Mädchen beim Studium

Stadtbibliothek 5 (1)

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Kaum hängen die Schilder „Universitätsstadt Heilbronn“ und schon beginnt die Diskussion, ob man die geplante und mit großen Worten angekündigte Umgestaltung der Heilbronner Stadtbibliothek eigentlich noch benötigt.

Man ist versucht zu glauben, dass es wohl vielen Verantwortlichen alleine um den Schein geht, und dabei Schilder sowie medienwirksame Ankündigungen das Maß aller Dinge sind.

Jüngst wurde noch eine Bibliothekskonzeption für den Zeitraum 2020 bis 2025 auf der Grundlage von Zukunftsworkshops mit Bürgern der Stadt und Mitarbeitern der Stadtbibliothek Heilbronn entwickelt. Dabei ist uns Heilbronnern zwar nicht der große Wurf gelungen, an den ich schon fast glaubte, als man sich erstmals Expertise von einer Musterbibliothek, nämlich von der New York Public Library — welche mich durch ihren ganzheitlichen Ansatz seit Jahren begeistert — holte, aber sicherlich ein großer Schritt in diese Richtung getätigt worden.

Das Leitbild der Stadtbibliothek ist dabei das folgende:

Die Stadtbibliothek Heilbronn versteht sich als Ort der Bildung, Inspiration und Information sowie der Vielfalt und Begegnung. Mit ihren Angeboten, Beratungsleistungen und Veranstaltungen adressiert sie alle Generationen sowie die Diversität der Stadtgesellschaft. Sie ermöglicht Teilhabe für alle Bürger. Als Bildungspartnerin für Schulen, Kindertages- sowie Aus- und Weiterbildungseinrichtungen begleitet sie Menschen in allen Lebensphasen. Sie ermöglicht aktives Lernen und fördert Lese-, Sprach-, Medien- und Informationskompetenz in der physischen und digitalen Welt. Eng vernetzt mit den kulturellen und sozialen Angeboten in der Stadt bietet sie Raum für kulturelle Erfahrung, Begegnung, Entspannung und Kommunikation.

Heilbronner Bibliothekskonzeption (Stand Oktober 2019)

Damit gibt die Stadtbibliothek allen Bürgern die Chance, sich den besagten „dritten Lebensraum“ anzueignen, welcher in der heutigen Zeit — und zukünftig noch viel mehr — für sehr viele von uns „lebensbestimmend“ werden wird.

Noch viel wichtiger aber und für unsere Bürgergesellschaft überlebensnotwendig ist, dass jenen Menschen und hier vor allem die jüngeren unter uns, welche in den viel zitierten prekären Lebenssituationen ausharren müssen oder noch schlimmer, aus völlig ignoranten Familienverhältnissen stammen, die Chance eröffnet wird, durch Bildung und das Kennenlernen funktionierender bürgerlicher Strukturen den „zweiten Lebensraum“ (Arbeitswelt) erfolgreich zu besiedeln und damit sich selber und später auch für ihre eigenen Nachkommen einen eigenen „ersten Lebensraum“ (ein passables Zuhause) zu schaffen.

Somit ist eine funktionierende und lebendige Stadtbibliothek nicht nur das eigentliche Aushängeschild einer jeden Stadt, sondern auch eine Notwendigkeit, um möglichst alle in der Stadt vorhandenen Potentiale zu finden und dabei zu helfen, dass diese dann auch ihre Chance ergreifen und letztendlich zu einem Gewinn für „ihre“ Stadt werden.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Mehrheit des derzeitigen Heilbronner Gemeinderats dies ähnlich sieht, und so mancher Stadtrat seine persönlichen Interessen, die oftmals südlich der Kaiserstraße liegen, zum Wohle der gesamten Stadt und uns Bürgern hintenanstellt.

Gerne erinnere ich unsere Gemeinderäte daran, dass eine gute Infrastruktur und Bildungsmöglichkeiten wesentlich für jede Stadt und deren Entwicklung sind. Und wenn Geld gespart werden muss, dann bitte dort, wo wir Bürger — zumindest die meisten von uns — selber nachsteuern können und deshalb städtische Subventionen nett aber nicht überlebensnotwendig sind: z. B. Kindergartenplätze ab 3 Jahren, kostenloser bis billiger öffentlicher Nahverkehr, Anschaffung von Kunstwerken und deren Instandhaltung, sowie die Ausrichtung von Festen und Feiern.

Auch könnte man durchaus darüber nachdenken, ob man nicht den Personalkörper der Stadtverwaltung regelmäßig auf Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit überprüft.

Ich bin mir sicher, dass unsere Gemeinderäte viel besser und weitere Einsparpotentiale im städtischen Haushalt finden können (z. B. Sitzungsgelder), ohne dass man unserer Jugend Bildungspotentiale und Chancen entziehen muss.

„The main difference is that nowadays all persons equally have those opportunities of higher education which in your day only an infinitesimal portion of the population enjoyed.“

Edward Bellamy, Looking Backward: 2000–1887 (1888)

Sinnierende Frau

Rudyard Kipling 5 (4)

Beitragsfoto: Sinnierende Frau | © Pixabay

Seine beiden Dschungelbücher aus den Jahren 1894 und 1895 kennt wohl jeder, und die meisten haben zumindest auch eine Verfilmung davon gesehen.

Mich hat Rudyard Kipling besonders dadurch beeindruckt, indem er unter anderem die Erhebung in den Adelsstand ablehnte und damit selbst die bekannte Hanseatische Ablehnung „alt aussehen“ lässt.

Aber nicht wegen seiner Bücher, wie z. B. sein wohl bekanntester Roman Kim aus dem Jahr 1901, oder seiner bereits erwähnten Zurückhaltung, sondern wegen des folgenden Gedichts aus dem Jahr 1910 blieb mir Kipling bis heute in sehr guter Erinnerung.

If

If you can keep your head when all about you 
Are losing theirs and blaming it on you, 
If you can trust yourself when all men doubt you, 
But make allowance for their doubting too; 
If you can wait and not be tired by waiting, 
Or being lied about, don’t deal in lies, 
Or being hated, don’t give way to hating, 
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

If you can dream – and not make dreams your master; 
If you can think – and not make thoughts your aim; 
If you can meet with Triumph and Disaster 
And treat those two impostors just the same; 
If you can bear to hear the truth you’ve spoken 
Twisted by knaves to make a trap for fools, 
Or watch the things you gave your life to, broken, 
And stoop and build ’em up with worn-out tools:

If you can make one heap of all your winnings 
And risk it on one turn of pitch-and-toss, 
And lose, and start again at your beginnings 
And never breathe a word about your loss; 
If you can force your heart and nerve and sinew 
To serve your turn long after they are gone, 
And so hold on when there is nothing in you 
Except the Will which says to them: ‘Hold on!’

If you can talk with crowds and keep your virtue, 
‘Or walk with Kings – nor lose the common touch, 
if neither foes nor loving friends can hurt you, 
If all men count with you, but none too much; 
If you can fill the unforgiving minute 
With sixty seconds’ worth of distance run, 
Yours is the Earth and everything that’s in it, 
And – which is more – you’ll be a Man, my son!

Rezitiert von Tom O’Bedlam

Das Gedicht wurde um 1895 herum wohl in Anlehnung an Leander Starr Jameson verfasst.

Die beiden Zeilen des Gedichts
„If you can meet with Triumph and Disaster / and treat those two impostors just the same“
findet man übrigens ganz prominent im All England Lawn Tennis and Croquet Club in London, sowie auch im West Side Tennis Club in New York.

Manche meinen, dass das Gedicht ganz gut die Idee der Bhagavad Gita, eine der zentralen Schriften des Hinduismus wiedergibt. Ich meine, dass das auch ganz gut zu Rudyard Kiplings eigenem Leben passen würde.

Ich möchte dabei aber nicht unerwähnt lassen, dass Albert Schweitzer (Die Weltanschauung der indischen Denker 1935) die Bhagavad Gita sehr kritisch sieht, nämlich als „das meist idealisierte Buch der Weltliteratur.

„Look for the bare necessities, the simple bare necessities. Forget about your worries and your strife.“

Phil Harris als Baloo in The Jungle Book (1967)

Zeitungen

Zeitungslektüre 5 (8)

Beitragsfoto: Zeitungen |  © kalhh auf Pixabay

Im Gegensatz zu Büchern sind Zeitungen eine schnelle Möglichkeit, um sich mit Sachverhalten erstmals und anfänglich auseinanderzusetzen und um an erste Informationen zu einem bestimmten Thema zu gelangen. Zudem kann man sich durch die Zeitungslektüre einen guten Überblick verschaffen, was die Welt gerade bewegt.

Auch wenn inzwischen das World Wide Web die Druckerzeugnisse langsam aber sicher zurückdrängt, werden die Zeitungen nicht obsolet, sie wechseln nur das Medium und passen sich diesem auch an.

Am Sinn und Zweck von Zeitungen ändert sich dabei aber nichts, vor allem deshalb, weil diese weiterhin am professionellen Journalismus festhalten und damit eine Mindestqualität von Informationen und auch geteilten Meinungen sicherstellen.

Unsere Meinungs- und Pressefreiheit sowie der Zugang zu Presseprodukten aus der gesamten Welt stellen darüber hinaus sicher, dass es auch für jeden Geschmack und Intellekt passende Angebote gibt – so bleibt uns eigentlich nur die Qual der Wahl.

Ich rate davon ab, sich nur auf eine einzige Zeitung, meist ist es die gleich vor Ort, zu beschränken. Unsere Meinungsvielfalt ist viel zu groß, um in einer einzigen Zeitung abgebildet werden zu können. Auch ist es einer Zeitung nicht möglich, das gesamte Informationsspektrum abzudecken, so dass man durch die Lektüre einer einzigen Zeitung den eigentlichen Vorteil von Zeitungen nicht nutzt.

Schon immer war es auch eine Geldfrage, wie viel unterschiedliche Informationen und Meinungen man erhalten kann, um sich seine eigene Meinung zu bilden.

Durch Internet und World Wide Web hat sich dies längst etwas gebessert, auch wenn „gute“ Informationen und Meinungen auch dort weiterhin ihren Preis haben – aber für einen ersten Überblick hat sich die Nutzung des Internets durchaus zum Vorteil entwickelt.

Weiterhin aber sind es die Bibliotheken und Büchereien, die dem interessierten Leser kostengünstige Pressevielfalt ermöglichen, die jeweiligen Zeitungsarchive, welche inzwischen sehr gut zugänglich sind und umfangreiche Recherchen ermöglichen, und das Zeitungs-Sharing, welches längst nicht aus der Mode ist.

Folgend finden Sie die Zeitungen, welche ich selbst immer wieder gerne zur Hand nehme oder im World Wide Web lese. Wenn Sie in diesen Zeitungen auf Recherchefehler stoßen oder Meinungen von Journalisten finden, die überhaupt nicht mit der Ihrigen in Einklang zu bringen sind, rate ich dennoch inständig davon ab, von einer „Meinungs-, Staats- oder gar Lügenpresse“ zu fabulieren, denn es wäre fürchterlich und für unsere Gesellschaften insgesamt fatal, wenn Sie in den Zeitungen immer wieder nur auf Ihre eigene Meinung und Überzeugung stoßen.

Heilbronner Stimme (Heilbronn) –> Zeitung am 22.2.2025 abbestellt
https://www.stimme.de und https://meine.stimme.de

Die Zeit (Hamburg)
https://www.zeit.de

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt a.M.)
https://www.faz.net

Süddeutsche Zeitung (München)
https://www.sueddeutsche.de

Neue Zürcher Zeitung (Zürich)
https://www.nzz.ch

Wirtschaftswoche (Düsseldorf)
https://www.wiwo.de

Der Spiegel (Hamburg)
http://www.spiegel.de

Le Monde (Paris)
https://www.lemonde.fr

The Times (London)
http://www.thetimes.co.uk

The Guardian (London)
https://www.theguardian.com

The New York Times (New York)
https://www.nytimes.com

Los Angeles Times (Los Angeles)
https://www.latimes.com
Sobald europäische oder gar Heilbronner Themen hier zu finden sind, gehe ich davon aus, dass diese auch die Welt bewegen.

The Economist (London)
https://www.economist.com

Ich hoffe mit meinen Vorschlägen Ihr Interesse etwas geweckt zu haben. Es würde mich dabei freuen, wenn ich Ihnen eine der aufgeführten Zeitungen schmackhaft machen konnte. Das wirklich Schöne an unserer Presselandschaft ist, dass immer noch so viele unterschiedliche Produkte zu finden sind und damit eigentlich für jeden auch das Passende dabei sein müsste.

„When we hear news we should always wait for the sacrament of confirmation.“

Voltaire, Brief an den Comte d’Argental (28. August 1760)