Experimenta

6.9.02021 5 (3)

Experimenta | © Shutterstock

Neckarbogen

Eigentlich war es von vornherein klar, erst sollten keine fremden Autos mehr in den Neckarbogen einfahren dürfen, und sämtliche Besucher, wenn überhaupt, nur noch ganz leise durch das neue Stadtquartier wandeln. Jetzt sind die Gänse dran, dann die Enten, Frösche und sonstiges Getier. Der Folgeschritt sind dann die Insekten, die stören und vernichtet werden müssen.

Zum Schluss sprudeln dann in den beiden Seen Champagner-Fontainen und der Neckarbogen wird zum Erfolgsmodell der Stadtverwaltung.

Imageproblem

Es gibt bei uns wohl keine Arbeit, die es tatsächlich noch mit dem Beruf des Abgeordneten aufnehmen kann. Nirgends verdient man so viel mit so wenig Eigenleistung. Und nirgends ist man so schnell bis ins hohe Rentenalter abgesichert, wie in der Berufspolitik. Und nirgends kann man nebenher so viel Geld dazuverdienen, wie als Volksvertreter.

Das ist spätestens seit YouTube allen Jugendlichen und jung gebliebenen Erwachsenen bekannt, und dennoch werden unsere Parteien nicht mit jungen aufstrebenden Menschen überflutet.

Vielleicht sollten die Parteien mehr damit werben, dass die Work-Life-Balance eines Politikers selbst die eines Richters oder Hochschulprofessors toppt, denn in welchem Beruf kann man „Profisport“, umfangreiche Sammelleidenschaften, Universitätsstudien, weitere Berufe, oder gar eine Zweitfamilie ohne Probleme integrieren?

Aber auch dies dürfte bereits vielen Berufsanfänger durchaus bekannt sein, und immer noch gibt es einen Mangel an qualifiziertem Politikernachwuchs — Philipp Amthor einmal ausgenommen.

So bleibt zu vermuten, dass der Beruf eines Politikers ein echtes Imageproblem hat — warum nur?

Kostenlos

Das ist wie beim Freibier, denn jemand muss die Zeche zahlen. Und so ist es auch beim kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, den Kindergärten, einem Studium und sonstigen nett gemeinten Dingen.

In all diesen Fällen zahlen die Steuerzahler und das sind, wie wir alle inzwischen wissen, nicht die Superreichen oder zumindest gut situierten Bürger, und auch nicht die vielen Mitbürger, die beständig von der Hand in den Mund leben. Es sind ausschließlich jene, die man noch als sogenannten Mittelstand kennt, die nicht mit ihrem Geld aus der Steuerpflicht flüchten. Also inzwischen viel zu wenige Bürger, welche die immer höher werdenden Staatsausgaben zu tragen haben.

Und da diese Steuern schon lange nicht mehr ausreichen, geht man bereits — ohne jegliche Hemmungen — an die letzten Ersparnisse der Bürger bis hin zu den Notgroschen oder die private Renten- und Krankheitsvorsorge.

Und da bei uns immer mehr kostenlos sein soll, werden auch die Enteignungsideen noch vielfältiger werden, um all jenen, die noch tatsächlich und auch produktiv arbeiten, das letzte Geld aus der Tasche zu ziehen.

Um diese Bürger dann ein wenig zu beruhigen, verspricht man immer wieder, die richtig Reichen zu besteuern, was man aber nie machen wird, oder man verspricht jene, die, aus eigenen Stücken heraus, nur in den Tag hinein leben und sich dabei an den vielfältigen kostenlosen Angeboten des Staats erfreuen können, mehr in die Pflicht zu nehmen, was man aber auch nie machen wird.

Wann wird diese Spirale wohl enden?

Wahrscheinlich erst dann, wenn all jene, die es sich noch leisten können, ausgewandert sind, und der Rest arm wie eine Kirchenmaus sein wird. Natürlich ausgenommen von unseren Wohltätern, den dafür Verantwortlichen, denn die leben dann inmitten der Armut wohlbehütet und im puren Luxus — das war in all den Ländern, wo wirklich alles kostenlos ist, schon immer so!

Artikel des Tages

Konrad Adam in der NZZ: Deutschland – wo die Blamage politischer Alltag ist

Videos des Tages

Geburtstag des Tages

Franz Josef Strauss


Kakteen

4.8.02021 5 (1)

Schornsteine

Hatte ich noch vor Jahrzehnten vergeblich gehofft, dass gleich zwei Atomkraftwerke in der Nähe Heilbronns das Kohlekraftwerk ersetzen würden, musste ich später erkennen, dass man Dinge, mit denen man Geld verdienen kann, nicht einfach so abschafft — ganz besonders dann, wenn die Spätfolgen und tatsächlichen Kosten jemand anderes zahlt.

Und so wundert es niemanden, dass unser Kohlekraftwerk immer noch raucht. Auch kann man Verständnis dafür haben, dass man weiterhin am Konzept von Großkraftwerken festhält, da diese den entsprechenden Konzernen bestmögliche Einkünfte bei geringstem eigenen Einsatz oder gar Verantwortlichkeit bietet. So ist ein neues Gaskraftwerk nur verständlich und wir dürfen darauf hoffen, dass dieses weniger gesundheitsschädlich sein wird als seine Vorgänger.

Was mit den Schornsteinen und den überflüssigen Kraftwerksanlagen geschieht, steht noch in den Sternen. Hoffen wird nun darauf, dass uns der Betreiber diese nicht als „historische Objekte“ verkauft und wir zum Schluss auch noch deren artgerechte und teure Entsorgung finanzieren müssen. Wahrscheinlich aber werden sie so lange in der Gegend herumstehen, bis unseren Enkeln nichts anderes übrig bleiben wird, als diese endgültig zu entsorgen. Mein Tipp an unsere Enkel: die Schornsteine können dabei durchaus als Mahnmal für die völlige Verantwortungslosigkeit der eigenen Großeltern stehen bleiben!

Europastammtisch

Es macht doch einen Unterschied, ob man sich rein virtuell oder aber tatsächlich vor Ort trifft. So konnten sich gestern wieder die ersten Europastammtischler treffen, wobei ich feststellen durfte, dass man in der Realität doch ein wenig anders aussieht als auf einem Bildschirm.

Besonders gefreut hat es mich, dass wir neben dem guten Essen gleich zwei Themen diskutieren konnten, welche man durchaus auch beim vielleicht noch kommenden Bundestagswahlkampf aufgreifen könnte.

Streetart

Gestern kurz vor 16.00 Uhr in der Urbanstraße, ein Mann fällt dadurch auf, dass er erst gegen einen Baum pinkelt, gegen fahrende Autos und dann gegen die Scheiben eines Autohauses. Seine Verkleidung und Kunstfertigkeiten beim Pinkeln lassen sofort auf einen Streetart-Künstler schließen, zumal er durch eine halbe Pirouette und einem gekonnten Hüftschwung um einen Passanten herumpinkelte, wieder fahrende Autos beglückte, sich erneut der Schaufensterscheibe widmete, bevor er zum Schluss nur ganz knapp den Baum verfehlte.

Die Dauer seiner Aufführung hätte jeden Urologen glücklich gemacht, und mich dadurch, dass ich nunmehr die Gewissheit habe, dass solche „Streetart“ nicht nur auf die Nordstadt und die Neckarmeile begrenzt ist. Zu bemängeln wäre nur, dass diese Künstler weiterhin im Heilbronner Osten sowie im Neckarbogen Auftrittsverbote haben; hier könnte die Stadtverwaltung durchaus großzügiger sein.

Die Stadtverwaltung könnte sich zudem sehr leicht und dabei sehr kostensparend als kulturfördernd präsentieren, wenn sie nun auch noch die letzten öffentlichen Toiletten schließt. Die dabei eingesparten Gelder wären dann frei, um zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter zu beschäftigen, die sich ausschließlich für die Koordinierung und Bewerbung Heilbronner Streetart-Künstler verantwortlich fühlen.


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

2.8.02021 5 (5)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Inzidenz

Heilbronn ist erneut Meister — Inzidenzmeister mit einer Inzidenz von 41,1! — einfach eine „starke Stadt“, so der Oberbürgermeister. Zum Vergleich: Baden-Württemberg liegt heute bei einem Inzidenzwert von 15.

Es sind aber nicht anonyme, heimliche oder gar „ausländische“ Bewohner Heilbronns, die für diese Inzidenzen verantwortlich zu machen sind! Auch nicht die Sangria-geschwängerten „Malle-Rückkehrer“.

Verdränger

Wir alle sind es, da wir uns seit Monaten als Stadtbevölkerung kaum bis gar nicht an die notwendigen Einschränkungen oder Verhaltensregeln halten. Man merke sich, Einzelfälle machen keine Pandemie, da müssen sich schon weit mehr daran beteiligen.

Und wie schon gesagt, eine Pandemie ist eine Krisensituation, so wie die Folgen von Überschwemmungen, Erdbeben oder Orkanen auch. Und genau für solche Krisensituationen haben wir Bürgermeister, Verwaltungen und weitere Institutionen, die uns dabei helfen, diese Situationen so schnell wie möglich wieder in den Griff zu bekommen.

Gäbe es nur Schönwetter, könnten wir uns diese Strukturen zum großen Teil sparen. Und sobald eine Krisensituation auftritt, müssen wir feststellen, ob wir wollen oder nicht, wie gut unsere Bürgermeister, Verwaltungen und sonstige Institutionen aufgestellt sind.

So können wir in Heilbronn ganz froh sein, dass es „nur“ eine Pandemie ist, und wir vom Land sowie auch vom Bund weiterhin unterstützt werden.

Übrigens, nur mit Schönreden und Facebook-Posts lassen sich Inzidenzen kaum senken.

Uwe Sunde von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat es heute so schön auf den Punkt gebracht, indem er seinen Beitrag mit „Land der Verdränger“ überschrieb. In mehreren eigenen Blogbeiträgen hatte ich dieses Thema bereits aufgegriffen und gemahnt, dass man der Realität nicht lange entkommen werden kann. Selbst einem Honecker gelang dies nur ein paar Jahrzehnte lang und dies nicht nur auf Kosten der Ostzone, sondern Gesamtdeutschlands.

Auch wenn wir alle heute noch unter dieser wirklich famosen Realitätsverweigerung leiden, hält es unsere Politik nicht davon ab, dieses bewährte „Erfolgsrezept“ auf unser gesamtes Land auszuweiten. Dabei wird die Politik vom Motto „Nach uns die Sintflut“ geleitet, und, wie bereits mehrfach erwähnt, wir alle machen lustig mit, bis auf diejenigen, die so langsam erkennen müssen, dass für sie die Sintflut etwas zu früh kommen wird.

Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass es am Sonntag, 26. September 2021 — Tag der Bundestagswahl — keine einzige Partei geben wird, die sich überhaupt der Realität stellen möchte. Es wird weiterhin für den eigenen Wahlsieg geblendet, gelogen und betrogen, einen „Sieg“, der unser Land zwar weiter an den Abgrund rückt, aber dem Wähler weiterhin seine Leistungsrente sichert.

Versprechen

Die nördliche Innenstadt wird heute erneut mit Versprechungen abgespeist, anstatt, wie in prominenteren Stadtteilen auch, einfach ein paar neue Zebrastreifen in der Gerberstraße und der Lammgasse aufzumalen. Schon alleine das würde bereits helfen.

Zusätzlich könnte man die Kontrollen seitens der Stadt verstärken und den knappen Parkraum überwachen; dann käme es nicht mehr vor, dass abgemeldete Fahrzeuge dort wochenlang Parkplätze blockieren. Auch könnten sich Strafzettel für notorische Parkhausverweigerer, oder „Auswärtige“, die in der Innenstadt arbeiten oder shoppen und deshalb wild parken, bereits kurzfristig positiv auswirken.

Das weitere Hinhalten bis 2028 ist schon pure Verhöhnung der Anwohner und wird bestimmt noch dadurch übertroffen werden, indem sowohl die Lammgasse als auch die Gerberstraße zukünftig zu wichtigen Heilbronner Verkehrsachsen erklärt werden, um die Verkehrsbelastung für den Neckarbogen auf ein Minimum zu bringen.