Kaiserstraße | © Shutterstock

25.3.02022 5 (1)

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Steile These

Seit Jahrzehnten frage ich mich, warum gerade SPD und Gewerkschaften unser Bildungssystem ruinieren? Dabei ist es doch völlig verständlich. Haben beide „Institutionen“, die sich dem vermeintlichen Volkswohl verschrieben haben, doch sehr schnell feststellen müssen, dass ihnen die gut genährten Arbeiter reihenweise davonlaufen. Eine halbwegs gesicherte Anhängerschaft gewinnen sie nur noch bei solchen Arbeitsplatzinhabern, deren Wohl und Wehe an einem staatlich gelenkten Arbeitsmarkt hängt — aber auch hier wildern bereits schon die anderen Parteien.

Deshalb müssen sich SPD und die Gewerkschaften, genau so wie die Sozialverbände und Hilfsorganisationen auch, selber verstärkt um ihre zukünftigen Wähler und Kunden kümmern, da eine funktionierende Marktwirtschaft langsam aber sicher nicht nur die Armut abschafft, sondern auch ganz folgerichtig die abhängige Lohnarbeit.

Deshalb setzen die Parteiideologen schon sehr lange alles daran, nicht nur ein ausreichend großes Prekariat zu schaffen, sondern dies auch für alle Zeiten festzuzementieren!

Und wie kann man das am besten erreichen? Ganz einfach, indem man das öffentliche Bildungssystem sabotiert sowie Intelligenz, Leistung, Eigeninitiative und Fleiß als die neuen Todsünden einer Gesellschaft etabliert.

Dumme und bequeme Menschen werden ein gutes Mitgliederpotential bilden, das sich darüber freut, dass Ihnen die SPD und die Gewerkschaften regelmäßig Almosen anbieten — und diese haben aus ihren Fehlern gelernt, denn zu gut darf es „ihren Kunden“ dabei nicht mehr gehen, sonst gucken diese einmal über den Tellerrand hinaus.

Und was habe ich daraus gelernt?

Traue keinem Menschen, der seine eigene Existenz auf der Notlage anderer Menschen aufbaut!

Parkplätze

Seit 2015 frage ich mich immer wieder, warum man in Heilbronn (z. B. Südbahnhof oder Neckarbogen) keine ausreichenden Parkplätze vorsieht und schafft. Und ich frage mich dies nicht nur selbst, sondern regelmäßig auch unsere Stadträte. Gerade vor Neubauvorhaben (z. B. Hochgelegen), denen unsere Stadträte zustimmen müssen.

Meine entsprechenden Hinweise, dass jede neue Wohnung sicherlich mehr als einen Stellplatz benötigt und dies auch noch die kommenden Jahre so sein wird, und es deswegen zwingend sei, dass man bei der Planung je Wohnung mindestens 1,5 Parkplätze (Stellplatzschlüssel) mit einbezieht, wird von den von mir diesbezüglich angesprochenen Stadträten immer mit dem Hinweis abgelehnt, dass sie darüber keine Entscheidungsbefugnis hätten, da dies im Landesrecht eindeutig festgelegt sei — ergo, unsere Stadträte nur hilflose Erfüllungsgehilfen eines größeren Ganzen sind.

Heute darf ich nun in der Heilbronner Stimme das Folgende lesen:

„Im ersten Bauabschnitt, berichtet Jan Fries, habe der Stellplatzschlüssel bei 0,6 gelegen. Für den zweiten Bauabschnitt sei der Schlüssel auf 0,8 angehoben worden, gebaut würde nun aber letztendlich mit dem Schlüssel von 0,5 Stellplätzen pro Wohnung. Zusätzlich, betont Fries, könne die geplante Quartiersgarage Stellplatzbedarfe abdecken.“

Heilbronner Stimme (25.03.2022: 31)

So wie sich das Ganze nun darstellt, haben unsere Stadträte doch ein Wörtchen mitzureden. Denn letztendlich entscheiden diese darüber, wer Geld oder andere Vorteile vom Staat erhält und wer die Zeche dann zu bezahlen hat. Besser wäre, unsere Stadträte würden sich darüber Gedanken machen, wie man Probleme gelöst bekommt und zukünftige Herausforderungen zu meistern sind. Nur für Entscheidungen, wer verdienen darf und wer nicht, benötigen wir keine Parlamente (!) — auch keine Gemeinderäte.

Nun auch etwas neugieriger geworden, habe ich mal im Landesrecht nachgeschaut und stelle Ihnen den entsprechenden Paragraphen hier einmal vor:

§ 37
Stellplätze für Kraftfahrzeuge und Fahrräder, Garagen

(1) Bei der Errichtung von Gebäuden mit Wohnungen ist für jede Wohnung ein geeigneter Stellplatz für Kraftfahrzeuge herzustellen (notwendiger Kfz-Stellplatz). Bei der Errichtung sonstiger baulicher Anlagen und anderer Anlagen, bei denen ein Zu- und Abfahrtsverkehr zu erwarten ist, sind notwendige Kfz-Stellplätze in solcher Zahl herzustellen, dass sie für die ordnungsgemäße Nutzung der Anlagen unter Berücksichtigung des öffentlichen Personennahverkehrs ausreichen. Statt notwendiger Kfz-Stellplätze ist die Herstellung notwendiger Garagen zulässig; nach Maßgabe des Absatzes 8 können Garagen auch verlangt werden. Bis zu einem Viertel der notwendigen Kfz-Stellplätze nach Satz 2 kann durch die Schaffung von Fahrradstellplätzen ersetzt werden. Dabei sind für einen Kfz-Stellplatz vier Fahrradstellplätze herzustellen; eine Anrechnung der so geschaffenen Fahrradstellplätze auf die Verpflichtung nach Absatz 2 erfolgt nicht.

(2) Bei der Errichtung baulicher Anlagen, bei denen ein Zu- und Abfahrtsverkehr mit Fahrrädern zu erwarten ist, sind Fahrradstellplätze herzustellen. Ihre Zahl und Beschaffenheit richtet sich nach dem nach Art, Größe und Lage der Anlage regelmäßig zu erwartenden Bedarf (notwendige Fahrradstellplätze). Notwendige Fahrradstellplätze müssen von der öffentlichen Verkehrsfläche leicht erreichbar und gut zugänglich sein und eine wirksame Diebstahlsicherung ermöglichen; soweit sie für Wohnungen herzustellen sind müssen sie außerdem wettergeschützt sein.

(3) Bei Änderungen oder Nutzungsänderungen von Anlagen sind Stellplätze oder Garagen in solcher Zahl herzustellen, dass die infolge der Änderung zusätzlich zu erwartenden Kraftfahrzeuge und Fahrräder aufgenommen werden können. Satz 1 gilt nicht bei der Teilung von Wohnungen sowie bei Vorhaben zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum durch Ausbau, Anbau, Nutzungsänderung, Aufstockung oder Änderung des Daches, wenn die Baugenehmigung oder Kenntnisgabe für das Gebäude mindestens fünf Jahre zurückliegen.

(4) Die Baurechtsbehörde kann zulassen, dass notwendige Stellplätze oder Garagen erst innerhalb eines angemessenen Zeitraums nach Fertigstellung der Anlage hergestellt werden. Sie hat die Herstellung auszusetzen, solange und soweit nachweislich ein Bedarf an Stellplätzen oder Garagen nicht besteht und die für die Herstellung erforderlichen Flächen für diesen Zweck durch Baulast gesichert sind.

(5) Die notwendigen Stellplätze oder Garagen sind herzustellen

1. auf dem Baugrundstück,
2. auf einem anderen Grundstück in zumutbarer Entfernung oder
3. mit Zustimmung der Gemeinde auf einem Grundstück in der Gemeinde.

Die Herstellung auf einem anderen als dem Baugrundstück muss für diesen Zweck durch Baulast gesichert sein. Die Baurechtsbehörde kann, wenn Gründe des Verkehrs dies erfordern, mit Zustimmung der Gemeinde bestimmen, ob die Stellplätze oder Garagen auf dem Baugrundstück oder auf einem anderen Grundstück herzustellen sind.

Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO) in der Fassung vom 5. März 2010

Antidemokraten

Es wäre ein grober Fehler anzunehmen, dass selbst in der erfolgreichsten Demokratie alle Bürger Demokraten sind. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass die erfolgreichen Demokratien nicht nur Antidemokraten aus allen Ländern anziehen, sondern mehr noch, ideale Brutstätten für ganz neue Antidemokraten sind. Dies konnten wir jüngst in den USA besonders gut beobachten, und die meisten von uns sind heute noch darüber geschockt.

Wahrscheinlich ist dies aber zwingend notwendig, denn, wenn alle gut wären, gäbe es das Gute ganz folgerichtig gar nicht mehr. Und so kann man nur ein guter Demokrat sein, wenn man zu jeder Zeit die Wahl hat, auch ein Antidemokrat sein zu können.

Und um wieder auf uns Deutsche zu sprechen zu kommen, wir wurden sowohl 1945 als auch 1989 nicht freiwillig und dabei ganz bestimmt auch nicht glühende Demokraten. Zu diesen beiden „Zeitenwenden“ waren die bereits vorhandenen Demokraten, in West wie Ost, ein ganz kleine Minderheit, von denen bei der weiteren Ausgestaltung der Demokratie die wenigsten dann auch selbst zum Zuge kamen.

Die meisten von uns konnten dies ganz gut in den 1990er-Jahren mitverfolgen, wie die aussichtsreichsten Kommunisten der DDR über Nacht in sämtliche Ämter der bundesdeutschen Demokratie gehievt wurden und selbst bis heute noch den demokratischen Diskurs mitbestimmen.

Wir haben aus den Fehlern der Bundesrepublik der 1950er bis 1970er-Jahre nichts gelernt, denn dort wurden wenigstens ein paar Nationalsozialisten immer wieder einmal aus ihren demokratischen Ämtern entfernt. Dies ist unseren kommunistischen Mitbürgern bis heute erspart geblieben.

Sehr gut konnten wir — auf jeden Fall die älteren unter uns — auch mitverfolgen, wie die Antidemokraten sich in die demokratischen Parteien völlig integrierten, teilweise über Jahrzehnte hinweg, und dann, in Wellen sozusagen, immer wieder durch Neugründungen am linken oder rechten Rand zu glauben meinen, dass ihre Zeit erneut gekommen sei.

Und deshalb muss man, ob man will oder nicht, zur Kenntnis nehmen, dass das demokratische Parteienspektrum der Bundesrepublik Deutschland kleiner ist als man allgemein anzunehmen glaubt. Ich habe selbst sehr lange gebraucht, um diese Tatsache akzeptieren zu können, nämlich, dass es rechts der CSU keine demokratische Partei geben kann und auch keine demokratische Partei links der SPD — einmal von ein paar verirrten, vielleicht auch nur verwirrten, Gestalten abgesehen, die diesen antidemokratischen Parteien ein demokratisches Mäntelchen umhängen sollen.

Das wirklich Interessante an dieser Angelegenheit ist, dass es wohl kaum noch — Victor Orban und Co einmal abgesehen — Politiker oder Parteien gibt, die ganz offen so richtig und aus voller Überzeugung zu ihrer antidemokratischen Einstellung stehen.

Nämlich damit lassen diese Antidemokraten vermuten, dass inzwischen wohl in unseren Gesellschaften die Demokratie — und dies nach all den vergangenen Jahrzehnten — tatsächlich mehrheitsfähig geworden ist, und diese Antidemokraten uns Wähler nur noch durch täuschen und tricksen wieder davon abbringen zu können glauben.

Geburtstage des Tages

Arturo Toscanini, Béla Bartók und Aretha Franklin


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

28.2.02022 5 (2)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Der totale Widerstand

Es gibt in Europa Länder, die tatsächlich wehrfähig und -willig sind. Diese Länder haben für ihre Bevölkerungen auch die Grundlagen geschaffen, dass diese sich auf den Ernstfall vorbereiten können; es muss dabei auch nicht jeder Widerstandskämpfer werden.

Die etwas älteren Bürger unseres Landes wissen noch, wie man für sich geeignete Vorräte anlegt und auch schon bestimmte Vorkehrungen trifft. Meiner Generation rate ich, dass sie nicht davon ausgehen soll, sich kurzfristig mit dem Flieger oder dem Auto der Gesamtsituation entziehen zu können. Dieser Luxus wird wohl nur unseren Volksvertretern vorbehalten bleiben.

Wer sich gerade wegen der aktuellen Situation — gehen wir einmal nicht davon aus, dass es auch zu einem Atomkrieg kommt — etwas mehr Gedanken macht, dem empfehle ich ein schon etwas älteres Buch von Major H. von Dach mit dem Titel „Der totale Widerstand – Kleinkriegsanleitung für jedermann“.

Das Buch gibt einen guten Eindruck darüber, was geschehen kann, wenn es kein Territorialheer gibt oder auch die letzten eigenen Streitkräfte unser Land verlassen mussten.

Pferdemarkt

Sehr erfreulich ist, dass der Pferdemarkt auch auf der Theresienwiese ein voller Erfolg wurde. Das beweist, dass ich mit meinen Vorschlägen, auch den Weihnachtsmarkt dort die letzten beiden Jahre zu veranstalten, nicht ganz falsch lag. Dies hätte unseren Marktbetreibern sicherlich sehr geholfen.

Aufgrund der aktuellen Ereignisse hatte ich allerdings keine Lust, den Markt selber zu besuchen. So musste ich mich nur beim sonntäglichen Spaziergang durch die Falschparker im Neckarbogen und der Kanalstraße quälen. Eines muss man unseren Landbewohnern aber lassen, sie sind sehr findig im Auffinden von kostenlosen Parkplätzen — und da macht es auch nichts, dass man mit Frau und Töchtern direkt beim oder gar im Puff parkt; man kennt sich halt in Heilbronn aus.

Sondervermögen

Olaf Scholz hat gestern angekündigt, über das Instrument eines Sondervermögens der Bundeswehr 100 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Das hört sich für den Normalbürger erst einmal ganz gut an, dient letztendlich aber nur dazu, um vom jahrzehntelangen Politikversagen etwas abzulenken. Seine Zusage aber, zukünftig Verträge auch und deshalb nun die 2 % Regel beim Verteidigungshaushalt einzuhalten, lässt mich ein wenig hoffen!

Wenn man aber weiß, was alleine eine Modernisierung der Bundeswehr kosten würde, und dabei sprechen wir nicht einmal von einer notwendigen Vergrößerung, ist das leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass selbst von diesen 100 Milliarden Euro nur sehr wenig tatsächlich bei der Bundeswehr ankommen wird — bestenfalls erfüllen sich ein paar Politiker ein paar Prestigeprojekte mit Bundeswehrbezug. Wahrscheinlicher aber wird es sein, dass sich unzählige Politiker und darunter doch so einige Bürgermeister schon jetzt um die 100 Milliarden kräftig streiten und in den Haaren liegen. Dazu gesellen sich alsbald zahlreiche Beraterfirmen und Industriekonzerne.

Und dann geschieht, was in den letzten Jahrzehnten immer geschehen ist: Bürgermeister bekommen eine neue Infrastruktur für ihre Gemeinden, Landkreise werden ertüchtigt, neue Dienstposten im Beamten und Mitarbeiterapparat geschaffen, völlig neue multisex- und gendergerechte Ideen konzipiert, für alles nur Erdenkliche Beraterverträge abgeschlossen und neue Institute geschaffen.

Dann schlägt die Industrie zu, und die Bundeswehr muss Waffen, Gerät und Wehrmaterial beschaffen, das ernstzunehmende Streitkräfte nicht benötigen, was aber angeblich Arbeitsplätze schafft, eher aber ein paar Firmeninhaber oder deren Aktionäre schwer reich macht.

Und sollte dann wieder einmal ein Journalist herausfinden, dass die Panzer und Fahrzeuge weder in die neuen Flugzeuge, Hubschrauber oder andere Transportmittel passen, die militärische Infrastruktur und Technik nicht NATO kompatibel ist, den Soldaten die Uniformen und Schuhe vom Körper fallen, die Waffen nicht schießen, geschweige den Wirkung beim Feind erzielen können … man könnte die Aufzählung seitenweise fortsetzen, dann entsetzen sich alle Bürger über das inkompetente Militär.

100 Milliarden hören sich ganz gut an, jetzt sollten wir einmal gespannt darauf sein, was die Bundeswehr tatsächlich dafür bekommt. Dringend benötigen würde die Bundeswehr sehr viel.

Fregatten bzw. Zerstörer kosten gut 1 Milliarde Euro pro Stück — netto versteht sich — ohne Personal, Wartung etc. –> 10 davon sollte man schon haben.

Kampfflugzeuge kosten netto gut 80 Millionen Euro pro Stück — ohne wirklich alles, was die Kosten locker nochmals verdoppelt. –> 200 Stück sind wirklich nicht zu viel verlangt.

Ein Panzer kostet netto gut 7 Millionen –> wir hatten einmal ein paar Tausend davon und sollten gerade jetzt nicht darunter bleiben (man kann zurzeit wieder einmal sehen, wie schnell diese „verbraucht“ werden).

Und das wären allerdings nur die günstigeren Anschaffungsvorhaben. Deshalb fordere ich auch schon immer, sämtliche Beschaffungen grundsätzlich im NATO-Rahmen zu tätigen. Leider aber spielen unsere Steuergelder oder unsere Wehrfähigkeit in der deutschen Politik überhaupt keine Rolle!

Der Finanzminister Christian Lindner sagte heute im Bundestag, man möchte jetzt nicht mit den Fingern auf die Schuldigen zeigen — frei nach, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!

Nehmen wir dies aber einfach einmal positiv und hoffen, dass sich unsere Politiker angesichts der aktuellen Bedrohung besinnen und das Wohl unseres Landes und seiner Bevölkerung einmal vor ihre eigenen ganz persönlichen Interessen stellen!

Meinungsbeitrag des Tages

What caused EU’s geopolitical irrelevance in the Ukrainian drama?

[Seit dem 2. September 2022 nicht mehr verfügbar]

This article is a continuation of a discourse between Leo Klinkers and Ingo Piepers in Europe Today Magazine, titled ‘The European State System at a Crossroads’.

Geburtstag des Tages

Frank Gehry


Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

2.2.02022 5 (4)

Beitragsfoto: Allee | © Shutterstock

Anfragen

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, denn seit kurzem mehren sich die Anfragen, wann denn die erste vorbereitende Sitzung, oder an welchem Tag denn der Treffpunkt Europa stattfindet.

Da man in Heilbronn wirklich für alles Geld hat, außer für die Bürger — vor allem dann nicht, wenn diese einen Migrationshintergrund haben — vor Ort, konnten wir bereits die letzten Treffpunkte Europa nur noch bedingt veranstalten und zogen dann entnervt die Reißleine. Ich hatte darüber schon mehrfach hier in diesem Blog berichtet; deshalb erspare ich mir auch eine weitere Verlinkung.

Sobald sich die Wogen der OB-Wahl geglättet haben, und die Stadtverwaltung wieder ihre gewohnte Routine — man den Aussagen dann auch mehr Glauben schenken kann — aufgenommen hat, wird die EUROPA-UNION, wie angekündigt, erstmals mit ihren Partnervereinen Verbindung aufnehmen und dann gemeinsam prüfen, ob es überhaupt noch Sinn macht, um unter den gegebenen Umständen über einen weiteren Treffpunkt Europa nachzudenken.

Sollte dies dann doch der Fall sein, muss man weiter prüfen und so weiter und so fort … wie bereits mehrfach erwähnt, es ist nicht einfach, Dinge zu reaktivieren, die erst einmal weggefallen sind.

Deshalb sollten verantwortungsvolle Politiker, ob Stadtrat oder Bürgermeister, lieber zweimal darüber nachdenken, bevor sie Bürgerfeste aus rein persönlichen Gründen heraus kaputtmachen.

Neckarbogen

Eine sehr gute Idee vom damaligen Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, die mit ihren ursprünglichen Zielen auch eine Bereicherung für alle Heilbronner und die Gesamtstadt geworden wäre. Dann aber musste unter seinem Nachfolger aus einer durchaus vernünftigen Stadtentwicklung etwas ganz besonderes für noch besondere Menschen werden.

Und so blieb wohl als erstes die Idee einer neuen Kranenstraße auf der Strecke, die den neuen Stadtteil tatsächlich besser an die Gesamtstadt angebunden und insgesamt die städtische Infrastruktur weit vorangebracht hätte. Aber zumindest die Kernstadt-Heilbronner verließen sich bis zuletzt auf die Versprechen des Gemeinderats und der Stadtverwaltung, nämlich, dass durch den, für alle notwendigen Ausbau der Paula-Fuchs-Alle, der Neckarbogen nicht nur gut an die Reststadt angebunden wird, sondern damit auch die nördliche Innenstadt eine signifikante Verkehrsentlastung erfährt.

Wie wir seit längerem lesen dürfen, diskutieren Gemeinderat und Stadtverwaltung darüber, dass aus der Paula-Fuchs-Alle eine Susanne-Bay-Sackgasse wird, und damit auch die Verkehre des Neckarbogens über die Gerberstraße und die Lammgasse geführt werden müssen.

Dafür spendiert die Stadt den besonderen Menschen im Neckarbogen, die diesen mit erwartungsgemäß gut 6 000 Autos (für 4 000 Anwohner und 1 000 Beschäftigte sowie deren Besucher und weitere Fremdparker) teilen werden, eine Quartiersgarage. Und da die Stadtbusse wohl kaum in eine Sackgasse einfahren werden, ist auch eine Anbindung des Neckarbogens mit öffentlichen Verkehrsmitteln illusorisch. Genau so wie die Nutzung des Blitzes durch Radfahrer — ich sehe schon wie Hunderte Radfahrer sich zu Schulbeginn um die Aufzüge der Brücke balgen.

Dafür können wir dann jeden Morgen und jeweils zu Schulschluss eine Karawane, welche mit bis zu 1 000 Müttern in bis zu 1 000 SUV ihre bis zu 1 000 Kinder über die Bleichinselbrücke transportiert, bewundern. Zu meiner Schulzeit fand das Schaulaufen noch in der Rollschuhhalle gleich daneben statt.

Da wir in Heilbronn aber auch die kommenden Jahre so weitermachen werden, genau so wie bisher, werden auch noch weitere wundersame Entwicklungen zu beobachten sein. Was mir aber als Heilbronner so richtig weh tut, weil ich zusehen muss, wie man eine an sich gut aufgestellte Stadt so hemmungslos herunterwirtschaftet — Potemkinsche Universitäten, Stadtteile oder Forschungszentren helfen da auch nicht viel weiter.

Verkehrsclub Deutschland zieht Bilanz zur Mobilitätspolitik des OB in HN

Am 31. Januar 2022 veröffentlichte der Regionalverband Hall-Heilbronn-Hohenlohe des Verkehrsclub Deutschland (VCD) seine Bilanz zur Mobilitätspolitik des Heilbronner OB seit 2014. Erwartungsgemäß fällt auch diese nicht sehr positiv aus.

VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter zeigt sich sehr enttäuscht: „Harry Mergel lobt sich vor allem für die Ausweisung von Gewerbegebieten und den Ausbau der A6. Beim Öffentlichen Verkehr gab es jedoch nur marginale Verbesserungen, der Radwegeausbau erfolgt nur schleppend. Bei allen Themen, die die Verkehrswende und den Klimaschutz voranbringen könnten, hat Harry Mergel leider keinerlei großes Engagement gezeigtMan habe eher den Eindruck gewonnen, dass der OB im Zweifelsfall seine Hand schützend über die Autofahrer halte und so zum Beispiel auch eine Verkehrsberuhigung der nördlichen Innenstadt verhindere.”

Auch wenn ich selbst nicht mit allen Zielen oder Analysen des Beitrags übereinstimme, ist diese wieder ein Beispiel dafür, wie man in der Heilbronner Politik Stillstand und Rückschritt als fortschrittlich verkauft. Und der Heilbronner OB ist dafür die Galionsfigur, die seit Jahrzehnten für uns Heilbronner nicht wirklich Erfolgreiches vollbracht hat und deshalb gerade zu prädestiniert für das „Weiter so“ ist.

Das Einzige, was mich deshalb erstaunt ist, dass der VCD noch 2014 „große Erwartungen in Harry Mergel gesetzt, nachdem dieser angekündigt hatte, dass das Thema ‚Mobilität‘ ganz oben auf seiner Agenda stehen würde.“  

Nur kommt diese Ernüchterung etwas zu spät, denn der OB wird am 6. Februar 2022 erneut ins Amt gehoben, und das nur „Weiter so!“ wird dann acht lange Jahre gefeiert und zelebriert werden. Sollte es danach einen OB geben, der tatsächlich etwas zum Positiven verändern möchte, dann habe ich jetzt schon mit diesem mehr als Mitleid.

Geburtstag des Tages

James Joyce