die DDR 40 Jahre halten konnte, schon alleine weil die dort verbliebenen Staatsbürger es genau so wollten. Wenn wir die neuen Länder retten wollen, müssen wir entweder mit diesen zusammen eine ehrliche Politik umsetzen — auch wenn es sehr weh tut — oder den verbliebenen Ostdeutschen ausreichend Neubürger zur Verfügung stellen, damit sie weiterhin versorgt sind. Tief im Innern wissen dies die „Ossis“ schon sehr lange und wollen wieder in die DDR oder einen anderen Totalitarismus zurück, der ihnen wenigstens das Denken erspart.

Den vielen denkenden, erfolgreich arbeitenden und im Osten verbliebenen Mitbürgern muss dies alles sehr weh tun! Demokratie ist schwierig und schmerzt meist auch noch richtig, das wissen wir „Wessis“ schon sehr lange — zumindest die denkenden Exemplare. Wir wissen aber auch, zumindest bis dato noch, dass es keine vernünftigen Alternativen dazu gibt.

Heute Morgen war ich wieder mit dem meseno-Bus unterwegs. Der Bus war randvoll getankt. Ob einer der Fahrer meine Blog-Beiträge liest? Eigentlich auf der Strecke nichts Neues, die Brücke zum künftigen Weltzentrum der IT nimmt so langsam Formen an. Der Neubau einer Mehrzweckhalle überdeckt die damit einhergehende weitere Zersiedelung unseres Landes.

Seit Jahrzehnten nimmt unsere Bevölkerung ab, sämtliche Zuzüge verlangsamen diese Entwicklung nur ein klein wenig, aber auch nur dort, wo die Lebensverhältnisse günstiger sind als in der ostdeutschen Pampa. Man könnte nun versucht sein, dieser Entwicklung verantwortlich zu begegnen und die Infrastruktur entsprechend anzupassen — was meist den Rückbau bedeutet. Man könnte dies positiv mit einem notwendigen Renaturieren kombinieren und begleiten.

Wir betonieren aber lieber die letzten verbliebenen attraktiven Flecken in unserem Land zu und machen aus jedem halblebigen Dorf nun eine scheintote Stadt. Selbstverständlich erwarten wir dabei, dass nun auch der letzte Misthaufen einen eigenen Autobahnanschluss, Feuerwehr, Polizei und Krankenhaus erhält. Selbst jene Bürger, die in ein abgelegenes Bergdorf ziehen, erwarten kurz darauf, dass der nächste Flughafen keine fünf Minuten entfernt ist. Und wenn die Politik nicht sofort liefert, wählt man wieder die Nazis, denn jeder Depp weiß, dass die die Autobahnen erfunden haben.

In der Zwischenzeit hat es meine bessere Hälfte nach Biberach geschafft und konnte dort eine Preisverleihung vornehmen — die kleinen Künstler waren begeistert. Den entsprechenden Artikel stelle ich spätestens morgen online.

Kinoabend

Gestern Abend bin ich kurz entschlossen in den zweiten Teil von „The Devil Wears Prada„ (2006). Ich fand den ersten Teil amüsant und glaubte damals, dass er die Oberflächlichkeit unserer Welt ganz gut aufzeigt. Ich fand dabei, dass Meryl Streep, die mir in „Kramer vs. Kramer“ (1979) und „Sophie’s Choice“ (1982) ganz gut gefiel, auch in oberflächlichen Rollen gut sein kann. Sehr wahrscheinlich sah ich den Film auf einem Flug in die USA, was ihn sicher attraktiver machte als er es auf dem Boden gewesen wäre; manche kennen noch den Tomatensafteffekt.

Im zweiten Teil übertraf sie sich selbst, so wie der Film noch an Oberflächlichkeit zunehmen konnte. Selbst die vermeintlichen Tiefen strotzen nur so davon. Dafür konnte sie mich zuvor in „Julie & Julia“ (2009) und in „Don’t Look Up“ (2021) wieder etwas mehr begeistern.

Das einzige Bemerkenswerte heute im Film war, dass David Frankel, der auch für diese kaum sehenswerte Fortsetzung verantwortlich zeichnet, mindestens je ein echtes Wrack aus der Musik-, der Mode-, der Sport- und der Laufstegindustrie vor die Kamera bekam — was dem Film auch nicht besser macht.

Um mich ein wenig zu erholen, habe ich mit „What We Did on Our Holiday“ (2014) nachgelegt. Andy Hamilton and Guy Jenkin schufen eine nette Komödie — ganze 95 Minuten Entspannung pur. Rosamund Pike gefällt mir dabei zum ersten Mal so richtig gut — Komödien dürften ihr einfach besser liegen.

Frankenbahn

Nun ist es amtlich. Es wird weniger Verbindungen von Heilbronn nach Stuttgart geben. Auch im Abschnitt Heilbronn – Würzburg hat sich nichts gebessert.

Als Befürworter von Stuttgart 21 hatte ich mich im Vorfeld kundig gemacht und mich dazu auch noch bei meinen Volksvertretern rückversichert. Heute muss ich nun akzeptieren, dass, zumindest was die Frankenbahn betrifft, die S21-Gegner recht behalten haben.

Traurig dabei, dass sich seit 2005, als ich mich in meiner Funktion als Kreisvorsitzender begann mit dem Thema auseinanderzusetzen, keine positive Veränderung abzeichnet — dies sind nun auch schon 21 Jahre. Noch trauriger, dass mich dabei unsere regionalen Volksvertreter eigentlich nach Strich und Faden belogen haben. Einzig und alleine als einmal ein Zwischenhalt in Lauffen gefährdet war, haben sich ein oder zwei Abgeordnete ein klein wenig engagiert. Bei den jeweiligen Abstimmungen im Bundestag (Bundesverkehrswegeplan) und wohl auch im Landtag stimmten sie anders ab als sie es ihren Wählern im Vorfeld versprachen.

Inzwischen bin ich so alt, dass mich selber weder die Frankenbahn, schon gar nicht mehr die Gäubahn, noch Stuttgart 21 betreffen. Was bleibt ist der bittere Nachgeschmack, dass man sich auf seine Volksvertreter nicht verlassen kann. Ich weiß, es gibt immer und bestimmt auch weiterhin sehr positive Ausnahmen, nur ändert das überhaupt nichts am Gesamtergebnis!

Dies könnte mit ein Grund dafür sein, dass sehr viele Deutsche immer demokratiemüder werden, und dabei haben wir 1945 bereits auf einem sehr niedrigen Niveau begonnen.

Eine kleine Anmerkung am Rande: da Heilbronn bereits in den 1980er-Jahren sehr schlecht bahntechnisch angebunden war, musste ich als Nah- und vor allem als Fernpendler schon alleine deswegen meinen Hauptwohnsitz von Heilbronn wegverlegen.

Vor ein paar Jahren bin ich mit der Familie wieder voll und ganz nach Heilbronn zurückgekehrt. Meine beiden Söhne haben in Folge davon versucht, ebenfalls von Heilbronn aus zu pendeln, erst zum Studium und später dann zum Beruf — vergeblich. Das einzig Spannende dabei ist, dass ich ihnen im Vorfeld bereits sagen konnte, wo sie mit der Bahn hängen bleiben werden — nicht weil ich über hellseherische Kräfte verfüge, sondern einfach nur, weil sich in gut vierzig Jahren nichts verändert hat; das ist wohl der Konservatismus auf den wir in Baden-Württemberg so mächtig stolz sind.


Fediverse Reactions
Stuttgart 21

Lichtaugen 4.9 (8)

Beitragsfoto: Zeitungsausschnitt

Bereits seit Jahren verfolge ich das Projekt Stuttgart 21, früher aus persönlichem Interesse, weil ich damals hoffte, schneller an den Flughafen zu gelangen und heute eher, um gute Beispiele für meine eigenen Vorlesungen zu bekommen. Dabei hätte ich es schon damals™ wissen müssen, dass ich höchstens in meinen Spätjahren und dies auch nur ggf. in den Genuss eines Schienenausbaus kommen werde.

Heute wissen wir es ganz genau, dass das mit der Gäubahn erst in Jahrzehnten etwas werden wird, deren Fortführung, die Frankenbahn, nicht einmal mehr und dies trotz aller politischen Versprechungen der letzten Jahrzehnte angedacht ist und eine zeitgemäße Anbindung Heilbronns an den Flughafen in Stuttgart schon alleine mangels Interesse meiner Heilbronner Mitbürger ebenfalls nicht kommen wird.

Und ob das mit der den Ausbau begründenden europäischen Magistrale etwas werden wird, wage ich inzwischen zu bezweifeln, weil die Bayern daran mit beteiligt sind und dort Schienenprojekte nur gelingen, wenn sich Regierungsmitglieder dabei gesund stoßen dürfen. Auf den Nordzulauf des Brenners werden noch unsere Urenkel vergeblich warten, wobei nicht einmal die Weiterführung der Strecke von Ulm nach Augsburg gesichert ist.

Und selbst wenn in ein paar Jahrzehnten der Streckenausbau gelingen wird, steht es in den Sternen, ob die Bahn das mit dem Deutschlandtakt überhaupt hinbekommen wird. Leider dient die Bahn weiterhin nur dazu, um ein paar „systemrelevante Mitbürger“ der Deutschland AG reich zu machen — und so sind die Fahrgastzahlen auch nur dann von Interesse, wenn diese die variablen Vergütungen der Bahnvorstände erhöhen.

Dies alles schmälert mein Interesse am Projekt Stuttgart 21 aber nicht und ich gucke regelmäßig nach dessen Fortschritten. Wer nicht selbst Baustellenführungen mitmachen kann, der findet gleich zwei von mir gerne empfohlene YouTube-Kanäle, das S21Bau.TV und das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm.

Inzwischen befinden sich die sogenannten Lichtaugen des Tiefbahnhofs in ihrer Fertigstellung und spätestens jetzt stellt sich mir die Frage, wie die Stadt Stuttgart oder gar die Bahn sicherstellen wollen, dass keine Wilden diese Lichtaugen zu Sonnendecks umfunktionieren, die Glasscheiben zertrümmern oder gar Gegenstände durch die Lüftungsschlitze auf die Bahnsteige werfen?

Wie wir es auch hier sehen werden, wenn eine Projektplanung von Anfang an schief läuft, dann wird das Projekt bis zu seinem Abriss (Neudeutsch: Rückbau) in ein paar Jahren allen Beteiligten weiterhin sehr viel Spiel, Spaß und Spannung bereiten. Ganz nach dem bekannten Werbemotto: „Ein bisschen Spaß ist immer drin. Lass Dich überraschen. Gemacht, um die Welt zu überraschen.

Wer jetzt an Ostern denkt, der kennt meinen Humor bereits ein wenig.


Tiefbahnhof

19.10.02024 5 (5)

Beitragsfoto: Tiefbahnhof

Stuttgart 21

Im Gegensatz zu den Neckarschleusen wird der Stuttgarter Eisenbahnknoten, ob nun digital oder nicht, nach gut drei Jahrzehnten bald ein halbwegs versöhnliches Ende finden. Die Gäubahn soll nun doch in ein paar weiteren Jahren gerettet werden, ganz im Gegensatz zur Frankenbahn, die nicht einmal mehr in den Vorträgen Erwähnung findet — wer möchte schon in den Norden Württembergs bzw. nach Franken gelangen?

Auf alle Fälle aber konnte ich mir gestern einen guten Eindruck über den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof verschaffen — richtig beeindruckend! Auch wenn ich diesen Bahnhof inzwischen nicht mehr als Berufspendler benötige, wird es sicherlich eine Freude sein, wenn man später einmal dort ein- und wieder ausfährt.

Glaubensfrage

In Afrika ist der Genuss von alkoholischen Getränken schon längst geregelt, denn selbst eine Flasche Bier wird erst am Tisch geöffnet. Bei uns ist der Genuss von Wein, Bier und anderen Spirituosen weiterhin eine Glaubensfrage. Vor ein paar Jahren habe ich mich bereits etwas detaillierter zum Whisky geäußert und bin auch heute noch davon überzeugt, dass man bei uns einen etwas besseren Wein gut kennen muss, um ihn auch in einem Restaurant genießen zu können.

Gestern wollte ich einen gelungenen Abend noch mit einem Glas Moët & Chandon beenden. Als der Schichtführer des Restaurants unsere erstaunten Gesichter bemerkte, versuchte er noch schnell nachzusteuern und präsentierte uns neue Gläser; deren Inhalt mich eher an einen Asti Spumante erinnerte — damit war der Abend endgültig im Eimer.

Lustig, dass er sich dann auch noch über das zu geringe Trinkgeld mokierte, wobei ich dabei nur den Preis für zwei nicht getrunkene Gläser Champagner „abzog“.

Apropos Glaubensfrage, etwas erstaunt war ich am Morgen, als ich erfuhr, dass es Berufsschulklassen gibt, wo angehende Banker noch Religion büffeln müssen; einmal davon abgesehen, dass die meisten der Schüler Muslime oder Atheisten sind. Wobei deren wichtigstes Anliegen nicht eine sinnvollere Ausbildung, sondern einfach nur eine Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich war.

Auszeit

Den 67. Bundeskongress der EUROPA-UNION in Stuttgart nutze ich für eine kleine Auszeit. Das Ganze wird mir durch ein paar sehr erfreuliche Restaurantbesuche versüßt. Bereits am Donnerstag konnten meine bessere Hälfte und ich mit ein paar Berliner Föderalisten speisen, wobei einige von uns das hervorragende Wiener Schnitzel im Carls Brauhaus wählten.

Am Folgetag sicherten wir uns einen Platz in der Alten Kanzlei; dort überzeugte mich der Sauerbraten. Den geschmacklichen Höhepunkt des Tages stellte allerdings das Malo sicher, dessen Beef Tatar mich richtig erfreute, gleich gefolgt von einem selbst gemachten Lava Cake zum Ende des Abends.

„Whether you lock yourself in a monastery or decide to spend the rest of your life in the company of beautiful and lascivious women, you always have to face the same percentage of stupid people — which percentage (in accordance with the First Law) will always surpass your expectations.“

Carlo M. Cipolla, The BAsic LAws of Human Stupidity (2011: 26)