Kaiserstraße | © Shutterstock

10.5.02021 5 (1)

Foto: Kaiserstraße | © Shutterstock

Spaziergang

Zur Entspannung nach der Europawoche habe ich mir mal einen Spaziergang durch den Baumlehrpfad Friedrichsau gegönnt. Die Beschilderung und Beschriftung ist auch für andere Städte durchaus nachahmenswert, denn dann erkennt man einmal, mit welchen Schätzen die eigene Stadt aufwarten kann.

Listenplätze

Seit Kurzem sind doch so einige Politiker ganz erstaunt, dass sie nicht mehr gewählt werden, oder gar darüber, dass nicht einmal ihre eigene Partei ihnen ein erneutes Mandat zutraut. Es wird wohl auch dafür Gründe geben.

Verbandsarbeit

Verbandsarbeit kann auch richtig nerven, ganz besonders wenn die üblichen „Pöstchensammler“ einmal aufwachen und ihren eigenen Senf dazugeben — dies geschieht interessanter Weise immer gerade vor Wahlen. Es ist schon erstaunlich, was für weltbewegende Ideen diese dann ins Spiel bringen, wie zum Beispiel: „schreiben wir einmal EUROPA-UNION ganz anders“ oder „finden wir für den Europatag einen anderen Namen“ oder gar „haben wir schon alle unsere Beschlüsse, Anschreiben und sonstige Werke richtig gegendert?“

Und wenn das noch nicht reicht, dann kommen die selbst ernannten Berater ins Spiel, die ohne jemals einen Orts- oder Kreisverband geführt zu haben, die gesamte Verbandsarbeit umkrempeln wollen und die Mitglieder mit Workshops, Sit-ins und anderen gut gemeinten Aktionen auf Trab halten; dabei könnte dieser Aktionismus in einfache Kreisverbandsarbeit kanalisiert, tatsächlich dem Verband nützen — leider ist die Arbeit auf der lokalen Ebene gerade für diese Mitstreiter sehr verpönt, es muss unbedingt zumindest die Bundesebene sein.

Dabei lebt und stirbt ein föderaler Verband auf der lokalen Ebene, und wenn man nicht aufpasst, dann sitzen bald in Berlin und Brüssel nur noch die Vertreter von Zombie-Verbänden.


Polizeiabsperrung

Sprachpolizei 4.1 (9)

Beitragsfoto: Polizeiabsperrung | © Pixabay

Manchmal wäre es viel einfacher, wenn manche Leute nicht alles und jeden gleich auf die Goldwaage legen, und sich vielleicht sogar ein Beispiel an dem ein oder anderen Dialekt nehmen würden. „Grasdackel“ oder gar Schlimmeres gehen mancherorts gerne als Kompliment durch, und in mancher Subkultur ist man gar stolz darauf, ein Nigger oder ein Kanake zu sein.

Und auch bei althergebrachten Worten, die höchstwahrscheinlich demnächst — bei der immer schneller voranschreitenden Sprach- und Wortverarmung — keiner mehr nutzen bzw. noch kennen wird, sollte, bei deren Gebrauch, nicht gleich die Staatsanwaltschaft ermitteln; zum Beispiel bei Wörtern, wie Mohrenkopf, Neger — was übrigens nur Schwarzer (Latein: nigro, nigrans) bedeutet –, oder gar das westfränkische „Judenfürzle“ — was übrigens in meiner Jugend noch der Begriff für allseits sehr begehrte kleine Feuerwerkskörper war — sollte man nicht nur schauen, aus welcher Zeit und Kontext sie stammen, sondern genau darauf achten, was der Sprecher eigentlich damit sagen möchte.

Zumal wir heute in einer kulturellen und sprachlichen Vielfalt leben, wie kaum jemals zuvor. Und schon zwischen Menschen aus dem gleichen Kulturkreis, sowie der selben Muttersprache kommt es immer wieder zum Problem, was der Sprecher eigentlich denkt, meint, und von sich gibt, und der Hörer dieser Botschaft dann hört und letztendlich zu verstehen glaubt.

Zudem leben wir immer mehr in einer Zeit, in der jeder zu meinen glaubt, was der andere denkt, bevor dieser überhaupt etwas gesagt hat, und diesem dabei zuweilen bereits Dinge unterstellt, die keiner näheren Betrachtung standhalten. Durch diesen immer beliebter werdenden Sprach- und Denkchauvinismus, der noch durch eigene Euphemismen, Genderei sowie Neusprech verstärkt wird, gerät unsere Gesellschaft immer tiefer in einen totalitaristischen Strudel, so wie es George Orwell bereits 1949 vorausgesagt hatte.

Sprache entwickelt sich beständig weiter und dies alleine durch die Kommunikation von Menschen untereinander. Deshalb sollte man tunlichst darauf verzichten, durch eine eigene Sprachideologie oder unter Zuhilfenahme einer Sprachpolizei und -justiz auf diese Entwicklung Einfluss nehmen zu wollen.

Wenn man wirklich Einfluss auf die Sprache nehmen möchte, dann dadurch, dass man Bücher schreibt, die gerne gelesen werden, oder so spricht, dass man Hörer in seinen Bann zieht.

Moralische Erschießungskommandos haben die Welt bisher nur schlechter gemacht, deshalb lassen wir besser die Finger davon und entspannen uns beim nächsten Mal, wenn ein Mitbürger unserer Meinung nach sprachlich entgleist. Auch müssen wir diesem weder zuhören, noch ihn überhaupt ernst nehmen.

Und im Falle, dass man sich selber einmal beleidigt fühlt, kann man immer noch den Rechtsweg einschreiten.

„Talk can be cheap, very cheap. It can also be costly. “Speak out!” we say. “Why are you afraid to speak out?” we say. In dictatorships, it can be very, very hard to speak out. Many people have been imprisoned or worse for talk. But even in democratic societies, talk can be hard. It can be hard not only in politics but also in high schools and families and churches and professional communities and other arenas.“

Jay Nordlinger, Some Talk about Talk (4. September 2018)

Schwäbische Tomatensuppe

Schwäbische Tomatensuppe 4.6 (51)

Für eine echte und authentische schwäbische Tomatensuppe kommt es ganz besonders auf die richtigen Zutaten an. Darüber hinaus ist die Zubereitung, wie auch das spätere Servieren von sehr großer Bedeutung.

Fangen wir mit den Zutaten an. Man leihe sich Petersilie, ich gehe dazu gerne zu meinem Nachbarn, da dieser seit der BUGA seine Petersilie in, von der Stadt bereitgestellten, Blumentrögen selbst anbaut. Die Straßenlage und vor allem die Innenstadtnähe verleihen der Petersilie eine ganz besondere Note. Solch eine Qualität bekommt man weder im Supermarkt, noch im Bio-Laden um die Ecke.

Mit der Zubereitung der Petersilie sollte man dann aber auch rechtzeitig beginnen, um nicht in unnötige Hetze verfallen zu müssen. Ein Blatt der Petersilie zieht man am besten nicht zu schnell und vor allem auch nicht zu heftig durch Regenwasser, damit die Vitamine möglichst erhalten bleiben. Jeder schwäbische Haushalt hat dazu eine Regentonne vor dem Haus, auf dem Balkon oder, in einer etwas praktikableren Größe, auf dem Fensterbrett der eigenen Wohnung.

Ist die Zubereitung der Zutaten abgeschlossen, nehme man Leitungswasser — ein Schwabe lässt sich beim Essen nicht lumpen — und erwärmt dies am besten in der Sonne. Vor dem Servieren kann man es noch auf dem Herd, in einem Wasserkocher oder in der Mikrowelle kurz erhitzen, damit die Suppe auch die gewünschte Temperatur erhält.

Manche — Neureiche halt — ziehen zusätzlich an Festtagen oder zu ganz besonderen Anlässen, kurz vor dem Servieren, noch eine Tomate durch das bereits erhitzte Leitungswasser. Ich halte dies allerdings für übertrieben und geschmacklich weit überdimensioniert! Denn es reicht voll und ganz aus, wenn sich eine Tomate im Haushalt befindet; ich habe für solche Gelegenheiten immer eine Tomate im Gemüsekorb der Küche liegen.

Abschließend gießt man das zubereitete Leitungswasser in einen bereitgestellten roten Teller — dieser darf gerne auch etwas vorgewärmt sein; dazu bietet sich ebenfalls natürliches Sonnenlicht bestens an — und garniere das Ganze mit dem bereits zubereiteten Petersilienblatt. Damit sollte man allerdings vorsichtig umgehen und lieber etwas sparen, denn sonst dominiert der Petersiliengeschmack die schwäbische Tomatensuppe allzu stark.

Ich wünsche Ihnen beim Nachkochen viel Spaß und beim anschließenden Essen einen guten Appetit!

Und sollte das Essen nicht in ein Gelage ausgeartet sein, dann ist bestimmt auch die Petersilie noch übrig. Diese kann man dann nach dem Abwasch an den Entleiher zurückgeben, denn sie eignet sich immer noch ganz hervorragend für ein Schwäbisches Eintopfgericht.

Schwäbische Tomatensuppe à la Henri

„Man nach dem Ausspruch eines alten Weltweisen ißt, um zu leben, und nicht lebt, um zu essen.“

 Molière, L’Avare ou l’École du mensonge | Der Geizige (2016 [1668]: 37)

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