Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

5.11.02021 5 (2)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Marathon

Diesen Sonntag findet der inzwischen 50. New York Marathon statt. Und jedes Mal, wenn meine Kameraden aus New York zurückkamen und von ihrem wunderbaren Erlebnis berichteten, nahm ich mir vor, das nächste Jahr ebenfalls mitzulaufen.

Gut 30 Jahre später ist es mir immer noch nicht gelungen und jetzt, da ich wirklich keine vernünftige Ausrede mehr hätte, kann ich nicht mehr laufen — damit eigentlich die einzig echte.

Was lerne ich daraus? Man sollte Dinge nicht immer wieder vor sich herschieben, denn irgendwann ist es für alles zu spät. Meine immer noch gerne und gut laufenden Kameraden werden mir bestimmt vorschlagen, auf ein alternatives Transportmittel zurückzugreifen und mir bestimmt auch anbieten, mich dann auch die gesamte Strecke über zu begleiten.

Da ich wohl selbst dieses Angebot ausschlagen würde, muss ich es vielleicht doch akzeptieren, dass mir andere Dinge wichtiger sind als freiwillig 42,125 Kilometer durch eine Stadt zu joggen.

So bin ich gerade in New York sehr gerne zu Fuß und auch längere Strecken unterwegs, aber nicht wirklich unbedingt im Sportanzug und dazu noch in einem Pulk tausender Läufer.

So langt es mir in Erinnerungen meiner Kameraden zu schwelgen und den entsprechenden Beitrag in der New York Times zu lesen, und dies in der Gewissheit, dass ich sehr gerne und sehr oft meine Runde in Wäldern gezogen habe — meist alleine und in Gedanken verloren.

Fachkräftemangel

„Einmal mit Profis arbeiten.“ Diese Aussage dürfte in Deutschland künftig immer öfters zu hören sein. „Schon im vergangenen Jahr gingen viele Unternehmen davon aus, dass ihnen 2021 Fachkräfte fehlen werden.“ So eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Die Studie fährt fort: „Tatsächlich hat sich die Lage noch weiter verschärft, das zeigt unsere aktuelle Analyse. Fachkräftezuwanderung trägt dazu bei, das Problem zu mildern. Allerdings spielt sie für Unternehmen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.“

Damit ist eigentlich schon alles gesagt, außer vielleicht, dass es immer besser ist, selbst bei ausgewiesenen Fachkräften, die Ergebnisse nachzuprüfen, denn auch dort stellen sich immer häufiger grobe Fehler ein. Dies wird dann allerdings gerne mit einer permanenten Überlastung begründet und lässt sich damit wieder auf den Fachkräftemangel zurückführen.

Auch weniger erstaunlich ist, zumal wir uns mitten in einer Pandemie befinden, dass der Gesundheitssektor besonders vom Fachkräftemangel betroffen ist. Und auch hier muss man sich die Frage stellen, ob es überhaupt legitim ist, sich die entsprechenden Fachkräfte von außerhalb zu holen und damit dort vor Ort einen Fachkräftemangel zu erzeugen?

Und dass eine interne Umschichtung von Fachkräften nicht die Leitungslösung ist, können wir derzeit im Vereinten Königreich erleben, wo Busfahrer jetzt verstärkt Lastkraftwagen fahren und damit der öffentliche Nahverkehr leidet. Wobei sich zudem die Frage stellt, ob es überhaupt noch möglich ist, die überzähligen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Berufe zu bekommen, die gesellschaftlich notwendig sind und zudem dringend von allen gebraucht werden.

Dies kann man nur mittel- bis langfristig lösen, indem man anfängt, den öffentlichen Dienst wieder auf das Notwendige zu reduzieren und zudem und ganz besonders die sehr bequemen „Orchideen-Abteilungen“ abschafft, die sich meist nur auf das bloße Sesselsitzen und in völlig überflüssigen Besprechungen herumhängen beschränken.

Denn der Fachkräftemangel ist in erster Linie eine generelle Fehlentwicklung der Arbeit bei uns und eine direkte Folge von falschen Versprechungen und zumindest antiquierten Ideologien.

Und selbst in den Betrieben und damit im privaten Sektor findet man sehr schnell viele Häuptlinge aber immer weniger Indianer. Und da eine Gesellschaft nicht nur aus Häuptlingen bestehen kann, es sei denn diese sind alle bereit, die Arbeit der Indianer mitzumachen, muss dringend ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden.

Erst dann gibt es zukünftig keinen Fachkräftemangel mehr!

Bäume

Eine sehr erfreuliche Aktion fand gestern statt. Jugendliche pflanzten unter Aufsicht vom Forstamt 2 000 Bäume am Schweinsberg. Noch besser ist, dass auch Eichen darunter waren und man dabei weniger auf Exoten setzte.

Den Schülern und Auszubildenden, die sich an dieser Aktion beteiligten, sei gedankt. Hoffentlich hat es vielen Spaß gemacht, so dass wir auf eine baldige Wiederholung hoffen können. Im Heilbronner Stadtwald gibt es immer wieder ausreichend Platz, um neue Bäume zu pflanzen.

Am besten wäre es aber, wenn unsere Förster den Bäumen erlauben würden, in Ehren alt zu werden und diese nicht allesamt bei erstbester Gelegenheit zu monetarisieren.

Geburtstag des Tages

Art Garfunkel


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

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Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Stillstand

Ohne Frage, wir lieben den Stillstand, und jeder, der uns diesen weiter verspricht, ist unser Mann, ob Oberbürgermeister oder Bundeskanzler. Dabei dreht sich das Karussell der verpassten Chancen stetig weiter und führt uns langsam aber sicher an jene Grenze, wo wir mit einem Realitätsverlust nicht mehr weiterkommen.

Nicht nur das Wollhaus bröckelt so schön vor sich hin, inzwischen bröckelt es an allen Ecken. Einzig und alleine an Parties und Feiern fehlt es nicht, denn da lassen wir uns nicht lumpen.

Bald aber wird für uns alle eine Zeit anbrechen, die den meisten von uns die Augen öffnen wird, da sich die US-Amerikaner langsam aber sicher auf ihre eigenen Interessen und Herausforderungen besinnen und Europa, dabei vor allem Deutschland als bevölkerungsreichstes Land, in die Pflicht nehmen werden.

Wenn wir nur eine klitzekleine Chance haben wollen, dass wir uns in der „neuen Realität“ behaupten können, dann benötigen wir Volksvertreter, die sich dieser stellen und Ideen und Konzepte haben, wie wir unsere Welt gestalten können. Politiker, die nur in Talkshows sitzen und ansonsten nach Nebenerwerbstätigkeiten suchen, oder sich nur selbst beweihräuchern, werden uns demnächst über den Abgrund stürzen.

Bigotterie

Wenn wir etwas können, dann ist es nicht nur andere zu belehren, sondern auch diesen alles Mögliche aufzubürden und abzuverlangen. So dürfen Menschen außerhalb Deutschlands am besten keine Wälder mehr zerstören, keine Wildtiere töten und sollen alles unterlassen, was nur annähernd umweltschädlich sei kann.

Hingegen gibt es bei uns schon lange keine echten Wälder mehr und wo sie angelegt werden, werden sie auch gleich wieder unserer Erholung und dem Spaß geopfert. Noch schlimmer geht es nur noch den Wildtieren, diese werden sofort als Problemtiere wieder der Natur „entnommen“.

Und was die weitere Umweltzerstörung angeht, ist diese bei uns dem Export geschuldet, also als völlig opportun. So werden unsere Kohlekraftwerke und neuen Gaskraftwerke für den Export weiterhin so lange wie möglich dampfen, die Böden und das Wasser ebenfalls für den Export geopfert. Und selbst unsere eigene Gesundheit opfern wir bereitwillig auf dem Altar des „Exportweltmeisters“. Vielleicht wäre etwas weniger von unserem Luxus tatsächlich etwas mehr für uns alle. Und vielleicht wäre es besser, wenn wir erst einmal vor unseren eigenen Haustüren kehren, bevor wir anderen vorschreiben, was diese zu tun und zu lassen haben.

Literaturhaus

Neben dem schleichenden Ausbau unserer städtischen Bücherei, haben wir jetzt auch ein eigenes Literaturhaus. Sehen wir dies positiv als Ergänzung der Bibliothek und Teil eines Gesamtkonzeptes, welches sich, wie auch einmal angekündigt, an der Konzeption der New York Public Library ausrichtet.

Was nicht geschehen sollte ist, dass die „Bessergestellten“, oder die sich als solche fühlen, ins Literaturhaus pilgern und alle anderen sich mit der städtischen Bibliothek, in welcher Ausbaustufe auch immer, abfinden lassen müssen.

Besser wäre es, dass man Kompetenzen bündelt, um effizienter und auch effektiver seine Ziele erreichen zu können. Diesen Anspruch sollte jeder Verantwortliche haben, der mit Steuergeldern wirtschaftet.

Geburtstag des Tages

Howard Phillips Lovecraft


Mädchen beim Studium

Stadtbibliothek 5 (1)

Beitragsfoto: © Shutterstock

Kaum hängen die Schilder „Universitätsstadt Heilbronn“ und schon beginnt die Diskussion, ob man die geplante und mit großen Worten angekündigte Umgestaltung der Heilbronner Stadtbibliothek eigentlich noch benötigt.

Man ist versucht zu glauben, dass es wohl vielen Verantwortlichen alleine um den Schein geht, und dabei Schilder sowie medienwirksame Ankündigungen das Maß aller Dinge sind.

Jüngst wurde noch eine Bibliothekskonzeption für den Zeitraum 2020 bis 2025 auf der Grundlage von Zukunftsworkshops mit Bürgern der Stadt und Mitarbeitern der Stadtbibliothek Heilbronn entwickelt. Dabei ist uns Heilbronnern zwar nicht der große Wurf gelungen, an den ich schon fast glaubte, als man sich erstmals Expertise von einer Musterbibliothek, nämlich von der New York Public Library — welche mich durch ihren ganzheitlichen Ansatz seit Jahren begeistert — holte, aber sicherlich ein großer Schritt in diese Richtung getätigt worden.

Das Leitbild der Stadtbibliothek ist dabei das folgende:

Die Stadtbibliothek Heilbronn versteht sich als Ort der Bildung, Inspiration und Information sowie der Vielfalt und Begegnung. Mit ihren Angeboten, Beratungsleistungen und Veranstaltungen adressiert sie alle Generationen sowie die Diversität der Stadtgesellschaft. Sie ermöglicht Teilhabe für alle Bürger. Als Bildungspartnerin für Schulen, Kindertages- sowie Aus- und Weiterbildungseinrichtungen begleitet sie Menschen in allen Lebensphasen. Sie ermöglicht aktives Lernen und fördert Lese-, Sprach-, Medien- und Informationskompetenz in der physischen und digitalen Welt. Eng vernetzt mit den kulturellen und sozialen Angeboten in der Stadt bietet sie Raum für kulturelle Erfahrung, Begegnung, Entspannung und Kommunikation.

Heilbronner Bibliothekskonzeption (Stand Oktober 2019)

Damit gibt die Stadtbibliothek allen Bürgern die Chance, sich den besagten „dritten Lebensraum“ anzueignen, welcher in der heutigen Zeit — und zukünftig noch viel mehr — für sehr viele von uns „lebensbestimmend“ werden wird.

Noch viel wichtiger aber und für unsere Bürgergesellschaft überlebensnotwendig ist, dass jenen Menschen und hier vor allem die jüngeren unter uns, welche in den viel zitierten prekären Lebenssituationen ausharren müssen oder noch schlimmer, aus völlig ignoranten Familienverhältnissen stammen, die Chance eröffnet wird, durch Bildung und das Kennenlernen funktionierender bürgerlicher Strukturen den „zweiten Lebensraum“ (Arbeitswelt) erfolgreich zu besiedeln und damit sich selber und später auch für ihre eigenen Nachkommen einen eigenen „ersten Lebensraum“ (ein passables Zuhause) zu schaffen.

Somit ist eine funktionierende und lebendige Stadtbibliothek nicht nur das eigentliche Aushängeschild einer jeden Stadt, sondern auch eine Notwendigkeit, um möglichst alle in der Stadt vorhandenen Potentiale zu finden und dabei zu helfen, dass diese dann auch ihre Chance ergreifen und letztendlich zu einem Gewinn für „ihre“ Stadt werden.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Mehrheit des derzeitigen Heilbronner Gemeinderats dies ähnlich sieht, und so mancher Stadtrat seine persönlichen Interessen, die oftmals südlich der Kaiserstraße liegen, zum Wohle der gesamten Stadt und uns Bürgern hintenanstellt.

Gerne erinnere ich unsere Gemeinderäte daran, dass eine gute Infrastruktur und Bildungsmöglichkeiten wesentlich für jede Stadt und deren Entwicklung sind. Und wenn Geld gespart werden muss, dann bitte dort, wo wir Bürger — zumindest die meisten von uns — selber nachsteuern können und deshalb städtische Subventionen nett aber nicht überlebensnotwendig sind: z. B. Kindergartenplätze ab 3 Jahren, kostenloser bis billiger öffentlicher Nahverkehr, Anschaffung von Kunstwerken und deren Instandhaltung, sowie die Ausrichtung von Festen und Feiern.

Auch könnte man durchaus darüber nachdenken, ob man nicht den Personalkörper der Stadtverwaltung regelmäßig auf Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit überprüft.

Ich bin mir sicher, dass unsere Gemeinderäte viel besser und weitere Einsparpotentiale im städtischen Haushalt finden können (z. B. Sitzungsgelder), ohne dass man unserer Jugend Bildungspotentiale und Chancen entziehen muss.

„The main difference is that nowadays all persons equally have those opportunities of higher education which in your day only an infinitesimal portion of the population enjoyed.“

Edward Bellamy, Looking Backward: 2000–1887 (1888)