Untergang

19.12.02023 4.9 (8)

Beitragsfoto: Untergang | © Gerd Altmann auf Pixabay

Vier Kerzen

Zum Abschluss des Beitrags noch ein Gedicht von Elli Michler, welches uns allen wieder etwas mehr Hoffnung und Zuversicht geben soll und zudem unseren Volksvertretern einmal Mut, um auch das Richtige, zumindest aber das Notwendige zu tun. Auch wenn diese danach selbst nicht mehr gewählt werden sollten, hilft es uns allen und stärkt zudem auch noch unsere Demokratie. Bloß Versprechen können andere, nämlich die Totalitaristen, sehr viel besser.

Vier Kerzen

Eine Kerze für den Frieden, die wir brauchen,
weil der Streit nicht ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten
eine Kerze für den Mut.

Eine Kerze für die Hoffnung
gegen Angst und Herzensnot,
wenn Verzagtsein unsren Glauben
heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe
als die wichtigste der Welt:
eine Kerze für die Liebe,
voller Demut aufgestellt,

dass ihr Leuchten den Verirrten
für den Rückweg ja nicht fehlt,
weil am Ende nur die Liebe
für den Menschen wirklich zählt.

Elli Michler

Aus: Ich wünsche dir Zeit – Die schönsten Gedichte von Elli Michler 
© Don Bosco Medien, München

Nachtrag 21.12.2023

Irrtümlich hatte ich dieses wunderschöne Gedicht Rainer Maria Rilke zugeschrieben. Heute wurde ich von Barbara Michler darauf aufmerksam gemacht, dass es tatsächlich von Elli Michler stammt. Es ist weiterhin in ihrem Gedichtband „Ich wünsche dir Zeit – Die schönsten Gedichte“ von Elli Michler zu finden.

Wer nun aber etwas neugieriger geworden ist, der findet es auch auf dem Weblog „Maries Augenblicke“ und zwar bereits in einem Beitrag vom 17. Dezember 2007 [Blog nicht mehr erreichbar].

Und damit meine Leser das Gedicht gleich auch auf dem Blog hier lesen können, hat mir Barbara Michler nach Rücksprache mit dem Verlag nun auch die Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt.

Verschiedenes

Während die CDU in Pirna einem AfD-Mann mit zur Wahl verhilft, nur damit ein qualifizierter Freier Wähler nicht zum Zuge kommt, verhindert die CDU in Baden-Württemberg still und heimlich ein Volksbegehren und stellt damit sicher, dass der Landtag künftig mit zu den größten Parlamenten der Welt gehört — das Eigeninteresse vor dem Gemeinwohl wird weiterhin als höchstes Parteiziel hochgehalten!

In Heilbronn wird derweil die Mähr von den guten Nazis hochgehalten. Wenn ein 17-jähriger SS-Mann für sein Land gefallen ist, dann ist er ein böser Nazi und selbst sein Grab ist nicht mehr vor uns sicher. Wenn aber ein SS-Mann schlauer war und zu seinem eigenen Vorteil getrickst, getäuscht und gelogen hat, dann ist es ein guter Nazi — ein ehrbarer Bürger, dem wir mit Bildern, Denkmälern oder Straßennamen bis in alle Ewigkeit gedenken.

Quittung

So langsam, aber sicher bekommen wir alle die Quittung dafür, dass wir Deutschland spätestens beginnend mit Helmut Kohl heruntergewirtschaftet haben. Und um die ganze Misere noch weiter zu vergrößern, haben wir zeitgleich die Transferzahlungen ins Unermessliche gesteigert. Dazu haben wir für uns ein ganz eigenes System entwickelt: je mehr Geld ein Bürger bereits besitzt, umso mehr Transferzahlungen kann er erhalten (z. B. für Luxuswagen oder Eigenheime).

Einzig und alleine der sogenannte Mittelstand, weil weder im Focus der SPD noch der Unionsparteien, der FDP oder der Grünen, wurde übermäßig geschröpft, damit man den Zerfall unseres Landes so lange wie möglich weiter hinauszögern konnte. Aber jetzt, da eine globale Herausforderung nach der anderen auch unser Land erreicht und wir auf überhaupt nichts vorbereitet sind, fällt diese „Nach-mir-die-Sintflut-Politik“ in sich zusammen.

Keine Partei — und schon gar nicht die antidemokratischen (!) — sind noch in der Lage, gegenzusteuern und unser Land so langsam, aber sicher wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen. Die Union, die eindeutig am ganzen Schlamassel die Hauptschuld trägt, entzieht sich weiterhin ihrer Verantwortung (ganz aktuell das Interview mit Markus Söder in Berlin direkt) und macht das Ganze durch rein populistische Politik à la AfD und Linke nur noch schlimmer.

Die Regierungsparteien weigern sich weiterhin an den Transferzahlungen zu rütteln oder ziehen entsprechende Versuche sehr schnell wieder zurück — vielleicht mit Ausnahme bei jenen, die den ärmsten Bürgern helfen — und versuchen dafür nun durch versteckte Steuererhöhungen, weitere Schulden und ganz neue Abgaben den Transferstaat doch noch eine ganze Weile am Leben zu erhalten, nur um ja nicht beim Wähler in Ungnade zu fallen!

Alleine dem Zerfall geschuldet, müssen wenigstens absolut nicht vermeidbaren Reparaturen tatsächlich angegangen werden, alles andere wird auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben, wobei die Verteidigungsfähigkeit weiterhin zurückgefahren wird, weil wir Bürger fast alle daran glauben, dass uns notfalls die US-Amerikaner als Flüchtlinge aufnehmen werden oder gar bereits auf die Sowjets warten.

Mancher Bürger fragt sich schon, was schneller kommen könnte, eine deutsche Diktatur oder die Besetzung unseres Landes durch die Russen? Aber so lange russische Panzer nicht die Oder überqueren oder Deutschland gleichgeschaltet wird, weigern wir uns an solche Szenarien überhaupt zu denken.

Wie bereits geschrieben, so lange sich die meisten von uns sicher wähnen, dass es bis zum eigenen Ableben reicht, wird Deutschland weiterhin mit Schwung an die Wand gefahren.


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (4)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Politische Hinhaltetaktiken und Diskussionen über noch nicht vorhandene Grundsatzprogramme, die bei uns nur in einem enden, nämlich, dass die Renten weiterhin sicher seien, lässt mich zwar immer noch nicht verzweifeln, dafür aber nach passenden Gedichten Ausschau halten.

Irgend einer schlauer Mitmensch hat einmal gesagt, dass wer philosophiert, mit dem Zustand der Welt nicht zufrieden sei, was eindeutig viel besser ist als Molotowcocktails und Steine zu werfen, die Bahn durch Streiks zu sabotieren oder einfach nur als Verwaltungsmitarbeiter die kleinen Leute zu schikanieren.

Mein heutiger Gedichtefund stammt von Albrecht Haushofer, der 1945 von seinen Mitbürgern hinterrücks ermordet wurde. Sein Gedicht der Untergang gehört zu den Moabitern Sonetten, die er nach seiner Verhaftung 1944 im Gefängnis schrieb.

Der Untergang (XLVI)

Wie hört man leicht von fremden Untergängen,
Wie trägt man schwer des eignen Volkes Fall!
Vom Fremden ists ein ferner Widerhall,
Im Eignen ists ein lautes Todesdrängen.

Ein Todesdrängen, aus dem Hass geboren,
In Rachetrotz und Übermut gezeugt —
Nun wird vertilgt, gebrochen und gebeugt,
Und auch das Beste geht im Sturz verloren.

Dass dieses Volk die Siege nicht ertrug —
Die Mühlen Gottes haben schnell gemahlen,
Wie furchtbar muss es nun den Rausch bezahlen.

Es war so hart, als es die andern schlug,
So taub für seiner Opfer Todesklagen —
Wie mag es nun das Opfer-Sein ertragen …

Albrecht Haushofer

Wir werden derweil weiterhin verdrängen und vergessen, uns für unsere vermeintliche Größe, Fleiß, Intelligenz und Erfolge gegenseitig auf die Schenkel klopfen und dies so lange bis die ersten russischen Panzer im Heilbronner Osten auftauchen — danach begrüßen wir sie als Befreier und verdrängen und vergessen einfach weiter …


Lesezeichen

Schlaf 4.6 (5)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Carl Zimmer | The New York Times

Penguins Take Thousands of Naps Every Day — The birds’ impressive ability to nod off may be an adaptation to an environment of constant interruptions. (zuletzt aufgerufen am 5.12.2023, 9.07 Uhr; meine Leser können den Beitrag übrigens kostenfrei lesen)

Dr. Vladyslav Vyazovskiy: “You’re basically spending your life asleep, and you just wake up when it’s needed.”


Bisher blickte ich voller Neid auf Höhlenbären oder Murmeltiere. Nun weiß ich, dass es die große braune Fledermaus ist, die man beneiden sollte.

Die US-amerikanische Heavy Metal-Band Avenged Sevenfold brachte jüngst ihr achtes Album heraus, das den Titel „Life Is But a Dream…“ trägt.

Was mich unweigerlich an Lewis Carroll denken lässt.

Life is but a Dream

A boat, beneath a sunny sky
Lingering onward dreamily
In an evening of July

Children three that nestle near,
Eager eye and willing ear,
Pleased a simple tale to hear

Long has paled that sunny sky;
Echoes fade and memories die;
Autumn frosts have slain July.

Still she haunts me, phantomwise,
Alice moving under skies
Never seen by waking eyes.

Children yet, the tale to hear,
Eager eye and willing ear,
Lovingly shall nestle near.

In a Wonderland they lie,
Dreaming as the days go by,
Dreaming as the summers die;

Ever drifting down the stream
Lingering in the golden gleam
Life, what is it but a dream?

Lewis Carroll

Mancher Leser mag denken, schon wieder ein Gedicht, aber das sind einfach gerade jene Texte, die bei einem hängen bleiben; bei mir reichen die Kapazitäten allerdings für Epen nicht aus — was meine Leser wiederum erfreuen dürfte.

Bevor ich nun auch noch noch auf Edgar Alan Poes „A Dream Within a Dream“ zu sprechen komme, empfehle ich einfach obigen New York Times Artikel zur Lektüre.