Newport Beach

Reboot 5 (2)

Beitragsfoto: Newport Beach

Mein erster Strandspaziergang des Jahres dauerte etwas länger, wobei sich die Strecke in den letzten Jahrzehnten nicht geändert hat. Ohne Frage, die Jahre gehen an keinem spurlos vorbei. Sinn und Zweck dieses Spaziergangs war nicht ein notwendiger Reboot, denn das bleibt weiterhin den Maschinen und Computern vorbehalten, sondern eine Neuverknüpfung meiner aktuellen Gedankengänge.

Interessanterweise gab es doch so einige interessante Themen, die mich in letzter Zeit umtreiben und so konnte ich zum einen Projektarbeit mit meinen Vorlesungen und zum anderen die Maslowsche Bedürfnishierarchie mit dem Buch Walden von Henry David Thoreau miteinander in Verbindung bringen, wobei das eine ebenfalls mit dem anderen wieder gut in Übereinklang zu bringen ist.

Heutzutage muss einfach alles zu einem Projekt werden, wohl weil inzwischen Projektmanagement auch vom letzten Hinterwäldler als etwas Erstrebenswertes anerkannt wird. „Management“ ist schon etwas länger der letzte Schrei und wird heute wohl nur noch vom „Projektmanagement“ übertroffen; ganze Märkte sind um diese beiden Begriffe entstanden und selbst die Werbung kann nicht mehr umhin, wirklich alles zum Projekt zu verklären. Die Krux dabei ist, dass Projektmanagement nur dann funktionieren kann, wenn es sich bei der bestehenden oder auch nur vermeintlichen Herausforderung auch wirklich um ein Projekt handelt.

Nur Scharlatane managen Projekte, die keine sind. Aber wie schon gesagt, dies ist inzwischen ein sehr lukrativer Markt und ich kenne einen Freund [Du weißt schon, dass ich Dich damit meine], der sammelt ganze Bücherschränke mit entsprechender Literatur.

Nachdem ich dies für mich persönlich beim Spazieren geklärt hatte, kam ich auf Henry David Thoreau, der seine Grundbedürfnisse bereits im 19. Jahrhundert sehr treffend formulierte, und nicht umhin, diese mit der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow zu vergleichen, aber nur weil ich vor kurzem noch Maslow zum Thema einer meiner Vorlesungen hatte. Auch wenn Maslows Modell bereits von uns damaligen Studenten in den 1980er-Jahren hinterfragt wurde, hat es aufgrund seiner Einfachheit einen gewissen Charme und gehört heute noch mit in den Kanon der Literatur, zumindest dem von Hochschulen.

Was mich dabei aber überraschte, war die heutige Definition von Grundbedürfnissen, die in ihrer Interpretation der Maslowschen Bedürfnishierarchie doch schon ein wenig von den klassischen Grund- und Existenzbedürfnissen abweichen. Es würde mich nicht wirklich erstaunen, wenn in ein paar Jahren in unseren Bildungseinrichtungen die Durchsetzung von LGBT-Rechten als menschliches Grundbedürfnis verkauft wird.

Auf alle Fälle bin ich mir ziemlich sicher, dass Abraham Maslow das Buch Walden kannte, noch bevor er angeblich von den Blackfoot-Indianern zu seiner Theorie inspiriert wurde. U. a. deshalb finde ich das Buch Walden noch heute so spannend und werde mich in den kommenden Tagen darin etwas vertiefen.

Ob nun Maslow, Thoreau oder gar mein Alter daran schuld sind, dass ich mir bei meinem heutigen Spaziergang vorgenommen habe, die Welt um mich herum weiter zu entschleunigen, kann ich nicht wirklich sagen, auf alle Fälle aber trugen die Delfine mit dazu bei, die ich beim Spaziergang einige Zeit beobachten konnte.

Dann aber wurde meine Aufmerksamkeit von ein paar Surfern abgelenkt, die trotz des sehr frischen Wetters versuchten, ein paar Wellen zu reiten. Besonders ein Surfer fiel mir dabei ins Auge, der mit einem für mich ganz neuen Surfgerät unterwegs war und sichtlich Spaß an „seiner“ Erfindung hatte. In den Nuller-Jahren fielen mir am Strand die Stand-up-Paddler zum ersten Mal ins Auge, inzwischen sind solche Sportler bereits auf dem Neckar mit ihren Geräten anzutreffen. Und so bin ich jetzt einmal sehr gespannt darauf, wann ich dieses „neue“ Sportgerät auf dem Neckar erblicken werde.

„There are nowadays professors of philosophy, but not philosophers. … It is to solve some of the problems of life, not only theoretically, but practically.“

Henry DAvid Toreau, Walden (2020 [1854]: 12)

Blitz

Stabsarbeit 5 (1)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Gute Stabsarbeit wäre auch in Verwaltungen nicht nur angebracht, sondern absolut notwendig. Dass dies keine neue Erkenntnis ist, zeigt ein Brief des ersten Inspekteurs des Heeres Generalleutnant Hans Röttiger, der sich am 6. August 1957 wie folgt an seine direkten Mitarbeiter wandte.

Leider haben wohl bis heute „Fehlfarben“ als auch Verwaltungsbeamte ihre Probleme damit. Und auch in Vereinsvorständen ist es ziemlich schwierig, um solch eine Arbeitsweise etablieren zu können. Auch dort begnügen sich sehr viele noch heute mit einer rein buchungsmäßigen Anwesenheit und sollten sie einmal tatsächlich anwesend sein, mit viel nutzlosem Geschwätz.

Was in Vereinen durchaus seinen gewissen Charme haben kann — zumindest habe ich dies in den letzten Jahrzehnten so erleben können — und man letztendlich dann alles selber oder zusammen mit ein paar wenigen Leistungsträgern macht, ist beim Militär letztendlich tödlich und sorgt in Verwaltungen dazu, dass diese einfach nur noch da sind — meist in einer XXL-Version — und maximal den Bürgern völlig zur Last fallen oder diese permanent belästigen.

Wem dieser Kommandeurbrief ebenso gefällt, der kann ihn gerne hier als PDF herunterladen.


Gedanken

Denkgedanken 5 (1)

Beitragsfoto: Gedanken | © Stefan Keller auf Pixabay 

Denken findet bekanntlich im Kopf statt, wenngleich auch immer wieder behauptet wird, dass manche Menschen mit dem Bauch oder gar mit ihren Genitalien denken würden. Manche Menschen meinen sogar, dass das Denken nur dem Homo sapiens vorbehalten sei. Wiederum andere gehen davon aus, dass sogar menschengemachte Maschinen (zukünftig) denken können.

Was ist das Denken aber überhaupt? Ich meine, es gehört erst einmal eine Art von Subjekt dazu, welches in etwa meint „Cogito ergo sum“. Und um dies zu können bedarf es einer Art von Hülle mit dem sich dieses Subjekt identifiziert. Und um dies zu können bedarf es weiterhin einer Umwelt und Sinnen, mit denen sich das Subjekt erkennen, sich von der Umwelt abgrenzen und diese halbwegs wahrnehmen kann.

Und so kann man davon ausgehen, dass dieses besagte Denken in der Hülle, die wie auch immer gestaltet ist, stattfinden muss. Heutzutage geht man davon aus, dass das Gehirn zumindest die Schaltzentrale des Denkens ist, aber ohne zu wissen, ob es einem Subjekt auch ohne Gehirn möglich wäre zu denken. Ich vermute, dass die ersten Subjekte in der Entwicklungsgeschichte noch ohne Hirn ausgekommen sind und bereits sämtliche „Schaltungen“ in der Hülle zwischen Subjekt und Umwelt denkfähig waren.

Und so gehe ich davon aus, dass die Neuronen im Hirn, die sich beständig untereinander verknüpfen, zwar ein wichtiger Teil des Denkens nicht aber der gesamte Denkapparat sind. Ähnlich der von Saiten eines Instrumentes, die man durch Reize zum Schwingen bekommt und welche sich nur in Verbindung mit einem Resonanzkörper bemerkbar machen.

Deshalb meine ich, dass nicht die Nerven oder gar das Hirn denkt, sondern das gesamte über diese zum Schwingen gebrachte Subjekt. Es sind damit nicht die neuronalen Verknüpfungen im Hirn die denken, sondern, die von diesen ausgehend oder auch nur verstärkten Schwingungen des Subjekts an sich. Damit wären Gedanken eine Art von Welle.

Was nun zu der Vermutung führt, dass das Denken auch nicht ausschließlich in einem Subjekt stattfindet, sondern auch von mehreren Subjekten gemeinsam — unabsichtlich, aber auch ganz bewusst — vollbracht werden kann. Ich meine der Begriff „Schwarmintelligenz“ passt ganz gut dazu.

Dies könnte auch erklären, warum manche Gedanken ganz plötzlich in aller Munde sind. Man vermutet in Analogie zu den Genen, dass es auch Meme gäbe, die solchen Wissenstransfer sicherstellen. Mir persönlich gefällt da der Wellengedanke schon etwas besser.

Was mich nun ganz folgerichtig zum Gedächtnis führt. Und in Anlehnung meiner vorherigen Gedankengänge gibt es dann ein solches überhaupt nicht, zumindest nicht als Vorstellung eines „Wissens- oder Gedankenspeichers“, etwa einer Art von menschlicher Festplatte. Und das Hirn, egal mit wieviel Verknüpfungen auch immer versehen oder egal mit welcher Masse auch immer ausgestattet, ist weder das Gedächtnis an sich noch beinhaltet es dieses.

Wenn wir uns zu erinnern glauben, dann wiederholen wir einfach nur bereits gedachte Denkprozesse und kommen dabei je nach Reizen und Schwingungen sowie der aktuellen Konstitution des eigenen Subjekts zu ähnlichen Ergebnissen, unseren Erinnerungen.

Was nun die Frage aufwirft, was geschieht mit unserem Denken und unseren Gedanken, wenn unsere Hülle aufhört zu existieren? Denken andere unsere Gedanken weiter? Strahlen unsere Gedanken wie das Licht über unser eigenes Subjekt hinaus in die Unendlichkeit — wobei die Wellenlänge immer kleiner und damit auch immer weniger feststellbar wird, aber das Licht selbst nie ganz verschwindet. Leben wir gar in diesen Gedanken weiter?

Nachtrag 11. April 2023

Sehr interessant ist der Artikel von Oliver Whang in der New York Times von heute, der sich ebenfalls zu obigen Thema unter dem Titel „Can Intelligence Be Separated From the Body? – Some researchers question whether A.I. can be truly intelligent without a body to interact with and learn from the physical world.“ äußert.

Meinen Lesern steht dieser Artikel kostenfrei zur Verfügung.

„Philosophie, wie sie im Angesicht der Verzweiflung einzig noch zu verantworten ist, wäre der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellten. Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung her auf die Welt scheint: alles andere erschöpft sich in der Nachkonstruktion und bleibt ein Stück Technik.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 283)