Käthchen von Heilbronn

16.8.02024 5 (7)

Beitragsfoto: Käthchen von Heilbronn|© Shutterstock

Erfreulich

Neben all den aktuellen Herausforderungen, die mir heute u. a. das Käffchen mit Detlef Stern verwehren, gibt es immer wieder auch sehr erfreuliche Dinge, wie z. B. das Sommer-Tanzprogramm oder eine halbwegs freie Bahn in der Neckarhalde — man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Da ich heute auf ein stets anregendes Gespräch verzichten muss, erwähne ich einen schon etwas älteren Blog-Beitrag von Detlef Stern zum Thema Ethik aus 2015. Ethik, Moral und das Bohren dicker Bretter wären wohl Thema gewesen, neben den üblichen eher nerdigen Topics.

Erfreulich die jüngsten Zusagen zu den Hertensteiner Gesprächen, die diese Gespräche immer mehr zu einem überregional bedeutenden Forum für europäische Fragestellungen machen. Auch der SWR ist nun mit an Bord, und so hoffe ich einmal, dass die Heilbronner Stimme etwas umfangreicher von diesem Ereignis berichten wird.

Erfreulich auch, dass alle demokratischen Parteien Vertreter zu den Gesprächen entsenden, eine sehr gute Gelegenheit, um mit der Zivilgesellschaft ins Gespräch zu kommen. Und für die Bürger eine gute Gelegenheit, um ihre jeweiligen Volksvertreter aus nächster Nähe zu erleben und besser kennenzulernen.

Wollhaus

Und auch das Wollhaus soll — für alle Verantwortlichen ganz überraschend — eine unendliche Geschichte bleiben. Es wäre wohl besser gewesen, wenn sich Rathaus und Gemeinderat zuerst an einer Nummer kleiner versucht und für mehr öffentliche Toiletten und ein wenig mehr Sauberkeit in der Stadt gesorgt hätten.

Für eine Großstadt wie Heilbronn reicht ein Dieter Schwarz alleine bei weitem nicht aus. Wir müssen als Bürger bereit sein, alte Zöpfe abzuschneiden, dabei auch das eine oder andere Nazi-Porträt abhängen und vor allem dafür sorgen, dass Kompetenz und Verantwortung sowohl ins Rathaus als auch in den Gemeinderat einziehen.

Wer immer alles beim Alten belässt und dabei Veränderung wünscht, wird irgendwann von der Realität eingeholt werden. Dabei haben wir in Heilbronn nicht nur Probleme und Herausforderungen, wir haben auch Chancen, eine ganze Menge, um genau zu sein!

Und so ist es schon einmal ganz gut, dass wenigstens die 89 Mietwohnungen in der Happelstraße fertiggestellt werden; eine Bank und ein Investor haben eine Einigung und dies auch zum Wohle unserer Stadt gefunden und getroffen.

Käthchen

Kaum zu glauben, aber in der Causa Käthchen kommt nach all den Jahren doch noch etwas Bewegung ins Spiel. Laut dem in Sachen Rathausspitze bestens informierten Uwe Ralf Heer (Heilbronner Stimme, 16.8.2024: 21) denkt man nun darüber nach, wenigstens in dieser Sache in Heilbronn etwas mit der Zeit zu gehen. Man diskutiert schon einmal „heftig“, ob man die Wahl des Käthchens abschaffen soll. Man bringt sogar ein KI-Käthchen mit ins Spiel, was unsere Weindorf-, Hasenmahl- und NS-Bilderstadt (aka „Wissens- und KI-Stadt“) besser verkörpern soll — im Endeffekt liefe dies auf eine Beerdigung erster Klasse hinaus. Ich hoffe dabei nicht, dass das KI-Käthchen dann eher „ganz zufällig“ einer Eva Braun ähnelt.

„Wenn du einen Hund treten willst, dann vergewissere dich zuerst, wem er gehört.“

Yu Huas, Brüder (2009 [2005/2006]: 206
„Verdammt! Guck hin, wem der Hund gehört, den du schlägst.“)

Verkehrsleitsystem

13.7.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Verkehrsleitsystem

Vermischtes

Heute muss ich Josip Juratovic loben, denn er hat das ausgesprochen, was wir alle so langsam aber sicher zur Kenntnis nehmen müssen, nämlich dass die heutigen AfD-Wähler vor 1945 sicherlich die NSDAP gewählt hätten. Das bedeutet nicht, dass alle NSDAP-Wähler auch Nazis sind, es sind bestimmt auch einfach nur Idioten und Kriminelle darunter — wobei das eine das andere nicht ausschließen muss.

Jene Politiker, die dies andauernd beschönigen, denen muss man inzwischen unterstellen dürfen, dass sie entweder nur am rechten Rand fischen möchten oder noch schlimmer, sich künftig auch Koalitionen mit Antidemokraten vorstellen können. Bei der CDU gibt es zumindest schon heute Ansätze für eine solche Zusammenarbeit, was aber nicht wundert, da doch so mancher heutige Neonazi gestern noch Unionspolitiker war oder vielleicht gar noch ist, weil selbst entsprechende Parteiausschlussverfahren im Sande verlaufen.

Und jene, die Nazi-Vergleiche als bloße Verharmlosung des Nationalsozialismus sehen, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie damit die rassistischen und faschistischen wie auch nationalsozialistischen Aussagen und Gedanken vieler AfD-Politiker und Wähler verharmlosen. Dies deckt sich aber ganz gut mit dem Dilemma heutiger Nazis, die richtig stolz auf ihre Gesinnung sind aber dennoch in der Öffentlichkeit nicht so genannt werden wollen — zumindest so lange nicht, bis sie wieder andere meucheln oder in KZ stecken können.

Erfreulicher heute, dass man sich nun auch in der Heilbronner Stimme zu fragen anfängt, ob die Käthchenfigur überhaupt noch zeitgemäß ist. Ich meine schon immer, dass nein — wahrscheinlich war ich als Junge schon emanzipierter als viele meiner Zeitgenossinnen.

Noch erfreulicher, dass sich inzwischen auch Stimme-Journalisten über den Sinn und Zeck des aktuellen Verkehrsleitsystems nachzudenken beginnen, schon alleine wegen der exorbitanten Anschaffungs- und noch mehr wegen der unsinnigen Unterhaltskosten. Sprechen wir dieses Mal nicht über die teilweise völlig sinnlosen Anzeigen, die eher eine Verkehrsgefährdung als eine -führung darstellen.

Fast am Erfreulichsten war aber für mich der gestrige Morgen als ein paar Freie Wähler meseno unterstützen konnten. Wer sich dafür interessiert, der findet hier den dazu von mir geschriebenen Beitrag. Das wurde dann aber doch noch von einer McDonald’s-Mitarbeiterin übertroffen, die ich während meines Spaziergangs mitten in der Fußgängerzone müllsammelnd antraf. Ob dies eine Eigeninitiative der Mitarbeiterin war oder gar von McDonald’s nun so gehandhabt wird, kann ich nicht sagen, auf alle Fälle aber war dies die beste Aktion des gestrigen Tages!

Jazz

Im Mai 1980 nahm Bassist Barre Phillips zusammen mit Aina Kemanis (Singstimme), John Surman (Saxophon und Klarinette), Herve Bourde (Saxophon und Flöte), Claudia Phillips (Singstimme) und Pierre Favre (Schlagzeug) in Ludwigsburg eine Platte auf, die noch heute bei manchen Jazz-Liebhabern als wegweisend angesehen wird. Der Plattentitel schlicht „Music by …“

Als ich feststellte, dass das erste Stück auf der Platte „Twitter“ heißt, musste ich sie einfach kaufen. Und das erste Reinhören in die Platte — nervt meine bessere Hälfte — weckt bei mir schöne Erinnerungen. Leider höre ich die Gesangsstimmen nicht mehr so klar, dass ich den Text nachvollziehen könnte, was aber meinem Musikgenuss nicht schadet. Und das Stück „Longview“ auf der zweiten Seite wird noch heute dem einen oder anderen etwas bekannter sein.

Ana Roxanne schreibt hierzu in der New York Times:

„This piece has elements of a drone without sounding like one at all. Also, within avant jazz I tend to prefer vocals that lean more toward consonance, and so I admire the singers’ experimentation with sound, syllable and melody all while keeping a steady structure and never sounding stale, creating a soothing element to a lilting frenetic undercurrent of horns and percussion. … I appreciate that a bassist who assigned himself to such few notes can keep such dynamicism.“

Ana Roxanne, New York Times (5.7.2023)

Mehrwert

Demnächst steht eine schnuckelige 53 Quadratmeter Wohnung in der Heilbronner Fußgängerzone zum Anmieten zur Verfügung. Sie verfügt zwar über keinen Kfz-Abstellplatz, dafür aber über einen eigenen Kellerraum.

Minimalisten fühlen sich in dieser Zweiraumwohnung bestimmt sehr wohl. Der größere Raum verfügt über eine eingebaute Kochnische. Beide Räume sowie das Bad sind über einen Flur miteinander verbunden. Der Flur verfügt über einen deckenhohen Einbauschrank. Das Bad hat eine Dusche und die Möglichkeit zum Anschluss einer Waschmaschine.

Die Wohnung wurde 2015 kernsaniert und verfügt über eine Gaszentralheizung. Sowohl ein Kabel- als auch ein Telekomanschluss sind vorhanden.

Derzeit erhält die Wohnung einen neuen Bodenbelag, danach wird sie offiziell zur Anmietung ausgeschrieben. Bis dahin haben die Leser meines Weblogs die Möglichkeit, bei Interesse vorab mehr über die Wohnung zu erfahren.

„Nazi ideology cannot be summarized in a program or platform. It can be better understood as a maelstrom of prejudices, passions, hatreds, emotions, resentments, biases, hopes, and attitudes that, when combined, most often resembled a religious crusade wearing the mask of a political ideology.“

Jonah Goldberg, Liberal Fascism (2009: 55)

Strandhaus

22.5.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Strandhaus

Käthchen

Mit großem Vergnügen haben ich heute einen Leserbrief von Anneliese Fleischmann-Stroh in der Heilbronner Stimme (22.5.2023: 6) gelesen. Dieser hat mich an meinen Blog-Beitrag vom 16. Januar 2020 erinnert. Gerne teile ich dieses Vergnügen mit den Lesern meines Weblogs.

Käthchen-Präsentationen

Am Ende eines Konzertes am 9. Mai überreichte eine als Käthchen verkleidete junge Frau dem Leiter des Orchesters und dem Pianisten Wein. Es ist ein Rückschritt ins 19. Jahrhundert, solch ein verstaubtes Frauenbild bei öffentlichen Veranstaltungen zu präsentieren. Über 100 Jahre Emanzipationsbewegung werden einfach über den Haufen geworfen. In der Weihnachtszeit werden wir von Plastik-Käthchen in Lebensgröße und hässlichen Anhängern an den Weihnachtsbäumen im öffentlichen Raum verfolgt. Jetzt wird auch noch Käthchen-Bier präsentiert – blondbezopft und altmodisch verkleidet. In Heilbronn ist inzwischen mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausländisch oder mit Migrationshintergrund. Wollten wir nicht überregional kulturell und weltoffen aufgestellt sein? Bei dem Konzert waren viele Konzertbesucher von weit her angereist – was für ein altbackener Eindruck entsteht so von Heilbronn? Heilbronn will sich mit KI schmücken, vielleicht wäre gesunder Menschenverstand mal gefragt.

Anneliese Fleischmann-Stroh, Heilbronn

Bänke

Viele Heilbronner Bänke fristen seit Jahren ein trostloses Dasein. Die entsprechenden Bemühungen der EUROPA-UNION sind schon länger im Sand verlaufen. Und so war ich heute doch ein wenig erstaunt darüber, als Bänke zum Thema in der Heilbronner Stimme wurden. Noch erstaunter, dass mir zeitgleich Thomas Heiligenmann ein Bild einer neuen Bank am Wartberg schickte, die meinem Vorgänger im Amt des Kreisvorsitzenden, Prof. Dr. Walter Dörr, gewidmet ist. Warum gerade am Wartberg und nicht im Stahlbühl, entzieht sich meiner Kenntnis — die Verantwortlichen werden sich sicherlich Gedanken gemacht haben.

Wer etwas mehr über unsere vergeblichen Bemühungen erfahren möchte, der kann gerne meinen Blog-Beitrag Europaweg lesen. Ein paar Jahre später bin ich nun zu der Überzeugung gelangt, dass es genügend andere Vereine und Institutionen gibt, die sich viel besser den Heilbronner Bänken widmen könnten.

Ich gebe allerdings dabei zu bedenken, dass man sämtliche Infrastruktur und auch Immobilien, die man erstellt, warten muss. Eine Tatsache, die zumindest unserem Gemeinderat und der Stadtverwaltung nicht bekannt ist (Stichwort: Wasserspiel und Wassernebel).

Muscheln

Die Nacht über muss es am Strand sehr stürmisch zugegangen sein, denn als wir am Morgen dort spazierten, fanden wir eine größere Menge an ausgewachsenen Wavy Turban Muscheln (Megastaea Undosa) vor, welche sich normalerweise in bis zu 50 Metern Tiefe befinden.

Meine bessere Hälfte und ich begannen damit, die ersten Muscheln wieder ins Meer zurückzubringen, was nicht so einfach ist, und ernteten erstaunte Blicke von den wenigen mit am Strand Spazierenden. Dann aber bemühte sich eine ältere Dame ebenfalls, eine Muschel ins Meer zu verfrachten, und kurz darauf waren sämtliche Spaziergänger einschließlich deren Hunde beschäftigt.

Auf dem Rückweg konnten wir uns dann davon überzeugen, dass unsere Bemühungen erfolgreich waren. Bleibt zu hoffen, dass die Muscheln die restlichen Meter alleine zurück in ihre normales Habitat finden werden.

Nachtrag 26.5.2023:

Bei unserem nachmittäglichen Spaziergang fanden wir an fast derselben Stelle die besagten Muscheln wieder, nun aber leider aufgrund der Sonneneinwirkung in einem Zustand, der wohl eine nochmalige Rettung unmöglich machte. Und so überließen wir die Muscheln ihrem Schicksal. Nun vermute ich einmal, dass wenn sich die Muscheln erstmals am Strand befinden, diese nicht mehr zu retten sind.

„Society is commonly too cheap. We meet at very short intervals, not having had time to acquire any new value for each other.“

Henry David Thoreau, Walden (2020 [1854]: 125}