Weihnachtsbaum auf Hand

Weihnachtsbrief 2024 5 (7)

Beitragsfoto: Weihnachtsbaum auf Hand | © Pixabay

Vor Kurzem befanden sich beide Söhne zeitgleich auf der Durchreise in Heilbronn und stellten erstaunt fest, dass der Advent bei uns im Hause noch nicht angekommen war. Keine fünf Minuten später hatte ich den Weihnachtsbaum aus dem Keller geholt, aufgeklappt und mit Strom versorgt. Auch der Adventskranz war sehr schnell aufgestellt, denn er ist ebenfalls aus Metall und lagert wie der Baum im Keller. Zum Glück hatte ich nach letztem Silvester sämtliche im Haus vorhandenen Wachsreste zu Kerzen gegossen, sodass auch die erste Kerze angezündet werden konnte.

Gegossen und nicht wie bei Bienenwachs üblich gezogen, da ich die neuen Kerzen dem bereits vorhandenen Adventskranz anpassen wollte. Beim Gießen ignorierte ich die in meiner Kindheit gemachten Erfahrungen und verwandte einfach die Dochte, die ich gerade fand, was zu einem Missverhältnis zwischen beiden Umfängen führte. Aber da ich die daraus resultierenden Reste wieder einschmelzen kann, ist dies nur eine kleine Un-Schönheit, die zudem dem heutigen bundesdeutschen Esprit gaulois entspricht: mehr Schein als sein.

Die besagte Durchreise unserer beiden Söhne lässt mich sogleich zu den positiven Dingen dieses nunmehr ausklingenden Jahres kommen. Der Älteste hat sich dieses Jahr verlobt, gleich nachdem er seine akademische Ausbildung erfolgreich beendet hatte und sich nun Pädagoge mit einem entsprechenden Universitätsabschluss nennen darf. Dabei stellte er meine damalige Leistung in den Schatten, da er zwei Tage weniger für seine Abschlussarbeit benötigte und zudem dafür auch noch eine bessere Gesamtnote erzielte. Inzwischen hat er auch seine Ausbildung zum Infanterieoffizier abgeschlossen und verfügt nun zusammen mit seinem früheren Abschluss als Notfallsanitäter über gleich drei vollwertige Berufsabschlüsse.

Der Jüngste trat im letzten Monat in Stuttgart, nachdem er zwei Studien erfolgreich abgeschlossen hat, seine erste Arbeitsstelle in einem Ministerium an und bezog dort auch gemeinsam mit seiner besseren Hälfte seine erste Wohnung — einmal von den verschiedenen Studentenbuden abgesehen.

Das dürfte es aber auch mit dem Erfreulichen in diesem Jahr gewesen sein. Und so war die Adventszeit auch schnell wieder vergessen. Erst als gestern spät abends die Anfrage kam, wo denn mein monatliches Rundschreiben bliebe, wurde ich erneut an das bevorstehende Jahresende erinnert. Keine zwanzig Minuten später war das Dezemberrundschreiben der EUROPA-UNION Heilbronn verschickt und ich ärgerte mich sofort ein wenig darüber, dass ich es vor dem Versenden nicht nochmals durchgelesen hatte. Es gibt dort ein paar Rechtschreib- und Grammtikfehler zu viel, sodass ich nun auf die Idee kam, schon jetzt meinen Weihnachtsbrief für dieses Jahr zu verfassen — ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden Tagen mein Jahr nicht mehr viel ändern wird.

Schon seit längerem hatte sich meine Mutter verstärkt um meinen Vater gekümmert, der aufgrund seines fortgeschrittenen Alters immer mehr Unterstützung benötigt. Im September geschah dann das Unerwartete, nämlich dass meine Mutter stürzte und sich dabei schwere Hirnverletzungen zuzog. Als Resultat davon befindet sie sich nun in einem Pflegeheim und mein Vater besucht sie dort täglich. Gäbe es meine bessere Hälfte nicht, wüsste ich nicht, wie ich mit der aktuellen Situation zurechtkommen könnte. Kaum sind die eigenen Kinder aus dem Haus, darf man sich um die eigenen Eltern kümmern. Der Unterschied dabei ist, dass sich Kinder zum Positiven entwickeln.

Aber auch hier gibt es Erfreuliches zu berichten, denn ich habe nun wieder mehr Verbindung zu jenen Familienteilen, die schon länger Heilbronn den Rücken gekehrt haben. Manchmal frage ich mich selbst, ob es wirklich schlau war, wieder nach Heilbronn zurückzukehren.

Das wirklich Spannende für mich ist es aber, dass sich meine Eltern bis heute noch selber um ihre „beruflichen“ Angelegenheiten kümmern und ich dieses nun in einem fliegenden Wechsel mit übernehmen darf. Und so war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich im Juni von meinen Mitbürgern nicht zum Gemeinderat gewählt wurde und auch ganz folgerichtig mein Amt als Vorsitzender der Freien Wähler zur Verfügung stellte; so hoffe ich, dass ich bis zum Jahresende in Gänze von dieser Aufgabe entlastet bin. Zumindest die Stadtverwaltung hat vor Kurzem ihre Verfolgung eingestellt, was durchaus hoffen lässt, dass wir in diesen schwierigen Zeiten auch bei uns noch über ausreichend Reste von Demokratie, Recht und Ordnung verfügen.

Dieses Jahr habe ich weitere meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten eingestellt, auch wenn ich manchmal noch das Vorlesen an der Grundschule und anderen Einrichtungen vermisse. Weniger die Nachhilfestunden bei den etwas älteren Schülern, denn diese wollen tatsächlich keine Hilfe, sondern streben ihren Eltern nach, die als völlig unnütze Mitglieder unserer Gesellschaft höchstens als Verbraucher ihre eigene Existenz rechtfertigen können. Da man Menschen nicht verhungern lassen kann, bleibe ich meseno weiterhin erhalten.

Meine Aktivitäten bei der EUROPA-UNION habe ich auch dieses Jahr beibehalten, wobei aber meine bessere Hälfte und ich uns immer mehr auf die lokalen Aktivitäten beschränken. Die Gründe hierfür sind vielfältig und sicherlich auch der Gesamtsituation geschuldet. Interessanter Weise habe ich dieses Jahr mein Engagement an der Hochschule Heilbronn sogar ein wenig ausgebaut, werde es aber aufgrund der dort gemachten Erfahrungen wieder zum Status quo ante bringen. Die Vorstellungen der dortigen Studenten sind mit meinen eigenen Vorstellungen über Bildung und Wissen einfach nicht kompatibel — wie das die weit qualifizierteren Dozenten aushalten oder gar verarbeiten können, bleibt mir ein Rätsel.

Rückblickend muss ich feststellen, dass dieses Jahr mein Familienleben und mein eigenes Wohlbefinden viel zu kurz kamen, mein Grill bisher kein einziges Mal in Betrieb genommen wurde und ich nicht einmal auf ein Weihnachts- oder gar Silvestergrillen — Halt! sGwuwl werde ich nun letzteres noch möglich machen.

Mancher Kamerad und Freund hat auch dieses Jahr weiterhin mit mir Verbindung gehalten, selbst wenn von meiner Seite aus nichts dazu beigetragen wurde — diesen guten Menschen schulde ich Dank und bitte hiermit sogleich um eine gerechte Bestrafung.

Irgendwie klappte es dann auch nicht, dass meine bessere Hälfte und ich wenigstens einmal ein Wochenende für uns freihalten konnten, von ein paar Tagen Urlaub ganz zu schweigen. Zumindest ich vermisse meine Zeit im Jacuzzi sehr, zumal wir in Heilbronn und Umgebung über keine Badekultur verfügen — die Römer sind einfach viel zu lange wieder weg. Nur ein „Bad“ vor den Ortsnamen anzufügen ist genau so wenig zielführend wie sich aus dem mir nichts, dir nichts heraus „Universitätsstadt“ zu nennen.

Ich meckere aber auf hohem Niveau, in welcher Stadt kann man schon ganz ohne Arbeit und eigenem Einkommen den gesamten Tag über in Luxusmobilen die Allee hoch und runterfahren und wenn einem dies nicht ausreicht, auch noch durch die Fußgängerzone touren? Wie wahr, wir leben in einer Region der unbegrenzten Möglichkeiten! Alles Meckern ist völlig überflüssig, denn wer bei uns noch arbeitet, der ist selber schuld — das wissen u. a. die Mitarbeiter unsere Stadtverwaltung nur allzu gut.

In anderen Regionen sieht es da schon ganz anders aus. Die Ukrainer — zumindest jene, die nicht den gesamten Tag über bei uns die Allee hoch und runterfahren — kämpfen seit 2022 um das nackte Überleben. Ähnlich geht es den Menschen in Syrien und vielen anderen Teilen der Welt. Und wer aktuell noch vom Krieg verschont ist, kämpft derweil mit den klimatischen Veränderungen und deren Folgen.

Nur ein ganz kleiner Teil der Menschen, wie wir Heilbronner selbst auch, kann sich noch auf einer „Insel der Glückseligen“ wähnen und ist demzufolge wirklich zu allem bereit, um diesem Wahn noch möglichst lange nachhängen zu können — da wählt man auch Politiker, von denen man ganz genau weiß, dass sie einen nur belügen und betrügen! Die Trumpisten bestimmen auch bei uns den politischen Alltag, überall in der Westlichen Welt sind Demokraten auf dem Rückzug.

Und bei uns in Heilbronn hat man dies bereits zur Kunst erhoben! Vorne im Rathaus huldigt man einem Nazi und hinten im Rathaus gedenkt man den Opfern des Nationalsozialismus — wir machen es schon viel zu lange viel zu vielen viel zu bequem, Hauptsache man muss selbst nichts dabei tun oder gar verantworten. Es sind ganz alleine die faulen Kompromisse, die unsere Demokratien an den Rand des Untergangs geführt haben. Und bis es soweit ist, schreiben — nein, lassen schreiben — die dafür Hauptverantwortlichen noch schnell eine eigene Autobiografie und sahnen nochmals ab.

Allerdings sieht es dieses Mal nicht danach aus, dass man seine Untaten oder sein Nichtstun weiterhin einfach nur aussitzen kann und spätestens nach einer Legislatur erneut an die Futtertröge gewählt wird, denn irgendwann gehen selbst die größten Vorräte zur Neige — das Scheitern der aktuellen Regierung darf als Menetekel gesehen werden. Und eigentlich freue ich mich schon so richtig darauf wie die derzeitige Opposition, welche mit allen Mitteln an der sogenannten Schuldenbremse festhalten will, diese sofort nach ihrem Regierungsantritt aussetzen wird. Und im selben Augenblick wird die dann neue Opposition, welche gerade noch das Aufheben der Schuldenbremse als absolut notwendig bewirbt, genau diese als „deutsches Kulturgut“ mit allen Mitteln verteidigen — wir Wähler wollen es einfach nicht anders!

Für die meisten von uns und ganz besonders für die Politiker ist Demokratie nur noch ein „Dschungelcamp“ — die deutscheste der deutschen Realityshows! Zumindest so lange wie die anderen im Mittelmeer ertrinken oder in den Schützengräben fallen. Und das ist auch nur allzu menschlich, denn man glaubt erst daran, dass es einen selbst erwischen kann, wenn es einen selbst erwischt hat!

Und dies dürfte meine einzige Erkenntnis der letzten zweiundsechzig Weihnachten sein: es war schon immer so und wird immer so bleiben. Auch wenn die meisten von uns wissen, wie man die Welt zumindest ein wenig besser machen könnte, wenigstens ein ganz klein wenig in der eigenen Umgebung, wir machen dies nicht.

Dabei wäre es doch so einfach, wenn jeder nur versuchen würde, sich selbst zu sein, für seine eigene Existenz aufkommen, vielleicht auch noch für jene sorgen würde, die ihm ganz persönlich am Herzen liegen und ansonsten seinen Nachbarn das nicht neiden, was diese vielleicht sogar unverdient erreichen.

Man muss überhaupt nicht versuchen, die Welt insgesamt zu retten, es reicht bereits völlig aus, wenn man es schafft, sich selbst zu retten. Und sollte jemand die Kapazitäten haben, um weit mehr zu erreichen, dann wäre es bereits völlig ausreichend, wenn er dabei seinen Nachbarn nicht auf die Füße tritt.

Die Welt ist so schön und so einfach zu handhaben, wenn es nur uns Menschen nicht gäbe! Dies sollte uns allen ein wenig zu denken geben — gerade vor Weihnachten.

„There is no liberal world order anymore, and the aspiration to create one no longer seems real.“

Anne Applebaum (2024: 175)

Mütze

28.10.02024 5 (9)

Beitragsfoto: Harris Walz-Mütze

Vermischtes

Gestern konnten meine bessere Hälfte und ich wieder einmal das Tanzbein schwingen. Sehr erfreulich dabei, dass wir ein paar weitere Tänzer für den Europa-Ball im Mai gewinnen konnten. Heute früh waren wir dann erneut mit dem meseno-Bus unterwegs, was dieses Mal etwas länger dauerte.

Erfreulich auch, dass mir Detlef Stern Trost spendet; was die heutigen Studenten angeht, ist er viel abgehärteter als ich. Und so sind meine Vorbereitungen für Dienstag fast abgeschlossen — gegen Abend gucke ich nochmals in die Hochschul-E-Mail, nur um sicherzustellen, dass mir keine neuen Versuche der Seminaristen entgangen sind.

So ganz nebenbei laufen auch die Vorbereitungen für die 71. Kreisversammlung der EUROPA-UNION an. Bei der Raumwahl gehe ich inzwischen davon aus, dass sich die Anmeldungen in Grenzen halten werden. So langsam kann ich mich immer mehr mit der Verhaltensweise von Captain Renault (Claude Rains) anfreunden: „Round up the usual suspects!“

Volksbegehren

Stellen Sie sich vor, es gibt bei uns ein Volksbegehren und kaum einer weiß davon!

Heute leisteten meine bessere Hälfte und ich unsere Unterschrift unter das Volksbegehren zur Verkleinerung des Landtages, was letztendlich, wenn es einmal tatsächlich umgesetzt werden wird, nur dafür sorgen kann, dass unser Landtag nicht ebenfalls zu einem „Monsterparlament“ ausgebaut, das uns zudem sehr teuer zu stehen kommen wird.

Als wir unsere Unterschriften leisteten, wobei ich zugeben muss, dass das Ganze in Heilbronn sehr professionell, wenn auch nicht sehr demokratisch — was auch nicht verwundert, wenn man weiterhin von einem Nazi beim Betreten des Rathauses begrüßt — abgewickelt wird, waren wir mit die ersten Unterschriftenleister. Wer hier als Bürger seiner Unterschrift verweigert, der soll sich später über weitere Steuererhöhungen oder einen handlungsunfähigen Landtag nicht beklagen!

Wer seine Stimme abgeben möchte, der kann dies ganz einfach im Zimmer 167 (Bürgeramt, Wahlen, Zentrale Dienste) bei Herrn Frey im Heilbronner Rathaus machen; übrigens, ein sehr freundlicher und zuvorkommender städtischer Mitarbeiter. Die Stimmabgabe ist zu den allgemeinen Öffnungszeiten möglich. Montags bis donnerstags von 14.00 bis 16.00 Uhr, sowie montags von 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr und dienstags bis freitags von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr.

An den Öffnungszeiten wird es sicherlich nicht liegen, wenn wir Bürger bis zum 10. Dezember 2024 unsere Stimme nicht abgegeben haben. Eher schon an der Tatsache, dass die meisten Kommunen, so wie Heilbronn, ihre Bürger kaum bis gar nicht über die Möglichkeit einer Stimmabgabe informieren — und dies ist ein großer Mangel zumindest am eigenen Demokratieverständnis.

Lustig ist es dabei, dass gerade jene Bürger, denen solche Volksbegehren völlig am ….. vorbeigehen, bei jeder Gelegenheit nach direkter Demokratie schreien.

Wochenstart

Was für ein Wochenstart! Ursula Gries hat es geschafft mir noch vor Wahlkampfende eine Harris-Walz-Mütze zu besorgen, einschließlich einer Spende an die US-Demokraten für den wichtigsten Wahlkampf der letzten Jahre. Und ganz im Gegensatz zu den Trump Merchandise ist diese Mütze nicht in China, sondern in den USA hergestellt worden.

Hans Müller hat mit seinem vierten Teil „einer amerikanischen Tragödie“ die letzten Wahlkampfwochen zusammengefasst. Diese Arbeit finden sie zusammen mit den ersten drei Teilen im Forum. Ich verfolge den US-Wahlkampf ebenfalls und bin erstaunt darüber, wie viele Teilnehmer Kamala Harris zu ihren Wahlkampfauftritten gewinnen kann; es sollen bis zu 30 000 Anhänger sein, die keine Kosten und Mühen scheuen, um ihre Unterstützung für die beiden demokratischen Kandidaten zu zeigen. Erschreckend, wie auch Donald Trump weiterhin Massen an bösartigen Menschen versammeln kann, jüngst im Madison Square Garden, wo sich der politische Abschaum und dazu auch noch zusammen mit Elon Musk zu einer Gedächtnisveranstaltung für die „Nazi rally at Madison Square Garden“ (20. Februar 1939) traf.

Und so war es auch nicht erstaunlich, dass die Vorredner von Donald Trump und Elon Musk gegen „Untermenschen“ hetzten und ihre politischen Gegner abschlachten („to slaughter“) wollen — auf alle Fälle johlte das Publikum wie bereits 1939 aus vollem Herzen. Damals waren es mehr als 20 000 selbst ernannte Arier. Wie viele es am Sonntag waren, kann ich nicht sagen. Nach Donald Trump bestimmt Hunderttausende, was auch nötig ist, da er am Wahltag die Stimmen von mindestens 100 Millionen echten US-Amerikanern haben möchte — der Rest wird danach einfach abgeschlachtet; und wenn dem US-Militär die Munition ausgeht, gibt es bestimmt willige deutsche Chemiefirmen, die gerne unterstützen.

Spannender ist es nur noch, zu welchen Preisen die Firmen beim GOP-Wahlkampf ihre Produkte anbieten — meist Sonderangebote zu 14,88 $ (Beispiel: rein weißes Kissen-Set). Und das bedeutet tatsächlich nicht anderes als „14“ für die 14 Wörter der Neonazis: „We must secure the existence of our people and a future for white children.“ sowie die bei uns bereits hinlänglich bekannte „88“: „Heil Hitler!“ — und wer jetzt glaubt, das wäre reiner Zufall, der wird bestimmt auch noch eine Tesla-Sonderedition zu 14,88 Euro angeboten bekommen, wahlweise mit Hakenkreuz oder Sowjetstern im Kühlergrill. Dafür hat Elon Musk extra eine Fabrik in Grünheide erstellen lassen. VW hat dies bereits erkannt und weicht bereitwillig dem neuen „Volkswagen“ durch Schließung der ersten seiner Werke in Deutschland.

Der Wochenstart verlief dennoch weiterhin sehr erfolgversprechend, denn Dan Schaffer schickte eines seiner Ohio State University Marching Band-Videos. Wenn man dort genau hinschaut, dann kann man erneut feststellen, dass weder Donald Trump noch Kamala Harris solche Massen motivieren können wie es bereits mittlere Sportveranstaltungen ohne großen Aufwand hinbekommen. Leider ist der Durchschnittsbürger einfach kein Zoon Politikon und für politische Veranstaltungen schwer zu motivieren — Bücher- und Hexenverbrennungen einmal ausgenommen.

Das bedeutet für uns mündige Bürger, dass wir es schaffen müssen, einfach alle unsere Mitbürger zur Wahlurne zu bekommen, vor allem jene, die einfach keine Anti-Demokraten sein wollen. Und so bleibt bis zum 5. November 2024 zu hoffen, dass erneut alle US-Idioten weiterhin wie bereits 1939 auch im Madison Square Garden unterkommen.

Und selbst hierzu habe ich ein passendes Gedicht gefunden, nämlich eines von Charles Bukowski, den ich seit es Donald Trump als Politiker gibt, immer mehr schätze.

Democracy (2008: 216)

the problem, of course, isn’t the Democratic System,
it’s the
living parts which make up the Democratic System.
the next person you pass on the street,
multiply
him or
her by
3 or 4 or 40 million
and you will know
immediately
why things remain non-functional
for most of
us.

I wish I had a cure for the chess pieces
we call Humanity …

we’ve undergone any number of political
cures

and we all remain
foolish enough to hope
that the one on the way
NOW
will cure almost
everything.

fellow citizens,
the problem never was the Democratic
System, the problem is

you.

„Keiner irrt nur für sich, sondern gibt zugleich Grund und Veranlassung zum Irrtum anderer.“

Seneca, vom glückseligen Leben (2019: 12)

Akten

30.9.02024 4.5 (8)

Beitragsfoto: Akten | © Mariann Szőke from Pixabay

Vermischtes

Erfreulich, dass ein Heilbronner Rechtsanwalt einen Neonazi nicht in seiner Kanzlei Sickenberger Rehmet Frauenknecht haben möchte.

Weniger erfreulich, dass sich der Gemeinderat — nur weil es wieder einmal Fördertöpfe abzugreifen gilt — an einer „Partnerschaft für Demokratie“ festhält, die dann auch noch mindestens eine volle Arbeitskraft im Rathaus bindet, frei nach dem Motto: „wir machen alles außer Verwaltung“, aber weiterhin ein Nazi-Porträt im Rathaus duldet.

Und so warte ich darauf, dass die Bundesregierung endlich einmal ein Förderprogramm schafft, das Länder und Kommunen dafür subventioniert, wenn sie Nazi- und SED-Devotionalien aus dem öffentlichen Raum insbesondere den Rathäusern entfernen — nach fast 80 bzw. 40 Jahren wäre es so langsam an der Zeit.

Österreich

Die Großdeutschen haben gewählt und ihre FPÖ zur stärksten Kraft gemacht. Diese warb mit der Festung Österreich, auf die schon Adolf Hitler und Heinrich Himmler allerdings nur zum Schluss ihrer eigenen Herrschaft vergeblich gebaut haben. Auch die „Remigration“ will die FPÖ nun durchsetzen. Da bin ich einmal gespannt, wie sie ihre Landsleute aus Deutschland wieder „heim ins Reich“ holt — eine „Kleinstdeutsche Lösung“ sozusagen.

Ob die bayerische Grenzpolizei österreichische Greifertrupps einreisen lässt oder diese Aufgabe in einem guten bilateralen Verhältnis gleich mit erledigt? — könnte man in Bayern dann doch unter erfolgreiche Abschiebungen verbuchen.

Der FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz wird wie folgt zitiert: „Die Österreicherinnen und Österreicher haben heute Geschichte geschrieben.“ Ich übersetze das Ganze für meine Leser nun auch noch auf Deutsch: „Die Österreicher haben heute auf die Geschichte geschissen.“ — ein weiterer „Vogelschiss“ sozusagen.

Schimpfen wir aber nicht gleich wieder auf die Össis, denn auch wir haben solche Exemplare — die Ossis. Besser wäre es, wenn man nach Erklärungen sucht. Und so könnte es durchaus sein, dass die ganze Misere auf einem reinen Missverständnis beruht. Als die ersten Christen mit der Aufforderung: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22:37-39) die Welt veränderten, kannten sie wohl noch nicht jene Volksstämme, die im reinen Selbsthass zerfließen.

Und so folgen noch heute viel zu viele Mitmenschen aus voller Überzeugung diesem zweiten Gebot Jesus’ — sie hassen alles genau so wie sich selbst!

Langes Wochenende

Mancher Blogger hat lange Wochen, ich hatte ein langes Wochenende. Dieses begann mit einem verpassten Käffchen, das ich sehr gerne freitags zusammen mit Detlef Stern einnehme, da ich es einfach nicht hinbekam, um mir ein zwei Stunden frei zu schaufeln. Inzwischen aber habe ich das mit dem Krankenhaus hin und her ganz gut im Griff, und auch sonst hat sich mein üblicher Tagesablauf gewaltig geändert.

Freitagabend gelang es mir dann wenigstens am Europakegeln teilzunehmen, wobei ich dieses nutzte, um ein paar notwendige Absprachen zu treffen. Dafür musste ich aber die eine oder andere liebgewonnene Tanzstunde und das Schwimmen fallen lassen. Der Samstag war weiteren Besprechungen vorbehalten, die ich gut zwischen den Krankenhausfahrten erledigen konnte. Erfreulich, dass wir den Europa-Ball 2025 nun in trockenen Tüchern haben und auch die 9. Hertensteiner Gespräche schon ganz gut anlaufen.

Und irgendwie konnte ich noch eine Spendenfahrt mit dem meseno-Bus dazwischenschieben, dieses Mal waren statt Lebensmittel Kleider- und Sachspenden abzuholen. Gleich heute früh sind dann wieder die Lebensmittel angesagt.

Der Sonntagmorgen diente dann den letzten Absprachen für die Straßburgfahrt kommende Woche. Ab Mittag war dann wieder Krankenhaus angesagt und neben den Vorbereitungen für meine Vorlesungen die Nacharbeit des liegengebliebenen Schriftverkehrs sowie statt tanzen dann doch noch ein monatliches Rundschreiben.

Aber auch Neues gab es, denn nachdem ich mich gerade damit abgefunden hatte, dass ich bald Großonkel sein werde, was wieder einmal den normalen Lauf des Lebens bestätigt: „einer geht und einer kommt“, musste ich nun zur Kenntnis nehmen, dass ich nicht nur Vater, sondern bald auch noch Schwiegervater bin — wohl die „Warning Order“ für Opa.

Da meine Tage auch nur 24 Stunden haben und ich gerne mal wieder ein freies Wochenende hätte, muss ich demnächst gucken, wo ich mich ein wenig „befreien“ kann — einen meiner zwei Vereinsvorsitze werde ich im Oktober auf alle Fälle abgeben müssen.

Und so bleibt es weiterhin spannend und schon jetzt bin ich etwas neugierig darauf, ob nur ich mich auf Dienstag vorbereitet habe oder auch der eine oder andere Student daran glaubt, dass man vorbereitet besser durchs Leben kommt. Gut dabei zu wissen, was Freitag nicht möglich war, wird nun am Dienstag möglich sein, nämlich ein Käffchen zusammen mit Detlef Stern.

„There is no question of ever accepting Nazi representatives in the Austrian cabinet. An absolute abyss separates Austria from Nazism. We do not like arbitrary power, we want law to rule our freedom. We reject uniformity and centralization. … Christendom is anchored in our very soil, and we know but one God: and that is not the State, or the Nation, or that elusive thing, Race. Our children are God’s children, not to be abused by the State. We abhor terror; Austria has always been a humanitarian state. As a people, we are tolerant by predisposition. Any change now, in our “status quo”, could only be for the worse.“

Kurt Schuschnigg, London Morning Telegraph (5.1.1938)