Telefonzelle

Telekom 4.8 (5)

Beitragsfoto: Telefonzelle | © Acatana auf Pixabay

Dies ist eine Liebes-, Lebens- und Leidensgeschichte und könnte schon alleine deshalb heute einmal etwas länger werden. Wohin mich dieser Blog-Beitrag am Ende hintreibt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Meine Leser wissen es, ich schreibe spontan und dabei auch ohne doppelten Boden.

Auslöser dieses Beitrags sind meine gestrigen unvermeidbaren Telefonate mit sehr freundlichen Telekom-Mitarbeitern und der Besuch eines Telekom-Shops, wobei ich erneut das Glück hatte, auf den Shop-Verantwortlichen zu treffen, den ich wegen seiner Kompetenz und seines Engagements schätze.

Diese besagten Telefonate waren von mir so lange wie irgend möglich hinausgezögert worden, aber letztendlich notwendig, denn mein Telekom Media Receiver 401 war schon etwas länger kaputt, und wenn ich kaputt meine, da meine ich tatsächlich kaputt und zwar so richtig Telekom-tot. Und woher weiß ich dies überhaupt? Telekom-Kunden wissen, was ich meine, denn ich hatte zuvor nicht nur den Media Receiver mehrfach vom Netz genommen, sondern auch meinen Router x-mal neu gestartet und dazu noch sämtliche vorhandene Kabel und ganz besonders die Mesh-Geräte überprüft.

Treue Telekom-Kunden wissen aber jetzt ganz genau, dass Telekom-tot erst dann Telekom-tot ist, nachdem man das Ganze nochmals — mindestens einmal — zusammen mit einem freundlichen Telekom-Mitarbeiter durchexerziert hat.

Etwas Technik affinere Leser fragen sich jetzt sicherlich, warum denn überhaupt noch ein Telekom Media Receiver? Eine gute und völlig berechtigte Frage, die mir meine beiden Söhne schon seit Jahren stellen und ich schon sehr lange aufgegeben hatte, mich diesbezüglich mit der Telekom auseinanderzusetzen — einfach nur, weil die Telekom meint, dass man so etwas benötigt.

Also, mein Media-Receiver musste tot-gesprochen werden und ich griff zum Telefon und erreichte nach den üblichen Telekom-Bots, die es entgegen meiner besten Absicht wieder einmal schafften, mich zur Weißglut zu treiben, und ich nur den Bot-Test bestand, weil meine bessere Hälfte mit den notwendigen Unterlagen zur Stelle war, einen freundlichen Telekom-Mitarbeiter. Wer mit der Telekom kommuniziert, der benötigt Papier, alles andere ist hoffnungslos!

Der erste Mitarbeiter des Tages war sofort der richtige, denn das gemeinsame Tot-Sprechen ging für Telekom-Verhältnisse sehr schnell vonstatten. Auch hatte ich sehr schnell mein Ersatzgerät eingebucht.

Zu meiner absoluten Überraschung hatte ich nicht nur einen freundlichen, sondern auch einen qualifizierten Mitarbeiter an der Strippe. Im Gespräch gab er zu, dass man einen Media Receiver gar nicht mehr benötigte und ich, wie mit den anderen von mir benutzten Diensten auch ebenfalls nur ein entsprechendes Media Receiver App auf meinen Fernsehapparat einspielen müsste. Er bot mir sogar an, das Ersatzgerät nun zu stornieren.

Telekom-erfahren wie ich bin, einigte ich mich mit ihm darauf, dass ich zuerst das App installiere, gucke, ob es auch funktioniert und mich danach wieder an ihn oder einen seiner Kollegen wende, um das Ersatzgerät zu stornieren. Weiter wurde vereinbart, dass ich den alten Receiver persönlich beim Telekom-Shop abgebe, da ich dort unabhängig davon noch zwei weitere Mesh-Geräte kaufen wollte.

Keine 5 Minuten später lief mein Telekom-App und ich packte meinen Media-Receiver ein. Bevor ich mich auf den Weg zum Telekom-Shop machte, rief ich erneut bei der Telekom an und da die Unterlagen noch auf dem Tisch lagen, passierte ich den Telekom-Bot ziemlich schnell und erwischte den nächsten freundlichen Mitarbeiter. Wir waren uns sehr schnell einig, dass er den bestehenden Vorgang kannte und ich jetzt nur noch die Ersatzlieferung stornieren müsse. Er stornierte die Ersatzlieferung und machte mich dann darauf aufmerksam, dass ich von ihm noch Unterlagen benötige, um den alten Receiver beim Telekom-Laden abgeben zu können. Dann fragte er mich, ob ich einen Drucker zur Hand hätte und ich hätte es sofort wissen müssen! Kurz und gut, ich bejahte und er schickte mir per E-Mail einen QR-Code.

Im Telekom-Shop angekommen, erwischte ich sofort meinen Lieblingsmitarbeiter der Telekom und checkte gleich noch einmal die Verfügbarkeit eines schnelleren Internets ab und versicherte mich erneut darüber, dass ich informiert werde, sobald die Telekom in der Lage sei, um einen zeitgemäßen Internetzugang anbieten zu können. Leider muss ich mich weiterhin mit bis zu 50 MB abgeben, aber er versicherte mir, dass ich in ca. 2 Jahren die Chance auf einen Glasfaseranschluss bekommen könne.

Dann kaufte ich zwei Mesh-Geräte und gab meinen Media-Receiver ab. Dazu zeigte ich ihm den „benötigten“ QR-Code und er versicherte mir, dass dies nur dann nötig wäre, wenn ich den Media-Receiver bei der Deutschen Post abgeben wolle. Jetzt ergab die Nachfrage des freundlichen Mitarbeiters zuvor auch einen Sinn, denn dieser war wohl noch davon überzeugt, dass die Deutsche Post und die Telekom weiterhin ein und derselbe Laden sind und er kannte zudem wohl seine dortigen Kollegen und wusste deshalb ganz genau, dass die nur mit ausgedruckten QR-Codes etwas anfangen können.

Vom freundlichen Mitarbeiter des Telekom-Ladens erhielt ich auf alle Fälle eine schriftliche Eingangsbestätigung meines Altgerätes und die Versicherung, dass die Telekom und ich derzeit wieder voll und ganz auf einer gemeinsamen Welle reiten.

Heute Morgen erhielt ich dann eine freundliche SMS von der Telekom, dass mein neuer Media Receiver auf dem Weg zu mir wäre und ich wohl dank der Deutschen Post in einigen Tagen mit der Lieferung rechnen könne. Eine weitere SMS bittet mich darum, den Service der Telekom möglichst gut zu bewerten.

Solch einen Irrsinn kann man nur dann ertragen, wenn man wie ich seit Jahrzehnten mit der Telekom quasi verheiratet ist. Zugegebener Maßen hatte ich meine besten Zeiten, als ich noch beruflich bedingt mit anderen Telekommunikationsunternehmen zu tun hatte und noch heute laufen meine Server bei 1und1 oder Ionos, wie sich diese Firma wohl aktuell gerade nennt. Und so lange ich beruflich bedingt einen größeren Teil meines Einkommens monatlich an die Telekom überwies, war ich sogar einmal einer ihrer Premium-Kunden.

Angefangen hat diese Beziehung mit der heutigen Telekom als Zwangsehe, da man in den Anfangsjahren unserer Republik richtiger Weise davon ausging, dass Infrastruktur eine staatliche Aufgabe ist.

Zugegebener Maßen war die deutsche „Behördenverwaltung“ auch bei unserer Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß, um zumindest mit anderen Ländern noch mithalten zu können. Besser wäre es gewesen, man hätte das deutsche Behördensystem überarbeitet und dabei beständig reformiert. So aber hat man sich dazu entschieden, einen Teil unserer Infrastruktur nach dem anderen zu verscherbeln und damit ganz bestimmte Kreise reich zu machen.

Letztendlich hat man aber die Behörden nicht abgeschafft, sondern nur Firmen dazwischen geschaltet, wobei die größeren Firmen ihre Behörden-DNA weiterhin beibehalten durften.

Sämtliche Vorteile, die wir Bürger tatsächlich spüren, sind in erster Linie dem technologischen Fortschritt zu verdanken und nicht der Privatisierung von Infrastruktur. Die Privatisierung der Infrastruktur hat alleine nur dazu geführt, dass wir Bürger immer mehr dafür bezahlen müssen, diese nun an allen Ecken und Enden bröckelt und wir wahrscheinlich erst 50 Jahre später ein glasfaserbasiertes Internet haben werden, als es ursprünglich einmal von unseren damaligen zuständigen Behörden noch anvisiert war.

So bleibt die Hoffnung weiterhin bestehen, dass ich alt genug werde, um wenigstens die Technologie erleben zu dürfen, die man bereits in meiner Jugend entwickelt hatte. Inzwischen ist aus einer Art Zwangs- gar eine Vernunftehe geworden, denn wir wissen beide, was wir aneinander haben, und ich möchte mich auch nicht immer von Neuem an jemand erst wieder gewöhnen müssen. Und ab und zu komme ich sogar ins Schwelgen, z. B. wenn ich an meine Zeiten mit den Münztelefonen denke — wobei es sehr lange dauerte, bis die Telekom auch R-Gespräche konnte. Dann an mein erstes eigenes Festnetztelefon — eine Micky Maus — oder an meine vergeblichen Bemühungen bei der Telekom an mein erstes Mobiltelefon zu kommen, die war nämlich damals immer noch verstärkt auf dem A-Netz Trip und das war mir eindeutig viel zu teuer. Später dann meine beständigen Kämpfe, um auch wirklich den neusten Communicator zu bekommen oder aber mein erstes iPhone, wobei mir der Telekom-Mitarbeiter unbedingt ein Telekom-Smartphone aufschwätzen wollte. Was letztendlich dazu führte, dass ich mir seither meine eigenen Telefone kaufe.

Seit mir die Telekom im Vertrag auch RTL unterjubelt und mir zudem beständig weitere Sport- oder andere Schmuddel-Apps andrehen möchte, glaube ich nicht mehr daran, dass aus der besagten Vernunftehe noch eine Liebesheirat werden wird.

Wohl eher ist es inzwischen ein gegenseitiges Belauern, nämlich darüber, wer wen überleben wird. Meine Zeit auf Erden ist natürlich begrenzt, was man von Telekommunikationsunternehmen leider nicht behaupten kann. Zwar sind diese beim heutigen Stand der Technologie bereits heute völlig obsolet, aber das kümmert bei uns keinen, vor allem keine Entscheidungsträger.

Dabei wäre es doch so einfach, sogar europaweit könnte eine einzige Behörde mit maximal 150 Mitarbeitern sicherstellen, dass jeder Haushalt einen Glasfaseranschluss bekommt und mobiles Internet vollumfänglich zur Verfügung steht. Diese Behörde müsste nur entsprechende Unternehmen mit dem Bau und Unterhalt der Kabel und Masten sowie den Betrieb des Netzes betrauen. Wir Bürger bräuchten nur ein entsprechendes Gerät kaufen, das sich dann kostenfrei ins Internet einwählt; den „Betrieb des Internets“ bezahlen wir wie wirklich alle anderen Infrastruktursachen auch über unsere Steuern.

Aber dies wäre viel zu einfach, würde uns allen auch noch sehr viel Lebenszeit für wichtigere Dinge freisetzen und uns zudem sehr viel an Nerven ersparen. Alleine die Rückgabe und Ausbuchung des neuen Media Receivers wird mich bestimmt wieder einen halben Tag kosten!

So aber können wir davon ausgehen, dass, sobald die Mehrheit der Bevölkerung erkennt, dass man bestimmte Dinge tatsächlich nicht benötigt, unser Staat sämtliche Telekommunikationsunternehmen verstaatlicht, diese zu einer Monsterbehörde zusammenfasst und diese Monsterbehörde dann alleine in Deutschland durch 17 neu zu schaffende Superministerien reguliert.

Das wird dann dereinst sicherlich ziemlich viele Bürger erzürnen und die Entscheider werden dann auf die ganz neue Idee kommen und „das Internet“ privatisieren. Neue „Telekommunikationsunternehmen“ werden entstehen, die dann gegen Gebühren zwischen den kommenden Generationen und der Monsterbehörde vermitteln. Und den künftigen Bürgern bestimmt ganz nebenbei auch wieder einen ganz neuen Media Receiver andrehen wollen.

„Es gibt Revolutionen, die machen die Welt komplizierter, und es gibt Revolutionen, die machen die Welt einfacher. Und es gibt Revolutionen, die machen die Welt auf komplizierte Art einfacher. Dazu gehört das Telefon.“

Christian Kämmerling, Die Weltwoche (28.8.2003)

Deutscher Bundestag

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Beitragsfoto: Reichstagsgebäude | © Christian Ader, Getty Images

Überraschung

Es gibt sie noch, Überraschungen. So zum Beispiel heute an der Hochschule. Bis auf Detlef Stern gab es wohl keinen, der etwas mit dem Pi-Tag anzufangen wusste. Und selbst als ich den Studenten mit einem Bild eines Kuchen weiterzuhelfen versuchte, stieß ich nur auf völliges Unverständnis. Und sogar meine englischsprachige Anspielung mit Pi und Pie wurde dabei nicht verstanden.

Und dies führte in einem späteren Dozentengespräch mit ein paar netten Kollegen dazu, dass ich mich an die IT Crowd erinnerte — Dinosaurier halt unter sich.

Die Serie IT Crowd gehörte zwischen 2006 und 2010 zu meinen Pflichtsendungen, vor allem weil ich von 2002 bis 2006 selber solch eine Abteilung verantworten durfte und ich davon überzeugt war, dass irgendwer dort einfach nur eine Kamera mitlaufen lassen hatte.

Mein absoluter Favorit ist aber weiterhin die Folge „Series 3 Episode 4: The Internet“, die vielleicht nur noch durch die direkt folgende Sendung übertroffen werden kann.

Tunnel

Es zeichnet sich nun doch ab, dass eine Lösung für die Bundesstraße 27 in Neckarsulm gefunden wird. So können wir heute in der Heilbronner Stimme (14.3.2023: 23) lesen, dass sich der dortige OB für eine Tunnellösung ausspricht.

Seit ich mit dem meseno-Bus im nördlichen Teil des Landkreises unterwegs bin, nutze ich selbst die B27 durch Neckarsulm und kann bestätigen, dass eine Fahrt durch einen Tunnel die bessere Alternative wäre; auf jeden Fall aber böte ein Tunnel für alle Nutzer den attraktiveren Ausblick. Und für die Neckarsulmer bestünde die Chance, den Stadtteil um die dann ehemalige B27 besser zu entwickeln.

Und jetzt bin ich einmal gespannt darauf, ob ich es noch erleben werde, selbst durch diesen Tunnel fahren zu können.

Ruhetag

Gestern ließ ich es etwas ruhiger angehen, denn das Wochenende war wohl doch etwas zu anstrengend gewesen — man merkt halt so langsam, dass ich keine 50 mehr bin. Und als ich mich dann gegen Abend doch etwas erholt hatte, nutzte ich die Gelegenheit, um meine heutige Vorlesung vorzubereiten und die aufgestaute Post zumindest einmal zu sichten.

Negativ ist es mir dann doch aufgestoßen, dass die Vergewaltigung eines guten Buches von Erich Maria Remarque in Hollywood so gut abgeschnitten hat. Das passt aber zur jüngsten Lektüre Theodor Adornos, der seine eigene Meinung zu Film und Fernsehen hat. Sätze wie „Ihre Massengesellschaft hat nicht erst den Schund für die Kunden, sondern die Kunden selber hervorgebracht.“ (2022: 168), „Ihr Produkt ist gar kein Stimulus, sondern ein Modell für Reaktionsweisen auf nicht vorhandene Reize.“ (2022: 229) oder „Sobald Noth und Leiden dem Menschen eine Rast vergönnen, die Langeweile gleich so nahe ist, daß er des Zeitvertreibs nothwendig bedarf.“ (2022: 199) dürfen als Hinweise gesehen werden.

Nachtrag (20.3.2023):
Und auch für diesen aktuellen Fall findet Adorno die richtigen Worte:

„Die Schwäche aller traditionellen Kunst außerhalb ihrer Tradition liefert den Vorwand, sie zu verbessern und damit barbarisch zu verschandeln.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 255)

Aber es ging noch schlimmer, denn unsere Berufspolitiker versuchen mit sämtlichen Mitteln, egal ob illegal oder illegitim, ihre eigenen Versorgungsposten auf ewig zu sichern. Zwar wurden sie bereits vor Jahren von den Gerichten verpflichtet, um zumindest wieder zu den 598 Abgeordneten im Bundestag zurückzukehren, was immer noch locker 398 Berufspolitiker alleine Im Bundestag zu viel wären, verschleppten diese Gerichtsurteile aber so lange wie nur irgend möglich und kommen jetzt mit einem 630 Abgeordnetenvorschlag um die Ecke, der sofort auch wieder von allen Seiten torpediert wird.

Ach wie wäre die Welt bloß in Ordnung, wenn sich unsere Politiker für den Klimawandel, die Bildungsmisere und weitere Katastrophen so ins Zeug legen würden, wie für die sehr bequemen und äußerst lukrativen Plätze im Reichstagsgebäude.

„Wer sich nicht mit Politik befaßt, hat die politische Parteinahme, die er sich sparen möchte, bereits vollzogen: er dient der herrschenden Partei.“

 Max Frisch, Tagebuch 1946 – 1949 (1985: 290)

Social Media

Social Media 4.8 (5)

Beitragsfoto: Social Media | © Shutterstock

Nach all den Jahren fällt es mir wirklich schwer, den Social Media noch etwas Positives abzugewinnen. Und die gerade aktuelle Diskussion um Twitter oder der vom zaungebrochene Glaubenskrieg mit dem vermeintlichen Konkurrenten Mastodon zeigen doch ganz deutlich das eigentliche Problem der Social Media auf.

Beruflich bedingt und weil einer meiner sehr guten Bekannten zumindest einer der Erfinder der sogenannten Social Media war, blieb es nicht aus, dass ich mich von Anfang an damit beschäftigte und auch immer wieder neue ins Feld geführte Angebote für mich zu nutzen versuchte.

Aber auch ich stieß sogleich auf das Kernproblem der Social Media und versuchte dieses ganz pragmatisch zu lösen, nämlich dadurch, dass ich selber noch vor Facebook und Co. ein eigenes Social Media Produkt (zuletzt unter der Domain worldcitizenship.com) schuf und damit auch sicherstellte, dass ich weiterhin Herr meiner eigenen Inhalte bin. Damit war aber ganz offensichtlich dieses Kernproblem nicht für die anderen Nutzer gelöst und so blieb mein Start Up schon sehr früh in den Kinderschuhen stecken — und wurde, für mich sehr überraschend, sehr bald von den heute allseits bekannten Social Media überholt.

Dies war für mich deshalb so überraschend, da die anderen Anbieter dasselbe Problem hatten und dieses ebenfalls nicht lösten. Und zudem zwei weitere unschöne Dinge mit ins Spiel brachten, nämlich den Handel mit personenbezogenen Daten und das penetrante Einspielen von Werbung.

Und so kann ich nur vermuten, dass es den Gründern dieser Social Media Kanäle gelang, die Menschen von diesem Kernproblem abzulenken oder es ihnen gar als Vorteil zu verkaufen. Fest steht aber und das konnte ich in all den Jahren beobachten, dass das Gelingen aller Social Media davon abhängt, dass sie zuerst eine kritische Masse an Nutzern generieren können und danach allen glaubhaft machen, dass es immer mehr weitere und neue Nutzer gibt. Sobald ein Produkt diese kritische Masse nur wieder zu unterschreiten droht, ist das Ende dieses Produkts besiegelt — dafür gibt es zahlreiche Beispiele.

Und so ist es die große Kunst der Social Media, die Nutzer davon zu überzeugen, dass „es die anderen doch auch tun“ und sobald „es die anderen doch auch tun“ ist es den meisten Menschen völlig egal, was sie machen, und auch hier gibt es zahlreiche sehr schlimme Beispiele, selbst im echten Leben, wie es Pogrome immer wieder beweisen.

Inzwischen kommt noch ein weiteres Problem mit hinzu, nämlich, dass Idealisten oder gar Philanthropen kein Netzwerk betreiben können, das Milliarden von Menschen verknüpft. Ehrenamtliche wären damit alleine überfordert (siehe z. B. Wikipedia) und Tausende von Mitarbeiter wollen einfach bezahlt werden. Dieses Problem wird noch dadurch verschärft, dass die allermeisten Social Media Nutzer zu geizig sind, um für diese Dienstleistung überhaupt etwas zu bezahlen; das fängt schon bei den E-Mail-Providern an und führte jüngst auf Twitter zu wirklich bizarren Diskussionen.

Damit bleibt den Betreibern dieser Netzwerke nichts anderes übrig als durch Werbung oder durch den Handel mit personenbezogenen Daten Geld zu verdienen. Und wer dabei eher zögerlich ist, der macht Verluste (Twitter). Wer dabei tatsächlich Geld verdienen will (Facebook), der muss in die menschlichen Abgründe hinabsteigen — denn die Social Media Nutzer zwingen einen dazu!

Ich sehe hierbei drei Lösungswege. Fangen wir mit der abwegigen Lösung an, die interessanter Weise auch von „demokratischen“ Berufspolitikern propagiert wird. Das Staats-Social-Medium, in einer etwas entschärfteren Form dem ÖRR-Social-Medium, das dann aber nicht mit uns Menschen Geld verdienen, sondern uns Menschen kontrollieren oder gar beherrschen möchte! Das wirklich Lustigste an dieser Lösung wäre, dass es uns Bürger, ob wir wollen oder nicht, so richtig das Geld aus der Tasche ziehen würde.

Die zweite Lösung wäre, dass man staatlicherseits ein Mindestbetrag zur Nutzung von Social Media festlegt, die sämtliche Anbieter von den Nutzern ihre Social Media Produkte abverlangen müssen. Denn wir Bürger sind einfach nicht mehr in der Lage, um zu erkennen, dass Dienstleistungen und Produkte Geld kosten (unsere Zeitungen können ein Lied davon singen!). Und da die Social Media damit eine Finanzgrundlage hätten, muss der Handel mit personenbezogenen Daten ausdrücklich unterbunden werden. Die jeweiligen Social Media konkurrieren dann weiterhin um die Nutzer und die erfolgreicheren können weitere Einnahmen, z. B. durch Werbung oder auch bezahlte Add-on generieren. Der Charme dabei, es bleibt dem Nutzer weiterhin überlassen, welches Produkt er nutzt, und „schlechte“ Produkte, wie das meine, verschwinden auch wieder vom Markt.

Der dritte Weg, der heute unter anderem unter dem Begriff Fediverse etwas bekannter ist, macht den Nutzer grundsätzlich — wenn er nicht gerade auf Mastodon postet — zum Besitzer seiner Daten, und macht das Internet wieder zu dem, was es eigentlich von Anfang an auch war, nämlich einem föderalen Netzwerk. Und solche kleingliedrigeren Strukturen sind auch wieder eher von ehrenamtlichen Menschen zu betreiben, die auch nicht unbedingt davon leben müssen. Da das Ganze damit aber wieder etwas komplizierter, vielleicht auch anstrengender wird, nimmt es wohl die Masse von uns Menschen nicht mit. Schlimmer noch, die Lemminge unter uns, wissen dann nicht mehr, wem sie heute hinterherrennen müssen und flippen völlig aus, wenn diese Wechsel zu oft erfolgen.

Und so wird es wohl über kurz oder lang mindestens diese drei Lösungen nebeneinander geben, was aber das Grundproblem nicht löst, nämlich, wie bleibe ich der Herr meiner eigenen Daten?

Ich schreibe deshalb hier auf mein Weblog und bin dazu bereit, dieses Weblog auch mit anderen Weblogs und Websites zu verknüpfen. Zudem nutze ich weiterhin die Social Media und habe damit angefangen, meine dortigen Produkte zu sammeln und bin zudem bestrebt, meine dortigen Äußerungen im eigenen Zettelkasten für eine spätere Nutzung festzuhalten, denn wer einfach nur so in den Social Media postet, der kann auch gleich gegen die Wand sprechen.

Wie es manche nun wohl erfahren müssen, ist ihr Twitter-Ruhm auch mit Twitter zu Ende und dies noch bevor sie selber einmal enden werden. Jules Vernes oder Niklas Luhmanns Zettelkästen leben noch heute.