Grillen

26.6.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Grill | © Pixabay

Südstadtfest

Da ich selber gleich um die Ecke wohne und zudem noch meseno mit einem eigenen Stand vertreten ist, ließ ich es mir nicht nehmen und habe dort vorbeigeschaut. Sehr gut dabei ist die Idee der Veranstalter, das Fest auf den Edeka-Parkplatz zu verlegen — eine wirklich runde Sache.

Leider aber bedenkt man meist nicht die Dummheit doch so einiger Menschen, die es sich nun nicht nehmen ließen, mit dem eigenen Auto direkt vor den einen oder anderen Stand fahren zu wollen. Erfreulicherweise ist das Fest so gut besucht, dass diese Menschen sich mit einem Parkplatz am Rand desselben begnügen mussten. Was in den Hirnen solcher Leute eigentlich vorgeht, das würde mich wirklich einmal interessieren — nicht viel vermute ich.

Auf jeden Fall aber kann ich jedem einen Besuch beim Südstadtfest empfehlen und ganz besonders beim Stand von meseno! Zwei reizende Damen betreuen diesen, und dieses Mal bietet meseno richtige Schnäppchen an. Ich wette, dass heute Schnäppchenjäger voll und ganz auf ihre Kosten kommen werden und alle anderen können zudem bei bestem Wetter durch die Angebote der anderen Vereine und Institutionen stöbern.

Tanztag

Heute haben meine bessere Hälfte und ich unseren inzwischen üblichen Tanznachmittag, was allerdings jetzt noch durch einen Crash-Kurs Tanzen in Vorbereitung des Europa-Balls ergänzt wird — ganze vier Wochen lang.

Ich bin einmal gespannt darauf, wie die Teilnehmer auf den Kurs reagieren werden und ob dies der Anfang eines regelmäßigen Vorhabens werden wird? Im Falle, dass die Heilbronner den Europa-Ball nach all den Jahrzehnten Abstinenz wieder annehmen werden, könnte es durchaus gelingen, dass die EUROPA-UNION regelmäßige Tanzkurse mit in ihr Jahresprogramm mit aufnehmen wird.

Das hört sich für einen politischen Verein erst einmal etwas ungewöhnlich an, wenn man aber für ganzheitliche Lösungsansätze offen ist, kann man durchaus erkennen, dass auf lokaler Ebene Politik etwas komplexer abläuft als in den „gehobeneren Sphären“, wo man sich meist nur noch auf das Schaulaufen beschränkt.

Grillabend

Erst dachte ich, ok, es sind ein paar weniger als sonst da, und dann entwickelte sich daraus einer der spannendsten Diskussionsabende in einer sehr angenehmen Atmosphäre — bis spät in die Nacht hinein.

Damit war das diesjährige Europa-Grillen mehr als ein voller Erfolg. Schon alleine die Themen ließen aufhorchen, angefangen vom Skifahren über Städtepartnerschaften, Hundehaltung, Heilbronner Interna über COVID-19-Folgen für Mensch und Wirtschaft, unser Vereinsleben bis hin zur aktuellen Lage im Ukrainekrieg.

Das Besondere dabei, dass man sämtliche Themen auch mit teilweise völlig kontroversen Meinungen, unglaublich offen und stressfrei diskutieren konnte. Was für ein wunderbares Erlebnis von Diskussionskultur!

Leider musste ich als Verantwortlicher dann doch einmal den Abend beenden, sonst säßen wir wohl jetzt noch zusammen. Mein Dank geht an alle Beteiligten und nun hoffe ich zudem darauf, dass ein gestriger Diskussionspartner bald einmal seine sehr interessanten Ansichten auch auf meinem Weblog vorstellt.


Staatsoper Stuttgart

23.6.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Staatsoper Stuttgart

Archive

Heute erhielt ich aus Florenz zwei Hinweise auf je eine Pressemitteilung auf Englisch und auf Deutsch, welche beide darüber berichten, dass nun auch die Archive der EUROPA-UNION — zumindest die aus Baden-Württemberg — in den Historischen Archiven der Europäischen Union aufbewahrt und einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Auch das Archiv der EUROPA-UNION Heilbronn — ich hatte bereits berichtet — ist nun dort verfügbar und wird sicherlich künftigen Forschern und Wissenschaftlern einen guten Einblick über ehrenamtliches Engagement im Stadt- und Landkreis Heilbronn bieten können.

Damit ist nun auch sichergestellt, dass das Engagement vieler Bürger nicht in Vergessenheit gerät. Besonders gut finde ich dabei, dass die Nachwelt damit auch Eindrücke erhält, wie Politik jenseits der beruflichen Professionalität und ewigen Fürstenhöfen auf lokaler Ebene stattgefunden hat.

Und nachfolgende Föderalisten haben damit zudem eine gute Informationsquelle, um nicht immer wieder von vorne anfangen zu müssen, denn manche Gefechte wurden längst ausgekämpft, manche Probleme sind eigentlich gar keine und manche Dinge lohnen sich immer wieder, dass man sie aus den Schubladen holt.

Hier finden Sie den englischsprachigen Presseartikel …

Hier finden Sie den deutschsprachigen Presseartikel …

Ehemaliges Schild der Landesgeschäftsstelle in Stuttgart

Roter Bus

Von der Idee des Roten Busses in Heilbronn bin ich von Anfang an begeistert. Und so sind wir bereits mehrfach selber mit dem Roten Bus unterwegs gewesen und haben ihn auch erneut in diesem Jahr mit im Programm.

Und so ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich auch anderen die Fahrt im Roten Bus empfehle. Gestern erhielt ich diesbezüglich erstmals ein Feedback einer Reisegruppe von außerhalb, welche jüngst den Roten Bus in Heilbronn nutzte. Da sie von außerhalb kamen und eine Kleingruppe waren, wollten sie vorab Sitzplätze buchen. Dabei erfuhren sie, dass man keine solchen buchen könne — und das ist völlig in Ordnung so, und auch in anderen Städten Usus.

Als sie dann nach Heilbronn kamen und den Bus besteigen wollten, mussten sie zu ihrem großen Erstaunen feststellen, dass die besten Sitzplätze bereits reserviert waren. Und so etwas geht gar nicht! Wir Heilbronner wissen zwar, dass es in Heilbronn „bessere Leute“ gibt, für die alles möglich ist, auch eine Platzreservierung im Roten Bus, was aber bei Menschen von außerhalb Heilbronns auf etwas Unverständnis stößt.

Ein weiters Feedback ist, dass das ausgelegte Informationsmaterial eine zu kleine Schriftgröße aufwies, um ohne Probleme gelesen werden zu können. Zumindest diesen Punkt sollte man beheben können.

Figaros Hochzeit

Diese von Wolfgang Amadeus Mozart 1786 vertonte Komödie ähnlichen Namens aus dem Jahr 1778 hat mich noch nie so richtig begeistert, und sie wäre wohl schon längst in Vergessenheit geraten, wenn sich nicht Mozart damals, vor inzwischen sehr langer Zeit, dieser angenommen hätte. Und für all jene, die wie ich Mozart nicht zu ihren Favoriten zählen, wäre es bestimmt nicht tragisch, wenn auch Opern das Recht auf Vergessen eingeräumt würde — dann ist da aber wieder diese Musik.

Als ich überraschend das Angebot bekam, mir Le nozze di Figaro in der Stuttgarter Staatsoper anzuschauen, war ich hin und her gerissen, letztendlich siegte meine Neugierde: Was wird dieses Mal angestaubter sein, die Oper selbst, das Operngebäude oder die Inszenierung?

Die Antwort gleich zu Beginn, das Gebäude hat gewonnen. Auch wenn sein morbider Charme immer mehr Menschen begeistert und sein wohl letzter Umbau in den 1980er-Jahren das Ganze nicht wirklich besser gemacht hat, ist es zwar wieder einmal schön in den alten Fluren zu wandeln, bestimmt aber eine Qual dort arbeiten, oder auch nur eine Toilette aufsuchen zu müssen. Und so bin ich mir nicht sicher, ob ich den geplanten Umbau befürworten soll oder nicht, vor allem wenn man bedenkt, dass dieser locker die 1 Milliarde Euro Grenze überschreiten werden wird. Zudem bin ich mir nicht sicher, ob es gelingen kann, ein zeitgemäßes Operngebäude in die alte Staatsoper hineinzubauen. Bloß das Gebäude nach 1945 erstmals richtig zu sanieren hilft keinem weiter — außer man hat soviel Geld, dass man dieses Gebäude als eine Art Opernmuseum weiter betreiben kann und die echte Oper dann in Stuttgart an anderer Stelle stattfindet.

Wie auch immer sich die Stuttgarter entscheiden werden, letztendlich werden nach einem jahrelangen Umbau kaum noch Opernbesucher überlebt haben, um an „die guten alten Zeiten“ anzuknüpfen. Wenn man einmal von den Schülern absieht, die, wie ich damals auch, von ihren Musiklehrern in die Oper gelockt werden, dann gehörte ich gestern sicherlich mit zu den jüngsten Zuschauern. So möchte ich doch noch anmerken, dass es nicht angebracht ist, nur um ein paar alten Greisen den Lebensabend weiter zu verschönern, die Jugend mit mehr als einer Milliarde Euro zusätzlichen Schulden zu belasten. Besser für alle wäre es wohl, man baut an anderer Stelle ein zeitgemäßes Operngebäude und hält die Staatsoper als Erweiterungsbau für unseren Landtag vor — spätestens wenn dieser die 1 000 Abgeordnetengrenze überschreitet, wird der Platz dringend benötigt werden.

Zurück zur Aufführung. Das Orchester war wie eigentlich immer gut, Profis halt. Vlad Iftinca am Hammerklavier für mich eine positive Überraschung. Die inzwischen obligatorischen Übertitel in deutscher als auch englischer Sprache helfen auch Erstbesuchern der Handlung ohne Probleme zu folgen und gleichen damit auch das zunehmende Manko aus, dass man viele Opernsänger sprachlich nicht mehr verstehen kann — ob dies nur an meinem eigenen Gehör liegt, wage ich zu bezweifeln.

Der Inhalt der Oper ist völlig aus der Zeit gefallen und kann, egal was man noch an Neuem in die Handlung hineininterpretiert, nicht über diesen Sachverhalt hinwegtäuschen. Das mitgegebene Programmheft ist gut gestaltet und nett gemacht — letztendlich aber reiner Kitsch, es sei denn, man möchte damit Schüler begeistern, dann kann man es als einen gutgemeinten Versuch ansehen — und dann würde mich die dahinterstehende Didaktik doch einmal interessieren.

So bleiben die Inszenierung und die Sänger, um die Aufführung noch zu retten. Mir persönlich hat Andreas Wolf als Figaro am besten gefallen, der Publikumsliebling des Abends war allerdings Claudia Muschio als Susanna, die noch während der Premiere die Barbarina gegeben hatte.

Die Inszenierung entzückte mich anfangs mit ihrer Ikea-Idee und brachte auch etwas mehr Bewegung in das Stück, als ich es von anderen Aufführungen noch in Erinnerung hatte. Dies hat dem Stück insgesamt sehr gut getan. Zwischen dem zweiten und dritten Akt gab es dann allerdings einen Bruch, den ich nicht nachvollziehen konnte, und als ich dann glaubte, dass ich den Bühnenaufbau in der dritten Szene verstanden hatte, wurde dieser auch schon wieder aufgelöst. Und so bleibt bei mir ein Bedauern zurück, dass ich nicht vor der Oper die angebotene Gelegenheit ergriffen hatte, mir diese Inszenierung vorab erklären zu lassen.

Alles in allem aber ein sehr gelungener Abend, der die Anfahrt nach Stuttgart mehr als wett machte. Und ich glaube auch weiterhin daran, dass Oper Zukunft hat, insbesondere dann, wenn man sich nicht scheut, die alten und ganz besonders die verstaubten Schinken in das Hier und Jetzt zu transportieren.


Westerwald

Westerwaldlied 5 (1)

Beitragsfoto: Westerwald | © Michael Horstendahl auf Pixabay

Wenn ich schon einmal in Erinnerungen schwelge und an Soldatenlieder denke, dann darf das Westerwaldlied nicht fehlen. Zwar gehört es nicht zu meinen persönlichen Favoriten, dürfte aber dennoch von mir am meisten gesungen worden sein und ist sicherlich neben Lili Marleen das weltweit bekannteste und auch von allen anderen Soldaten am meisten gesungene Lied.

Für mich wurde das Westerwaldlied zur Pflicht als ich Zugführer beim Jägerbataillon 532 in Euskirchen wurde. Zwar verbrachten wird die meiste Zeit mit Truppenversuchen aller Art, wobei diese zwar immer sehr glorreich scheiterten, was aber das Bundesministerium nie davon abhielt, unser Scheitern als grandiose Siege zu feiern. Und so bekamen wir über die Brigade hinaus den Nimbus des Erfolgsgaranten.

Da unser Bataillon schon sehr lange einer Partnerschaft mit den Ardennenjägern unterhielt, die zudem zumindest zu meiner Zeit über eine eigene deutsche Kompanie verfügten, war es für uns selbstverständlich, jedes Jahr am Ardennenmarsch teilzunehmen. Und zu meiner damaligen Überraschung sangen alle Kameraden, die Belgier, die Franzosen, die Niederländer, die Kanadier, die US-Amerikaner und sogar die Schweizer das Westerwaldlied; sollte ich jetzt eine Abordnung vergessen haben, bitte ich die Kameraden hiermit um Verzeihung.

Damals aber marschierte keine andere Infanterie so schnell und so erfolgreich wie unsere Abordnung, und auch keiner schöner als wir — zugegebener Maßen kannten die Franzosen und auch die US-Amerikaner den Text des Westerwaldliedes besser.

Auch wenn wir den Nimbus der Unbesiegbaren — dank des BMVg — hatten, konnten wir auf ein paar weitere Vorteile gegenüber den anderen Marschierern bauen. Unsere Unterführer gehörten mit zu den erfahrensten Ardennemarschierern, und wir konnten immer wieder auf neue Wehrpflichtige zurückgreifen, für die dieser Marsch der Höhepunkt ihres Militärdienstes war — zumindest haben wir ihnen dies so verkauft. Die anderen Infanterien hingegen spulten diesen Marsch neben vielen anderen herunter und waren damit zwar routinierter als unser jungen Soldaten aber damit auch weniger motiviert. Hinzu kam, dass unsere einzige echte Konkurrenz, nämlich die US-Amerikaner schon damals gehandicapt waren. Zwar versuchten sie es immer wieder damit, uns herauszufordern, aber sie mussten schon damals weibliche Soldaten mitschleppen.

Auch — wahrscheinlich aber gerade deswegen — wenn sie ihre weiblichen Führer und alle weiteren weiblichen Soldaten huckepack genommen haben, konnten sie mit uns nur ein paar Kilometer mithalten, dann mussten sie völlig erschöpft zurückstecken.

Und wir nutzten dieses Handicap voll und ganz zu unserem Vorteil. Nachdem wir die anderen Marschordnungen hinter uns gelassen hatten, gingen wir zur offenen Marschordnung über und versammelten uns erst kurz vor der nächsten Ortschaft, dort besserten wir unsere Uniformen auf, wobei die Moleskinuniform mit dem blauen Diensthemd kombiniert wurde und die Stiefel ein paar Nägel bekamen. Und so präpariert marschierten wir in geschlossener Formation mit dem Westerwaldlied durch die jeweiligen Ortschaften — die Fenster flogen regelmäßig auf und, ob alt oder jung, alle genossen das Spektakel.

Nach erfolgreich erreichtem Etappenziel mussten wir dann noch jeweils ein zwei Stunden als Ehrenformation auf einem der vielen Soldatenfriedhöfe verbringen, bevor es dann in die Zelte ging. Während der Nacht gut mit Sanitätern versorgt, starteten wir am Folgetag aufs Neue und ließen wieder einmal alle anderen Abordnungen weit hinter uns zurück.

Ach, als einmal die Niederlande gegen Deutschland ein wichtiges Fußballspiel verloren, kam es in unserem Zeltlager sogar zu einer kleinen Rauferei — die allerdings ein Bataillonskommandeur sehr schnell beendete.

Und nun zum Westerwaldlied

Westerwaldlied

Heute wollen wir marschier’n
Einen neuen Marsch probier’n
In dem schönen Westerwald
Ja da pfeift der Wind so kalt

O du schöner Westerwald
Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt
Jedoch der kleinste Sonnenschein
Dringt tief ins Herz hinein

Und die Gretel und der Hans
Geh’n des Sonntags gern zum Tanz
Weil das Tanzen Freude macht’
Und das Herz im Leibe lacht

O du schöner Westerwald
Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt
Jedoch der kleinste Sonnenschein
Dringt tief ins Herz hinein

Ist das Tanzen dann vorbei
Gibt es meistens Keilerei
Und dem Bursch, den das nicht freut,
Sagt man nach, er hat kein’ Schneid

O du schöner Westerwald
Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt
Jedoch der kleinste Sonnenschein
Dringt tief ins Herz hinein

Freiheit, Recht und Einigkeit
Hüten wir im Waffenkleid
Wenn’s dem Gegner nicht gefällt
Schützen wir’s in Wald und Feld

O du schöner Westerwald
Über deine Höhen pfeift der Wind so kalt
Jedoch der kleinste Sonnenschein
Dringt tief ins Herz hinein

U.a. Willi Münker, 4. Strophe Bundeswehr

Das Lied wird immer zusammen mit Pfiffen und den folgenden Rufen gesungen: „Eukalyptusbonbon“, „Prima Damenschlüpfer“ oder „Hol den Spieß vom Fahrrad“. Ich vermute hier einmal, dass gerade diese Rufe und Pfiffe dem Lied zu seinem großen Erfolg verholfen haben.

Sollst nicht uns lange klagen,
Was alles dir wehe thut.
Nur frisch, nur frisch gesungen!
Und alles ist wieder gut.

Adelbert von Chamisso, Frisch gesungen (1835)