Kuckucksuhr (1999)

Kuckucksuhr 5 (1)

Das Highlight des Tages ist die Rückkehr meiner Kuckucksuhr aus der Wartung. Nach gut 22 Jahren Betrieb hatte sie vor Kurzem ein wenig geschwächelt, was mich zum Blog-Beitrag Millennium-Bug veranlasst hat und zudem dazu, dass ich mit dem Hersteller, der Firma Hönes, Verbindung aufnahm, um die Uhr wieder in Schuss zu bekommen.

Keinen Monat später hängt die Uhr jetzt wieder an der Wand und lässt alle halbe Stunde von sich hören; ihr zumindest mich beruhigendes Tick-Tack muss ich mir leider aber weiterhin nur vorstellen — das hängt daran, dass auch ich nach all den Jahren etwas schwächele und das mit der Wartung bei den Uhren eindeutig besser funktioniert. Damit auch Sie sich eine Vorstellung von meiner Uhr machen können, stelle ich hier ein kurzes Video zur Verfügung.

https://youtu.be/Jo29UmWXGU4?t=90

Auch hatte ich es bereits in einem Microblog-Beitrag erwähnt, dass meine bessere Hälfte bei der Abholung mit dabei war, sonst hingen jetzt gleich zwei Uhren an der Wand. Denn die Firma Hönes wartet nicht nur ihre älteren Uhren, sondern produziert auch weiterhin jedes Jahr neue Kuckucksuhren. Und so ist die Auswahl an Kuckucksuhren inzwischen so immens, dass auch Uhren mit dabei sind, die selbst jenen gefallen dürften, die man sonst mit Kuckucksuhren jagen könnte. Zugegebener Maßen bin auch ich nicht der typische Kuckucksuhren-Liebhaber und bevorzuge die etwas schlichteren Regulatoren. Dann aber fasziniert mich doch wieder eine Kuckucksuhr, so wie diese aus dem Jahr 2006.

Kuckucksuhr der Firma Hönes (2006)

Meine bessere Hälfte zog mich so schnell von der Uhr wieder weg, dass ich nicht einmal ein gutes Bild von ihr machen konnte, geschweige denn eine Chance hatte, um die anderen Uhren zu bestaunen.

Sollte das Wetter im Schwarzwald doch mal etwas ungemütlicher werden, dann ist man in einem dortigen Uhrenfachhandel sehr gut aufgehoben. Zumindest ich könnte dort meine Zeit gut und gerne verbringen.

Mein Tipp des Tages: Sie erreichen Titisee-Neustadt auch ganz bequem mit der Bahn. Und die Firma Hönes liegt gleich schräg gegenüber vom Bahnhof. Sie sollten allerdings vorher anrufen und ihr Kommen avisieren.

„Die Uhr steht still – | Steht still! sie schweigt wie Mitternacht. | Der Zeiger fällt | Er fällt! es ist vollbracht.“

 Johann Wolfgang von Goethe, Faust II 

Beitragsfoto: Winterlandschaft | © Pixabay

25.1.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Winterlandschaft | © Pixabay

Baulückenkataster

Bei der Rückfahrt entdeckte ich dann, dass Heilbronn nun auch ein eigenes Baulückenkataster hat. Dieses Baulückenkataster soll dem im Baugesetzbuch verankerten Grundsatz, mit Grund und Boden sparsam und schonend umzugehen und insbesondere Maßnahmen zur Innenentwicklung, zur Wiedernutzbarmachung und Nachverdichtung von Flächen zu nutzen, dienen.

Das ist doch schon mal eine erfreuliche Nachricht, und wenn man dies mit einem nachhaltigen Infrastrukturkonzept verbinden kann, sicherlich auch ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Das Baulückenkataster kann jetzt jeder im Geodatenportal der Stadt Heilbronn einsehen. Und wenn nicht die Heilbronner, ob betroffen oder auch nicht massiv schriftlich widersprechen werden, dann könnte dieses Kataster sicherlich eine sehr gute Informationsquelle werden.

Manche von uns erinnern sich vielleicht noch an den Zirkus, den wir in Heilbronn veranstaltet haben, als Google sein Street View auch bei uns erstmals anbieten wollte.

Titisee

Heute konnte ich sehr gut das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Erst konnte ich meine Kuckucksuhr bei der Firma Hönes abgeben und erfuhr dabei, dass die Uhr in sechs bis acht Wochen wieder wie neu sei. Das ist doch eine ganz andere Hausnummer als beim zuvor angefragten Uhrenfachhandel, der von zwei bis drei Jahren „Reparaturdauer“ ausging.

Und da wir schon in der Nähe waren und die Sonne so schön schien, setzten wir uns für knapp zwei Stunden an den See — Sonnetanken und dies in völliger Ruhe, was möchte man an einem ansonsten nebligen Tag denn mehr?

© Bettina Kümmerle

Europäische Verfassung

Nachdem wir Europäischen Föderalisten schon Jahrzehnte lang eine europäische Verfassung fordern und auch fast einmal eine bekommen hätten (auch, wenn diese noch keinen Bundesstaat zum Ziel hatte), arbeiten erfreulicherweise ganz aktuell gleich mehrere „Parteien“ an einer solchen oder fordern diese zumindest immer vehementer.

So wird gerade von der Federal Alliance of European Federalists initiiert, eine europäische Bundesverfassung erarbeitet, und so konnte ich gestern bereits den 19. diesbezüglichen Fortschrittsreport einsehen.

Was mich dann aber doch ein wenig überrascht hat, ist die Nachricht, dass sich bereits am 21. Januar 2022 die Spinelli Gruppe nun auch ganz offiziell der Forderung von Unionsbürgern anschließt, die diese während der Konferenz zur Zukunft Europas erneut formuliert haben und nach einer europäischen Verfassung verlangt — wenn diese Gruppe ihrem Namen gerecht werden möchte, dann kann es sich hierbei ebenfalls nur um eine europäische Bundesverfassung handeln.

Es gibt bereits sehr unterschiedliche Verfassungsentwürfe, und so ist es besonders wichtig, dass ein größtmöglich legitimierter Verfassungskonvent eine nunmehr neue Verfassung für Europa schafft; diese sollte — nein, sie muss — eine bundesstaatliche Verfassung sein. Alles andere wäre viel zu kurz gesprungen und rettet unser Europa nicht.

Quartiersgarage

Der Neckarbogen soll nun doch eine Quartiersgarage erhalten, damit man das dortige Parkplatzproblem halbwegs in den Griff bekommt. Auch wenn ich die Idee von Quartiersgaragen für gut halte, vor allem dort, wo in älteren Stadtvierteln, wie z. B. in der Heilbronner Kernstadt kaum ausreichend Parkplätze für die Anwohner vorhanden sind, glaube ich, dass es gerade in Neubaugebieten besser, wenn nicht gar opportun wäre, von Anfang an für ausreichend Parkplätze zu sorgen. Dies hat man im Neckarbogen ganz bewusst nicht gemacht, wohl um die Baukosten für die Bauherren möglichst niedrig zu halten. Und jetzt wird mit Steuermitteln wieder einmal nachgebessert.

So wäre es doch eine gute Idee, wenn man schon in Heilbronn keine Markthalle möchte, dass man auch das Grundstück neben dem Rathaus mit einer ebensolchen Quartiersgarage bebaut. Zudem könnte man die Zehentgasse mit einer Quartierstiefgarage aufbessern; für solche Maßnahmen ist aber sicherlich kein Geld vorhanden. In der Kernstadt wohnen auch nur die ganz normalen Heilbronner — und noch kein Heilbronner Gemeinderat, zumindest 21 von ihnen, hatte an uns jemals wirklich ein Interesse; meine Erfahrung aus gut 50 Jahren.

Geburtstag des Tages

William Somerset Maugham


Kuckucksuhr

Millennium-Bug 5 (3)

Vor Kurzem schrieb man noch das Jahr 1999, und viele von uns beschäftigten sich mit dem Jahr-2000-Problem, oder wie es die damaligen Nerds so schön nannten, mit dem Y2K-Bug.

Für die etwas später Geborenen nur ganz kurz zum Verständnis: bis zu diesem Jahr war es allgemein üblich, die Jahreszahlen nur zweistellig zu schreiben. Und da Speicherplatz schon damals nicht nur teuer, sondern auch selten war, nutzten die Programmentwickler der 1970 bis 1990er-Jahre die Gelegenheit und programmierten ihre Jahresdaten ebenfalls nur zweistellig. Hinzu kam wohl noch, dass man bis Ende 1999 das allseits bekannte „00“ als Begrifflichkeit für ungültige Dateninhalte benutzte.

Und so wurden alle, die damals schon mit Computern und Software zutun hatten, spätestens zum Jahresende 1999 — was übrigens zeitgleich auch ein neues Jahrtausend einläutete — etwas aktiver als sonst üblich. Und diese ungewöhnliche „Hyperaktivität“ von Computer-Fachleuten wirkte sich so langsam aber sicher auch auf die gesamte Gesellschaft aus. So war es nicht ganz verwunderlich, dass damals Horror-Szenarien in allen Medien zu lesen und zu hören waren und auch der allseits so beliebte Nostradamus wieder einmal ausgegraben wurde.

Auch ich blieb von dieser Thematik nicht ganz verschont, weil wir unsere damaligen NATO-Einsätze ohne Computer gar nicht mehr denken konnten und so langsam aber sicher selbst die Karten durch GPS ersetzten. Und so kam es, dass mich die damaligen Einsätze und der Millennium-Bug bei einem Heimatbesuch zur Überraschung meiner besseren Hälfte zu einem wahren Prepper werden ließen — sie benötigte wohl die gesamten Nullerjahre, um mich wieder zu resozialisieren.

Und dieser Prepper wusste seine kostbare Familienzeit zwischen zwei Einsätzen nicht besser zu nutzen, als der Familie eine analoge Uhr zu schenken, die ihr den Wechsel ins kommende Jahrtausend vereinfachen sollte. Und da die Familie jüngst auch erst in den Schwarzwald gezogen war, bot es sich an, dass die Uhr auch eine Kuckucksuhr ist.

Das ist jetzt gut 22 Jahre her, und die besagte Kuckucksuhr lief bis gestern gänzlich ohne Probleme, überlebte das Heranwachsen zweier Jungen und einen Hund sowie gleich mehrere Umzüge mit zum Teil sehr robusten Umzugshelfern. Auch machten ihr der ein oder andere Klimawechsel nichts aus.

Und jetzt ist sie futsch — sie möchte einfach nicht mehr. Vielleicht ist ihr das ruhigere Leben einfach nur zu langweilig geworden. So habe ich sie nun wohl das erste Mal geöffnet und auf das Uhrwerk geschaut. Dann habe ich mich aber dagegen entschieden, selbst das Basteln anzufangen. Die Herstellerfirma konnte ich schnell ermitteln und freute mich, dass es diese sogar noch gibt.

Die Rückfrage bei einem lokalen Uhrmacher ergab, dass wir wohl zwei bis drei Jahre warten müssen, um die Uhr repariert zu bekommen — das nur mal so zum Thema Fachkräftemangel.

Deshalb baue ich jetzt voll und ganz auf den Service eines renommierten Uhrenherstellers aus dem Schwarzwald. Heute habe ich ihn angeschrieben und ihm mein Problem geschildert.

Jetzt bin ich selber einmal gespannt, wie sich diese Angelegenheit weiterentwickelt. Übrigens, der Millennium-Bug war dann doch keiner und hat nur dazu geführt, dass wir uns alle auch ganz neue Computer kauften.

Ich hatte diesen Beitrag noch nicht fertiggestellt, da bekam ich bereits diese E-Mail:

„Sehr geehrter Herr Kümmerle, gerne können Sie die Uhr bei uns vorbeibringen. Einen Kostenvoranschlag können wir aber erst machen, wenn wir die Uhr genau geprüft haben. Bitte rufen Sie vorher an, bevor Sie kommen, da wir noch wegen der aktuellen Situation in Kurzarbeit sind.“

So, jetzt muss ich meine bessere Hälfte nur noch für eine Fahrt nach Titisee-Neustadt gewinnen können. Und ich bin bereits gespannt darauf, wie schnell die Kuckucksuhrenfirma Hönes meine Kuckucksuhr wieder hinbekommt.

Und hier findet man das glückliche Ende der Geschichte …

„You know what the fellow said – in Italy, for thirty years under the Borgias, they had warfare, terror, murder and bloodshed, but they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci and the Renaissance. In Switzerland, they had brotherly love, they had five hundred years of democracy and peace – and what did that produce? The cuckoo clock.“

Orson Welles als Harry Lime in „The Third Man“ (1949)