Fahrradständer

4.10.02025 4.3 (7)

Beitragsfoto: Fahrradständer

Überraschung

Jüngst noch eine der zubetoniertesten Städte Deutschlands (an siebter Stelle!), darf sich Heilbronn nun ganz offiziell als Europas grüne Hauptstadt 2027 bezeichnen. Wahrscheinlich weil wir demnächst ein Gaskraftwerk mit gleich zwei Kesseln und einen davon im Dauerbetrieb bekommen — seit wir eine neue Regierung haben, ist russisches Gas der ultimative Umweltschutz, sogar noch vor der Braunkohle. Vielleicht aber auch nur, weil bei uns das mit dem gelben Sack und dem sonstigen Recycling besonders gut funktioniert [Sarkasmus] und man zudem davon träumt, dass es einmal eine Seilbahn durch die Stadt geben wird.

Besonders würdigte die Jury in Vilnius Heilbronns konsequenten Weg zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Dabei wäre es in unserer Stadt üblich, den Wandel nicht nur von oben zu gestalten, sondern uns Bürger aktiv zu beteiligen — ich hoffe jetzt nicht, dass uns die Jury, wie sonst so nördlich des Weißwurstäquators üblich, mit Hanau verwechselt hat.

Aber das mit unserer Wasserqualität hat mich nun ganz besonders gefreut, denn dann müssen wir zukünftig nicht mehr den Bodensee mit leer pumpen, was tatsächlich einmal eine Leistung wäre.

Nachtrag 5.10.2025

Heilbronn konnte die Jury davon überzeugen, dass sie über die nationalen Standards hinausgehende Umweltziele verfolgt und dies weit besser als die anderen noch verbliebenen Kandidaten Debrecen und Klagenfurt.

Die zwölf 12 Indikatoren des Wettbewerbs für eine grüne Stadt sind:

  • Innovation und nachhaltiges Wirtschaftswachstum – Unterstützung grüner Start-ups, Kreislaufwirtschaft, grüne Beschaffung.
  • Luftqualität – Maßnahmen zur Senkung der Luftverschmutzung, Einhaltung von EU-Grenzwerten, Verbesserung der Atemluft.
  • Wasserqualität und -verbrauch – Zugang zu sauberem Trinkwasser, effiziente Wassernutzung, Schutz von Gewässern.
  • Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft – Recyclingquoten, Müllvermeidung, nachhaltige Entsorgung.
  • Abwasserbehandlung – Kläranlagen, Sauberkeit von Flüssen, Seen und Küstengewässern.
  • Lärmmanagement – Reduktion von Verkehrslärm und anderen Lärmemissionen.
  • Grünflächen und Biodiversität – Anteil öffentlicher Grünflächen, ökologische Korridore, Schutz bedrohter Arten.
  • Klimawandel – Minderung (Mitigation) – Maßnahmen zur Senkung von Treibhausgas-Emissionen (CO₂-Bilanz).
  • Klimawandel – Anpassung (Adaptation) – Strategien gegen Hitzewellen, Hochwasser, Starkregen.
  • Nachhaltige urbane Mobilität – Förderung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr, Elektromobilität.
  • Energieeffizienz – Effiziente Nutzung von Strom und Wärme, Anteil erneuerbarer Energien.
  • Umweltmanagement und Governance – Integration von Umweltzielen in Stadtplanung, Monitoring, Bürgerbeteiligung.

Die Bewertungskriterien sind:

  • Bisherige Leistungen: messbare Fortschritte in den letzten Jahren.
  • Aktuelle Maßnahmen: politische Programme, Budgets, Umsetzungsstand.
  • Zukunftsplanung: realistische, ambitionierte Ziele für die kommenden 10 – 20 Jahre.
  • Bürgerbeteiligung: Transparenz, Bildung und Partizipation der Bevölkerung.
  • Vorbildwirkung: Potenzial, anderen Städten als Modell zu dienen.

The Kill Room

Aktuell sind es Komödien, die mir etwas mehr zusagen und so gönnten wir uns einen Film mit Uma Thurman, die mir bereits seit „Kill Bill“ (2003 / 2004) gefällt. Nicol Paone brachte diesen sehr unterhaltsamen Film bereits 2023 in die Kinos. Joe Manganiello gefiel mir dabei als Künstler Bagman mit seiner dunklen Seite am besten. Zu Uma Thurman muss ich nichts Weiteres sagen, denn das hat bereits Matthew Maher als Nate ganz gut hinbekommen.

Auch die Nebenrollen sind ziemlich gut besetzt, ganz besonders hat mir dabei Larry Pine gefallen. Auf alle Fälle sind die 98 Minuten Film keine Zeitverschwendung, sondern eine sehr gute Ablenkung vom Alltag — für Seneca dürfte es dasselbe sein.

Vermischtes

Heute gab es ein etwas anderes Europäisches Frühstück [kleiner Insider], bevor wir uns auf den Weg nach Stuttgart machten. Höhepunkt des Tages war dann der Besuch bei unserem Jüngsten, der ein hausgemachtes Tiramisu kredenzte. Ganz ohne Frage, Tiziana hat nun ernsthafte Konkurrenz bekommen.

Schon länger habe ich keinen Wahlkampf mehr für die CDU gemacht. Die Umstände und die aktuelle Kandidatin machen dies für mich aber alternativlos. Es gibt zwar eine Alternative, die tatsächlich auch von völlig falsch abgebogenen CDUlern unterstützt wird, letztendlich aber keine ist. Den dabei völlig falsch Abgebogenen gebe ich zu bedenken, dass man als Parteisoldat nicht wirklich alles, was keinen Anstand besitzt, auch wählen muss — da haben diese Typen wirklich etwas in den falschen Hals bekommen.

Wer sich wegen des obigen Fotos wundert, ich war auch etwas überrascht, als ich das Auto abstellen wollte. So etwas wird man in der European Green Capital 2027 sicherlich nicht vorfinden, denn bei uns fährt man mit dem Wohnmobil oder dem SUV zum Eisholen durch die Fußgängerzone.

Das Leben geht weiter mit und ohne einen selbst, wie im Kleinen so auch im Großen. Leben gab es vor uns Menschen und wird es sicherlich auch nach uns noch geben. Ob wir dabei eine glorreiche Rolle spielten oder auch nicht, wird die Nachwelt entscheiden und dies auch nur für den Fall, wenn es diese dann überhaupt interessiert.

Und so konnte ich mich wieder einmal nicht so ganz erholen, weil ich nicht vollständig aus bestimmten Entscheidungsprozessen ausgeklinkt sein möchte. Zumindest menschliches Leben ist Kommunikation und der kann man sich bekanntlich nur durch den eigenen Tod entziehen. Also muss ich gucken, wie ich am Ball bleibe — dabei einfach nur in der Ecke zu sitzen und Bauklötze zu staunen, hat sich bei mir nicht so richtig bewährt, dafür sind die introvertierteren Exemplare besser geeignet.

Meine bessere Hälfte und ich wollten gerade in ein Auto steigen als zwei Mopeds, die kurz zuvor an uns vorbeigefahren waren, zurückkamen und uns in ein Gespräch verwickelten. Zwei ehemalige Mesenos freuten sich, uns erblickt zu haben. Manchmal kann das Leben einfach und schön sein.


Smart City

Smart City 5 (4)

Beitragsfoto: Smart City | © Tumisu auf Pixabay

Es gibt in Deutschland 81 Großstädte, davon vier mit mehr als einer Million Einwohner. Und es gibt den Smart City Index, den der Digitalverband Bitkom in diesem Jahr zum sechsten Mal erhoben hat. In diesem Jahr sind es sogar 82 Städte, eine mehr als noch im Vorjahr, da Hanau den Status einer Großstadt erreicht hat. Drollig dabei ist, dass, als ich noch beruflich im Norden unterwegs war, man mein Heilbronner Nummernschild stets mit dem von Hanau verwechselt hat.

Man kann von solchen Indizes und vor allem auch von solchen Verbänden halten was man will, wenn man selber darin mit aufgeführt wird, ist das Interesse dann doch vorhanden, zumindest etwas — ich führe solche Indezes deshalb gerne unter Eigenwerbung (für den Herausgeber).

2022 war der Smart City Index schon einmal Thema hier im Blog, nicht aber weil Heilbronn dort den 53. Platz von 81 Teilnehmern belegte, sondern weil unsere Verwaltung selbst auf den zweiten Platz im Ranking kam, was fast dazu führte, dass die Heilbronner Stimme eine Sonderausgabe herausgebracht hätte.

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst wird im Index 2024 nun wie folgt zitiert: „Wir sehen teilweise große Sprünge nach vorn bei einzelnen Städten. Das zeigt: Jede Stadt kann eine echte Smart City werden. Ein gutes Zeichen ist auch, dass sich unter den Bestplatzierten nicht nur die ganz großen Metropolen finden.

Interessant dabei ist, was Wintergerst dabei unter Metropole versteht, von denen Deutschland gleich mehrere haben soll — wahrscheinlich bezieht er sich dabei auf eine Einteilung aus dem 19. Jahrhundert.

Eine weitere Erkenntnis aus dem Index ist, dass Städte aus Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen im Schnitt besonders gut sind, wobei es Freiburg (Platz 6), Stuttgart (7) und Ulm (10) gelang, um unter die ersten zehn zu kommen.

Städte in Baden-Württemberg erreichen im Mittel 74,1 Punkte. Zum Vergleich München (Platz 1) erzielte 88,3 Punkte. Auch lägen Landeshaupt- und Universitätsstädte über dem Durchschnitt.

Das richtig Spannende am Index ist aber, dass die Heilbronner Verwaltung ihren zweiten Platz an München verloren hat und damit Heilbronn insgesamt in keinem Themenbereich mehr unter den ersten zehn Städten zu finden ist.

Gut, dass wenigstens mit Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart und Ulm dennoch weitere baden-württembergische Städte unter den Top 10 zu finden sind, was übrigens ganz gut das „Smart“ (besonders bei Künstlicher Intelligenz) in Baden-Württemberg abdeckt und dem Index tatsächlich ein wenig Seriosität verleiht.

Was meine Heimatstadt anbetrifft, habe ich gemischte Gefühle, denn wir haben uns im Vergleich zu 2022 vom 53. Platz nun mit 71,9 Punkten auf den Platz 38. Platz hochgearbeitet und liegen nun zwischen Bielefeld und Wuppertal. Sind aber, was zumindest Baden-Württemberg anbelangt, weiterhin eine bildungsmäßig unterdurchschnittliche Stadt.

Übrigens Hanau belegt Platz 81 noch vor Salzgitter (Platz 82), dem diesjährigen Schlusslicht deutscher Großstädte.

Immerhin ist aber Heilbronn, was das Themengebiet „Verwaltung“ angeht, weiterhin mit dem dortigen Platz 14 die Spitze der unterländischen Hightech. Beim Themengebiet „IT und Kommunikation“ belegen wir den 70. Platz, was ich im Gegensatz zum Themengebiet „Verwaltung“ selbst auch nachvollziehen kann.

Was mich erneut davon überzeugt, dass man eine Stadt alleine mit blankem Trumpismus, Festen und Feiern nicht zukunftsfähig machen kann!


Schwimmbad

Heilbronner Badespaß 5 (1)

Beitragsfoto: Schwimmbad | © Pixabay

In meiner Jugend wurde Heilbronn, gerade von Menschen aus Norddeutschland, gerne mit Hanau verwechselt, weil diese Mitbürger unsere Stadt nicht kannten und folglich das Nummernschild „HN“ der Stadt Hanau zuordneten.

Beginnend mit der BUGA, wohl aber eher seit wir regelmäßig in allen Medien als COVID-19 Ausnahmegebiet Erwähnung finden, muss man sich um die Bekanntheit unserer Stadt wohl keine Sorgen mehr machen; man könnte dies sogar ausbauen und uns als das deutsche Ischgl bewerben. Beim Schnee können wir zwar nicht mithalten, aber mit unseren Kneipen egalisieren wir dieses Manko ohne Weiteres — und dem Après-Ski wird schon länger eine höhere Gewichtung zugesprochen.

So kam es letztes Wochenende dazu, dass Freunde von außerhalb die Gunst der Stunde nutzten, um sich die Stadt mit der höchsten COVID-19 Inzidenz einmal genauer anzuschauen und sich dabei selbst über die möglichen Gründe ein Bild zu machen.

In der anschließenden Diskussion kamen schnell Bildung und fehlendes bis mangelhaftes Sozialverhalten der Bewohner zur Sprache, aber auch die offensichtlichen Mängel an städtischen Kontrollen.

Neu für mich war dabei die Beobachtung, dass sich am Wochenende etliche Jugendliche über die Zäune Zutritt zu den Heilbronner Bädern verschafft haben. Das erklärt auch die Berichte von Schwimmern, dass an den Becken kaum bis keine Schwimmbänder mehr vorhanden, obwohl die Becken nicht hinreichend belegt waren. Ich vermute hier, dass die Schwarzbader diese Bänder für Eintrittsbänder halten und einmal ergattert, nicht wieder zurückgeben.

Diese Beobachtung erklärt nun aber auch, warum ich in den letzten Jahren immer wieder vollbekleidete Personen im Außenbecken des Soleos beobachten und mir bisher keinen Reim daraus machen konnte.

Unabhängig davon, wie man zum Schwarzfahren oder -baden steht, ist es gerade in der heutigen Situation tatsächlich eine Frage von Leben und Tod, denn kein Schwimmer geht davon aus, dass er sich das Becken und die Beckenränder bzw. Liegewiesen mit Dutzenden junger Menschen teilt, die über keine vorherigen COVID-19 Testung verfügen und damit potentielle Super-Spreader sind.

Und wie damals in Ischgl ist Ignoranz und fahrlässiges Wegschauen keine gute Lösung!

Was kann man machen?

Ab sofort teilt man in allen Heilbronner Bädern bei der Zutrittskontrolle die Armbänder aus, die seit ein paar Jahren im Soleo zur Zeiterfassung verwendet werden. Und sobald ein Badender über kein solches Band verfügt, wird er aus dem Bad verwiesen. Zumindest solch eine Kontrolle sollte unserer Stadtverwaltung die Gesundheit von uns Heilbronnern wert sein!

„Es ist eine andere Welt, in der man zwischen »Freiheit« und »Freizeit« nicht unterscheiden kann, »Gesellschaft« sagt und »Zielgruppe« meint, von einem »Konzept« spricht und nicht einmal eine »Idee« besitzt, von einer »Idee« spricht und nicht einmal einen Einfall hat.“

Roger Willemsen, Deutschlandreise (2012 [2002]: 69)