Telefonzelle

Telekom 4.8 (5)

Beitragsfoto: Telefonzelle | © Acatana auf Pixabay

Dies ist eine Liebes-, Lebens- und Leidensgeschichte und könnte schon alleine deshalb heute einmal etwas länger werden. Wohin mich dieser Blog-Beitrag am Ende hintreibt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Meine Leser wissen es, ich schreibe spontan und dabei auch ohne doppelten Boden.

Auslöser dieses Beitrags sind meine gestrigen unvermeidbaren Telefonate mit sehr freundlichen Telekom-Mitarbeitern und der Besuch eines Telekom-Shops, wobei ich erneut das Glück hatte, auf den Shop-Verantwortlichen zu treffen, den ich wegen seiner Kompetenz und seines Engagements schätze.

Diese besagten Telefonate waren von mir so lange wie irgend möglich hinausgezögert worden, aber letztendlich notwendig, denn mein Telekom Media Receiver 401 war schon etwas länger kaputt, und wenn ich kaputt meine, da meine ich tatsächlich kaputt und zwar so richtig Telekom-tot. Und woher weiß ich dies überhaupt? Telekom-Kunden wissen, was ich meine, denn ich hatte zuvor nicht nur den Media Receiver mehrfach vom Netz genommen, sondern auch meinen Router x-mal neu gestartet und dazu noch sämtliche vorhandene Kabel und ganz besonders die Mesh-Geräte überprüft.

Treue Telekom-Kunden wissen aber jetzt ganz genau, dass Telekom-tot erst dann Telekom-tot ist, nachdem man das Ganze nochmals — mindestens einmal — zusammen mit einem freundlichen Telekom-Mitarbeiter durchexerziert hat.

Etwas Technik affinere Leser fragen sich jetzt sicherlich, warum denn überhaupt noch ein Telekom Media Receiver? Eine gute und völlig berechtigte Frage, die mir meine beiden Söhne schon seit Jahren stellen und ich schon sehr lange aufgegeben hatte, mich diesbezüglich mit der Telekom auseinanderzusetzen — einfach nur, weil die Telekom meint, dass man so etwas benötigt.

Also, mein Media-Receiver musste tot-gesprochen werden und ich griff zum Telefon und erreichte nach den üblichen Telekom-Bots, die es entgegen meiner besten Absicht wieder einmal schafften, mich zur Weißglut zu treiben, und ich nur den Bot-Test bestand, weil meine bessere Hälfte mit den notwendigen Unterlagen zur Stelle war, einen freundlichen Telekom-Mitarbeiter. Wer mit der Telekom kommuniziert, der benötigt Papier, alles andere ist hoffnungslos!

Der erste Mitarbeiter des Tages war sofort der richtige, denn das gemeinsame Tot-Sprechen ging für Telekom-Verhältnisse sehr schnell vonstatten. Auch hatte ich sehr schnell mein Ersatzgerät eingebucht.

Zu meiner absoluten Überraschung hatte ich nicht nur einen freundlichen, sondern auch einen qualifizierten Mitarbeiter an der Strippe. Im Gespräch gab er zu, dass man einen Media Receiver gar nicht mehr benötigte und ich, wie mit den anderen von mir benutzten Diensten auch ebenfalls nur ein entsprechendes Media Receiver App auf meinen Fernsehapparat einspielen müsste. Er bot mir sogar an, das Ersatzgerät nun zu stornieren.

Telekom-erfahren wie ich bin, einigte ich mich mit ihm darauf, dass ich zuerst das App installiere, gucke, ob es auch funktioniert und mich danach wieder an ihn oder einen seiner Kollegen wende, um das Ersatzgerät zu stornieren. Weiter wurde vereinbart, dass ich den alten Receiver persönlich beim Telekom-Shop abgebe, da ich dort unabhängig davon noch zwei weitere Mesh-Geräte kaufen wollte.

Keine 5 Minuten später lief mein Telekom-App und ich packte meinen Media-Receiver ein. Bevor ich mich auf den Weg zum Telekom-Shop machte, rief ich erneut bei der Telekom an und da die Unterlagen noch auf dem Tisch lagen, passierte ich den Telekom-Bot ziemlich schnell und erwischte den nächsten freundlichen Mitarbeiter. Wir waren uns sehr schnell einig, dass er den bestehenden Vorgang kannte und ich jetzt nur noch die Ersatzlieferung stornieren müsse. Er stornierte die Ersatzlieferung und machte mich dann darauf aufmerksam, dass ich von ihm noch Unterlagen benötige, um den alten Receiver beim Telekom-Laden abgeben zu können. Dann fragte er mich, ob ich einen Drucker zur Hand hätte und ich hätte es sofort wissen müssen! Kurz und gut, ich bejahte und er schickte mir per E-Mail einen QR-Code.

Im Telekom-Shop angekommen, erwischte ich sofort meinen Lieblingsmitarbeiter der Telekom und checkte gleich noch einmal die Verfügbarkeit eines schnelleren Internets ab und versicherte mich erneut darüber, dass ich informiert werde, sobald die Telekom in der Lage sei, um einen zeitgemäßen Internetzugang anbieten zu können. Leider muss ich mich weiterhin mit bis zu 50 MB abgeben, aber er versicherte mir, dass ich in ca. 2 Jahren die Chance auf einen Glasfaseranschluss bekommen könne.

Dann kaufte ich zwei Mesh-Geräte und gab meinen Media-Receiver ab. Dazu zeigte ich ihm den „benötigten“ QR-Code und er versicherte mir, dass dies nur dann nötig wäre, wenn ich den Media-Receiver bei der Deutschen Post abgeben wolle. Jetzt ergab die Nachfrage des freundlichen Mitarbeiters zuvor auch einen Sinn, denn dieser war wohl noch davon überzeugt, dass die Deutsche Post und die Telekom weiterhin ein und derselbe Laden sind und er kannte zudem wohl seine dortigen Kollegen und wusste deshalb ganz genau, dass die nur mit ausgedruckten QR-Codes etwas anfangen können.

Vom freundlichen Mitarbeiter des Telekom-Ladens erhielt ich auf alle Fälle eine schriftliche Eingangsbestätigung meines Altgerätes und die Versicherung, dass die Telekom und ich derzeit wieder voll und ganz auf einer gemeinsamen Welle reiten.

Heute Morgen erhielt ich dann eine freundliche SMS von der Telekom, dass mein neuer Media Receiver auf dem Weg zu mir wäre und ich wohl dank der Deutschen Post in einigen Tagen mit der Lieferung rechnen könne. Eine weitere SMS bittet mich darum, den Service der Telekom möglichst gut zu bewerten.

Solch einen Irrsinn kann man nur dann ertragen, wenn man wie ich seit Jahrzehnten mit der Telekom quasi verheiratet ist. Zugegebener Maßen hatte ich meine besten Zeiten, als ich noch beruflich bedingt mit anderen Telekommunikationsunternehmen zu tun hatte und noch heute laufen meine Server bei 1und1 oder Ionos, wie sich diese Firma wohl aktuell gerade nennt. Und so lange ich beruflich bedingt einen größeren Teil meines Einkommens monatlich an die Telekom überwies, war ich sogar einmal einer ihrer Premium-Kunden.

Angefangen hat diese Beziehung mit der heutigen Telekom als Zwangsehe, da man in den Anfangsjahren unserer Republik richtiger Weise davon ausging, dass Infrastruktur eine staatliche Aufgabe ist.

Zugegebener Maßen war die deutsche „Behördenverwaltung“ auch bei unserer Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß, um zumindest mit anderen Ländern noch mithalten zu können. Besser wäre es gewesen, man hätte das deutsche Behördensystem überarbeitet und dabei beständig reformiert. So aber hat man sich dazu entschieden, einen Teil unserer Infrastruktur nach dem anderen zu verscherbeln und damit ganz bestimmte Kreise reich zu machen.

Letztendlich hat man aber die Behörden nicht abgeschafft, sondern nur Firmen dazwischen geschaltet, wobei die größeren Firmen ihre Behörden-DNA weiterhin beibehalten durften.

Sämtliche Vorteile, die wir Bürger tatsächlich spüren, sind in erster Linie dem technologischen Fortschritt zu verdanken und nicht der Privatisierung von Infrastruktur. Die Privatisierung der Infrastruktur hat alleine nur dazu geführt, dass wir Bürger immer mehr dafür bezahlen müssen, diese nun an allen Ecken und Enden bröckelt und wir wahrscheinlich erst 50 Jahre später ein glasfaserbasiertes Internet haben werden, als es ursprünglich einmal von unseren damaligen zuständigen Behörden noch anvisiert war.

So bleibt die Hoffnung weiterhin bestehen, dass ich alt genug werde, um wenigstens die Technologie erleben zu dürfen, die man bereits in meiner Jugend entwickelt hatte. Inzwischen ist aus einer Art Zwangs- gar eine Vernunftehe geworden, denn wir wissen beide, was wir aneinander haben, und ich möchte mich auch nicht immer von Neuem an jemand erst wieder gewöhnen müssen. Und ab und zu komme ich sogar ins Schwelgen, z. B. wenn ich an meine Zeiten mit den Münztelefonen denke — wobei es sehr lange dauerte, bis die Telekom auch R-Gespräche konnte. Dann an mein erstes eigenes Festnetztelefon — eine Micky Maus — oder an meine vergeblichen Bemühungen bei der Telekom an mein erstes Mobiltelefon zu kommen, die war nämlich damals immer noch verstärkt auf dem A-Netz Trip und das war mir eindeutig viel zu teuer. Später dann meine beständigen Kämpfe, um auch wirklich den neusten Communicator zu bekommen oder aber mein erstes iPhone, wobei mir der Telekom-Mitarbeiter unbedingt ein Telekom-Smartphone aufschwätzen wollte. Was letztendlich dazu führte, dass ich mir seither meine eigenen Telefone kaufe.

Seit mir die Telekom im Vertrag auch RTL unterjubelt und mir zudem beständig weitere Sport- oder andere Schmuddel-Apps andrehen möchte, glaube ich nicht mehr daran, dass aus der besagten Vernunftehe noch eine Liebesheirat werden wird.

Wohl eher ist es inzwischen ein gegenseitiges Belauern, nämlich darüber, wer wen überleben wird. Meine Zeit auf Erden ist natürlich begrenzt, was man von Telekommunikationsunternehmen leider nicht behaupten kann. Zwar sind diese beim heutigen Stand der Technologie bereits heute völlig obsolet, aber das kümmert bei uns keinen, vor allem keine Entscheidungsträger.

Dabei wäre es doch so einfach, sogar europaweit könnte eine einzige Behörde mit maximal 150 Mitarbeitern sicherstellen, dass jeder Haushalt einen Glasfaseranschluss bekommt und mobiles Internet vollumfänglich zur Verfügung steht. Diese Behörde müsste nur entsprechende Unternehmen mit dem Bau und Unterhalt der Kabel und Masten sowie den Betrieb des Netzes betrauen. Wir Bürger bräuchten nur ein entsprechendes Gerät kaufen, das sich dann kostenfrei ins Internet einwählt; den „Betrieb des Internets“ bezahlen wir wie wirklich alle anderen Infrastruktursachen auch über unsere Steuern.

Aber dies wäre viel zu einfach, würde uns allen auch noch sehr viel Lebenszeit für wichtigere Dinge freisetzen und uns zudem sehr viel an Nerven ersparen. Alleine die Rückgabe und Ausbuchung des neuen Media Receivers wird mich bestimmt wieder einen halben Tag kosten!

So aber können wir davon ausgehen, dass, sobald die Mehrheit der Bevölkerung erkennt, dass man bestimmte Dinge tatsächlich nicht benötigt, unser Staat sämtliche Telekommunikationsunternehmen verstaatlicht, diese zu einer Monsterbehörde zusammenfasst und diese Monsterbehörde dann alleine in Deutschland durch 17 neu zu schaffende Superministerien reguliert.

Das wird dann dereinst sicherlich ziemlich viele Bürger erzürnen und die Entscheider werden dann auf die ganz neue Idee kommen und „das Internet“ privatisieren. Neue „Telekommunikationsunternehmen“ werden entstehen, die dann gegen Gebühren zwischen den kommenden Generationen und der Monsterbehörde vermitteln. Und den künftigen Bürgern bestimmt ganz nebenbei auch wieder einen ganz neuen Media Receiver andrehen wollen.

„Es gibt Revolutionen, die machen die Welt komplizierter, und es gibt Revolutionen, die machen die Welt einfacher. Und es gibt Revolutionen, die machen die Welt auf komplizierte Art einfacher. Dazu gehört das Telefon.“

Christian Kämmerling, Die Weltwoche (28.8.2003)

Strand

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Beitragsfoto: Strandspaziergang

Überraschung

Die Presse und die Social Media überschlagen sich in den USA, denn dort wurde erstmals ein (ehemaliger) Präsident offiziell u. a. wegen Landesverrat angeklagt. Donald Trump wird auch dies unbeschadet überstehen, aber zumindest hat man es in den USA wenigstens einmal versucht, Thomas Jeffersons Behauptung „all men are created equal“ Realität werden zu lassen.

Bei uns in Deutschland können die Nazis inzwischen gemäß aktueller Umfragen wieder als zweitstärkste Partei auftreten und jene Parteien, die diese zumindest halbieren wollten, beeilen sich jetzt, um wenigstens als künftige Koalitionspartner ins Gespräch zu kommen. Dabei sollte es uns allen doch klar sein, dass ein Ermächtigungsgesetz nicht lange auf sich warten lässt.

Die einzige Frage, die sich mir dabei stellt ist, wer wird Kanzler unter Wladimir Putins Gnaden werden? In den USA und auch bei uns in Deutschland geht es schon länger nicht mehr um links oder rechts, sondern nur noch darum, ob es wieder eine Verbrecherherrschaft geben wird. Und wie eine solche in Deutschland aussehen wird, wissen wir alle nur zu gut.

Bahnsteige

Noch vor kurzem hat man unter tosendem Applaus des Gemeinderates und auf unsere Kosten die Bahnsteige des Heilbronner Hauptbahnhofs auf Bimmelbahnniveau reduziert, nur um nun ein paar Monate später darüber nachzudenken, diese wieder — aber wohl nur temporär — auf ein bundesdeutsches Standardmaß zu bringen.

Das wird uns Heilbronner bestimmt wieder viel Geld kosten und dabei zu nichts führen, denn der Zug ist für Heilbronn schon längst abgefahren. Um dies noch zu unterstreichen plant man ein weiteres Straßenbahngleis vor dem Bahnhof ein, wobei man damit die Verkehrstüchtigkeit des Bahnhofs noch weiter einschränkt.

Eine verantwortungsvolle Stadtverwaltung und auch ein Gemeinderat mit dem Wunsch zur Gestaltung und Entwicklung unserer Stadt hätten sich schon längst darüber Gedanken gemacht, wie man die selbstverschuldete Abnabelung vom europäischen Bahnverkehr kompensieren kann.

Eine Idee wäre, das Wollhaus zu einem überregionalen Busbahnhof im Ganztagesbetrieb umzubauen und diesen dann noch mit der Stadtbahn zu verbinden.

Kleine Freude

Zum Abschluss meines diesjährigen Aufenthaltes durfte ich nochmals eine funktionierende Stadtverwaltung miterleben. In unserem Viertel stand erneut die Straßenreinigung an und bereits ab 6 Uhr morgens waren die entsprechenden Straßen von parkenden Autos befreit.

Als dann die Kehrmaschine kam, ging es ganz schnell, denn ein Nachbar hatte wohl verschlafen und sein Auto nicht weggestellt. Der Fahrer der Kehrmaschine machte einen Bogen um das Auto und kurz darauf — ein paar Sekunden später (!) — war schon ein Auto des Ordnungsamtes zur Stelle. Die junge Dame stieg aus, machte ein paar Fotos von besagtem Auto und stellte den Strafzettel aus. Der Nachbar kam zwar noch angerannt und wollte sich wohl entschuldigen, aber die Angestellte winkte ihm nur zu und fuhr der Kehrmaschine wieder hinterher — gute 60 Dollar kostet den Nachbarn der Spaß.

Bei einem kurzen Spaziergang konnte ich sehen, dass es noch gut vier weitere Sünder in der Nachbarschaft gab, nun alle mit einem entsprechenden Strafzettel ausgestattet. Wenn man dies nur auf das gesamte Viertel hochrechnet, dann haben sich die Kehrmaschine und die Dame vom Ordnungsamt bereits an diesem Tag wieder amortisiert — und die Straßen sind zudem blitzeblank.


Costa Mesa

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Beitragsfoto: Spaziergang in Costa Mesa

Kandidaten

Und ich dachte schon, dass mein diesjähriger Kalifornienaufenthalt unpolitisch sein wird. Urplötzlich befinde ich mich in einer Diskussion darüber, dass seegestützte Windkraftanlagen sämtliche Wale und Delfine töten würden. Darauf war ich nun nicht vorbereitet und froh darüber, dass ich diese Diskussion mit einem blauen Auge verlassen habe.

In meinem Bekanntenkreis gibt es Republikaner und die laufen sich jetzt schon für die Wahlen im November 2024 warm. Die heutigen Republikaner kann man am besten als Sammelbewegung beschreiben, die in Deutschland CDU, CSU, AfD, NPD, Reichsbürger, Montagsmarschierer und sonstige Schwurbler vereinen würde.

Bereits gestern wurden die jetzt schon 14 Kandidaten vorgestellt, die neben Donald Trump gegen Joe Biden antreten wollen. Ein Sammelsurium an Menschen, die bei uns von keiner einzigen Partei — die CSU vielleicht mal ausgenommen — aufgestellt werden könnte. Und alle mir hier bekannten Menschen freuen sich schon jetzt auf das Spektakel wie jeder einzelne von denen in den kommenden Monaten von Donald Trump öffentlich hingerichtet werden wird. In den Medien werden die ersten Vorkämpfe bereits schon beworben, und man kann sich das wie einst im Colosseum von Rom vorstellen — hoffentlich aber ohne echtes Blutvergießen.

Und nach eineinhalb Jahren medialer Schaukämpfe wird Donald Trump den Wählern als der neue alte Retter Amerikas und der gesamte Welt präsentiert werden — was ist nur aus der Grand Old Party geworden!

Abfalleimer

Es war schon öfters einmal Thema hier im Weblog, wobei man auch einmal Krähen und Tauben zumindest als Mitschuldige identifizierte. Und auch heute können wir in der Heilbronner Stimme lesen, dass die Vögel mit Schuld daran sind, dass es in Heilbronn sehr oft sehr unappetitlich aussieht.

Was mir besonders dann auffällt, wenn ich wie zurzeit durch saubere Straßen schlendere — leider nicht bei uns in Heilbronn. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Problematik von dreckigen Straßen und Plätzen nicht auf einen fehlende Anzahl oder gar die Beschaffenheit von Abfalleimern zurückzuführen ist, sondern einzig und alleine nur auf das Verhalten der Menschen, die diese Straßen und Plätze nutzen.

Und selbst wenn es in einer Stadt nur Dreckschweine geben sollte, dann könnte man dies durch Kontrollen und entsprechendes Sanktionieren schnell in den Griff bekommen. Als gutes Beispiel möchte ich Santa Ana aufführen, eine Stadt, die keine solch guten Voraussetzungen wie Heilbronn hat. Eine Stadt, die tatsächlich an allen Ecken und Enden zu kämpfen hat. Der große Vorteil von Santa Ana ist aber die Qualität des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung. Sämtliche Parkanlagen und Straßen werden kontinuierlich in Schuss gehalten und selbst in jenen Stadtteilen, deren Bewohner nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden.

Was mir dort ganz besonders gefällt ist die Straßenreinigung, welche beständig durch die Straßen fährt. Die Zeiten stehen fest und sämtliche Anwohner müssen vorab ihre Fahrzeuge entfernen. Hinter der Straßenreinigung fährt bei Bedarf ein Polizeiauto und verteilt dann einen Strafzettel nach dem anderen.

Und Obdachlose, die dort sicherlich bessere klimatische Verhältnisse vorfinden, können sich nicht festsetzen oder gar ihre eigenen Ecken bilden, welche die Bevölkerung dann meidet. Wie die Stadt dies genau handhabt und wo diese Menschen landen, kann ich als Besucher nicht feststellen, muss ich aber auch nicht, denn ich genieße als Gast die Ruhe und Ordnung.

In Santa Ana führen saubere Straßen und Plätze zu einem besseren Sicherheitsgefühl. Und dies garantiert wenig Leerstände und letztendlich ein angenehmes Miteinander.

Stadtzeitung

Es wäre einmal eine Erhebung wert, wie viele Heilbronner die Stadtzeitung kennen und vor allem wie viele diese auch regelmäßig lesen. Die Stadtzeitung ist das Amtsblatt der Stadt Heilbronn und wird mit jüngstem Ratsbeschluss weiterhin auch gedruckt aber nun zusammen mit der Heilbronner Stimme ausgeliefert. Bisher erfolgte die Verteilung zusammen mit dem kostenlosen Echo, der einzige Grund warum ich diese Form von Papierverschwendung noch in meinen Briefkasten legen lies.

Auch für die Verantwortlichen der Heilbronner Stimme war zum Schluss das Echo am Mittwoch nicht mehr attraktiv genug, und so mussten nun Stadtverwaltung und Gemeinderat reagieren. Leider aber wieder etwas zu kurz gesprungen, denn selbst die nun gerade verabschiedete Minimalversion der Papierausgabe (Auslage in den Bürgerämtern und als Beilage zur Heilbronner Stimme) soll nach den Wünschen von doch so einigen Gemeinderäten bereits einen Tag nach Beschlussfassung wieder aufgeweicht werden.

Traurig dabei ist, dass unsere „Entscheider“ gerne, viel und oft entscheiden, leider aber oftmals ohne sich vorab richtig kundig zu machen. Und so ist jetzt plötzlich auch die Rede davon, die Website der Stadt Heilbronn so zu ertüchtigen, dass diese zudem die Amtsblattfunktion mit übernehmen könnte — alleine dafür hat man in Heilbronn gut 30 Jahre benötigt!

Als Hintergrund für diese glorreichen Gedanken wird die besondere Bedeutung der Digitalisierung angeführt und uns Bürgern in der Heilbronner Stimme pressewirksam verkauft. In Wahrheit aber hätte sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag nichts geändert, wenn das Echo nicht eingestellt worden wäre. Der Beweis zu meiner Behauptung wird heute von vielen Gemeinderäten geliefert, die sich nun mit Ideen überschlagen, wo man die Stadtzeitung alles noch in der gedruckten Ausgabe auslegen lassen könnte.

Noch trauriger aber ist, dass die Macher der Stadtzeitung so unflexibel sind, dass sie auf Änderungen in der Zusammensetzung des Gemeinderats nicht reagieren können. Bis letztes Jahr konnten sich dort alle Fraktionen über Heilbronner Themen äußern, was auch erklärt, warum es vielen Gemeinderäten so wichtig ist, dass die Stadtzeitung eine möglichst große Verteilung erfährt. Wie schon gesagt, diese Gemeinderäte sollten sich besser vorab einmal schlau machen. Leider aber schmeißen diese mit Steuergeldern nur so um sich, wenn sie nur glauben, dass es ihnen selbst zum Vorteil gereicht.

Seit letztem Jahr gibt es neben den etablierten und anderen Fraktionen noch eine weitere etablierte und andere Gruppierungen ohne Fraktionsstatus. Das Problem für die Stadtzeitungsmacher dabei ist es nun, dass dies nicht mehr ins bestehende Layout der Stadtzeitung passt und so greift man auf die Behauptung zurück, dass nur Fraktionen das Recht hätten, sich in der Stadtzeitung prominent äussern zu dürfen.

Der OB lies jüngst mitteilen, dass gemäß Gemeindeordnung nur Fraktionen das recht auf Meinungsäusserung hätten und die anderen Gruppierungen froh sein müssten, wenn er diese ab und zu in der Stadtzeitung zu Wort kommen ließe.

Alternativ könnten sich doch die Fraktionen der Heilbronner Einheitspartei mit einer einzigen Spalte in der Stadtzeitung begnügen und die restlichen verfügbaren Spalten den Gruppierungen zur Verfügung stellen. Dies würde unterschiedliche Meinungen und damit die Meinungsvielfalt in der Stadtzeitung fördern, vielleicht ein Anreiz für viele Heilbronner doch noch von der Stadtzeitung Kenntnis zu nehmen.

Und wer jetzt neugierig auf die Stadtzeitung wurde, der kann diese hier „online“ finden.

„A lady once offered me a mat, but as I had no room to spare within the house, nor time to spare within or without to shake it, I declined it, preferring to wipe my feet on the sod before my door. It is best to avoid the beginnings of evil.“

Henry David Thoreau, Walden (2020 [1854]: 61)