Blick auf Heilbronn

10.5.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Blick auf Heilbronn

Perioden

Unsere Parlamente und Gemeinderäte werden traditionell alle vier bis fünf Jahre neu gewählt. Der Deutsche Bundestag wird dabei von Anbeginn alle vier Jahre neu gewählt. Dessen Legislaturperiode dauert in der Regel vier Jahre. Sie beginnt mit der Konstituierung des neuen Bundestages, der spätestens am 30. Tag nach der Bundestagswahl zusammenkommen muss. Mit dem Zusammentritt des neuen Bundestages endet die Wahlperiode des vorangegangenen Bundestages. 

Nun soll der Bundestag nur noch alle fünf statt alle vier Jahre gewählt werden, wobei sich die Parteien einig zu sein scheinen. Ich halte diese Änderung gerade in der heutigen Zeit für unangebracht und freue mich darüber, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine bin.

130 000

Erstmals soll Heilbronn über 130 000 Einwohner haben. Und so wie Heilbronn vor ein paar Jahrzehnten nur deshalb Großstadt werden konnte, weil die meisten Neubürger aus dem Ausland in die Stadt kamen, so wird auch diese neue Marke — welche übrigens keinerlei Bedeutung hat — nur wegen eines weiteren Zuzugs von Menschen meist aus Krisen- und Kriegsregionen überschritten.

Und dabei zeichnet es sich immer mehr ab, was übrigens nur ganz folgerichtig ist, dass die „bereits heimische“ Bevölkerung zur Minderheit wird. Um dies zu ändern, hätten wir Deutschen spätestens in den 1970er-Jahren massiv für mehr eigenen Nachwuchs sorgen müssen — was wir, egal wie der Staat auch das Kindergeld erhöhte — einfach nicht taten. Und wie die Heilbronner Stimme gestern bekannt gab, zieht es nun wohl zudem viele „heimische“ Heilbronner in die Randgebiete, und die Innenstadt selbst wird dabei immer internationaler — was ebenfalls nur folgerichtig ist.

Um künftig ein modernes und zeitgemäßes Heilbronn zu erhalten, müssen wir dringend an mindestens zwei Stellschrauben drehen. Erstens muss Bildung und Ausbildung für alle möglichst gleich zu erreichen sein — wir müssen die öffentlichen Schulen wieder in den Schwerpunkt und Fokus sämtlicher Bildungsbemühungen stellen und Bildungsverweigerung muss schleunigst sanktioniert werden.

Zweitens müssen wir den ebenfalls in den 1970er-Jahren begangenen strukturellen Fehler beheben und die Heilbronner Randgebiete endlich eingemeinden: Neckarsulm (26 000 Einwohner), Erlenbach (5 000 Einwohner), Weinsberg (13 000 Einwohner), Untergruppenbach (8 000 Einwohner), Flein (7 000 Einwohner), Talheim (5 000 Einwohner), Nordheim (9 000 Einwohner) und Leingarten (11 000 Einwohner).

Damit würde Heilbronn locker die 210 000er-Marke überschreiten und wäre nicht nur für professionelle Verwaltungsfachleute so langsam, aber sicher eine sehr attraktive Stadt, sondern könnte manche dringend notwendige Infrastrukturmaßnahme besser angehen, finanziert und in den Griff bekommen.

Und auch das Land könnte eine adäquate Schienenanbindung Heilbronns nicht mehr verhindern.

Parken

Ich gehöre zu jenen Heilbronnern, die, wenn sie in der Stadt mit dem Auto unterwegs sind, auch Parkhäuser nutzen. Und so mache ich immer wieder die unterschiedlichsten Erfahrungen, komme aber bis heute nicht umhin, mein Missfallen gerade gegenüber jenen Bürgern auszudrücken, die die gut 5 000 öffentlichen Parkplätze in Heilbronn wie der Teufel das Weihwasser scheuen und lieber minutenlang durch die Innenstadt kurven, um dort einem Anwohner einen kostenfreien Parkplatz wegzunehmen.

Am liebsten sind mir jene Heilbronner, die gleich in der Fußgängerzone oder gar auf sämtlichen Gehwegen parken und dies werden dank der blinden Mitarbeiter des Ordnungsamtes oder auch einer höheren Weisung der Stadtspitze von Jahr zu Jahr mehr. Selbst unsere wenigen Grünflächen sind inzwischen die optimalen Abstellplätze für Fahrzeuge aller Art. Und dabei haben wir doch schon die Neckarhalde verkleinert, damit man seine unnützen Fahrzeuge möglichst billig dauerparken kann.

Ganz Wagemutige stellen inzwischen ihre Autos zwischen den Straßenbahnschienen in der Moltkestraße ab und es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die ersten SUV die Treppen zur Harmonie erklimmen.

Vor Kurzem musste ich nach Bad Wimpfen und mir dort einen Parkplatz suchen. Den habe ich auch schnell gefunden, wobei ich nach dem Parken nur mein Kfz-Kennzeichen an einem Automaten eingeben musste und schon wieder weiterfahren konnte. So ein einfaches System könnte man ohne Weiteres bei uns in der gesamten Stadt einführen. Damit dürfte wohl das letzte Hindernis für notorische Parkplatzverweigerer wegfallen, denn was diese in anderen Städten hinbekommen, sollte ihnen auch in Heilbronn gelingen.


Moschee in Abu Dhabi

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Beitragsfoto: Moschee in Abu Dhabi | © Jörg Peter from Pixabay

Auch in Heilbronn gibt es Moscheen und zwar schon ziemlich lange. Diese wurden und werden von den meisten Heilbronnern aber nicht wahrgenommen, wobei viele Muslime selber gerne in einer Art Parallelgesellschaft leben und es sich dort inzwischen sehr bequem gemacht haben.

Manchmal versuchen sich Muslime mit ihrem Glauben in unsere Gesellschaft einzubringen, leider aber werden diese Versuche entweder falsch verstanden oder sie sind von Anfang an falsch gemeint. Hinzu kommt, dass türkische Flaggen vor Moscheen und lautes Wahlkampfgetöse für ausländische Diktatoren kaum dazu beitragen, dass in einer offenen Gesellschaft eine durchaus befremdliche und sicherlich auch sehr rückständige Religion Akzeptanz findet.

Ich selbst bin mit Türken aufgewachsen und habe noch heute türkische Freunde. Der sehr nette Nachbar von nebenan ist ein Türke, allerdings auch der weniger nette. Die meisten dieser türkischstämmigen Heilbronner sind Muslime. Und auch wenn es arabische und Balkan-Muslime in Heilbronn gibt, so wird der Islam in Heilbronn doch eher als türkisch wahrgenommen — diese Wahrnehmung wird u. a. von den besagten türkischen Flaggen, türkischen Ladengeschäften und türkischen Religionsbeamten in den Moscheen sicherlich nicht entkräftet.

Meine Auseinandersetzung mit dem Islam, zumindest mit seiner sunnitischen wie auch schiitischen Variante, konnten mich nicht von dieser Religion überzeugen und meine selbst gemachten Erfahrungen lassen mich stark daran zweifeln, ob Christen und Muslime tatsächlich an ein und denselben Gott glauben. Aber wir leben in einem Land der Religionsfreiheit und so darf jeder glauben, was wer möchte, allerdings nur so lange wie er sich mit seinem Glauben auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung befindet!

Nun aber wieder zurück zu der Moschee in Heilbronn — einer von mehreren. Diese war erneut Thema in Heilbronn und letzten Donnerstag wurde wieder einmal im Gemeinderat über einen entsprechenden Bauantrag zum Neubau der bereits an dieser Stelle vorhandenen Moschee abgestimmt. Und wie schon gesagt, es ging dabei nicht um den Islam an sich oder darum, ob sich dort eine Parallelgesellschaft etabliert (hat), die uns Heilbronnern noch sehr gefährlich werden könnte, sondern ob man der dort bereits etablierten Moscheegemeinde einen Neubau zugesteht.

Technisch betrachtet ging es um eine Genehmigung, dort ein etwas größeres Gebäude zu erstellen und dabei weniger Parkplätze vorzuhalten als es sonst bei Gewerbebauten üblich ist. Dies auch deshalb, weil die Moschee nicht nur Gebetsräume, sondern auch Ladengeschäfte und Schulungsräume beherbergt.

Diese Abstimmung im Gemeinderat wurde dort bereits im Vorfeld, wie auch bei doch so einigen Heilbronnern auch, zu einer Abrechnung mit dem von diesen empfundenen Islam im allgemeinen und der türkischen Parallelgesellschaft in Heilbronn im besonderen. Unabhängig davon wie ich selbst zum Islam stehe, haben mich diese Diskussionen erneut erschüttert, denn die dabei geäußerten Meinungen und Überzeugungen sind kaum besser als die von den übelsten muslimischen Fundamentalisten.

Was mich nun vermuten lässt, dass auch einige alteingesessene Heilbronner in ihrer ganz eigenen Parallelgesellschaft leben und nur noch getriggert von besonderen Ereignissen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, das sie selbst schon sehr lange nicht mehr verstehen oder gar noch verstehen wollen.

Am Donnerstag hat nun der Gemeinderat mehrheitlich den Bebauungsplan für die Moschee (Kulturzentrum) auf den Weg gebracht. Dazu gab es am Montag in den Fraktionen doch so einige Seelenmassagen und es wurde wieder einmal massiv vom Fraktionszwang Gebrauch gemacht. Die Freien Wähler hingegen haben es ihren beiden Stadträten frei gestellt, wie sie entscheiden — denn das ist genau das Prinzip der Freien Wähler!

Zu meinem Bedauern hat sich Eugen Gall gegen den Bebauungsplan entschieden, aber Herbert Burkhardt dafür. Und wie schon gesagt, es ging dabei um einen Bebauungsplan und nicht um die türkische Parallelgesellschaft in Heilbronn. Wenn die Baupläne nun wie gezeigt verwirklicht werden, dann ist das neue Gebäude ein städtebaulicher Gewinn.

Leider aber werden, wie wir es heute in der Heilbronner Stimme (29.4.2023: 28) lesen können, die Diskussionen weiterhin nur um fehlende Parkplätze und eine verstärkte Verkehrsbelastung geführt. Denn nachdem man der Moscheegemeinde seitens des Gemeinderats und der Stadtverwaltung jahrelang falsche Versprechungen gemacht hat, wohl nur deshalb, weil man vermutetet, dass die Gemeinde nie das Geld für einen Neubau zusammenbekommt, man jetzt dort nur noch einen Neubau verhindern kann, wenn man mit fehlenden Parkplätzen argumentiert. Ich hatte dies letztes Jahr bereits wie folgt kommentiert: Das hat auch etwas mit „Arsch in der Hose“ zu tun!

Und so wird das Thema Moschee, eigentlich Türken und vielleicht auch Islam, in Heilbronn weiterhin in den Hinterzimmern, den Fraktionsräumen und einigen Stammtischen heftig diskutiert werden. Besser wäre es, wenn man diese Diskussionen auch mit den betroffenen Mitbürgern führte! Und vor allem ganz transparent und damit zumindest von den interessierten Heilbronnern nachvollziehbar.

Dann bekäme man vielleicht sogar in der Weinsberger Straße nicht nur ein sehr attraktives Moscheegebäude und ein neues Kulturzentrum, sondern damit auch ein noch attraktiveres Stadtteilzentrum, das allen Heilbronnern — egal welcher Religionsanschauung auch immer — offen steht.

Und der dann auch deutsche Islam könnte zeigen, dass er locker mit den christlichen Religionen mithalten kann, sich für alle Menschen einsetzt und als Teil einer offenen Gesellschaft ein großer Gewinn für unser Land und unsere Stadt ist!

„What kind of a god is it that’s upset by a cartoon in Danish?“

Salman Rushdie, BILL MOYERS ON FAITH & REASON (23.6.2006)

Wollhausbrücke

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Beitragsfoto: Wollhausbrücke im August 2022

Technologieverständnis

Gerade wieder ganz aktuell, in Deutschland wird mit Steuermitteln und sonstigen Subventionen eine Technologie zur Marktreife gebracht und dann wundern sich plötzlich alle, dass die Technologieeigentümer diese nun erfolgreiche Technologie ins Ausland verscherbeln.

Und im Falle, dass das mit der neuen Technologie — auch hier kennen wir Beispiele — nicht funktioniert, müssen die Eigentümer nicht um ihre Gelder bangen, geschweige denn, dass sie in Haftung genommen werden — wir lassen uns Technologie und Forschung etwas kosten!

Zurück bleiben ein paar reiche Familien und Aktionäre, meist aber auch einige bald ehemalige Mitarbeiter, die zukünftig kein Auskommen mehr haben und deshalb mit weiteren Steuermitteln unterstützt werden müssen.

Die Gefahr dabei ist, dass damit unser Land langsam aber sicher ausgeplündert wird. Besser wäre es, wenn man Gewinne, die durch staatliche Transferzahlungen erst geschaffen wurden, entsprechend auch bis zu 100 % versteuert. Damit sichert man sich nicht nur einen Technologievorsprung, sondern auch die eigenen Arbeitsplätze.

Leerstände

Gut ist, dass sich auch die Heilbronner Stimme (28.4.2023: 24) erneut Gedanken darüber macht, wie man den Leerständen in der Innenstadt begegnen könnte. Thomas Zimmermann meint dabei, dass man Zukunfstkonzepte benötigt.

Auch wenn ich selbst immer und gerne innovative Konzepte begrüße und so manche neue Entwicklung wie das KAI in der Kaiserstraße mit Interesse verfolge, bin ich weiterhin fest davon überzeugt, dass eine Innenstadt mit den inhabergeführten Geschäften steht und fällt. Dazu selbstverständlich noch die üblichen Ketten zur Abrundung und ein paar völlig neue oder gar uralte Experimente, die dem Ganzen eine ganz eigene Identität verleihen — man weiß dann, dass man sich in der Heilbronner Fußgängerzone bewegt.

Leider weiß man dies heute nur noch, wenn man dort in der Heilbronner Fußgängerzone von Fahrzeugen aller Art überrollt oder angefahren wird, sich durch den Müll wühlt, der Trinker- und Bettlerszene an allen Ecken begegnet und nach seinem Kneipenbesuch — von denen es sehr viele gibt — vergeblich nach öffentlichen Toiletten sucht.

Ich behaupte, dass man sehr schnell wieder eine belebte und sehr attraktive Innenstadt bekommt, wenn man unsere Stadt wieder in einen vorzeigbaren Zustand versetzt und dabei auch für Ruhe und Ordnung sorgt. Dazu gehört, dass die Innenstadtbewohner spätestens ab 23.00 Uhr friedlich schlafen können. Wer länger brüllend durch die Straßen ziehen möchte, der kann gut und gerne auf die Hafenstraße oder andere dafür bestens geeignete Orte ausweichen, die für sich selbst einen attraktiven Teil der Stadt bilden.

Leider hört man auch von vielen Geschäftsinhabern, dass das Ordnungsamt völlig versagt — eine Beobachtung, die ich schon länger hier teile — und lieber Kunden und Anwohner vergrault als sich dem Pöbel zu stellen.

Wer sich in Heilbronn über Leerstände wundert, der muss erst gar nicht nach Zukunftskonzepten suchen, sondern erst einmal dafür Sorge tragen, dass unsere bestens ausgestattete und stets frischgeduschte Stadtverwaltung — weit über 3 000 Mitarbeiter und in Kürze mit einem Ratsbeschluss noch mehr — einmal damit anfängt, ihren originären Aufgaben nachzukommen.

Wasserkraftwerk

Das 1956 ans Netz gebrachte Wasserkraftwerk Heilbronn erzeugt mit seinen 1,7 Megawatt Kapazität weiterhin Energie für gut 3 000 Haushalte, ist aber für die Zeag Energie AG wohl kaum noch von Interesse; man kauft lieber Billigstrom von außerhalb und erhöht damit seine Gewinne.

Deshalb schaut man nun langsam aber sicher auf neue Verwendungsmöglichkeiten und so bringe ich einmal einen eigenen Vorschlag mit ins Spiel. Das Wasserkraftwerk passt bestens ins Portfolio der Experimenta, die gleich nebenan zu finden ist. Etwas aufbereitet, Kosten die die Zeag scheut, produziert das Wasserkraftwerk nicht nur weiter Strom, sondern zeigt der interessierten Öffentlichkeit darüber hinaus wie man Wasserkraft erzeugt. Noch ein paar Solarpanele aufs Dach und man kann dem Publikum sogar noch die Solarenergie exemplarisch vorführen.

Das Ganze wird noch durch die bereits vorhandene Fischtreppe ergänzt, die das Leben am Fluss und Ökologie mit ins Spiel bringt. Das Sahnehäubchen ist dann der Rechen vor dem Kraftwerk, der zeigt wie man Müll und sonstige Gegenstände aus dem Fluss entfernt. Und wenn man das Ganze noch zum absoluten Höhepunkt bringen möchte, packt man noch eine Blasenbarriere mit hinzu, deren Funktion man dann vom Café aus ganz gut beobachten kann.

Zumindest ich finde, dass dies sehr gut zur bereits bestehenden Experimenta passt und deren Kundenstamm weiter verbreitert und ausbaut.